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Historische Gärten

Blick hinter die Kulissen

Historische Garten- und Parkanlagen sind Oasen der Erholung, eine Freude für Geist und Auge. Um diese lebendigen Gesamtkunstwerke aus gestalteter Natur und Architektur zu erhalten, sind Sachverstand, Gespür und viele pflegende Hände nötig. Bei der Denkmalpflege haben die Experten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen

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Der Weg führt durch einen Rundbogen, dahinter öffnet sich ein Raum. Er ist nicht eingefasst von Mauerwerk, sondern in barocker Symmetrie von einer regelmäßig durchbrochenen Hecke, die grazile Bäumchen mit kugelfömigen Kronen hinterfangen. In seiner Mitte liegt ein rechteckiges Wasserbecken, von dessen Rand drei Brunnenskulpturen – steinerne Fische mit Putti – in bezauberndem Bogen gleichmäßig Wasser plätschern lassen. Der Französische Garten von Schloss Altdöbern lässt ahnen, wie sehr Gartendenkmalpflege eine allumfassende Pflege ist – und wie die Herausforderungen wachsen, um diese Gartenschöpfungen aus allen Epochen zu bewahren.

Schlosspark Altdöbern: Der Französische Garten ist noch ein Teil der barocken Anlage.
Altdöbern, Schlosspark © Rainer Weisflog
Schlosspark Altdöbern: Der Französische Garten ist noch ein Teil der barocken Anlage.

Dies zeigt sich auch im Schlossgarten des Prinzenhauses in Plön. Seit 2007 ist die hübsche Parkanlage mit vielen alten Bäumen restauriert, sie muss jetzt „nur“ gepflegt werden. Die Lindenbäume der Allee stammen noch aus der Barockzeit des Adelssitzes. Einst waren sie in Form geschnitten, doch ab 1793 unterließ man dies im Geist des neuen Naturverständnisses. Vor wenigen Monaten wurden ihre Kronen fachgerecht von Gewicht entlastet und gesichert. „Es war eine aufwendige Baumpflegeaktion, aber es ist wunderbar, dass es die Linden bis heute gibt“, sagt Juliane Lehmphul (48), Landschaftsarchitektin bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.


Mutiges Herangehen zur Rettung


Eine Blutbuche bereitet Lehmphul jedoch weiterhin Sorge. Sie scheint ein Opfer des Klimawandels zu sein, der mit den Trockenperioden der letzten Jahre die Bäume schwächt und anfällig macht. Der rund 180 Jahre alte Baum ist vom Riesenporling, einem holzzerstörenden Pilz, befallen. Um die stattliche Buche in sicherem Stand zu halten, wird sie von Stahlstangen gestützt.

Baumfachleute treiben einen Erdanker für die Sicherung der Blutbuche in den Boden.
Plön, Schlossgarten Prinzenhaus © Dirk Schneider
Baumfachleute treiben einen Erdanker für die Sicherung der Blutbuche in den Boden.

Mit einem Motorhammer wurden sie tief im Erdboden verankert. Nun erhält der Baum über fünf Jahre eine Injektionstherapie, bei der er mit einem sogenannten Antagonisten – einem Nützlingspilz der Art Trichoderma harzianum – beimpft wird.    


Er soll den Riesenporling verdrängen, damit der Holzabbau geschwächt, bestenfalls gestoppt wird. „Das Impfverfahren ist neu und zugleich ein Forschungsprojekt“, sagt Lehmphul. Der Verlust von Bäumen ist schlimm, in historischen Parkanlagen sehr bitter. „Ein über Jahrhunderte gewachsener Baum lässt sich ebenso wenig ersetzen wie ein Jahrhunderte altes Bauwerk. Beides ist unwiederbringlich.“


Aber auch ohne diese besondere Problematik ist die Bewahrung historischer Grünanlagen anspruchsvoll. Es sind lebendige Denkmale, die beständig gedeihen und vergehen. Sie bergen Pflanzenschätze und alte Vegetationsformen, wie wir sie kaum noch kennen, weisen oftmals Kulissenarchitekturen und Skulpturen auf und künden als Gesamtkunstwerk vom Geist ihrer Schöpfer – die selbst nicht erlebten, wie ihre Ideen gereifte Gestalt annahmen.

Schlossgarten Plön: Geschickt lenkt die Baumgruppe den Blick auf das Prinzenhaus.
Plön, Schlossgarten Prinzenhaus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Schlossgarten Plön: Geschickt lenkt die Baumgruppe den Blick auf das Prinzenhaus.

Sachverstand und detektivisches Gespür


Wie historische Bauwerke weisen auch Gründenkmale Spuren der über sie hinweggegangenen Zeiten auf. „Deshalb halten die Denkmalbehörden die Eigentümer an, von ihren historischen Parkanlagen gut dokumentierte Pflegewerke zu erstellen. Darin ist festgehalten, wie die Anlage aufgebaut ist, wo sich welche Bäume, Wiesen oder Gewässer befinden und wie die Pflege sein muss“, erläutert Gartenarchitektin Lehmphul.


Das steht im Parkpflegewerk: Ein umfangreiches Kompendium, das in der Regel viel Akribie und auch detektivisches Gespür erfordert. Alles wird gesammelt: von alten Plänen, Schriften, Warenlisten, Pflanzenstudien, Korrespondenzen, Gemälde, Skizzen oder Fotografien. Jedes Dokument wird ausgewertet, chronologisch aufbereitet und dem vorhandenen Park gegenübergestellt.


So auch beim 60 Hektar großen Schlosspark von Altdöbern, wo die Restaurierung im Gange ist. 1996 ging die Anlage im Süden Brandenburgs an die Brandenburgische Schlösser GmbH, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Angesichts des personellen Aufwandes, den Parkpflege eigentlich benötigt, ist es eine Fügung, dass sich seit zehn Jahren jeweils acht bis zehn Freiwillige der Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege für ein Jahr mit dem Bauhof der Gemeinde Altdöbern um den Landschaftspark kümmern. 

Alle 10 Jahre notwendig: Die Freiwilligen der Jugendbauhütte entschlammen einen Teich.
Altdöbern, Schlosspark © Jugendbauhütte
Alle 10 Jahre notwendig: Die Freiwilligen der Jugendbauhütte entschlammen einen Teich.

Ein anspruchsvolles Unterfangen, denn der Landschaftspark, den Carl Eduard Petzold (1815-91) aus dem vormaligen Barockensemble schuf, war stark verwaldet. Die vielfältigen Parkstrukturen drohten zu verschwinden und der ursprüngliche Plan des Gartenarchitekten ist verloren. Zur großen Freude können die Altdöberaner ein Puzzleteil ihrer Dokumentation hinzufügen, berichtet Juliane Lehmphul: „Im Nachbarort war Petzold für die Schwiegermutter seines Auftraggebers, Graf Heinrich von Witzleben, tätig – und dieser historische Plan ist noch vorhanden.“


Wie eine Wanderung durch ein Gemälde


Zum großen Teil jedoch arbeiten Lehmphul und ihr Kollege Stefan Hohmann (57) mit Suchungen: „Wie die Archäologen“, erklärt Lehmphul, „machen die Freiwilligen Bodenschnitte, und zwar im Bereich der mit dem Landesamt für Denkmalpflege abgesteckten Wegeverläufe. Am Erdreich sehen wir dann, was sich dort einmal befunden hat.“ Wege freilegen und Sichtachsen erhalten gehört zu den wesentlichen Aufgaben in der Gartendenkmalpflege. In der strengen Symmetrie barocker Anlagen, mit ihren Hecken und Wasserbecken sind sie relativ leicht zu erkennen, im Landschaftspark ist dies schwieriger.


Die Wege schlängelten sich durch die Parklandschaft, führten die Spaziergänger zu Blickachsen wie etwa auf komponierte Gehölzgruppen, Gewässer oder Parkarchitekturen. So waren am Horizont gesetzte helle Birken vor dunklem Tannengrün ein klassisches Stilmittel. „Es kam den Menschen nicht in den Sinn, die Wege zu verlassen und über die Wiese zu gehen. Sie wurden durch den Park geführt wie durch ein Gemälde“, sagt die Landschaftsarchitektin. 

Meditativ und erholsam: Blick aus dem Prinzenhaus in den Schlossgarten.
Plön, Schlossgarten Prinzenhaus © Dirk Schneider
Meditativ und erholsam: Blick aus dem Prinzenhaus in den Schlossgarten.

Romantisches Fassadengrün


Doch nicht allein große Parkanlagen erfordern besonderes Fachwissen, sondern auch kleinere historische Anlagen. So zum Beispiel der private Schaugarten des weltbekannten Staudenzüchters Karl Foerster (1874–1970). Schon lange bevor das Anwesen in Potsdam-Bornim 2010 der Deutschen Stiftung Denkmalschutz übereignet wurde, waren das von Karl Foerster 1911 erbaute Wohnhaus und der Garten eine untrennbare Einheit.


Als nun am Foerster-Haus die Putzfassaden restauriert werden mussten, war auch der weitere Umgang mit dem ehrwürdigen Blauregen an der Südwand zu klären. Zu dicht an historische Bauwerke gepflanzte Gewächse oder begrünte Fassaden können problematisch sein. Der Gemeine Efeu zum Beispiel verankert sich mit seinen Haftwurzeln fest in jeder Unebenheit des Mauerwerks. „Es sieht romantisch aus, kann aber für ein schadhaftes Gemäuer zur Belastung werden“, sagt Lehmphul. In solchen Fällen sind gute, konstruktive Kommunikation und Zusammenarbeit wichtig, denn vom Gesetz her liegen Denkmal- und Naturschutz auf Augenhöhe.

Mehr als Rittersporn und Phlox: Blick auf den mit Foersters Pflanzen bestückten Senkgarten.
Potsdam-Barnim, Karl-Foerster-Haus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Mehr als Rittersporn und Phlox: Blick auf den mit Foersters Pflanzen bestückten Senkgarten.

Das Paradies auf Erden


Gemeinsam mit allen Verantwortlichen und in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Potsdam wurde für den Blauregen eine Lösung gefunden. „Zunächst wurde er behutsam eingekürzt und mit Gärtnervlies geschützt“, berichtet Gartendenkmalpfleger Felix Merk (52). „Für seine dicken Stämme wurden eigens Halterungen entwickelt, die an der restaurierten Fassade angebracht sind. Außerdem hat er ein spezielles Rankgerüst erhalten.“ So kann die bejahrte Kletterpflanze wieder wachsen, ohne sich an der Fassade abzustützen.


Seit zwei Jahrzehnten betreuen der Gartendenkmalpfleger und die städtische Gärtnerin Kristina Scheller (48) das denkmalgeschützte Foerster-Ensemble. Es gibt weiterhin eine Menge zu tun: Allein der Nachlass des Staudenzüchters ist ein unerschöpflicher Fundus, der auf seine Auswertung wartet.


Davon unbeeindruckt leben die Pflanzen und Sträucher in ihrem Kreislauf. Und auch hier lautet die gartendenkmalpflegerische Vorgabe: Stirbt eine Pflanze, sollte sie möglichst in der gleichen Sorte nachgepflanzt werden. Im Hinblick auf die Staudenpflanzen gilt dies abzuwägen, erklärt Kristina Scheller: „Karl Foerster hat viele Stauden gezüchtet, und manche Arten brauchen alle paar Jahre einen Umzug.“

Kurz nach der Fassadenrestaurierung 2017: Vom Haus aus hatte der Staudenzüchter Karl Foerster das Herzstück seines Schaugartens stets aufmerksam im Blick.
Potsdam-Barnim, Karl-Foerster-Haus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Kurz nach der Fassadenrestaurierung 2017: Vom Haus aus hatte der Staudenzüchter Karl Foerster das Herzstück seines Schaugartens stets aufmerksam im Blick.

Immer wieder erweist sich: Fachwissen und intensive Pflege sind das Lebenselixier historischer Garten- und Parkanlagen. So kunstvoll sie Geschichte erzählen – für Millionen von Besuchern sind sie schlicht das Paradies auf Erden. Ihren einstigen Schöpfern würde das sehr gefallen.


Christiane Rossner


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So fördert die DSD Historische Gärten

 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt die Restaurierung historischer Gärten und Parks aus ihrem spendenfinanzierten Förderhaushalt. Unter ihrem Dach gibt es die treuhänderische Gemeinschaftsstiftung Historische Gärten, die aus den Erlösen dieses zweckgebundenen Kapitalstocks dauerhaft den Erhalt, die Pflege und die Restaurierung von Gartendenkmalen aller Kategorien und Epochen bundesweit unterstützt. Diese Themenstiftung steht allen Förderern offen, die sich insbesondere mit einer Zustiftung für den Erhalt von historischen Gärten und Parks engagieren möchten.


Mehr Informationen erhalten Sie beim Stifter-Service

Heike Kühn

Tel 0228/9091-213

E-Mail: historische-gaerten@denkmalschutz.de

www.gemeinschaftsstiftung-historische-gaerten.de .

 

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