Wohnhäuser und Siedlungen 1200 Februar 2015

Die Pastorenhäuser von St. Jakobi in Lübeck

Im Schatten der Kirche

Die lange und bewegte Geschichte der Jakobikirchhäuser in Lübeck nahm in den vergangenen Jahren eine glückliche Wendung: Die sogenannten Pastorenhäuser, die auf das 13. Jahrhundert zurückgehen und die in allen Epochen für ihre jeweiligen Bewohner umgebaut und umgestaltet wurden, mussten restauriert werden.

Die breite Front der dreigeschossigen Backsteinhäuser, die Entlastungsbögen mit Keilsteinen aus Sandstein schmücken, und die Dachseiten mit ihren schmalen Schweifgiebel-Erkern hatten stark gelitten.

Ein stimmiges Ensemble: Die Jakobikirchhäuser sind nur durch einen schmalen Gang von der Lübecker Kirche St. Jakobi getrennt.  
Lübeck, Pastorenhäuser St. Jakobi © Anette Liebeskind, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Ein stimmiges Ensemble: Die Jakobikirchhäuser sind nur durch einen schmalen Gang von der Lübecker Kirche St. Jakobi getrennt.

Giebelseitig aneinandergereiht stehen die vier Häuser neben St. Jakobi, im Rücken den weiten Platz auf dem Koberg mit dem Heilig-Geist-Hospital und der Schiffergesellschaft. Vor sich die Nordwand der Schiffer- und Fischerkirche St. Jakobi, der drittgrößten Kirche Lübecks. Im Laufe des 13. Jahrhunderts waren an einer kurz zuvor gebauten Lateinschule die ersten beiden Pastorenhäuser für Kirchenangestellte errichtet worden - Haus 1 und 2. 1601/02 erfolgte deren Umbau und der Bau von Haus 3 und 4 im Stil der Renaissance. Im 18. Jahrhundert wurde ein Flügel angefügt.

Bauforscher fanden kunsthistorische Kostbarkeiten in fast jedem Raum der Pastorenhäuser.  
Lübeck, Pastorenhäuser St. Jakobi © Anette Liebeskind, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Bauforscher fanden kunsthistorische Kostbarkeiten in fast jedem Raum der Pastorenhäuser.

Vor der Restaurierung fanden bauhistorische Untersuchungen statt, durch die verschiedene Zeitschichten der Häuser herausgeschält wurden. Mitarbeiter des Deutschen Fachwerkzentrums Quedlinburg e. V. hatten die Jakobipastorenhäuser erforscht und ihre baugeschichtlichen Erkenntnisse vorgelegt. In fast jedem Raum hatten die Bauforscher eine kunsthistorische Kostbarkeit gefunden: barocke Wandmalereien, handbemalte Spann-Tapeten, die sich unter aufgeklebten Papiertapeten verbargen, als Deckenfüllung verwendete bemalte Holzbretter aus dem 15. und Balkendecken mit Landschaftsmalereien aus dem 17 Jahrhundert. Besonders die Decken- und Wandfassungen sowie der Stuck mussten mit viel Fingerspitzengefühl konserviert werden. Die Ingenieure fügten konstruktiv nötige neue Gestaltungselemente harmonisch in die historische Substanz ein.

Innerhalb des Weltkulturerbes Lübecker Altstadt nehmen die 800 Jahre alten Jakobikirchhäuser, in denen einst Organisten, Chorleiter, Witwen der Kirchenbeamten und Sargträger wohnten, nun wieder eine herausragende Stellung ein. Genutzt werden sie unter anderem als Gemeindezentrum und als Jugendpfarramt. Auch eine Ausstellung zur nationalen Gedenkstätte für die Seeleute fand dort ihren Platz. Die Voruntersuchungen und die umfassende Restaurierung der Jakobikirchhäuser wurde mit 180.000 Euro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt. Dies war insbesondere dank der der Stiftung zufließenden Mittel der GlücksSpirale möglich.

Beatrice Härig/Christiane Schillig

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