Kleine und große Kirchen 1000 Juni 2013

Kloster Tholey gehört zu den ältesten Deutschlands

Grimos Vermächtnis

Der fränkische Adelige Grimo legte in merowingischer Zeit den Grundstein für klösterliches Leben in Tholey. Vermutlich wollte er an die vornehme Tradition des Ortes anknüpfen, als er seine Kirche in die Mauern einer römischen Badeanlage baute und dort Kleriker ansiedelte. Von Grimos Gotteshaus haben sich heute keine Spuren mehr erhalten. Jetzt steht an seiner Stelle die frühgotische Abteikirche, deren wuchtiger Turm mit barocker Haube das Bild des saarländischen Ortes beherrscht.

Als Mitglied der Königssippe vermachte Grimo die Stätte 634 dem Bischof von Verdun - ein Akt, der besondere historische Bedeutung erlangen sollte: In einer frühmittelalterlichen Abschrift erhalten, ist das im Landeshauptarchiv Koblenz verwahrte Testament die älteste Urkunde des Rheinlands. Vermutlich im 8. Jahrhundert entwickelte sich aus Grimos Konvent das dem heiligen Mauritius geweihte Benediktinerkloster, in dem heute zwölf Mönche leben.

Die Klosteranlage mit dem Teehäuschen von 1715. Nach seiner Erbauung ließen die Ordensbrüder einen „Mohren“ aus Louisiana nach Tholey kommen, der ihnen den Tee zubereitete und servierte. 
Tholey, Abtei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Die Klosteranlage mit dem Teehäuschen von 1715. Nach seiner Erbauung ließen die Ordensbrüder einen „Mohren“ aus Louisiana nach Tholey kommen, der ihnen den Tee zubereitete und servierte.

Ab 1260 entstand die Abteikirche als dreischiffige Basilika ohne Querhaus, wobei einige Teile - zum Beispiel der Westturm - von einem romanischen Vorgänger übernommen wurden. 1302 vollendet, präsentiert sie sich schlicht gestaltet. Nur der Haupteingang im Westen, wo das frühgotische -Figurenportal erhalten ist, trumpft mit Motivreichtum auf. Im Inneren verdient das Chorgestühl von 1704 einen genauen Blick. Zwischen Schnitzwerk zeigt es -Figuren, die Pflichten der Mönche wie -Predigt, -Gebet, Schweigen oder Gartenarbeit zeigen.

Von den Klostergebäuden existieren noch der Kapitelsaal aus dem frühen 17. Jahrhundert und der einstige Westflügel, der 1722-25 nach Plänen des Architekten Pierre le Noir erbaut wurde.

Zurückhaltend gestaltet, beeindruckt das Innere von St. Mauritius. 
Tholey, Abtei © Roland Rossner, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn
Zurückhaltend gestaltet, beeindruckt das Innere von St. Mauritius.

Nachdem französische Revolutionstruppen die Abtei geplündert und in Brand gesteckt hatten, wurde sie 1794 aufgehoben. Nur zwölf Jahre später kaufte ein Tholeyer Bürger die Gebäudereste auf und schenkte sie der Kirchengemeinde, womit die Klosterkirche zur Pfarrkirche St. Mauritius wurde.

Seit 1949 gibt es in Tholey wieder ein Kloster. In jüngster Zeit wagten die Ordensbrüder umfangreiche -Sanierungsarbeiten an den Konventsgebäuden und rekultivierten die Klostergärten. Momentan wird der bisher als Werkstatt genutzte Teepavillon von 1715 restauriert. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt die Klostergemeinschaft und den Förderverein dabei, Feuchtigkeitsschäden im Dach und im Mauerwerk zu beseitigen und die Fassade instand zu setzen, damit das Kleinod zukünftig als Seminarraum genutzt werden kann. Auch an der Pfarrkirche St. Mauritius wird gerade -gearbeitet: Die DSD hilft bei der Sanierung des nördlichen Hauptdachs und des Seitenschiffs.

Die Tholeyer Mönche nehmen nicht nur die Herausforderung an, die denkmalgeschützten Gebäude zu restaurieren, sie führen sie zum Teil neuen Nutzungen zu. Ebenso geben sie dem Klosteralltag zusätzliche Inhalte. Man kann zum Beispiel als Gast das Leben der Benediktiner kennenlernen. Außerdem findet einmal im Jahr eine wissenschaftliche Fachtagung statt, und für die Bevölkerung gibt es in regelmäßigen Abständen Vorträge und Seminare.

Weil sie ihr Leben nach der Regel des heiligen Benedikt in Stille und zurückgezogen führen und die moderne Gesellschaft einladen, daran teilzuhaben, verhelfen die Mönche dem Kloster zu einer neuen Blüte.

Julia Ricker

An der Restaurierung des Teepavillons beteiligen sich neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz der Bund, das Land und die Klostergemeinschaft zusammen mit dem Förderverein.

Bei der Instandsetzung des nördlichen Hauptdachs und des Seitenschiffs helfen die DSD sowie der Bund, das Land, das Bistum und die Kirchengemeinde.

Weitere Infos im WWW:

www.abtei-tholey.de