Städte und Ensembles Herrscher, Künstler, Architekten April 2013

Vielfalt rund um den Dresdner Körnerplatz

Eierschecke & Kunst

Der Körnerplatz in Dresden ist Geschäfts- und Verkehrsmittelpunkt mit großer historischer Tradition am Kopf der denkmalgeschützten Elbbrücke "Blaues Wunder". Er wurde nach Christian Gottfried Körner (1756-1831) benannt, der 1783 nach Dresden kam.

Der Körnerplatz in Dresden-Loschwitz vom Elbhang aus gesehen mit der Brücke "Blaues Wunder" im Hintergrund. 
Dresden-Loschwitz, Körnerplatz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Der Körnerplatz in Dresden-Loschwitz vom Elbhang aus gesehen mit der Brücke "Blaues Wunder" im Hintergrund.

Viele Male in meinem Leben habe ich den Körnerplatz in Dresden mit meiner Familie und in Begleitung der charmanten 70-, 80- und dann 90-jährigen Dresdnerin Hildegard Rätzsch besucht. Wo, wenn nicht hier - auch schon vor 1990 - gab es Blumen, Eierschecke und Stollen, Kunstgewerbe und Kunst sowie vieles andere mehr an einem einzigen Ort und das fast immer begleitet von einem Wohlfühleffekt?

Es sind schöne gründerzeitliche Häuser, die am Körnerplatz stehen, typische Körnerplatzhäuser. Sie haben den Krieg unzerstört überlebt. Auf der einen Seite des Platzes bilden sie ein in sich geschlossenes, unverwechselbares Ensemble und auf der anderen einen Übergang in eine städtebauliche Situation, die eher ländlich geprägt ist. Aus dieser ragt in einer charakteristischen terrassenförmigen Bebauung des Elbhangs die Loschwitzer Kirche von George Bähr, dem Schöpfer der Dresdner Frauenkirche, als Blickfang heraus, ein Kleinod an diesem Platz. Vom Krieg stark beschädigt, konnte sie nach 1990 mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wieder aufgebaut werden.

Gegenüber dem Schillerhäuschen erinnert ein Brunnen an den Dichter, hier im Detail Schillers Abschied von Christian Gottfried Körner im Jahr 1787. 
Dresden-Loschwitz, Körnerplatz © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Gegenüber dem Schillerhäuschen erinnert ein Brunnen an den Dichter, hier im Detail Schillers Abschied von Christian Gottfried Körner im Jahr 1787.

Angenehme Urbanität

Trotz des starken Verkehrs, den der Platz zurzeit noch aufnehmen muss, vermittelt er als öffentlicher Raum eine angenehme Urbanität. Über seine Verbindungen, durch die Schillerstraße zum Weißen Hirsch, ebenso zum reizenden Loschwitzer Elbhang und zur Brücke "Blaues Wunder", wird der Körnerplatz ein besonderer Ort.

Über den Namen Körner habe ich in all den Jahren nie nachgedacht. Er war mir selbstverständlich, denn der Dichter Theodor Körner ist bei uns in Norddeutschland überall ein Begriff. Auf seinen Vater, den Namensgeber dieses Platzes, stieß ich erst durch eine Schiller-Biografie. Vater Christian Gottfried Körner war nicht nur selbst Schriftsteller, sondern ein Freund und Förderer von Friedrich Schiller. Er veröffentlichte die erste Gesamtausgabe des Schillerschen Werkes und ist Herausgeber des poetischen Nachlasses seines Sohnes Theodor. Er war derjenige, der Schiller in Leipzig und Dresden aufnahm und finanzielle Mittel für den Dichter der "Ode an die Freude" zur Verfügung stellte. Das kleine Haus, in dem Schiller an "Don Carlos" arbeitete und 1785 unter anderem die Zeile "Freude, schöner Götterfunken" schrieb, kann man vom Körnerplatz aus sehen.

Wo die "Ode an die Freude" geschaffen wurde

Dort also entstand der Text, der mit Beethovens Musik den Siegeszug um die Welt antrat und der als Europa-Hymne symbolisch für unseren Kulturkreis steht. Friedrich Schiller selbst stand diesem Gedicht immer eher distanziert gegenüber, und Ludwig van Beethoven, so heißt es, habe lange gezögert, bevor er den Chor in die 9. Sinfonie einarbeitete. Beide hatten voller Begeisterung die Französische Revolution begrüßt, der im weiteren Verlauf, bis hin zu Napoleons Eroberungsfeldzügen, eine große Ernüchterung folgte.

Das Schillerhäuschen an der Schillerstraße 19 innen. Es ist heute Museum. 
Dresden-Loschwitz, Schillerhäuschen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Schillerhäuschen an der Schillerstraße 19 innen. Es ist heute Museum.

Heutige Kommentare, dass die "Ode an die Freude" im Grunde kitschig sei, kann man dahingestellt sein lassen, wenn man sie gegen die gemeinschaftsbildende Kraft und den Ausdruck der Sinfonie abwägt.

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie der Körnerplatz Anfang des 19. Jahrhunderts aussah, als sich Schiller bei Christian Gottfried Körner aufhielt. Auch heute noch kann man sehr romantische Momente in dieser Gegend erleben. Charakterisieren würde ich diesen Platz als einen historischen und authentischen Teil einer lebendigen Stadt. Nicht von ungefähr hat es hierhin immer Kunsthandwerker und Künstler gezogen.

Der 1968 in Dresden geborene Arzt und Schriftsteller Uwe Tellkamp zum Beispiel hat dem Viertel mit seinen Romanen "Der Turm" und "Die Schwebebahn" einen neuen zeitgeschichtlichen Hintergrund gegeben.

Rosemarie Wilcken

Das Schillerhäuschen in Loschwitz außen 
Dresden-Loschwitz, Schillerhäuschen © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das Schillerhäuschen in Loschwitz außen

Christian Gottfried Körner, nach dem der Körnerplatz benannt wurde, war in Dresden zuerst als Oberkonsistorialrat und ab 1790 als Oberappellationsgerichtsrat tätig. Er bewohnte ein Haus am Kohlenmarkt, später kaufte Körner einen Weinberg und ein Landhaus. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte - neben der Wiederherstellung der evangelischen Loschwitzer Kirche von George Bähr - die Restaurierung des ehemaligen Wohnhauses der Familie Körner am Körnerweg 6. Körner sah sich der Kunst verpflichtet und sammelte einen Kreis von bedeutenden Künstlern seiner Zeit um sich, darunter Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Gottfried von Herder, Heinrich von Kleist und die Gebrüder Schlegel.

Der Körnerplatz entstand auf dem ehemaligen Dorfplatz des Weinbauortes. Im Zuge des Brückenbaus Ende des 19. Jahrhunderts wurden Häuser abgerissen. 1895 eröffnete die Standseilbahn zum Weißen Hirsch und nach Oberloschwitz, 1901 die Schwebebahn, korrekt eigentlich eine Hängebahn.

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