Herrscher, Künstler, Architekten April 2017

Das Leben der Luthers in Wittenberg

Martin und „Herr Käthe“

Katharina von Bora, die Frau an Martin Luthers Seite, war sehr geschäftstüchtig und führte das große Wittenberger Haus der Familie wie eine Unternehmerin.

„Ich habe eine wunderliche Haushaltung, ich verzehre mehr als ich einnehme“, notiert Martin Luther 1542 in seinem Testament. Er hat ausgerechnet, dass den 300 Gulden, die er jährlich von seinem Landesherrn Johann dem Beständigen erhält, und den übrigen Zuwendungen von Freunden und Gönnern beinahe doppelt so hohe Kosten für seinen aufwendigen Haushalt gegenüberstehen. Dass die Rechnung dennoch aufgeht, verdankt er seiner Frau Katharina von Bora, einer aus dem Kloster Nimbschen geflohenen Nonne, die er 1525 geheiratet hat. Sie ist sehr geschäftstüchtig und führt das große Wittenberger Haus wie eine Unternehmerin. Die Familie wohnt im ehemaligen Augustinerkloster. „Herr Käthe“ wie Luther seine Frau respektvoll nennt, hat die Mönchszellen herrichten lassen und vermietet sie an Studenten. Sie braut ihr eigenes Bier, keltert ihren Wein. Sie legt Teiche an, in denen sie Hechte, Forellen, Karpfen und andere Fische züchtet. 1542 zählen die Luthers zu den reichsten Wittenbergern. 

Die Lutherstube mit dem Kachelofen, der in den 1530er-Jahren eingebaut wurde.
Wittenberg, Lutherhaus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Lutherstube mit dem Kachelofen, der in den 1530er-Jahren eingebaut wurde.

Katharina, die als Frau zu ihrer Zeit nicht rechtsfähig ist, lässt ihren Mann nach und nach mehrere Grundstücke kaufen, auf denen sie Gärten anlegt. Zusammen mit ihrer Tante Lehne, mit Köchin Dorothea, mit Mägden und Knechten zieht und erntet sie Gemüse und Obst, bereitet es für die große Schar an Familienmitgliedern, Studenten und Gästen zu oder kocht es für den Winter ein. Bis zu 40 Personen wohnen zeitweise bei den Luthers; neben den eigenen Kindern diejenigen von Luthers wohl verstorbener Schwester, Anhänger des Reformators und die zahlenden Studenten. Martin und Katharina bekommen drei Töchter und drei Söhne. Elisabeth wird kein Jahr alt, und als die dreizehnjährige Magdalena stirbt, schreibt sich ihr Vater seine Trauer mit dem Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von der Seele.


Wie kann man sich den Alltag im Hause Luther vorstellen? Katharina steht im Sommer bereits zwischen drei und vier Uhr auf; im Winter eine Stunde später. Nach einem kurzen Morgenimbiss beginnt sie ihr Tagwerk, unterbrochen um 10 Uhr von einem Morgenmahl und einem Nachtessen, das um 17 Uhr eingenommen wird. Zwischendurch zieht sich der Reformator in seine Studierstube zurück. Was er am Tisch spricht, halten seine Schüler und Anhänger fest. Obwohl sich die selbstbewusste Katharina sicherlich an den Gesprächen beteiligt, sind kaum Äußerungen von ihr überliefert. Ebenso wenig ihre Briefe an Luther, der sich häufig auf Reisen befindet. 1534 schreibt er ihr aus Dessau: „Wie gut Wein und Bier hab ich daheim, dazu eine schöne Frau, oder sollt ich sagen: Herren! Du tätest wohl, dass Du mir den ganzen Keller voll meines Weins und eine Flasche Deines Bieres herüberschicktest.“

Das von Nina Koch geschaffene Denkmal vor dem Wittenberger Lutherhaus zeigt eine dynamisch ausschreitende Katharina Luther.
Wittenberg, Lutherhaus © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Das von Nina Koch geschaffene Denkmal vor dem Wittenberger Lutherhaus zeigt eine dynamisch ausschreitende Katharina Luther.

Auf einer Reise zu den Mansfelder Grafen stirbt Martin Luther am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben. Obwohl er in seinem Testament Katharina als Erbin eingesetzt hat, kann sie nur eigenverantwortlich weiterleben und ihr Studenteninternat betreiben, nachdem für sie und die Kinder Vormünder bestimmt worden waren.


Als 1546 die kaiserlichen Truppen während des Schmalkaldischen Krieges immer näher auf Wittenberg vorrücken, flieht Katharina mit ihren vier Kindern. Erst ein Jahr später kehrt sie in ihr Haus zurück, das den Krieg ohne Schaden überstanden hat. 1552 muss Katharina Wittenberg erneut verlassen: Die Pest ist wieder einmal ausgebrochen. Zu Lebzeiten ihres Mannes hat sie ihr Wohnhaus während der Seuche zu einem Krankenhaus umfunktioniert. Dazu fehlt ihr vielleicht nun die Kraft.


Die Pferde der Kutsche, die sie und die Kinder in Sicherheit bringen sollen, scheuen in der Nähe von Torgau. Katharina stürzt vom Wagen und bricht sich das Becken. Am 20. Dezember 1552 stirbt sie und wird in der Torgauer Marienkirche beigesetzt. Zwölf Jahre später verkaufen ihre Kinder das Elternhaus für 3.700 Gulden an die Wittenberger Universität. Es ist heute das größte Museum zur Geschichte der Reformation weltweit, das in erster Linie das Leben Martin Luthers erzählt, gleichzeitig aber auch das Wirken Katharinas würdigt.


Carola Nathan

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Reisetipp:  

Weltausstellung Reformation „Tore der Freiheit“, Lutherstadt Wittenberg. Informationsstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz: 24.–29.5.17, 31.5.–5.6.17

 

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