Landschaften, Parks und Friedhöfe Oktober 2013 H

Rotbuchenhecken im Monschauer Land

Heckenschutz für Haus und Feld

Zum Schutz vor dem rauhen Klima der Eifel legten die Menschen Buchenhecken um ihre Grundstücke und Felder an, die eine natürliche Dämmung bieten.

"Dat is normal." Karl-Heinz Siebertz senkt seine Heckenschere und schaut vom selbst-gebauten Gerüst auf dem Anhänger seines Traktors freundlich hinunter. Fragen von Gästen ist er gewöhnt und mag es auch. Geduldig erläutert er, was er einmal pro Jahr macht, eben was in seiner Familie wie bei den Nachbarn seit Generationen normal ist.

Private Heckenpflege: Karl-Heinz Siebertz aus Eicherscheid ist einer von nicht mehr ganz so vielen Privatleuten, die sich der ehrenamtlichen Heckenpflege verschrieben haben. 
Eicherscheid © Elmar Lixenfeld, Frankfurt am Main
Private Heckenpflege: Karl-Heinz Siebertz aus Eicherscheid ist einer von nicht mehr ganz so vielen Privatleuten, die sich der ehrenamtlichen Heckenpflege verschrieben haben.

Spätestens seit dem 17. Jahrhundert kultiviert man in Eifeldörfern um Monschau und Simmerath eine einzigartige Heckenlandschaft mit haushohen Hecken. Da die sechs bis zehn Meter hohen Buchenhecken auch über den Winter ihr verdorrtes Laub bis ins nächste Frühjahr behalten, bieten sie nicht nur im Sommer Schatten, sondern schützen in Herbst und Winter vor Schlagregen und den berüchtigten eiskalten Westwinden des Hohen Venn. Außerdem finden viele Singvögel in den Hecken sichere Nistplätze.

Abgesehen von den touristisch bekannten Haushecken in Orten wie Höfen, Mützenich, Rohren, Imgenbroich, Kalterherberg und Eicherscheid, ist die gesamte Landschaft von langen Flurhecken durchzogen, oft an Grundstücksgrenzen. Wenn die Hecken nicht mehr gepflegt werden und nach oben schießen, erkennt man sie kaum mehr als Hecken, denn sie sehen aus wie Alleen. Werden sie aber geschnitten, bilden sie lebende Weidenzäune, die Vieh und Vegetation vor Wind und Wetter schützen. Durch sorgfältiges Heckenscheren und kenntnisreiches Durchflechten der Äste erreichen die Rotbuchenhecken der Eifel eine Tiefe von mehr als einem Meter. Die Technik erinnert an das Gebück, jenen noch mächtigeren, feuerresistenten Buchenwall, der vor 250 Jahren auf mehr als 30 Kilometern Länge um den gesamten Rheingau verlief.

Baumreihen als Windschutz: Wie Alleen erstrecken sich Buchenhecken zwischen Feldern und Weiden in der Landschaft um Monschau, Eicherscheid und Höfen. 
Monschau © Elmar Lixenfeld, Frankfurt am Main
Baumreihen als Windschutz: Wie Alleen erstrecken sich Buchenhecken zwischen Feldern und Weiden in der Landschaft um Monschau, Eicherscheid und Höfen.

Wie alt mag die etwa 60 Meter lange Hecke sein, die bei Karl-Heinz Siebertz in Eicherscheid um den Garten in der Buschgasse wächst? Schulterzucken. "Keine Ahnung. Es gab sie schon immer. Ich selbst schneide sie seit über 50 Jahren." Siebertz bekommt die zeitintensive Pflege nur symbolisch honoriert: Alle zwei Jahre gibt es 20 Euro fürs Heckenschneiden und eine Urkunde noch dazu. Mehr als diese öffentliche Würdigung können Land und Kreis im Deutsch-Belgischen Naturpark Hohes Venn für die Ortsbildpflege derzeit nicht leisten.

Karl-Heinz Siebertz ist schon als Kind in seine Hecke hinein gekrochen. Mit zunehmendem Alter werden die Baumstämme hohl. Deshalb gehört zur Heckenpflege Erfahrung und ein vorausschauendes Neupflanzen. Eine über Generationen hinweg gepflegte Hecke ist in weniger als zehn Jahren kaputt, wenn sie nicht geschnitten wird. Dann schießen die Buchen hoch, die Hecke bekommt unten kein Licht mehr und stirbt. Wie charakteristisch die Hecken seit fast 400 Jahren für die Kulturlandschaft sind, davon kann man sich auf dem Satellitenbild überzeugen.

Angela Pfotenhauer

Um den Ort Höfen verläuft der fünf Kilometer lange Höfener Heckenweg, ein Rundwanderweg mit Erläuterungstafeln über die Kulturgeschichte der Hausschutz- und Flurhecken.

Weitere Infos im WWW:

www.hoefen.de