Oberkaufungen, Alte Ziegelei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Denkmalarten Technische Denkmale Streiflichter Technik Ausgabe Nummer April Jahr 2020 Denkmale A-Z I

Acht eindrucksvolle Industriedenkmale

Wo es einst lärmte und qualmte

Denkmale der Industriegeschichte – sie sind für unsere Kulturlandschaften ebenso prägend wie Kirchen und Schlösser. In ihrer Vielzahl zeigen sie, wie sich Deutschland zu einer der führenden Industrienationen entwickelt hat.

Seit Anfang des 19. Jahrhunderts wurden überall Fabriken gegründet. So entstanden ganze Industrieregionen – im Ruhrgebiet, im Saarland oder in Sachsen. Unter Einsatz neuer Baumaterialien und -konstruktionen wuchsen große Produktionsstätten, in denen Tausende von Menschen Arbeit fanden. Vom technischen Fortschritt überholt und vom Strukturwandel betroffen, sind heute viele dieser historischen Anlagen stillgelegt. Einige werden umgenutzt und für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht: etwa durch verschiedene Routen der Industriekultur oder ganz aktuell durch die Sächsische Landesausstellung Boom. 500 Jahre Industriekultur


Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ist es ein Anliegen, Industriedenkmale nicht nur zu bewahren, sondern auch ein Bewusstsein für diese Gattung zu schaffen. In unserer Bildergalerie zeigen wir Ihnen eine Auswahl der geförderten Bauten – ein Besuch lohnt sich!


Svenja Brüggemann und Amelie Seck

Gelsenkirchen, Bergwerk Consolidation Schacht 9 © luna1904/stock.adobe.com
Gelsenkirchen, Bergwerk Consolidation Schacht 9 © luna1904/stock.adobe.com
Das Fördergerüst von Schacht 9 ist ein markantes Dokument der Zechenarchitektur des 20. Jahrhunderts. Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Zeche Consolidation begann 1863, nachdem der erste Schacht „abgeteuft“ wurde – stetiges Wachstum an Fördermengen und Beschäftigten folgten. 1922 wurde das Gerüst über Schacht 9 errichtet. Im Zuge des großen Zechensterbens geriet auch „Consol“ in die Krise. 1993 kam das endgültige Aus. Als Andenken an die lange Tradition des Steinkohleabbaus in Gelsenkirchen, wurde der Schacht 9 als kulturelles Erbe bewahrt. Besucher können auf dem öffentlich zugänglichen Gelände die typische Gitterträgerbauweise der Fördergerüste des Ruhrbergbaus auf sich wirken lassen.
Bendorf, Sayner Hütte © Stiftung Sayner Hütte/Thomas Naethe
Bendorf, Sayner Hütte © Stiftung Sayner Hütte/Thomas Naethe
Sie ist ein Pionierwerk der Industrialisierung: die Sayner Gießhalle in Rheinland-Pfalz. 1828–30 errichtet, gehört sie weltweit zu den ersten gusseisernen Hallenkonstruktionen. Für den Bau verwendete man in der Eisenhütte hergestellte Elemente, die seriell vorgefertigt wurden – ein Novum für die damalige Zeit. Die neugotische Architektur mit der filigranen Maßwerkfront war nicht nur schön, sondern auch hell und feuersicher. Nach langem Leerstand drohte 1973 der Abriss, der durch Bürgerproteste verhindert werden konnte. Die Gießhalle dient nach mehrjähriger Instandsetzung heute als Veranstaltungsort.
Völklingen, Völklinger Hütte © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Oliver Dietze
Völklingen, Völklinger Hütte © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Oliver Dietze
Als 1986 die gigantische Völklinger Hütte stillgelegt wurde, stellte man die Anlage noch im selben Jahr unter Denkmalschutz, um dieses einzigartige Zeugnis der Industriegeschichte in seiner Vollständigkeit zu erhalten. Inzwischen hat sich die UNESCO-Welterbestätte zu einem international bekannten Veranstaltungsort entwickelt. Die größte Attraktion bildet der Industriekomplex selbst. Die ab 1883 errichtete, sechs Hektar umfassende Hütte gehörte mit ihren sechs Hochöfen zu den größten Eisenwerken Deutschlands, beeinflusste über Jahrzehnte die Entwicklung des Saarlandes und war Arbeitgeber für Zehntausende Menschen.
Dortmund, Lanstroper Ei © mauritius images/Thomas Robbin/imageBROKER
Dortmund, Lanstroper Ei © mauritius images/Thomas Robbin/imageBROKER
1904/05 nach einem Entwurf des Dortmunder Stahlbauunternehmers August Klönne fertig- gestellt, war der Turm bis 1980 in Funktion. Einst diente er zur Wasserversorgung der Zechen der Harpener Bergbau AG und der umliegenden Orte.
Sieversdorf, Patent-Papierfabrik Hohenofen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Sieversdorf, Patent-Papierfabrik Hohenofen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Wie wird Papier eigentlich hergestellt? In der ehemaligen Patent-Papierfabrik in Sieversdorf-Hohenofen in Brandenburg können Besucher das anhand der fast vollständig erhaltenen Anlage samt Technik bestens nachvollziehen. In Betrieb genommen wurde sie 1839. Lumpen und Papierspäne verarbeitete man zu Zeichen-, Schreib- und Tapetenpapieren. Derzeit wird das Industriedenkmal restauriert, um es zu einem Kultur- und Gewerbestandort weiterzuentwickeln.
Chemnitz, Bernhard'sche Spinnerei © Bertram Kober/PUNCTUM
Chemnitz, Bernhard'sche Spinnerei © Bertram Kober/PUNCTUM
Das Ensemble der Bernhard‘schen Spinnerei gilt als erster Fabrikbau Sachsens. Wie kein anderes Bauwerk dokumentiert es mit der ältesten Spinnmühle den Übergang vom ¬Manufakturwesen des 18. Jahrhunderts zur industriellen Produktion. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzten neu errichtete Bauten das Ensemble der Baumwollmaschinenfabrik. Das repräsentative Kontorgebäude und der Gründungsbau von 1799 blieben erhalten. Für die Umnutzung zur Seniorenresidenz wurde das Industriedenkmal beispielhaft saniert.
Alfeld, Fagus-Werk © UNESCO-Welterbe Fagus-Werk
Alfeld, Fagus-Werk © UNESCO-Welterbe Fagus-Werk
Bis heute dient die wohl berühmteste Schuhleisten-Fabrik der Welt noch immer als Produktionsstätte. Trotz des laufenden Betriebs kann das UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe von Hildesheim besichtigt werden. Architekten des zwischen 1911 und 1914 errichteten Industriebaus waren der spätere Bauhaus-Direktor Walter Gropius und Adolf Meyer. Im Auftrag des Unternehmers Carl Benscheidt planten sie ein funktionelles Ensemble, das den Anforderungen geordneter Betriebsabläufe und einer gesunden Arbeitsumgebung entsprach. Mit seiner gläsernen Vorhangfassade setzte das Gebäude Maßstäbe für die Architektur der Moderne.
Oberkaufungen, Alte Ziegelei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Oberkaufungen, Alte Ziegelei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Von 1870 an wurden in dem dreigeschossigen Gebäudekomplex in der Nähe von Kassel alle Arten von Ziegeln produziert: vom handgestrichenen Dachziegel über den farbig lasierten Doppelmuldenfalzziegel bis hin zu Ziegel- und Gittersteinen. 1981 folgte die Stilllegung. Im Inneren der Anlage waren weiterhin sämtliche für die Produktion notwendigen Maschinen vorhanden: der historische Zickzackofen – einer der letzten seiner Art – mit 16 Brennkammern, der Kollergang oder die Stangenpressen. Mittlerweile beherbergt der Industriebau das Hessische Ziegeleimuseum. Besucher können viel Spannendes über die Produktion von Ziegelsteinen erfahren und auf dem Erlebnisparcours „Sinnesgänge“ im sanierten Brennofen die Wahrnehmung ihrer Sinne schärfen.
 
 
Gelsenkirchen, Bergwerk Consolidation Schacht 9 © luna1904/stock.adobe.com
Das Fördergerüst von Schacht 9 ist ein markantes Dokument der Zechenarchitektur des 20. Jahrhunderts. Die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der Zeche Consolidation begann 1863, nachdem der erste Schacht „abgeteuft“ wurde – stetiges Wachstum an Fördermengen und Beschäftigten folgten. 1922 wurde das Gerüst über Schacht 9 errichtet. Im Zuge des großen Zechensterbens geriet auch „Consol“ in die Krise. 1993 kam das endgültige Aus. Als Andenken an die lange Tradition des Steinkohleabbaus in Gelsenkirchen, wurde der Schacht 9 als kulturelles Erbe bewahrt. Besucher können auf dem öffentlich zugänglichen Gelände die typische Gitterträgerbauweise der Fördergerüste des Ruhrbergbaus auf sich wirken lassen.
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Bendorf, Sayner Hütte © Stiftung Sayner Hütte/Thomas Naethe
Sie ist ein Pionierwerk der Industrialisierung: die Sayner Gießhalle in Rheinland-Pfalz. 1828–30 errichtet, gehört sie weltweit zu den ersten gusseisernen Hallenkonstruktionen. Für den Bau verwendete man in der Eisenhütte hergestellte Elemente, die seriell vorgefertigt wurden – ein Novum für die damalige Zeit. Die neugotische Architektur mit der filigranen Maßwerkfront war nicht nur schön, sondern auch hell und feuersicher. Nach langem Leerstand drohte 1973 der Abriss, der durch Bürgerproteste verhindert werden konnte. Die Gießhalle dient nach mehrjähriger Instandsetzung heute als Veranstaltungsort.
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Völklingen, Völklinger Hütte © Weltkulturerbe Völklinger Hütte/Oliver Dietze
Als 1986 die gigantische Völklinger Hütte stillgelegt wurde, stellte man die Anlage noch im selben Jahr unter Denkmalschutz, um dieses einzigartige Zeugnis der Industriegeschichte in seiner Vollständigkeit zu erhalten. Inzwischen hat sich die UNESCO-Welterbestätte zu einem international bekannten Veranstaltungsort entwickelt. Die größte Attraktion bildet der Industriekomplex selbst. Die ab 1883 errichtete, sechs Hektar umfassende Hütte gehörte mit ihren sechs Hochöfen zu den größten Eisenwerken Deutschlands, beeinflusste über Jahrzehnte die Entwicklung des Saarlandes und war Arbeitgeber für Zehntausende Menschen.
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Dortmund, Lanstroper Ei © mauritius images/Thomas Robbin/imageBROKER
1904/05 nach einem Entwurf des Dortmunder Stahlbauunternehmers August Klönne fertig- gestellt, war der Turm bis 1980 in Funktion. Einst diente er zur Wasserversorgung der Zechen der Harpener Bergbau AG und der umliegenden Orte.
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Sieversdorf, Patent-Papierfabrik Hohenofen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Wie wird Papier eigentlich hergestellt? In der ehemaligen Patent-Papierfabrik in Sieversdorf-Hohenofen in Brandenburg können Besucher das anhand der fast vollständig erhaltenen Anlage samt Technik bestens nachvollziehen. In Betrieb genommen wurde sie 1839. Lumpen und Papierspäne verarbeitete man zu Zeichen-, Schreib- und Tapetenpapieren. Derzeit wird das Industriedenkmal restauriert, um es zu einem Kultur- und Gewerbestandort weiterzuentwickeln.
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Chemnitz, Bernhard'sche Spinnerei © Bertram Kober/PUNCTUM
Das Ensemble der Bernhard‘schen Spinnerei gilt als erster Fabrikbau Sachsens. Wie kein anderes Bauwerk dokumentiert es mit der ältesten Spinnmühle den Übergang vom ¬Manufakturwesen des 18. Jahrhunderts zur industriellen Produktion. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ergänzten neu errichtete Bauten das Ensemble der Baumwollmaschinenfabrik. Das repräsentative Kontorgebäude und der Gründungsbau von 1799 blieben erhalten. Für die Umnutzung zur Seniorenresidenz wurde das Industriedenkmal beispielhaft saniert.
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Alfeld, Fagus-Werk © UNESCO-Welterbe Fagus-Werk
Bis heute dient die wohl berühmteste Schuhleisten-Fabrik der Welt noch immer als Produktionsstätte. Trotz des laufenden Betriebs kann das UNESCO-Weltkulturerbe in der Nähe von Hildesheim besichtigt werden. Architekten des zwischen 1911 und 1914 errichteten Industriebaus waren der spätere Bauhaus-Direktor Walter Gropius und Adolf Meyer. Im Auftrag des Unternehmers Carl Benscheidt planten sie ein funktionelles Ensemble, das den Anforderungen geordneter Betriebsabläufe und einer gesunden Arbeitsumgebung entsprach. Mit seiner gläsernen Vorhangfassade setzte das Gebäude Maßstäbe für die Architektur der Moderne.
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Oberkaufungen, Alte Ziegelei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Von 1870 an wurden in dem dreigeschossigen Gebäudekomplex in der Nähe von Kassel alle Arten von Ziegeln produziert: vom handgestrichenen Dachziegel über den farbig lasierten Doppelmuldenfalzziegel bis hin zu Ziegel- und Gittersteinen. 1981 folgte die Stilllegung. Im Inneren der Anlage waren weiterhin sämtliche für die Produktion notwendigen Maschinen vorhanden: der historische Zickzackofen – einer der letzten seiner Art – mit 16 Brennkammern, der Kollergang oder die Stangenpressen. Mittlerweile beherbergt der Industriebau das Hessische Ziegeleimuseum. Besucher können viel Spannendes über die Produktion von Ziegelsteinen erfahren und auf dem Erlebnisparcours „Sinnesgänge“ im sanierten Brennofen die Wahrnehmung ihrer Sinne schärfen.
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Bergwerk Consolidation

Consolstraße

45889 Gelsenkirche

www.route-industriekultur.ruhr



Sayner Hütte

In der Sayner Hütte

56170 Bendorf-Sayn

www.saynerhuette.org



Hessisches Ziegeleimuseum Oberkaufungen e.V.

Niester Straße 24

34260 Kaufungen

www.hessisches-ziegeleimuseum.de



Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Rathausstraße 75–79

66333 Völklingen

www.voelklinger-huette.org

Patent-Papierfabrik Hohenofen e. V.

Neustädter Straße 25

16845 Sieversdorf-Hohenofen

www.patent-papierfabrik.de



UNESCO-Welterbe Fagus-Werk

Hannoversche Straße 58

31061 Alfeld

www.fagus-werk.com



Lanstroper Ei

Rote Fuhr

44329 Dortmund-Grevel

https://www.route-industriekultur.ruhr/



Seniorenresidenz Manufaktur Bernhard

Klaffenbacher Straße 49

09125 Chemnitz

https://procivitate.de/ihr-zuhause/chemnitz/

 

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1 Kommentare

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    Karl-Heinz Domann schrieb am 25.03.2020 17:20 Uhr

    Für mich als ehemaligem Bergmann ein Anstoß zur Erinnerung. Sehenswert sind auch Schacht 7 und der Hammerkopfturm Schacht 3 der Zeche ERIN in Castrop-Rauxel.

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