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Historische Glasmalerei

Zerbrechliches Erbe

Seit Jahrhunderten prägen Glasmalereien mit ihrem unvergleichlichen Lichtspiel Kirchenräume, sind fragile Kostbarkeiten und Sinnbild himmlischer Sphären. Sie für die Zukunft zu bewahren, ist eine große denkmalpflegerische Herausforderung.

Brilliant erstrahlen die Farben im Morgenlicht. Wie Mosaike aus Edelsteinen leuchten die gotischen Chorfenster des Stendaler Doms in das Dunkle der Kirche. Als Wolken vor die Sonne ziehen, verblassen die Farben. Dann gewinnen sie aber noch einmal an Intensität und Tiefe, bevor die Sonne weiterwandert und ihre Strahlen die Glasbilder des Querhauses und Seitenschiffs durchdringen. Durch den Wechsel des Tageslichts scheinen Glasmalereien ein Eigenleben zu führen. Mit ihrem Leuchten tauchen sie die Gotteshäuser seit dem Mittelalter in eine transzendente Atmosphäre. Bis heute fühlen sich die Menschen durch dieses Lichtspiel dem Hier und Jetzt entrückt, sind fasziniert von der Schönheit dieser bis ins Detail so ästhetisch ansprechenden alten Kunst.


Zerstört und bedroht


Wie überwältigend muss die Wirkung erst auf die Menschen vor 1.000 Jahren gewesen sein, als es eine solche Farbigkeit nur in der Natur oder am Hof gab. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass die Chorfenster aller wichtigen mittelalterlichen Kirchen mit Glasmalereien ausgestattet waren. Erhalten hat sich jedoch nur ein geringer Teil der zerbrechlichen Kunstwerke. Kriege, wechselnder Zeitgeschmack und zuletzt erhebliche Umweltbelastungen führten zu Zerstörungen früher Zeugnisse sowie bedeutender Schöpfungen auch aus dem 19. und 20. Jahrhundert. „Ohne Sicherung und Konservierung drohen heute weitere wertvolle Bestände verloren zu gehen“, sagt Annette Liebeskind, Leiterin der Abteilung Denkmalförderung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). 

Chorfenster im Stendaler Dom aus der Zeit um 1420/1435. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Restaurierung, ihre treuhänderische Dom St. Nikolaus/Stendal-Stiftung­ unterstützt die regelmäßige Wartung.
© Claus Boeckh
Chorfenster im Stendaler Dom aus der Zeit um 1420/1435. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte die Restaurierung, ihre treuhänderische Dom St. Nikolaus/Stendal-Stiftung­ unterstützt die regelmäßige Wartung.

Das Hauptproblem: Eingebunden in die Architektur – in oft luftiger Höhe – sind sie ständig der Witterung ausgesetzt. Seit vielen Jahren hilft die DSD dabei, diese fragilen Kulturzeugnisse zu restaurieren. „Jede Zeit hat ihre besondere Form und Ausprägung der Glasmalerei“, erklärt Liebeskind, diplomierte Architektin und Kunstglasergesellin. „Die Bandbreite möchten wir durch Förderung hochrangiger Werke bewahren. Das Spektrum reicht von spätromanischen Bleiverglasungen über gotische Rosenfenster, Kabinettscheiben in kleinen Dorfkirchen, historistische Fensterprogramme bis hin zu Inkunabeln der Moderne – wie Glasarbeiten von Georg Meistermann.“


Kunstwerk, Wandscheibe, Bilderbuch


Bei Glasmalereien steht aber nicht allein das sinnliche Erlebnis im Fokus. Als Bildfenster haben sie viele andere, mitunter ganz praktische Funktionen. Vor allem sind sie Bestandteile der Architektur, dienen als Lichtquelle und grenzen den Kirchenraum als transparente Wandscheiben nach außen ab. „Ihre vielschichtigen Aufgaben machen die Erhaltung historischer Glasmalereien sehr kompliziert“, sagt Dr. Ivo Rauch, Experte auf dem Gebiet der Glasmalereirestaurierung. 


„Im Unterschied zu vergleichbar kostbaren Tafelgemälden, die in ein klimakontrolliertes Umfeld gebracht werden können, lassen sich Glasmalereien nicht von ihrem Standort entfernen.“ Auch aufgrund ihrer inhaltlichen Funktion nicht. Mit einem oft umfangreichen Bilderschatz sind sie Teil des theologischen Programms der Gotteshäuser: Monumentale Christusdarstellungen, Heiligenfiguren, Namenspatrone oder biblische Szenen in den großen Fenstern gehören genauso zur Ausstattung wie die steinernen Skulpturen an Portalen oder Chorpfeilern.

Überlebensgroß und eine der ältesten erhaltenen Glasmalereien in Deutschland: Prophet Daniel, um 1125/1150, Ausschnitt aus dem Langhausfenster des Augsburger Doms.
© CVMA Freiburg / Andrea Gössel
Überlebensgroß und eine der ältesten erhaltenen Glasmalereien in Deutschland: Prophet Daniel, um 1125/1150, Ausschnitt aus dem Langhausfenster des Augsburger Doms.
Geburtsszene, um 1300, aus dem Steinhövelfenster in der Stadtkirche Sankt Dionys in Esslingen.
© CVMA Freiburg / Andrea Gössel
Geburtsszene, um 1300, aus dem Steinhövelfenster in der Stadtkirche Sankt Dionys in Esslingen.
 


Beeindruckendes Beispiel für ein bis heute erhaltenes, umfassendes Bildprogramm in Glasfenstern ist die Kirche Sankt Dionys in Esslingen. Wie im Freiburger Münster ist hier im Chor ein großer Bestand an Kirchenfenstern aus der Zeit um 1300 erhalten – ein Bestand, der auch mithilfe der DSD restauriert wurde. In vier vertikalen Bahnen reihen sich schmuckvolle Medaillons mit szenischen Darstellungen aus dem Neuen und Alten Testament aneinander, erzählen den Gläubigen gleich riesigen Bilderbüchern vom Alten und Neuen Bund Gottes mit den Menschen. 


Das Himmlische im Irdischen


Damals wie heute waren die Menschen fasziniert von dem Wunder der strahlenden Malereien. Im Mittelalter hielt man das Licht nicht nur für ein Phänomen der Natur, sondern war von dessen göttlichem Ursprung überzeugt. Durch ihr Leuchten machten die Fenster das Himmlische im Irdischen sichtbar: Nach damaligem Verständnis ging Gott mit dem Licht auf die heiligen Gestalten der Glasbilder über und war dadurch im Gotteshaus gegenwärtig. 


So beschreibt es auch Abt Suger in seiner Schrift „De administratione“ um 1145. Er stattete seine ein Jahr zuvor geweihte, für die Entwicklung der Gotik so zentrale Abteikirche Saint-Denis bei Paris mit „neuen, vielfarbig strahlenden“ Fenstern aus, damit sie den Betrachter „vom Materiellen zum Immateriellen hintreiben“. Zudem verwiesen die Kirchen mit ihren wie Edelsteine funkelnden Glasmosaiken auf das Sinnbild des himmlischen Jerusalem, das man sich nach der Offenbarung des Johannes von der „Herrlichkeit Gottes erleuchtet“ vorstellte.

Die Heiligenfiguren im Hauptchor der Soester Kirche Sankt Maria zur Wiese gehören zum umfangreichen Bildprogramm der lichtdurchfluteten Hallenkirche. Entstanden sind sie nach 1313.
© Westf. Dombauhütte St. Maria zur Wiese Soest, Prigl und Bunz
Die Heiligenfiguren im Hauptchor der Soester Kirche Sankt Maria zur Wiese gehören zum umfangreichen Bildprogramm der lichtdurchfluteten Hallenkirche. Entstanden sind sie nach 1313.

Malen mit Glas – Malen auf Glas


Um solch großartige Glaskunst zu schaffen, hat sich seit den Anfängen bis heute kaum etwas an der Herstellung von Glasmalereien geändert. Die Bilder bauen sich aus drei Komponenten auf: aus der Glasscherbe als Träger der Farbe, aus dem Bleinetz, dessen Stege die Gläser zu einem Gefüge verbinden und dessen schwarze Linien der Malerei auch Konturen geben, und aus den Bemalungen. Vorwiegend wurde dafür das sogenannte Schwarzlot genutzt, ein gefärbtes Glaspulver, das bei einer Temperatur von rund 600 Grad auf die transparente Scherbe gebrannt wird.


Geändert hat sich allerdings in der Geschichte der Glasmalerei immer wieder das Verhältnis der Komponenten zueinander: Im Mittelalter malte man in erster Linie mehr mit Glas als auf Glas, indem die Glasstücke in Art eines Mosaiks zusammengesetzt wurden. Dort, wo Glas und Bleilinien zur Darstellung der gewünschten Komposition nicht mehr ausreichten, ergänzten die Künstler das Bild im Laufe der Zeit um immer raffiniertere zusätzliche Farbaufträge, um Ätz- und Radiertechniken. Besonders kunstvoll wurde diese Form der Glasmalerei im 19. Jahrhundert umgesetzt.


Fragile Kunst seit über 1.000 Jahren


Zurück zu den Anfängen: Erste Fragmente von Fenstern mit Glasmalereien sind in Deutschland seit karolingischer Zeit überliefert. Die Ursprünge aber liegen im Dunkeln, lediglich Vorstufen finden sich im Altertum. Hierzulande stammen die ältesten am Ursprungsort erhaltenen Zeugnisse aus dem frühen 12. Jahrhundert. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang die Prophetenfenster im Augsburger Dom. 

Eine besondere Blüte erfuhr die Farbverglasung in der Epoche der Gotik. Im Streben nach mehr Licht und Leichtigkeit traten an die Stelle der kompakten Mauern durchscheinende Glaswände. Fensterrosen, riesige Glasflächen mit gemauertem Maßwerk, täuschen eine Schwerelosigkeit vor, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. „Bei dieser Fülle an Glasmalerei erstaunt es nicht, dass die Verglasung der gotischen Kathedrale etwa genauso teuer war wie der Bau der übrigen Architektur“, sagt Dr. Ivo Rauch. „Allein das Glas als Material war sehr kostspielig, weil seine Herstellung so aufwendig war.“

Detail aus dem Volckamer-Fenster in der Nürnberger Kirche Sankt Lorenz. Die Glasmalerei ist ein Importwerk der berühmten Straßburger Werkstattgemeinschaft von 1480/1481.
© CVMA Freiburg / Andrea Gössel
Detail aus dem Volckamer-Fenster in der Nürnberger Kirche Sankt Lorenz. Die Glasmalerei ist ein Importwerk der berühmten Straßburger Werkstattgemeinschaft von 1480/1481.

Ein Beispiel größter Kostbarkeit und Höhepunkt spätgotischer Glasmalerei bildet das beinahe acht Meter hohe Volckamer-Fenster von 1480/1481 in der Nürnberger Lorenzkirche. Nach seiner Restaurierung ist die Arbeit der berühmten Straßburger Werkstattgemeinschaft in ihrer virtuosen Mal- und Radiertechnik seit Kurzem wieder an Ort und Stelle zu bestaunen. 


In der Renaissance und im Barock entstanden solche monumentalen Bildfenster nur noch äußerst selten. Sie entsprachen nicht dem barocken Geschmack und wurden deshalb vielerorts vernichtet und durch helle Rautengläser oder Butzenscheiben ersetzt. Begeisterung für die Glasmalerei kam erst wieder auf, als im 19. Jahrhundert die Gotik als nachahmenswerter Baustil wiederentdeckt wurde. In ganz Deutschland  wurden alte wie neue Kirchen umfangreich mit Farbverglasungen ausgestattet, vorhandene Fenster schöpferisch restauriert. Die Glasmalerei entwickelte sich zu einem blühenden Kunstgewerbe.


Rettung und Bergung


Unzählige dieser filigranen Kunstwerke wurden im Ersten Weltkrieg zerstört, zersplitterten und zerschmolzen unter den Bomben des Zweiten Weltkriegs. Der Großteil der mittelalterlichen Fenster war zwar seit Ende der 1940er Jahre ausgebaut worden. Doch unzählige Glasmalereien insbesondere des 19. Jahrhunderts wurden Opfer der Luftangriffe und auch der bilderstürmerischen Nachkriegsjahre.


Auf Schloss Türnich im Rheinland etwa war man davon ausgegangen, die Fenster der Schlosska­pelle bei einem Luftangriff verloren zu haben. Doch 50 Jahre nach Kriegsende entdeckte Marie-Thérèse Gräfin Hoensbroech in Kisten des Schlosskellers die Glasscherben und Bleifassungen. In mühseliger Kleinstarbeit konnten die historistischen Glasmalereien aus dem 19. Jahrhundert mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth wieder zusammengefügt werden. Nun zieren – einem Wunder gleich – die ornamentreichen Bildfenster wieder den prachtvoll ausgeschmückten Raum der Kapelle, die ein langjähriges Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz und ihrer treuhänderischen Stiftung Schlosskapelle Türnich ist.

Die späthistoristische Schlosskapelle in Türnich bei Kerpen: Zu ihrer hochkarätigen Ausstattung gehören die wiederhergestellten Farbfenster von etwa 1890.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die späthistoristische Schlosskapelle in Türnich bei Kerpen: Zu ihrer hochkarätigen Ausstattung gehören die wiederhergestellten Farbfenster von etwa 1890.


Alte und neue Herausforderungen


„Nach den europaweiten Bergungsaktionen während des Krieges mit begleitenden Fotokampagnen war man zu der Einsicht gelangt, die gefährdete Bildgattung Glasmalerei umfassend dokumentieren zu müssen“, sagt Dr. Uwe Gast vom Corpus Vitrearum Medii Aevi Deutschland. „So wurde 1952 dieses internationale wissenschaftliche Unternehmen gegründet, um den Gesamtbestand mittelalterlicher Glasmalerei weltweit wissenschaftlich zu erschließen und zu veröffentlichen.“ Ein digitales Bildarchiv – zugänglich für jedermann – mit Unmengen beeindruckender Fotos und Informationen  befindet sich derzeit im Aufbau.


Bis heute sind viele Schadensbilder gleich geblieben, wie sie sich bereits den rettenden Helfern in Kriegszeiten zeigten, als sie Glasscheibe für Glasscheibe aus den Kirchen bargen. Seit Jahrhunderten peitscht Regen gegen die Fenster, rüttelt der Wind an dem filigranen Gefüge. Im Sommer erhitzt die Sonne den Materialmix aus Glas, Metall und Stein, im Winter gefriert die Feuchtigkeit bisweilen an den Scheiben. Hinzu kommen seit der Industrialisierung die Gefahren der Luftverschmutzung. „Besonders der saure Regen wirkte sich katastrophal auf die Kunstwerke aus, weil damit zerstörerische Schwefelsäure auf die Oberfläche der Fenster gelangte“, sagt Dr. Ivo Rauch.


Davon besonders betroffen sind die mittelalterlichen Gläser, denn sie sind meist chemisch instabiler und damit weniger widerstandsfähig als diejenigen jüngeren Datums. Die Schwachstelle bei Glasmalereien des 19. Jahrhunderts besteht dagegen zumeist in den feinen und empfindlichen, weil oft mit zu niedrigen Temperaturen gebrannten Bemalungen (siehe Werkstattbericht). 

Glasmalerei als Thema zeitgenössischer Kunst: Einbau einer farbigen Scheibe von Günter Grohs am Halberstädter Dom.
© picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild
Glasmalerei als Thema zeitgenössischer Kunst: Einbau einer farbigen Scheibe von Günter Grohs am Halberstädter Dom.

Verstärkt wird die Gefährdung von Farbverglasungen durch den Klimawandel – mit der Zunahme extremer Wetterereignisse wie Sturm, Schlagregen und Hitzeperioden. „Wir müssen bei den denkmalpflegerischen Konzepten umdenken und der Gefährdung wirksame Maßnahmen entgegensetzen“, empfiehlt Rauch: „Intensive Wartungen sollten zunehmen, damit Schäden frühzeitig entdeckt werden. Schutzverglasungen können gegen  Hagel, Schlagregen, starke Sonnenein­strah­lung und Vandalismus helfen.“


Den Kunstwerken Schutz schenken


Immer wieder fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Anbringung spezieller schützender Gläser und hilft dabei, auf das Denkmal zugeschnittene Systeme zu entwickeln. „Die Schutzverglasung ist klimatisch eine hochkomplexe Fragestellung, die man sehr gewissenhaft angehen muss. Aber es ist überaus wichtig, gegen mögliche Schäden vorzugehen“, sagt Annette Liebeskind.


So zum Beispiel in Nürnberg: Schrittweise wurden in den vergangenen Jahren die Fenster der großen Kirchen Sankt Lorenz und Sankt Sebald, so auch das Volckamer-Fenster, restauriert und mit einer neuen Schutzverglasung versehen. Die DSD war daran durchgehend beteiligt und wurde in ihrer Förderung maßgeblich von der Bruckmayer-Stiftung unterstützt. „In den Nürnberger Kirchen wurden die Schutzscheiben auf höchstem technischen Niveau  hergestellt“, so Dr. Peter Schabe, Projektreferent der  DSD. „Die Schutzverglasung wurde dahingehend weiterentwickelt, dass man ihr bislang außen ästhetisch unbefriedigendes Erscheinungsbild durch mundgeblasenes Glas optimierte, das auf einem Verbundsicherheitsglas aufliegt. Zusätzlich verfügt sie über den wichtigen Filter gegen  Ultraviolettstrahlen, um nicht nur die filigranen Glasmalereien, sondern auch die wertvolle Kirchenausstattung vor Lichtschäden zu schützen.“

Wände ganz aus Glas und Beton – die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. In Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Gabriel Loire schuf Egon Eiermann das durchscheinende Wabenraster, 1959–61.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Wände ganz aus Glas und Beton – die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. In Zusammenarbeit mit dem Glaskünstler Gabriel Loire schuf Egon Eiermann das durchscheinende Wabenraster, 1959–61.

Neue Herausforderungen kommen auf die Denkmalpflege zu. Denn mittlerweile sind auch die Meisterwerke der modernen Glasmalerei in einem Alter, das sie restaurierungsbedürftig macht. Damit verbunden sind ganz neue Fragestellungen, die sich durch andersartige Formen der Kunstverglasung ergeben. Als Beispiel seien hier die monumentalen, eindrucksvollen Betonverglasungen genannt, wie etwa die der prominenten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin. 


Gleich, aus welcher Zeit die Kunstwerke stammen: Ihre Restaurierung bedeutet Millimeterarbeit – eine zeitintensive und kostspielige Rettung. Für diese steht – dank der vielen Förderer – auch die DSD ein. Denn künstlerisch gestaltete Fenster sind Zeugnisse höchster europäischer Handwerkskunst. Sie sind überlieferte Kulturgüter, an deren detailreicher, fragiler Herrlichkeit wir uns lange erfreuen möchten. Diese wertvollen Kulturgüter gilt es, auch für die Zukunft zu bewahren. Für die Rettung dieses künstlerischen Erbes sind noch große Anstrengungen zu unternehmen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz möchte dabei helfen und hofft auf Ihre Unterstützung!


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Die Restaurierung historischer Glasmalereien bedeutet Millimeterarbeit. Dabei sind die sakralen Kirchenfenster von oft monumentaler Größe.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die Restaurierung historischer Glasmalereien bedeutet Millimeterarbeit. Dabei sind die sakralen Kirchenfenster von oft monumentaler Größe.
 

Scheibenweise Arbeit – Zu Besuch bei einer Restaurierungs-Werkstatt für Glasmalerei

Dauerhafte Witterung und schädliche Umwelteinflüsse  haben den historistischen Glasmalereien aus der Amberger Kirche Sankt Martin stark zugesetzt. Seit 2016 wird der ­imposante Bestand mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert: 33 Fenster mit rund 935 Feldern aus der Zeit von 1852 bis 1896. MONUMENTE durfte einer ­Restauratorin bei der Arbeit über die Schulter schauen. 


Da liegt es, das Christuskind, auf dem Tisch, proper sieht es aus, mit seligem Blick. „Dann mache ich jetzt mal einen Reinigungsschnitt“, sagt Ronja Lammers und beugt sich über die Glasmalerei mit der Darstellung von Christi Geburt. Äußerst genau geht die Diplom-Restauratorin und Mitarbeiterin der Firma Glasmalerei Peters in Paderborn dabei vor. Sie befreit das Christuskind mit Wattestäbchen von Verschmutzungen. Es ist der Beginn eines diffizilen Restaurierungsprozesses. „Für jedes Fenster wird ein individuelles Konzept entwickelt“, erklärt Lammers. Mit genauem Blick untersucht sie das ihr vorliegende, 150 Jahre alte Fensterfeld nach Schäden und Eingriffen auf der Innen- wie Außenseite, im Streif- sowie im Auf- und Durchlicht. 


Millimeterarbeit ist gefragt


Mit ihrer Herangehensweise folgt sie dem Credo: Konservieren so viel, restaurieren so wenig wie möglich, denn „mit jedem optischen Eingriff riskiere ich eine Verfälschung des Originals.“ Und dieses ist eine kunsthistorische Kostbarkeit. Vom Leuchttisch bestrahlt erschließt sich aus nächster Nähe, wie fein die Glasmalereien gearbeitet sind. Geschaffen wurden sie unter anderem vom Miniaturmaler Eduard De Ron, vornehmlich aber von der Glasmalerei Schneider aus Regensburg. 

Besonders bei den Figuren und ihren Gesichtern wurde der Farbauftrag aufwendig angelegt.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Besonders bei den Figuren und ihren Gesichtern wurde der Farbauftrag aufwendig angelegt.
Die Arbeit erfordert viel Feingefühl. Restauratorin Ronja Lammers bei der Rekonstruktion eines Details.
© Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Die Arbeit erfordert viel Feingefühl. Restauratorin Ronja Lammers bei der Rekonstruktion eines Details.

Die Malerei, besonders die Figuren sind äußerst differenziert angelegt, mit bis zu acht Schichten verschiedener Schmelzfarben übereinander.



Aber genau diese feine Bemalung stellt im Laufe der Zeit auch die Schwachstelle der Amberger Fenster dar. An vielen stellen haben sich die Malereien vom Glas gelöst. Zur Festigung der millimeterkleinen Malschollen bringt die Restauratorin ein gelöstes Acrylat mit Pinsel ein, lässt es trocknen und legt die Schollen mit einem kleinen Heizspachtel nieder. „Ganz wichtig ist, dass alle Konservierungsmittel reversibel sind, um die Eingriffe im Sinne des Originals wieder rückgängig machen zu können“, sagt Lammers. Das gilt auch für das Verkleben der zahlreichen Glassprünge. 


Bis ins nächste Jahr wird die Restaurierung der Fenster samt ihrer Bleinetze mindestens noch dauern. Im Anschluss daran werden sie zusammen mit einer Schutzverglasung wieder an Sankt Martin angebracht. Dann können äußere Einflüsse wie Sonne, Wind und Regen dem Christuskind fürs Erste nichts mehr anhaben.

 

  

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1 Kommentare

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    Anna Luise Rath schrieb am 16.11.2022 10:02 Uhr

    Ein wunderbarer Artikel. Mein Vater vererbte mir 2 Porträts des Görlitzer Künstlers Walter Deckwarth. Auch er hat Kirchenfenster gemacht, u.a. Martin Luther. Ich bin immer wieder fasziniert von den Farben.
    Da ich keine Nachkommen habe, sind die beiden Portrais in ein Görlitzer Museum gekommen, damit sie der Nachwelt erhalten bleiben.

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