Oktober 2013

Das Karl Foerster-Haus in Potsdam

Fenster zum Garten

Der Potsdamer Garten des berühmten Staudenzüchters Karl Foerster ist Gartenliebhabern schon lange ein Begriff. Weniger bekannt ist, dass das Haus zum Garten selbst ein Denkmal erster Güte ist, gebaut nach dem Vorbild von Hermann Muthesius. Es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist das Ziel der Marianne Foerster-Stiftung.

Eine Pilgerstätte für alle Staudenliebhaber befindet sich in Bornim, einem Ortsteil von Potsdam. Der Garten des Staudenzüchters Karl Foerster (1874-1970) gilt als der meistbesuchte Privatgarten Deutschlands. Sogar die für gepflegte Gartenkultur bekannten Briten reisen an, um sich von dem ab 1911 angelegten Schaugarten mit dem Senkgarten, dem Frühlingsweg, dem Herbstbeet und der Farnschlucht im Steingarten inspirieren zu lassen.

Mitten in der Gartenanlage, von den anmutigen Farbkompositionen Foersters umgeben, steht das Wohnhaus der Familie. Im Gegensatz zum Garten war es nie öffentlich zugänglich. Unauffällige Absperrungen markieren den privaten Bereich. 1911 hatte Karl Foerster seine junge Staudenzüchterei von Berlin-Westend nach Potsdam-Bornim verlegt. Stets offen für neue Strömungen, war er nicht nur mit seinem Schau- und Versuchsgarten zukunftsweisend, sondern begeisterte sich auch 1912 beim Bau seines vielgestaltigen Hauses für den englischen Landhausstil, wie ihn der Architekt Hermann Muthesius (1861-1927) vertrat.

Jede Fassade des Foerster-Hauses ist anders gestaltet. Die Südseite sieht nicht so aus, ist aber ebenso restaurierungsbedürftig wie das gesamte Haus mit seinem Inventar. Für die Wiederherstellung der historischen Hausfassaden hat die Hermann Reemtsma Stiftung aus Hamburg einen Betrag von fast 200.000 Euro bereitgestellt. 
Potsdam, Foerster-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Jede Fassade des Foerster-Hauses ist anders gestaltet. Die Südseite sieht nicht so aus, ist aber ebenso restaurierungsbedürftig wie das gesamte Haus mit seinem Inventar. Für die Wiederherstellung der historischen Hausfassaden hat die Hermann Reemtsma Stiftung aus Hamburg einen Betrag von fast 200.000 Euro bereitgestellt.

Die Anhänger Karl Foersters kennen seine poetischen Bücher, wissen, dass der hervorragende Pflanzenexperte eine sehr empfindsame und kreative Seite hatte. Daher stockt einem der Atem, wenn man vom Senkgarten her auf das Foerster-Haus schaut. In den 1960er Jahren hatte Karl Foerster sein Haus renovieren lassen. Der Originalputz war offenbar so geschädigt, dass er durch den in der DDR verfügbaren, sehr groben Kratzputz ersetzt wurde. Auch die Sprossenfenster vom Wohn- und dem in der Etage darüber befindlichen Musikzimmers wurden gegen großformatige, vereinfachte Glasfenster ausgetauscht. Dabei mussten die Fensteröffnungen den Normformaten angepasst werden. Daher sollen die Hausfassaden nun in ihrer alten Form wiederhergestellt werden, um Haus und Garten Karl Foersters in ihrer ursprünglichen Einheit erlebbar zu machen. Dann wird der herrliche Blick auf das Blütenmeer, auf das Wasserbecken, auf die umgebenden Sträucher und Bäume wieder ungetrübte Freude bereiten.

Das Arbeitszimmer wird freigeräumt: Die G. & H. Murmann-Stiftung stellt 50.000 Euro zur Verfügung, damit dieser Raum zusammen mit der Bibliothek restauriert werden kann. 
Potsdam, Foerster-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Arbeitszimmer wird freigeräumt: Die G. & H. Murmann-Stiftung stellt 50.000 Euro zur Verfügung, damit dieser Raum zusammen mit der Bibliothek restauriert werden kann.

Bis zu seinem Lebensende 1970 wohnte Karl Foerster in diesem Haus. Auch seine 28 Jahre jüngere Witwe, die Sängerin Eva Foerster, lebte dort bis zu ihrem Tod 1997, gepflegt von Tochter Marianne. Die Landschaftsgärtnerin war Anfang der 1990er Jahre aus Brüssel zurückgekehrt, wo sie 30 Jahre lang bei dem belgischen Landschaftsarchitekten René Pechère gearbeitet hatte.

Marianne Foerster lag es am Herzen, das Erbe des Vaters zu bewahren. Garten und Haus waren bereits 1981 als Karl-Foerster-Gedenkstätte in die Denkmalliste der Stadt Potsdam aufgenommen worden. Die Gartendenkmalpfleger der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie das Grünflächenamt nahmen den Garten und seine Pflege unter ihre Fittiche. Anlässlich der Bundesgartenschau 2001 konnte der Foerster-Garten mit Mitteln des Landwirtschaftsministeriums instand gesetzt werden.

Marianne Foerster war die gute Seele des Anwesens. Es war ihr ein großes Bedürfnis, das Lebenswerk ihres Vaters, das nicht allein in seinem Garten- und in der benachbarten Gärtnerei steckt, sondern auch in ihrem Elternhaus, für die Zukunft bewahrt zu wissen. Einen engagierten Mitstreiter fand sie in dem Berliner Wolfgang Behr. Er gründete 2001 eine Stiftung für den Foerster-Garten in der Obhut der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Ein wissenschaftlicher Beirat sorgt dafür, dass bei allen Entscheidungen eine fachliche Beratung gewährleistet ist. Vor drei Jahren starb Marianne Foerster mit 79 Jahren. Der nach ihr benannten Stiftung vermachte sie Garten und Haus.

Dank sehr vieler kleiner Spenden konnten vielfältige Restaurierungsarbeiten ausgeführt werden. In der bereits wiederhergestellten Küche hat nun auch die originale Kochmaschine einen Wohltäter gefunden, der für ihre Restaurierung 10.000 Euro gespendet hat. 
Potsdam, Foerster-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Dank sehr vieler kleiner Spenden konnten vielfältige Restaurierungsarbeiten ausgeführt werden. In der bereits wiederhergestellten Küche hat nun auch die originale Kochmaschine einen Wohltäter gefunden, der für ihre Restaurierung 10.000 Euro gespendet hat.

Ein Juwel für all diejenigen, die mehr als nur Rittersporn mit dem berühmten Staudenzüchter verbinden, und zugleich ein fragiles Denkmalensemble, das besonderer Zuwendung bedarf. Selbst wenn Karl Foerster mit seinen Züchtungen und Pflanzplänen "Gärten für intelligente Faule" anstrebte, brauchen auch seine Gewächse täglich die pflegenden Hände der Gärtnerinnen und Gärtner.

Das Wohnhaus besitzt neben den alltäglichen Zeugnissen des privaten Familienlebens eine kleine, aber bestens ausgestattete Bibliothek sowie ein großes Archiv mit Studien, Aufsätzen, Zeichnungen, Plänen und Fotografien von Karl, Eva und Marianne Foerster. Kunstwerke und Briefe rufen in Erinnerung, dass das humanistisch geprägte Ehepaar stets ein gastfreundliches und vielbesuchtes Haus für schöpferische Menschen wie etwa den Pianisten Wilhelm Kempff oder den Architekten Otto Bartning hatte.

Für die Zukunft sieht die Marianne Foerster-Stiftung vor, die untere Etage mit Wohnzimmer, Arbeitszimmer und Bibliothek der Öffentlichkeit in einem begrenzten Rahmen zugänglich zu machen. In einem der Obergeschosse soll ein Arbeitsplatz mit Präsenzbibliothek für Forscher eingerichtet werden. Wer dort aus dem hellen Raum des ehemaligen Wohn- und Schlafzimmers Eva Foersters seinen Blick zum Senkgarten oder von der gemütlichen Loggia auf den Frühlingsweg und über die Staudengärtnerei schweifen lässt, fühlt sich dem ambitionierten Züchter und feingeistigen Gartenphilosophen Karl Foerster nahe.

Haus und Garten von Karl Foerster bilden eine Einheit. 
Potsdam, Foerster-Haus © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Haus und Garten von Karl Foerster bilden eine Einheit.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Derzeit wird das gesamte Inventar erfasst, dokumentiert und der Teil digitalisiert, der in die Staatsbibliothek nach Berlin übergeht. Vor allem jedoch muss das Wohnhaus restauriert werden. In ihm hat sich ein regelrechter Sanierungsstau gebildet. So sind beispielsweise die Kellerwände durchfeuchtet und die gesamten Elektroinstallationen veraltet. Dank der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Potsdam ist seit den 1990er Jahren das Dach dicht und in gutem Zustand. Die Marianne Foerster-Stiftung half ab 2004 unter anderem, die historischen Holzfenster und -läden aufzuarbeiten sowie die große Küche zu restaurieren. Auch die sanitären Anlagen und der zentrale, undichte Kaminschlot sind nun instand gesetzt. Doch in dem bejahrten dreistöckigen Haus mit seinen 18 möblierten Zimmern gibt es noch viel zu tun. Daher hofft die Marianne Foerster-Stiftung auf Zustifter und Spender, die sich dem Vermächtnis Karl Foersters finanziell widmen. Sein berühmter Ausspruch "Ein Garten ohne Phlox ist ein Irrtum" kann man mit bestem Gewissen ergänzen: der berühmte Garten ohne das Foerster-Haus auch.

Christiane Rossner

Für die Bewahrung des Foerster-Hauses bitten wir um Spenden, damit zeitnah die vielen notwendigen Restaurierungsmaßnahmen begonnen werden können. Auch Zustiftungen in die Marianne Foerster-Stiftung sind willkommen.

Die jährlich anfallenden Zinserträge des Stiftungskapitals werden für die laufenden Unterhaltungskosten und für die bauliche Pflege des Hauses verwendet. DSD-Marianne Foerster-Stiftung, Konto-Nr. 212799402 bei der Commerzbank AG Köln, BLZ 370 800 40, Verwendungszweck: 1008033.

Bitte vermerken Sie, ob es sich um eine Spende oder eine Zustiftung handelt.

Detaillierte Informationen über die Marianne Foerster-Stiftung erhalten Sie hier.

Der Garten ist öffentlich zugänglich und der Eintritt frei.