Gedenkstätten Februar 2015 K

In Deutschland gibt es mehr als 100.000 Kriegerdenkmäler

"Für die, so im Kampfe blieben"

Krieger- und Ehrenmäler, die an gefallene Soldaten erinnern, gibt es weltweit beinahe in jedem Ort und in den unterschiedlichsten Ausführungen. Man schätzt, dass alleine in Deutschland über 100.000 stehen. Auf dem Gelände des Fußballclubs SpVgg Greuther Fürth steht ein ganz Besonderes: Das aus zwei Granithälften gearbeitete Denkmal hat die Form eines Fußballs. Im Inneren birgt es eine Kassette mit den Namen der Gefallenen.

Im Fürther Stadion erinnert ein Kriegerdenkmal in Form eines Fußballs an Gefallene des Ersten Weltkriegs.  
Fürth, Stadtion, Kriegerdenkmal © F. Kreuzer
Im Fürther Stadion erinnert ein Kriegerdenkmal in Form eines Fußballs an Gefallene des Ersten Weltkriegs.

Nach zweimaliger Verlängerung steht die spannende Partie zwischen dem VfB Leipzig und der SpVgg Fürth am 31. Mai 1914 unentschieden zwei zu zwei. Nach den damaligen Regeln wird nun solange weitergespielt, bis ein Tor fällt. Das schießt in der 153. Minute der Fürther Karl Franz. Er verhilft seinem Verein damit zum Gewinn der Deutschen Fußballmeisterschaft.

Vier Monate später ist Karl Franz tot - gefallen im Ersten Weltkrieg an der Front in Lothringen. Außer ihm sterben weitere Spieler der Sportvereinigung Fürth, darunter der Ungar Frigyes Weicz, der die Vorlage für das Siegtor geliefert hat. 1923 errichtet der Club im Stadion am Laubenweg für die Spieler und die Vereinsmitglieder, die auf den Schlachtfeldern ihr Leben ließen, ein Kriegerdenkmal in der Form eines Fußballs.

In Berlin-Kreuzberg steht das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege.  
Berlin-Kreuzberg, Nationaldenkmal Befreiungskriege © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In Berlin-Kreuzberg steht das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege.

Bis zur Französischen Revolution und der damit einhergehenden Einführung der allgemeinen Wehrpflicht gab es keine Denkmäler für die einfachen Soldaten, sondern nur für erfolgreiche Heerführer. Eines der ersten auf deutschem Boden, das alle Gefallenen einschließt, ließ der preußische König Friedrich Wilhelm II. 1793 in Frankfurt am Main errichten: für die "edlen" Hessen, die ein Jahr zuvor beim Sturm auf die Stadt "im Kampf fürs Vaterland hier siegend fielen". Auf dem Denkmal sind die Namen aller Gestorbenen verzeichnet, darunter auch die von 41 Grenadieren.

Am 5. Mai 1813, also mitten in den Befreiungskriegen, erließ sein Sohn Friedrich Wilhelm III. die "Verordnung über die Stiftung eines bleibenden Denkmals, für die, so im Kampfe für Unabhängigkeit und Vaterland blieben". Dort heißt es, dass in den Kirchen auf Kosten der Kirchengemeinden einheitlich gestaltete, hölzerne Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen aufgehängt werden sollen. Die Soldaten wurden in der Regel auf den Schlachtfeldern begraben, so dass die Angehörigen mit den Tafeln einen Ort erhielten, an dem sie um ihre Toten trauern konnten.

Im März 1813 hatte der König das Eiserne Kreuz gestiftet, das Karl Friedrich Schinkel nach einem Entwurf Friedrich Wilhelms III. gestaltete. Mit diesem Orden wurden das erste Mal deutsche Soldaten - darunter posthum auch Gefallene - ohne Rücksicht auf ihren Stand und Dienstgrad ausgezeichnet. Das Eiserne Kreuz inspirierte den Baumeister, das Nationaldenkmal für die Befreiungskriege auf dem Tempelhofer Berg in Berlin mit dem Grundriss eines Kreuzes zu versehen. Es ist außerdem an vielen Partien des gusseisernen Monuments auszumachen, das ursprünglich viel größer - als Dom auf dem Leipziger Platz - gedacht war.

Die Siegessäule in Berlin 
Berlin, Siegessäule © visitBerlin/Wolfgang Scholvien
Die Siegessäule in Berlin

Bei der Neuordnung Berlins 1920 verhalf das rund hundert Jahre zuvor eingeweihte, 18 Meter hohe Nationaldenkmal dem Stadtteil Kreuzberg zu seinem Namen. Es zählt zu den Förderprojekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die 1997-2000 über 520.000 Euro für die Sanierung des Sockels und die Restaurierung von gusseisernen Elementen bereitstellte.

Nach den Einigungskriegen - dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 sowie dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 - und der daraus resultierenden Reichsgründung wurden von vielen deutschen Gemeinden und Veteranenvereinen Denkmäler an zentralen Orten errichtet. Vor allem nach dem Krieg von 1870/71 verklärte man die gefallenen Soldaten als Helden, und die überlebenden setzten sich selbst ein Denkmal. Denn häufig handelt es sich bei den eingemeißelten Namen nicht nur um die der Toten, sondern um all jene, die am Krieg teilgenommen haben. Die Inschriften verherrlichen den Krieg und sollen die Männer darauf einstimmen, dass es ehrenvoll sei, für das Vaterland zu sterben.

Eines der monumentalsten Denkmäler für die Einigungskriege ist die Berliner Siegessäule, entworfen 1865 von Johann Heinrich Strack. Die bekrönende Viktoria-Figur stammt von Friedrich Drake. Die Säule wurde wie viele weitere Krieger- und Ehrenmäler am 2. September 1873, dem Gedenktag an die Schlacht von Sedan, eingeweiht. Das Denkmal stand zunächst auf dem Königsplatz und wurde 1938 auf den Großen Stern im Tiergarten versetzt, dabei umgestaltet und erhöht.

1945 nahmen die Franzosen drei Bronzereliefs mit Szenen aus den Einigungskriegen ab und brachten sie als Kriegstrophäen nach Paris. Das vierte, das an den Deutschen Krieg erinnert, entfernte man ebenfalls, es blieb aber in Berlin. Seit 1987, als die Stadt ihren 750. Geburtstag feierte, zieren die originalen Reliefs wieder den Sockel aus rotem Granit. Die Franzosen hätten die Siegessäule, in deren Kanneluren 60 in den Einigungskriegen erbeutete, vergoldete Kanonen eingelassen sind, 1945 gerne sprengen lassen. Doch ihre US-amerikanischen und britischen Kollegen im Alliierten Kontrollrat stimmten dagegen, die sowjetischen enthielten sich.

Schülerinnen des Osnabrücker Ratsgymnasiums entwarfen für dieses Kriegerdenkmal eine neue Bekrönung und nannten sie die "Schützende Torsion".  
Osnabrück, Straßburger Platz, Kriegerdenkmal © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Schülerinnen des Osnabrücker Ratsgymnasiums entwarfen für dieses Kriegerdenkmal eine neue Bekrönung und nannten sie die "Schützende Torsion".

Ein ganz besonderes Denkmal, das die "im Krieg von 1870-71 gebliebenen Söhne" würdigt, steht inmitten des Straßburger Platzes in Osnabrück. Auf einem mächtigen, quadratischen Sockel erhebt sich eine korinthische Säule. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde sie von einer zwei Meter hohen Germania mit Lorbeerkranz und Siegesfahne bekrönt. Damals benötigte man die Bronze zur Herstellung von Munition und schmolz sie ein. Auf vier Gedenktafeln sind die Namen der umgekommenen Soldaten aus den Städten Osnabrück, Quakenbrück und Melle sowie einigen umliegenden Ämtern zu lesen.

Bis 2005 war es ein ganz normales Kriegerdenkmal. Nur die Spitze fehlte. 17 Schülerinnen des Osnabrücker Ratsgymnasiums setzten sich ab 2003 zwei Schuljahre lang in ihrem Kunst-Leistungskurs mit dem stark verwitterten Torso auseinander. Sie entwickelten Ideen für eine neue Interpretation des Denkmals. Unterstützt wurden sie dabei von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die sich im Rahmen ihrer Sachförderung an den Kosten der Umgestaltung beteiligte. Sie nahm das Projekt außerdem in ihr Programm "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule" auf.

Die Schülerinnen entwarfen in fünf Gruppen verschiedene Bekrönungen, die sie der Öffentlichkeit vorstellten. Diese entschied sich mehrheitlich für die "Schützende Torsion" von Svenja Rudolph, Sheila Schmidt, Tanja Sprekelmeyer und Julia Vogel. Zwei sich umwindende Elemente bestimmen das Modell, das aus Karosserieblech von Auszubildenden einer Lehrwerkstatt hergestellt worden war. Sie sollen Frankreich und Deutschland repräsentieren, "wachsen aus dem ursprünglichen Denkmal heraus und stehen nun, sowohl inhaltlich als auch bildlich darüber. Die feindliche Gesinnung haben sie hinter beziehungsweise unter sich gelassen, und wachsen nun gemeinsam (umwunden) weiter …", beschreiben die vier Schülerinnen ihren Entwurf. Das Denkmal, das den Sieg der Deutschen über die Franzosen verherrlichte, steht nun für die deutsch-französische Freundschaft. Das Projekt der Gymnasiastinnen wurde inzwischen mit dem Niedersächsischen Schülerfriedenspreis ausgezeichnet.

Das Kriegerdenkmal in Bonn-Kessenich. 1956 fügte man die Namen der im Zweiten Weltkrieg getöteten Männer, Frauen und Kinder sowie die der 110 Vermissten hinzu. 
Bonn-Kessenich, Kriegerdenkmal © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Kriegerdenkmal in Bonn-Kessenich. 1956 fügte man die Namen der im Zweiten Weltkrieg getöteten Männer, Frauen und Kinder sowie die der 110 Vermissten hinzu.

Ehrenmale für die beiden Weltkriege

Nicht alle Gemeinden und Kriegervereine konnten sich aufwendig gestaltete Denkmäler für die Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges leisten. Je nach Kassenlage wurden Friedensbäume, meist Eichen gepflanzt. In dem Dorf Kessenich, seit 1904 ein Stadtteil von Bonn, ist es eine Siegeslinde, die an die vier 1870/71 getöteten Soldaten aus dem Ort erinnert. Erst 1926 erhielt Kessenich ein steinernes Kriegerdenkmal, das aus Spenden der Bewohner finanziert wurde. Es umschließt die Linde, und auf sechs Pfeilern sind die Namen der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg eingemeißelt.
 

Die Euphorie, mit der vor allem die jungen Männer in den Ersten Weltkrieg gezogen waren, verflog ob der hohen Verluste schnell. "Sie wollen Maschinen sein (…). Wie gerne würden sie krepieren auf irgendeinem Feld! Der Name auf einem Kriegerdenkmal ist der Traum ihrer Pubertät", beschreibt Ödön von Horváth die Stimmung im August 1914 später in seinem Roman "Jugend ohne Gott".

1918 waren über zwei Millionen deutsche Soldaten gefallen, alle beteiligten Staaten hatte Verluste von beinahe zehn Millionen Menschen zu beklagen. Regimenter, Unternehmer und Gemeinden ehrten ihre Toten mit zum Teil aufwendigen Denkmälern. Das beeindruckende Mahnmal für die Toten des Infanterie-Regiments 118 in Worms war bereits 1920 beschlossene Sache. Doch es konnte erst nach dem Abzug der Franzosen zehn Jahre später errichtet werden. An vielen Orten, so auch in Worms, gedachten die jüdischen Gemeinden ihrer Gefallenen mit eigenen Denkmälern.

In Worms erinnert dieses Denkmal an die Gefallenen des Infanterie-Regiments 118.  
Worms, Kriegerdenkmal © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
In Worms erinnert dieses Denkmal an die Gefallenen des Infanterie-Regiments 118.

Trotz der noch viel höheren Zahl an Toten, die während des Terrors durch die Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg zu beklagen waren, wurden nach 1945 kaum neue Kriegerdenkmäler geschaffen, sondern die vorhandenen mit den Namen der Gestorbenen ergänzt. Außerdem wurde häufig die Aussage um das Gedenken an alle Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft erweitert.

Für die Angehörigen der Bundeswehr, die während des Dienstes - beispielsweise bei Auslandseinsätzen - ihr Leben verloren, gibt es in Laboe, Fürstenfeldbruck und Koblenz Ehrenmäler der Marine, der Luftwaffe und des Heeres. 2009 wurde in Berlin das Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht, das an die gefallenen Mitglieder aller Streitkräfte erinnert.

Ein Denkmal, das immer wieder umgewidmet wurde, steht ebenfalls in Berlin. König Friedrich Wilhelm III. beauftragte Karl Friedrich Schinkel 1816 mit dem Bau einer Haupt- und Königswache - bekannt unter dem Namen Neue Wache - Unter den Linden, die gleichzeitig als Mahnmal für die Gefallenen der Befreiungskriege dienen sollte. Heinrich Tessenow gestaltete den klassizistischen Bau 1930/31 zum Ehrenmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs um. 1957-90 war die Neue Wache ein "Mahnmal für die Opfer des Faschismus". Am Volkstrauertag 1993 wurde sie als "Zentrale Gedenkstätte der Bundesrepublik Deutschland" eingeweiht.

Das Denkmal für jüdische Teilnehmer des Ersten Weltkriegs in Worms  
Worms, Denkmal für jüdische Teilnehmer des Ersten Weltkriegs © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Denkmal für jüdische Teilnehmer des Ersten Weltkriegs in Worms

An die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen und andere erinnern außerdem sogenannte Stolpersteine. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt sie vor den Häusern, aus denen die Verfolgten verschleppt wurden. Ein solcher Stein befindet sich am letzten Wohnort von Julius Hirsch in der Karlsruher Murgstraße. Der jüdische Fußballer und erfolgreiche Nationalspieler war mit seinem damaligen Verein SpVgg Fürth 1914 Deutscher Meister geworden. Wie Karl Franz wurde auch er in den Ersten Weltkrieg eingezogen, überlebte aber. Anschließend kickte er für den Karlsruher FV, bei dem er sich bereits vor seinem Engagement in Fürth erste Meriten verdient hatte. Einem Ausschluss aus seinem Verein 1933 kam er durch die eigene Kündigung zuvor. Zehn Jahre später wurde er nach Ausschwitz-Birkenau deportiert. Dort verliert sich seine Spur.

Carola Nathan