Gärten Menschen für Denkmale Oktober 2013

Quedlinburgs Klopstockgarten – ein Projekt der Jugendbauhütten

Von der Freude am Gestalten

Wer nach Quedlinburg reist, der sollte auch einen Besuch der Lyonel-Feininger-Galerie einplanen. Denn sie hat ihre Ausstellungs- und Veranstaltungsräume erweitert: Die Restaurierung des auf etwa 1660 datierten Fachwerkhauses Schlossberg 11 ist erfolgreich beendet. Mit einem Neubau wurde es am 6. September feierlich eröffnet. Damit bildet das unterhalb des Schlossbergs liegende Ensemble gemeinsam mit dem berühmten Klopstockhaus wieder eine Einheit.

Die Verwandlung des Klopstockgartens zum blühenden Idyll ist fast vollendet: Noch in diesem Herbst werden Rosenstöcke an seine markanten Eckpunkte gepflanzt sowie beim Gartenhaus eine Kletterrose und ein Birnbaum. 
Quedlinburg, Klopstock-Garten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Verwandlung des Klopstockgartens zum blühenden Idyll ist fast vollendet: Noch in diesem Herbst werden Rosenstöcke an seine markanten Eckpunkte gepflanzt sowie beim Gartenhaus eine Kletterrose und ein Birnbaum.

Die denkmalgeschützte Gebäudegruppe schließt auch den Klopstockgarten mit einem hübschen Gartenhäuschen aus Fachwerk ein. Er gehörte einst zum Elternhaus Friedrich Gottlieb Klopstocks, in dem der Dichter 1724 geboren wurde. Vor Jahrzehnten um die Hälfte verkleinert, fristete der Garten ein Schattendasein an der Rückseite des jetzt fertig restaurierten Fachwerkhauses. Im Zuge der Instandsetzung sollte er wieder gestaltet werden.

Mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) hatte sich das Fachwerkzentrum Quedlinburg als Planer, Projekt- und Bauleiter gemeinsam mit der Jugendbauhütte Quedlinburg sowie mit seinen Lehrlingen und Praktikanten seit 2007 der Wiederherstellung des Klopstock-Gartenhauses und danach des Gebäudes Schlossberg 11 gewidmet. Nun betraute es die Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege mit dem Garten. Diese Jugendbauhütte der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hat ihren Sitz in Potsdam. Die Freiwilligen sind in vielen großen historischen Parks und Gärten tätig, wie zum Beispiel in Brandenburg im Schlosspark Altdöbern und im Fürst-Pückler-Park Branitz, im sächsischen Schlosspark Pillnitz oder auch im belgischen Arboretum Kalmthout. Bei dem Quedlinburger Projekt hatten Teilnehmer im Rahmen eines Seminars die Gelegenheit, neben dem Berufsbild des Gartendenkmalpflegers auch das des Landschaftsgärtners kennenzulernen.

Dank genauer Planung nimmt der Garten durch die Anlage von Beeten, Wegen und durch Pflanzungen immer mehr Gestalt an. 
Quedlinburg, Klopstock-Garten © Internationale Grüne Jugendbauhütte, Potsdam
Dank genauer Planung nimmt der Garten durch die Anlage von Beeten, Wegen und durch Pflanzungen immer mehr Gestalt an.

Die Gestaltung des etwa 300 Quadratmeter großen Klopstockgartens bot in seinem überschaubaren Umfang einen ganz besonderen Reiz für die jungen Leute zwischen 17 und 26 Jahren. Anhand historischer Vorlagen und Stiche aus der Zeit des Barock und des Biedermeier wurden die Elemente des einstigen historischen Gartens, in dem sich blühende Blumenzier und Nutzgarten vermischten, in die verkleinerte Version komponiert. Betreut von den Gartendenkmalpflegern der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie ihrer Tochtergesellschaft, der Brandenburgischen Schlössergesellschaft GmbH, ging es nach der kunsthistorisch untermauerten Planungsphase mit dem Landschaftsarchitekten Stefan Hohmann Ende Mai nach Quedlinburg in die Praxis.

So sah der Klopstockgarten vor der Restaurierung aus. 
Quedlinburg, Klopstock-Garten © Internationale Grüne Jugendbauhütte, Potsdam
So sah der Klopstockgarten vor der Restaurierung aus.

Dort legten sie um eine zentrale Rasenfläche ein frostfestes Wegenetz an und setzten nach detaillierten Pflanzplänen sommerblühende Stauden, Lavendel, verschiedene Fliedersorten, Rotdorn und Goldregen. Auch die Modellierung des Bodenniveaus um einen alten Spitzahorn war Bestandteil ihrer Gestaltungsaufgabe.

Bis auf das Ausbaggern der Wege machten die 21 Freiwilligen der Jugendbauhütte alles in Handarbeit. Eine anstrengende Woche für die Teilnehmer aus Polen, Belgien, der Türkei und Deutschland. Doch sie sind sich einig: "Die Arbeit hat Freude gemacht, denn das Ergebnis ist für uns sehr befriedigend. Hier konnten wir eine Aufgabe von A bis Z durchführen, und zum Schluss haben wir einen Garten geschaffen."

Christiane Rossner

Seit 2005 unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Restaurierung des Klopstock-Gartenhauses und des Fachwerkhauses Schlossberg 11. Die Maßnahmen wurden auch mit Erträgen aus dem Dr. Karin Pfeiffer-Fonds in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und von der Rudolf-August Oetker-Stiftung gefördert. Das um 1660 datierte Gebäude am Fuße des Quedlinburger Schlossbergs war einst das Abteivorwerk der Stiftsdamen und wird jetzt von der Museumspädagogik der Lyonel-Feininger-Galerie für die Kunstvermittlung genutzt.

Quedlinburg, Klopstock-Garten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 
Quedlinburg, Klopstock-Garten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Quedlinburg, Klopstock-Garten © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn

Informationen zur Internationalen Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege erhalten Sie bei Silke Strauch, Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz e. V., Tel. 0228 9091-161, jugendbauhuetten@denkmalschutz.de
www.denkmalschutz.de/aktionen/jugendbauhuetten.html
Die Jugendbauhütten sind ein Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste (ijgd). www.ijgd.de

Nach vorheriger schriftlicher oder telefonischer Absprache kann der Klopstockgarten besichtigt werden: Lyonel-Feininger-Galerie, Einrichtung der Stiftung Moritzburg Halle (Saale), Finkenherd 5a, 06484 Quedlinburg, Tel. 03946 689593-0 info@feininger-galerie.de, www.feininger-galerie.de. Öffnungszeiten: April bis Okt. Di-So, feiertags 10 bis 18 Uhr, Nov. bis März Di-So, feiertags 10 bis 17 Uhr