Bonn, Bundesbüdchen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

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Bundesbüdchens langer Weg

Auch er repräsentierte die Bonner Republik. Nun ist der Kiosk zurückgekehrt – und die Arbeit beginnt.

In den 50er-Jahren verschmolzen an Ruhr und Rhein die Süßigkeitenbude, der Zeitungskiosk, die Trinkhalle und der Würstchenstand zur „Bude“, im Rheinland Büdchen genannt (gesprochen: „Büüdschn“), das gefühlt an jeder Straßenecke zu finden war. Ein Exemplar davon stand unweit von Bundestag und Bundesrat und wurde so zum „Bundesbüdchen“.

Nach 14 Jahren auf einem Bauhof kehrt das Bundesbüdchen mit einer spektakulären Aktion in das Bonner Regierungsviertel zurück.
Bonn, Bundesbüdchen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Nach 14 Jahren auf einem Bauhof kehrt das Bundesbüdchen mit einer spektakulären Aktion in das Bonner Regierungsviertel zurück.

Es repräsentiert auch heute noch die beschauliche, bürgerliche und familiär anmutende „Bonner Republik“. Abgeordnete und Politiker deckten sich hier mit internationalen Zeitungen und mit geliebten Kleinigkeiten ein: Genscher kaufte Gummibärchen, Blüm aß gerne die Würstchen, Westerwelle genoss das Eis und Kanzler Kohl ließ sich belegte Brötchen von seinem Fahrer holen. Sogar Nylonstrumpfhosen waren Teil des Sortiments. 


Die junge Bundesrepublik verkörpert das Büdchen im Pavillonstil auch mit seiner Architektur. „Das Offene, das Durchfensterte, das etwas Schwebende, Leichte war ein typisches Stilmerkmal der 50er-Jahre“, erzählt Dr. Karin Gehrmann (62) Kunsthistorikerin und Projektreferentin in der Abteilung Denkmalförderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). „Viele von diesen Kleindenkmalen gibt es nicht mehr, weil sie dem veränderten Lebensstil und der Verdichtung der Innenstädte zum Opfer gefallen sind.“

40 Jahre lang betrieb die Familie Rausch an diesem Standort das Büdchen.
Hartmut Junker / Bildarchiv Monheim
40 Jahre lang betrieb die Familie Rausch an diesem Standort das Büdchen.

Der Eigentümer hatte mit dem Überleben seines Pavillons zu kämpfen, nachdem die Hauptstadt nach Berlin verlegt worden war: „Ich musste nicht nur 30 Zeitungstitel aus meinem Sortiment streichen, auch meine Stammkundschaft blieb aus“, berichtet Jürgen Rausch (64). Er hoffte auf die Bauarbeiter des neu entstehenden World Conference Center Bonn (WCCB).


Stattdessen geriet das Büdchen in die Wirren des Finanzskandals um das Großbauprojekt, auf dessen Baugrund es stand. Das Denkmal, das die DSD noch 2003 gefördert hatte, wurde 2006 in einen Vorort Bonns gebracht, von wo es eigentlich nach zwei Jahren zurückkehren sollte. Daraus wurden 14 Jahre.

Letzte Kontrollen kurz vor dem Ende der spektakulären Reise des Bundesbüdchens. Nach erfolgter Restaurierung wird es dann an eine Bäckerei verpachtet.
Bonn, Bundesbüdchen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Letzte Kontrollen kurz vor dem Ende der spektakulären Reise des Bundesbüdchens. Nach erfolgter Restaurierung wird es dann an eine Bäckerei verpachtet.

Der engagierte Förderverein historischer Verkaufspavillon Görresstraße e.V. sorgte – dank des ideellen Einsatzes der DSD und ihrer maßgeblichen Förderzusage – für die Rückkehr. Nach einer langwierigen Klärung der Standortfrage war es am 17. Mai 2020 endlich soweit. Zwischen der Deutschen Welle, dem Alten Plenarsaal und dem WCCB kann das Büdchen nun saniert werden. Planmäßig ab dem Spätherbst wird ein Handwerksbäcker die Menschen des inzwischen international geprägten Viertels auch mit der traditionellen Bockwurst versorgen und dabei an die Bonner Republik erinnern.


Stefanie Kellner



Adresse: Platz der Vereinten Nationen 53113 Bonn 

Förderjahre: 2005, 2013 

Fördersumme DSD: 60.000 € 

Maßnahmen: Gesamtsanierung 

Fördermittelgeber: Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bund, Sparkasse Köln Bonn

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