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Feste Wurzeln, starke Werte

Darum brauchen wir Denkmale

Gerade feierten Millionen Menschen in Deutschland ihre Denkmale und das, was sie uns lehren können. Wenige Tage später demontiert der Bund mit der Zerstörung eines Berliner Denkmals die eigene Erinnerungskultur. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz tritt für die Bewahrung des kulturellen Erbes ein – eine Voraussetzung für die Stärkung von Kultur, Identifikation und Solidarität in unserer Gesellschaft.

Bei Denkmalen gehen die Meinungen auseinander: Dem einen sind sie gleichgültig, dem anderen bedeuten sie alles. Beim Tag des offenen Denkmals® im September wurde der Wille vieler, sie zu erhalten und wertzuschätzen, wieder deutlich. Denn mit Denkmalen sind Werte verknüpft: der Wert für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen. Und der Wert, den das Denkmal nach dem Verständnis der Denkmalpflege besitzt. Was macht also ein vermeintlich gewöhnliches Gebäude zu einem schützenswerten?

Das Holstentor, ein Zeugnis der wechselhaften Stadtgeschichte. Die meisten Lübecker erfüllt es mit Stolz.
© Roland Rossner / DSD
Das Holstentor, ein Zeugnis der wechselhaften Stadtgeschichte. Die meisten Lübecker erfüllt es mit Stolz.

Gründe dafür gibt es viele. Die Denkmalpflege beschäftigt sich mit der historischen Zeugniskraft. Gesetzliche Grundlage bieten in Deutschland die Denkmalschutzgesetze der Länder. Hier sind bestimmte Kriterien festgelegt, die das Objekt erfüllen muss – geschichtlich, künstlerisch, wissenschaftlich, städtebaulich oder technisch. Für die Klassifizierung als Denkmal spielt die regionale und historische Bedeutung eine Rolle oder dessen Symbolkraft.


„Mindestens ein Kriterium der Unterschutzstellung sollte nach den jeweiligen Denkmalschutzgesetzen erfüllt sein“, sagt Dr. Jörg Widmaier von der Inventarisation im Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg. Dort sind es wissenschaftliche, künstlerische und heimatgeschichtliche Gründe. Allen gemein ist: Für jedes potenzielle Denkmal muss ein öffentliches Erhaltungsinteresse bestehen. Dennoch misst jede Generation den Zeugnissen der Geschichte andere Bedeutung und Werte bei und prägt so den Umgang mit ihnen. Hier setzt diese Geschichte ein: Warum sind die Spuren der Vergangenheit für unsere Zukunft wichtig? Was geht verloren, wenn sie zerstört werden?


Eine Zukunft für die Vergangenheit


Die Antworten auf diese Fragen gab die Zeit des Wiederaufbaus und der Rekonstruktion nach dem Zweiten Weltkrieg. Anders als die Phase der Abrisswut, der ab den 1970er Jahren eine breite Bürgerbewegung entgegentrat, die 1975 im Europäischen Denkmalschutzjahr im Motto „Eine Zukunft für unsere Vergangenheit“ mündete. Die Entwicklung der Denkmalschutzgesetze hatte zum Ziel, den Wert eines Denkmals mit nachvollziehbaren Vorgaben zu verankern. Dieser Denkmalbegriff, der das Monument als wichtiges Zeugnis der Vergangenheit versteht, prägte das heutige Verständnis der Denkmalpflege mit. Die sich wandelnde Lesart von Geschichte ließ auch Bauten aus dem 19. und 20. Jahrhundert und Zeugnisse der Industriekultur und Alltagsgeschichte denkmalwürdig werden. Der Ensembleschutz wurde relevant.

Dr. Jörg Widmaier studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte. Nun ist er stellvertretender Referatsleiter der Inventarisation im Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg.
© Sabine Kraume-Probst
Dr. Jörg Widmaier studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Geschichte. Nun ist er stellvertretender Referatsleiter der Inventarisation im Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg.

In die Stadtplanung und -sanierung integrierten sich denkmalpflegerische Ziele. Das zeigt: Der Wert von Denkmalen – ab vom klassischen Denkmalwert – hängt mit dem gesellschaftlichen Wandel und dem geltenden Wertekanon zusammen. Sie sind tief verwurzelte Haltungen und Überzeugungen, die eine Gesellschaft gemeinsam trägt. Was allerdings in den 1970er Jahren so aussichtsreich startete, ist mittlerweile wieder im Abwärtstrend: Heute sind nur noch etwa 3,5 Prozent der Gebäude in Deutschland denkmalgeschützt. Tendenz fallend – auch, weil Normen durch die Novellierung von Denkmalschutzgesetzen aufgeweicht werden – und damit die Wirksamkeit des Denkmalschutzes deutlich nachlässt.


Vom Wert der Denkmale


Eine fatale Entwicklung. Denn Denkmalen kommt eine ganz besondere Bedeutung in unserer Gesellschaft zu. „Sie fordern uns zur Auseinandersetzung auf. Weil sie so schön sind, weil wir erstaunt sind über ihre konstruktiven oder materiellen Feinheiten, weil sie uns ein Gefühl von regionaler Zugehörigkeit geben oder weil wir schaudern über ihre grausige Vergangenheit, die sie dokumentieren“, weiß Widmaier. Denkmale bezeugen Geschichte, die wir als Einzelne und als Gesellschaft in Erinnerung bewahren wollen. Wie Geschichte nicht fortgeschrieben werden sollte, zeigt aktuell das Beispiel des geplanten Abrisses des Berliner Generalshotels. Hier zerstört der Bund deutsch-deutsche Geschichte, ohne auf die Bürger und insbesondere den Rat von Fachleuten zu hören.





Über Denkmalschutz lernen


In unserer Wanderausstellung „Liebe oder Last?! – Baustelle Denkmal“ werden das Holstentor und die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sowie weitere Beispiele und Denkmalthemen gezeigt. Ab November 2023 wird die Ausstellung im Historischen Museum Bremerhaven Station machen. Sie sind herzlich eingeladen!


AKTUELLE STATION - 01.04.2023–29.10.2023

Historisches Museum in der Alten

Hofhaltung Bamberg

Domplatz 7

96049 Bamberg


NÄCHSTE STATION - 04.11.2023–01.04.2024

Historisches Museum Bremerhaven

An der Geeste

27570 Bremerhaven


Noch Fragen? Melden Sie sich! Das Team gibt gern Auskunft. Tel.: 0228 9091-224, E-Mail: wanderausstellung@denkmalschutz.de

 
Ein intaktes, denkmalgeschütztes Gebäude wird gegen den Widerstand von Bürgern abgerissen: Das sogenannte Generalshotel am Flughafen Schönefeld, BER.
© Archiv Kühn
Ein intaktes, denkmalgeschütztes Gebäude wird gegen den Widerstand von Bürgern abgerissen: Das sogenannte Generalshotel am Flughafen Schönefeld, BER.

„Die Denkmalpflege muss aus der Deckung kommen, um den Wandel der Baukultur und die Abrissdebatten zu beeinflussen“, sagt Widmaier. Der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) liegen darüber hinaus zahlreiche Hinweise für geplante Teilabrisse und Abrisse vor. Der Vorstand der DSD, Dr. Steffen Skudelny: „Um dieser Entwicklung frühzeitig Einhalt zu gebieten, müssen wir es schaffen, noch mehr den Wert von Denkmalen ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – nicht nur des reinen Erhalts wegen.“ Denkmale stünden in unserer Zeit, die durch Schnelligkeit, Globalisierung und Unsicherheit geprägt ist, für Regionalität, Kontinuität, Langlebigkeit und damit auch für Zukunft. „Sie geben starke Wurzeln, anstatt stetes Wachstum zu repräsentieren. Sie stehen für das respektvolle Erhalten, anstatt für das stetige Erneuern“, bestärkt auch Widmaier die Bedeutung unseres kulturellen Erbes.


Der Kampf um die Denkmale


Davon zeugen die zahlreichen allgemeinen Diskurse, die immer wieder die Bedeutung des Denkmalschutzes zum Thema haben. Die Kunsthistorikerin Gabi Dolff-Bonekämper spricht dabei vom „Streitwert des Denkmals“. Beispiele aus der Geschichte zeigen, dass es sich lohnt, für diese bedeutenden Orte zu kämpfen. Das Holstentor in Lübeck beispielsweise ist heute das prägende Wahrzeichen der Stadt und gehört neben dem Kölner Dom oder Schloss Neuschwanstein wohl zu den bekanntesten Denkmalen in Deutschland. Die stadtgeschichtliche Bedeutung und der Missbrauch durch die Nationalsozialisten werden in einem Museum im Bauwerk selbst aufgearbeitet. Das Tor war durchaus umstritten: 1863 konnte nur die Mehrheit von einer Stimme im Lübecker Senat den Abriss verhindern. Denn damals stand die Stadtmauer dem Ausbau der Eisenbahn im Weg.


Den geplanten Abriss der im Zweiten Weltkrieg stark beschädigten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche konnten nur energische Bürgerproteste verhindern. Ab 1947 entbrannte ein heftiger Streit um den symbolträchtigen Ort. In einem Architekturwettbewerb ging der Architekt Egon Eiermann zehn Jahre später als Sieger hervor – und schlug den Abriss der Ruine vor. Erst der öffentliche Druck zog eine Überarbeitung des Entwurfs nach sich. Das wohl bekannteste deutsche Wahrzeichen der Nachkriegszeit wurde als Mahnmal für den Frieden und als Symbol für die junge, demokratische Bundesrepublik erhalten. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert momentan Restaurierungsmaßnahmen am von Eiermann gebauten Teil, der inzwischen ebenfalls denkmalgeschützt ist.

Die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sollte weichen. Dank Gegenwehr steht sie noch und mahnt zum Frieden.
© Roland Rossner / DSD
Die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sollte weichen. Dank Gegenwehr steht sie noch und mahnt zum Frieden.

Vom Streitwert zur wissenden Substanz


Der öffentliche Kampf um geschädigte, baufällige oder dem Abriss freigegebene Denkmale kann diesen nicht immer verhindern. Ein weiteres aktuelles Beispiel: Trotz großen Protests konnte die vom Hochwasser 2021 beschädigte Recher Nepomukbrücke im Ahrtal nicht gerettet werden: Im Juli 2023 wurde das Bauwerk abgerissen. Besonders tragisch ist vor allem die Tatsache, dass kein schonender Rückbau der 300 Jahre alten Brücke vorgenommen wurde.


„Unseres Wissens nach wurde der Abbruch nicht von Fachleuten wie Denkmalpflegern, Archäologen oder Bauforschern begleitet“, sagt Skudelny. „Aus denkmalpflegerischer Sicht wäre hier zumindest eine stufen- und schichtweise Abtragung und Untersuchung sowie umfangreiche Dokumentation angezeigt gewesen. Alle historischen Informationen, die die Brücke – außerhalb der sichtbaren Bereiche – in sich trägt, sind somit verloren gegangen.“ Die originale Substanz sei eben auch ein Speicher für jahrhundertealtes, bauhistorisches Wissen, das heute noch hilft, Bauaufgaben in der Denkmalpflege in Einklang mit dem Denkmal und für einen langlebigen Erhalt zu sichern.

Der Abriss der  Nepomukbrücke im Ahrtal konnte trotz  großer Proteste nicht verhindert werden.
© Roland Rossner / DSD
Der Abriss der Nepomukbrücke im Ahrtal konnte trotz großer Proteste nicht verhindert werden.

Wissen um Nachhaltigkeit


Das kann der Restaurator Stephan Rudolph bestätigen. Seit über 38 Jahren arbeitet er im Baubetrieb. „Als ich noch als Maurer tätig war, hatte ich große Zweifel an den neuen Baustoffen“, erzählt er. Seit 23 Jahren hat er sich der Denkmalpflege verschrieben. Seine Liebe gilt dabei dem Kalk in allen Formen. Für heutige Probleme sucht er oft Lösungen bei alten Baumeistern wie Vitruv, einem römischen Architekten aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. „Das mag rückwärtsgewandt klingen, aber was Mörtel angeht, gab es früher ideale Bedingungen, Techniken und Materialien – und zwar im direkten Umkreis der Baustellen. Es macht ja auch keinen Sinn, Gemüse in der Wüste anzubauen und Tausende Kilometer zu transportieren.“


Bei der Restaurierung des ehemaligen fürstbischöflichen Forstamtes von 1751 in der oberbayerischen Stadt Beilngries konnte er seine Begeisterung für die traditionellen Techniken und regionalen Baustoffe voll entfalten. Das heutige Einzeldenkmal im historischen Ensemble plante der berühmte Schweizer Baumeister Gabriel de Gabrieli. Neben der Instandsetzung der Dachfläche mit alten Ziegeln wurden die historischen Unterputze der Außenfassade so weit wie möglich erhalten und ein denkmalverträglicher, selbst angemischter, trockengelöschter Putz aufgetragen. „Mit Kalkstein aus Altmannstein, Sanden aus Beilngries und Ockerpigment aus Amberg“, sagt Rudolph. Über seine langjährige Praxis weiß er, dass das bestandsgleiche Material am besten mit der historischen Bausubstanz harmoniert und dabei, im Falle von Kalkmörtel, wie ein Transporteur für mögliche Schadstoffe aus dem Gemäuer wirkt. „Wenn es handwerklich gut ausgeführt ist, ist der Kalk langlebig und unverwüstlich“, erklärt der Restaurator.

Das restaurierte Gabrieli-Haus ist wieder ein lebendiger Teil der Stadt Beilngries.
© Marius Stadler
Das restaurierte Gabrieli-Haus ist wieder ein lebendiger Teil der Stadt Beilngries.

Soziale Funktion: „Das Beste, was passieren konnte“


Ein weiterer, heute zunehmend wichtiger Aspekt ist neben der Nachhaltigkeit die gesellschaftliche Funktion von Denkmalen – nicht wenige Monumente erfüllen einen sozialen Zweck. So fördert die DSD die Restaurierungsmaßnahmen am Beilngrieser Forstamt, die zusammen mit einem engagierten Team aus Handwerkern, dem Architekten Marius Stadler und dem jungen Besitzer Tobias Lindner umgesetzt wurden. Lindner ist selbst Forstingenieur und kennt das Haus noch aus Kindheitstagen. Er rettete es zusammen mit seinem Vater Eduard Lindner, selbst Denkmal-Fan.


Mittlerweile ist das ehemalige Forstamt wieder genutzt: Die Vorbesitzerin hat lebenslanges Wohnrecht, im unteren Geschoss ist ein Mutter-Kind-Café eingezogen und das Personal kann zu fairen Preisen wohnen. Das Denkmal wurde vor dem Verfall gerettet und wiederbelebt. „Dass es genutzt und gebraucht wird, ist das Beste, was dem Gabrieli-Haus passieren kann“, sagt Stadler. Nun ist es wieder eine Sehenswürdigkeit und stärkt die Sozialstruktur des Ortes. „Bei einem Cafébesuch kann man die Fassadenrestaurierung bestaunen, in den Fensternischen sitzen, das Denkmal in Ruhe erleben und sich wohlfühlen. Ein Denkmal für Alt und Jung“, sagt der Architekt.

© Marius Stadler
Der Restaurator Stephan Rudolph mit seiner Tochter, die Kirchenmalerin ist. Zusammen mit ihrem Team haben sie die Fassade restauriert.
© Roland Rossner / DSD
Der Restaurator Stephan Rudolph mit seiner Tochter, die Kirchenmalerin ist. Zusammen mit ihrem Team haben sie die Fassade restauriert.
 


Schmieden, Schreinern, Steindachdecken


Gerade der jungen Generation will man den Wert der historischen Substanz ans Herz legen. Im Jurastadel im oberpfälzischen Pittmansdorf wird Freiwilligen der Jugendbauhütte Regensburg in einem gemeinsamen Ferienangebot des Landkreises Regensburg die Bedeutung von regionaler, alter Bautradition vermittelt. Der Jurastadel ist ein herausragendes Beispiel für die regionaltypische Städelbaukunst. Nach Rettung und Instandsetzung schmiegt sich der Bau mit dem schweren Legschieferdach wieder in die Landschaft. „Dem Gebäude sieht man an, dass es mit uralter Handwerkskunst gebaut wurde. Dieses Wissen wollen wir weitergeben“, sagt Stefan Aichner, Leiter der Regensburger Jugendbauhütte. Er ist zusammen mit dem Landkreis und der JuraMarktStadel, der neuen Eigentümerin, Mitorganisator des Seminars. 


Die Jugendlichen lernen Schmieden, Schreinern und das Steindachdecken. „Es gibt derzeit weltweit nur noch vier oder fünf Menschen, die fachgerecht ein Jurakalkplattendach eindecken oder reparieren können“, erzählt Dr. Thomas Feuerer, der Vorsitzende der Genossenschaft. Er hofft natürlich auf Nachfolger unter den Jugendlichen. Nach der Instandsetzung zwischen 2019 und 2022 dient der Stadel nun zur Direktvermarktung von selbst produzierten, regionalen Lebensmitteln – Denkmalschutz und zukunftsweisende Nutzung verbinden sich vorbildlich. Damit wird die kultur- und bauhistorische Qualität des Stadels in einem neuen Umfeld wieder erlebbar. Das Engagement der JuraMarktStadel wurde vom Bayerischen Staatsministerium und vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege jüngst mit der Denkmalschutzmedaille ausgezeichnet. Die DSD unterstützte das Projekt.

Beim Jugendbauhüttenseminar lernen die Jugendlichen das Zerkleinern von Kalkplatten und das Dachdecken.
© Thomas Feuerer
Beim Jugendbauhüttenseminar lernen die Jugendlichen das Zerkleinern von Kalkplatten und das Dachdecken.
Jurastadel in Pittmannsdorf: Die einzigartige Baukultur der Dachdeckung mit mehrfach geschichteten Kalkplatten geht auf die regionalen Gegebenheiten der Kalkplattenvorkommen im Altmühlgebiet zurück.
© Thomas Feuerer
Jurastadel in Pittmannsdorf: Die einzigartige Baukultur der Dachdeckung mit mehrfach geschichteten Kalkplatten geht auf die regionalen Gegebenheiten der Kalkplattenvorkommen im Altmühlgebiet zurück.
 


Lebendiger Kultur- und Erinnerungsort


Genauso wie die Wiederbelebung von Haus Wibbelsmann im niedersächsischen Glandorf. Denn gemeinsam mit Hauptakteuren vor Ort ist die DSD überzeugt: Die Erhaltung ist in hohem Maß kultur- und identitätsstiftend für Dorf und Region. „Vorher war das Haus ein Schandfleck innerhalb der Kirchburg, heute sind Anwohner und Besucher begeistert“, erzählt Karl-Heinz Krützkamp. Er ist stellvertretender Vorsitzender des zehnköpfigen Vorstands des Kultur- und Heimatvereins. Dieser setzt sich seit 2019 ehrenamtlich für die Rettung des vom Sanierungsstau geplagten Fachwerkhauses ein. 


„Mit dem Projekt ist es dem Verein gelungen, den Ausverkauf der Historie, der seit 60 Jahren in Glandorf passiert, zu stoppen“, ergänzt Vorstandskollege Dieter Heimsath.

Mit Hilfe der DSD sind Ausstellungs- und Veranstaltungsräume sowie der Sitz des Glandorf-Archivs entstanden, das die 900-jährige Geschichte des Ortes vermittelt. In seiner neuen Funktion als kultureller Mittelpunkt der Gemeinde werden die Geschehnisse der Geschichte und Zeitgeschichte in der Bevölkerung wieder verankert – ein lebendiger Erinnerungsort, der durch die respektvolle Restaurierung und Nutzung revitalisiert wurde.

© Heimat- und Kulturverein Glandorf
© Heimat- und Kulturverein Glandorf
 
Vorher/nachher: Die Instandsetzung und Wiederbelebung von Haus Wibbelsmann in Niedersachsen bringt die Menschen zusammen.
Vorher/nachher: Die Instandsetzung und Wiederbelebung von Haus Wibbelsmann in Niedersachsen bringt die Menschen zusammen.


Weiterbildung und Aufbruch


Die Idee des Erhaltens durch aktive Nutzung ist auch Philosophie der Vereinigung der Freunde von Burg Rothenfels mit seinen 1.000 Mitgliedern. Sie pflegt und nutzt das geschichtsträchtige Denkmal. „Dabei versuchen wir, den Ansprüchen der Zeit durch Modernisierungsmaßnahmen und energetische Ertüchtigung gerecht zu werden“, sagt die Vorstandsvorsitzende Claudia Hamelbeck. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb 1919 der damalige katholische Jugendbund Quickbornfreunde die Stauferburg. Der Ausbau von Rothenfels zum Zentrum der Jugendbewegung mit Bildungsangeboten und Übernachtungen begann. Zusammen mit dem Theologen Romano Guardini und dem bekannten deutschen Architekten Rudolf Schwarz wurde eine neue, geistige Ausrichtung mit den für diese Zeit wegweisenden Gestaltungsvorstellungen verbunden. Schwarz beschrieb die Burg damals als „haptisch, greifbar und echt“ – und als „Anstoß gebend“.


Hamelbeck, die seit ihrer Jugend mit der Jugendburg verbunden ist, sagt: „Es ging um die Besinnung auf das Wesentliche, um den neugierigen Ausbruch und das Weiterdenken. Es ging um die Bildung des Menschen.“ Beispielsweise sei der deutsche Zweig der internationalen Friedensbewegung Pax Christi von Quickbornern mitgegründet worden. Heute ist die Burg noch immer Jugendherberge und Bildungszentrum mit musisch-kreativen, politischen und theologisch-spirituellen Angeboten. „Wir haben eine Werkstatt mit historischen Saiteninstrumenten, geben aber genauso Raum für Themen junger Menschen, die die Tagungen häufig selbst organisieren und gestalten“, erzählt Hamelbeck. 

Die denkmalgeschützte Burg Rothenfels ist ein wichtiger Ort: Er lehrt den Respekt vor nachhaltigem Bauen und ein generationsübergreifendes Miteinander, zum Beispiel beim alljährlichen Jonglage-Wochenende.
© Burg Rothenfels
Die denkmalgeschützte Burg Rothenfels ist ein wichtiger Ort: Er lehrt den Respekt vor nachhaltigem Bauen und ein generationsübergreifendes Miteinander, zum Beispiel beim alljährlichen Jonglage-Wochenende.
Ideal gelegen: Auf einem Bergrücken des Maintals erstreckt sich die weitläufige Burg Rothenfels, bestehend aus Außen- und Hauptburg.
© Jörn Peters
Ideal gelegen: Auf einem Bergrücken des Maintals erstreckt sich die weitläufige Burg Rothenfels, bestehend aus Außen- und Hauptburg.
 

Bis Ende 2024 werden die geplanten Maßnahmen zur Erhaltung eine große Herausforderung sein, da der Betrieb eingeschränkt ist. Schäden am statisch-konstruktiven Gefüge der Burg machen die Sanierung des Ostpalas mit den beiden Türmen und dem Verbindungsbau zum Südflügel dringend erforderlich. Dieser Teil birgt auch die Raumkunstwerke des Rittersaals und der Burgkapelle von Schwarz. „Unter anderem gibt es starke Rissbildungen am Ostturm. Die Instandsetzung ist für den dauerhaften Erhalt der Burg wichtig“, erklärt DSD-Referent Dr. Peter Schabe. Aktuell unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz das umfangreiche Projekt.


Helfen Sie uns, diese bedeutende mittelalterliche Burg als Ort für menschliche Bildung und gedankliche Anstöße zu erhalten. Lassen Sie uns gemeinsam weiterdenken und weitermachen: Denn nur, wenn das Denkmal als Wert und Wertschöpfer erlebt werden kann, lässt sich eine größere gesellschaftliche Akzeptanz für das Anliegen des Denkmalschutzes und des respektvollen Erhalts schaffen.


www.denkmalschutz.de/burg-rothenfels


Svenja Brüggemann

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Es wird Zeit: Risse am Ostturm der Burg machen dem Denkmal zu schaffen.
© Burg Rothenfels
Es wird Zeit: Risse am Ostturm der Burg machen dem Denkmal zu schaffen.
 



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