Schlösser und Burgen August 2010

Das Malteserschloss in Dätzingen

Seeschlacht in Schwaben

Wie kommen historische Ansichten von La Valletta, der Hauptstadt von Malta, ins schwäbische Dätzingen? Diese Frage stellen sich wohl viele Besucher des dortigen Schlosses.

Eine der Veduten im Maltesersaal: Blick von Norden auf die Festungsstadt La Valletta  
Dätzingen, Malteserschloss © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Eine der Veduten im Maltesersaal: Blick von Norden auf die Festungsstadt La Valletta

Dabei ist die Antwort ganz einfach, denn Dätzingen, das heute zur Gemeinde Grafenau gehört, war seit 1263 Kommende des Johanniterordens. 1530, sieben Jahre nach dem Verlust von Rhodos nach der Belagerung durch die osmanische Flotte, sprach Kaiser Karl V. dem Orden die Insel Malta zu. Um weiteren Angriffen gewachsen zu sein, errichtete der nun Malteser genannte Orden um 1570 die Festung La Valletta, benannt nach dem ersten Großmeister auf Malta, Jean de la Valette.


Wohl deshalb gab Johann Baptist von Flachslanden, der letzte Komtur in Dätzingen, 1780 den Auftrag, den frühklassizistischen Festsaal im Obergeschoss mit Veduten auszuschmücken. Sie zeigen neben Seeschlachten, an denen der Orden beteiligt war, mehrere Ansichten von La Valletta. Der Saal ist das Glanzstück des Schlosses, das Anfang des 17. Jahrhunderts aus einer Wasserburg entstand und 1733 zur heute bestehenden vierflügeligen Anlage erweitert wurde.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 endete die Herrschaft der Malteser in Dätzingen. Der Ort gehörte von da an zum Königreich Württemberg. 1810 schenkte König Friedrich I. das Schloss dem Grafen Karl Ludwig von Dillen, der es 1812 vom Hofarchitekten Nikolaus Friedrich von Thouret klassizistisch umgestalten ließ. Dieser schuf auch den die Eingangsfassade prägenden Säulenportikus mit dem Wappen des Grafen von Dillen im Giebeldreieck.

Noch wird am Portikus des Schlosses Dätzingen gearbeitet. 
Dätzingen, Malteserschloss © ML Preiss, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Noch wird am Portikus des Schlosses Dätzingen gearbeitet.

Seit 1961 ist das Schloss in der Ortsmitte von Dätzingen im Besitz der Gemeinde, die es mit großem Erfolg kulturell nutzt. In der stimmungsvollen Atmosphäre des Maltesersaals finden Konzerte und andere Veranstaltungen statt. Häufig geben sich hier auch Paare das Jawort, denn der Saal zählt zu den schönsten Räumen im Landkreis Böblingen. Außerdem sind verschiedene Einrichtungen wie eine deutschlandweit bekannte Galerie, ein Auktionshaus, ein Antiquariat und das Heimatmuseum im Schloss ansässig. Alle finden in der Gegend um Stuttgart und Sindelfingen ein interessiertes Publikum.

Nach einer letzten Sanierung des Schlosses in den 1980er Jahren, die sich aber wohl nur auf oberflächliche Reparaturen bezog, wurden vor ein paar Jahren schwerwiegende Schäden an der Bausubstanz festgestellt, die dringend behoben werden müssen. Zur Zeit laufen die Außenarbeiten: Vor allem das Dach und der Portikus, der von Thouret auf den ehemaligen Burggraben gesetzt wurde, mussten dringend gesichert und saniert werden. Dabei werden die beachtlichen Eigenmittel der Gemeinde vom Land Baden-Württemberg - sowohl vom Landesdenkmalamt als auch aus dem Landessanierungsprogramm - und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ergänzt. Sie stellte 70.000 Euro für die Dachsanierung zur Verfügung.

Derzeit stehen die Arbeiten im Dachbereich vor ihrem Abschluss. Diese Schäden hatten aber auch Auswirkungen auf Holzkonstruktionen im Inneren. So senkt sich die Decke des Maltesersaals noch immer deutlich. Es ist deshalb zu wünschen, dass die Stabilisierung auch hier bald gelingt, damit dieser prächtige Saal für die Gemeinde und ihre Besucher weiterhin zur Verfügung steht und sich wieder in voller Schönheit zeigen kann.

Dorothee Reimann

Weitere Infos im WWW:

www.grafenau-wuertt.de