Renaissance Herrscher, Künstler, Architekten April 2015
St. Martini in Stadthagen besitzt ein bemerkenswertes Mausoleum. Der Renaissance-Bildhauer Adrian de Vries (1556-1626) schuf das fürstliche Grabmal von europäischem Rang.
Graf Ernst von Holstein-Schaumburg war ein kunstsinniger Mann. In seiner Grafschaft legte er großen Wert auf qualitätvolle Architektur und Kunst. Er brachte seine Vorstellungen so intensiv ein, dass seine Regierungszeit als ernestinische Ära bezeichnet wird. Besonders viele Gedanken machte er sich über eine Grabstätte für sich und seine engste Familie. Obwohl seit 1608 Bückeburg die Residenz war, blieb die Familien-Grablege in Stadthagen.
Als Fürst Ernst - drei Jahre vor seinem Tod war er in den Fürstenstand erhoben worden - 1622 starb, lagen alle Entwürfe, Kunstwerke und Materialien für sein ganz der italienischen Renaissance verpflichtetes Mausoleum bereit. Der vom sächsischen Hofarchitekten Giovanni Maria Nosseni entworfene monumentale Zentralbau sollte im Chorscheitel hinter der Pfarrkirche St. Martini errichtet werden - erreichbar über einen Verbindungsgang von der Kirche. 15 Jahre hatte Fürst Ernst benötigt, um seine Vorstellungen umzusetzen - zum Teil der kostbaren, aus dem Ausland eingeführten Kunstwerke und Baustoffe geschuldet, zum Teil der Unzuverlässigkeit der beauftragten Künstler und den Kosten wegen. Gesehen hat er sein Mausoleum aber nur im Modell. Nachdem seine Witwe die Finanzierung klären konnte, begann sie noch in seinem Todesjahr mit dem Bau.
Die Arbeiten dauerten weitere fünf Jahre, doch das Ergebnis, an dem begabte Hofkünstler wie der Steinmetz Hans Wolff oder der Maler Anton Boten als leitender Architekt mitwirkten, war aller Mühen wert. Es ist ein ungewöhnliches Bauwerk, das sich auf einem siebeneckigen Grundriss erhebt. Das Spiel mit der Zahl Sieben lässt biblische Vorlagen, aber auch des Fürsten Verbindung zu den Rosenkreuzern vermuten. Im Inneren des lichtdurchfluteten Raums sind alle Elemente - seien es der farbige Marmorboden oder die Engelsfresken in der Kuppel - auf den Alabaster-Sarkophag in der Raummitte hin komponiert. Auf einem Sockel ruhend, ist er in eine Figurengruppe der Auferstehung Christi eingebettet. Vor vier Wandfeldern des Raums steht je eine Ädikula, ein von Säulen getragenes antikisierendes Tempelchen, mit Wappen bekrönt, die die Eltern, die Gemahlin und den Fürsten bezeugen.
Blickfang ist der bronzene Figurenzyklus am fürstlichen Grabmonument, den Adrian de Vries, einer der berühmtesten Bildhauer seiner Zeit, geschaffen hat. Der optische Reiz der Figurengruppe liegt in dem Wechselspiel ihrer bewegten Gestik und der ausgeprägten Köperlichkeit. Trotzdem besitzen die Gestalten eine kontemplative, zurückhaltende Ausstrahlung.
Im Dreißigjährigen Krieg fertiggestellt, hat das Mausoleum bis heute die Jahrhunderte wohlbehalten überstanden. Stets von den Grafen und Fürsten von Schaumburg-Lippe gepflegt, hat vor mehreren Jahren der Verein Renaissance Stadthagen e. V. die Bauherrschaft für eine umfassende Restaurierung des Mausoleums übernommen. Der Bund und das Land Niedersachsen wie auch der Landkreis Schaumburg und die Kommune Stadthagen unterstützten die Restaurierungsmaßnahmen an dem eleganten Bau. In den Jahren 2006, 2008 und 2009 förderte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit insgesamt über 187.000 Euro Steinmetz-, Putz- und Metallarbeiten am äußeren und inneren Gewand des Mausoleums.
Das Schicksal wollte es, dass Fürst Ernst seine Grablege zu Lebzeiten nicht bewundern konnte. Heute rührt der Verein Renaissance Stadthagen e. V. eifrig die Werbetrommel, um Kunstinteressierte auf das Kleinod aufmerksam zu machen. Ein ästhetischer Genuss, der sich lohnt. Auch deshalb, weil das Stadthagener Mausoleum gerühmt wird, der einzige Ort zu sein, an dem ein Kunstwerk von Adrian de Vries noch im originalen Zusammenhang seines Aufstellungsplatzes bewundert werden kann.
Christiane Rossner
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