Kurioses Februar 2012 S

Vom Lastenträger zum Prunkschlitten

Königliche Kufen

Wieso bezeichnen wir edle Autos gerne als "Luxusschlitten"? Die meisten Menschen denken bei Schlitten vermutlich zuerst an das winterliche Rodelvergnügen, wenn Kinder und Erwachsene bei klirrender Kälte, strahlendem Sonnenschein und knirschendem Schnee auf Holzschlitten Hänge hinuntersausen und, sie schnaufend hinter sich herziehend, wieder aufsteigen, um sich den Spaß erneut zu gönnen.

Der Ursprung des "Luxusschlittens" liegt aber weiter zurück. Im 18. Jahrhundert erreichte er den Höhepunkt seiner künstlerischen Gestaltung, denn der Barock gilt als die Blütezeit des sogenannten Prunkschlittens. Er kam im 15. Jahrhundert auf und stand vor allem in den Niederlanden, Österreich und Deutschland hoch im Kurs.

Der Prunkschlitten mit Doppelhirsch, Schlange und Jagdhunden wurde um 1720 für Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg entworfen. 
© Landesmuseum Württemberg, Frankenstein/Zwietasch
Der Prunkschlitten mit Doppelhirsch, Schlange und Jagdhunden wurde um 1720 für Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg entworfen.

In Mitteleuropa, wo man im Winter längere Reisen und weite Strecken durch den Schnee möglichst vermied, avancierten Ausflüge auf Schlitten vor allem an den Fürstenhöfen zum geselligen Vergnügen.

Doch der Reihe nach: Noch vor den Wagen stellen Schlitten das älteste Transportmittel der Menschheit dar. Die Ägypter etwa bewegten große Gewichte auf hölzernen Ladeflächen, unter denen zwei Gleitkufen befestigt waren. Sie wurden von Menschen oder Tieren gezogen. Auch die Römer wussten Schlitten als Lastenträger zu schätzen. In den schneereichen Gebieten Nord- und Osteuropas waren sie das Transportmittel schlechthin. Neben den Lastschlitten gab es auch sogenannte Reise- oder Personenschlitten. Wer es sich leisten konnte, fuhr in einem geschlossenen Sitzkasten, um gegen Wind und Wetter geschützt zu sein.

In den gemäßigten Klimazonen erwiesen sich die Schlittengefährte als ein hervorragendes Instrument, um auch in der kalten Jahreszeit die Öffentlichkeit mit prachtvollen Corsi zu beeindrucken und Macht, Einfluss und Wohlstand zu demonstrieren. So wurden Prunkschlitten zu einem wesentlichen Teil des höfischen Zeremoniells. Nachdrücklich bestanden die Fürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation auf ihrem Vorrecht des Schlittenfahrens. Verordnungen reglementierten streng hierarchisch, wer wann einen Schlitten besitzen und fah-ren durfte. Kaiser, König und Fürsten eröffneten die Saison mit prachtvollen Schlittenparaden über die Plätze ihrer Residenzstädte. Auch die Patrizier der reichsfreien Städte ließen sich das Vergnügen nicht nehmen und bestanden auf ihrem Privileg.

"Wintervergnügen" heißt das Gemälde des niederländischen Malers Barent Avercamp von 1650. 
© akg-images
"Wintervergnügen" heißt das Gemälde des niederländischen Malers Barent Avercamp von 1650.

Das Volk sollte sie nicht nur bewundern und staunen, sondern hatte auch die Häuserfronten mit Fackeln und Lichtern für die aus Dutzenden von Gefährten bestehenden Umzüge zu schmücken. Und weil viel Gold und Silber für die Zier der Schlitten verwendet wurde, fanden die "Schlittaden" vorzugsweise nachts statt, wenn der Lichterschein dem grandiosen Schauspiel eine einzigartige Atmosphäre verlieh.

Angesehene Hofkünstler lieferten die Entwürfe für die Prunkschlitten. Anregungen fanden sie in Vorlagenbüchern. Georg Engelbrecht Löhneyss, Arrangeur strahlender Feste am sächsischen Hof, brachte 1587 einen Ratgeber über Turnier- und Ritterspiele heraus, in dem auch 60 verschiedene Schlittenentwürfe abgebildet waren. Noch bis ins 18. Jahrhundert erfuhr sein Werk "Della Cavalleria" Neuauflagen.

Giuseppe Arcimboldo entwarf 1585 diesen Festschlitten für den Habsburger Kaiser Rudolf II. 
© akg-images
Giuseppe Arcimboldo entwarf 1585 diesen Festschlitten für den Habsburger Kaiser Rudolf II.

Es ist faszinierend zu sehen, welche Ideen die Künstler für die Verzierung fanden, denn die Konstruktion des Schlittens war vorgegeben. Bestechend einfach, entwickelte sie sich nur in technischen Details wie Bremsen, Federungen oder Deichseln weiter. Auf einem Gestell mit zwei parallel laufenden Kufen wurde auf zwei Querhölzern, Polster genannt, ein Sitzkasten aufgebracht. Das Zugpferd trug ein Kummet, eine Art steifes Halsband, an dem zwei Stangen, sogenannte Anzen, befestigt waren. Diese verbanden Pferd und Schlitten so, dass das Pferd dazwischen lief. Gelenkt wurde es über Trensenzügel, die seitlich am Schlittenkasten entlang bis zum Fahrer führten, der dahinter rittlings auf einer Pritsche saß und mit den Füßen Halt auf den Kufen fand. Da der sichere Sitz wichtig war, besaßen manche Kufen Fußbretter, -Luxusausführungen boten gefütterte Pantoffeln. Verschiedene Hölzer brachten die nötigen Konstruktionseigenschaften mit: Für die stark beanspruchten Kufen, die mit Eisen beschlagen wurden, wählte man vorzugsweise die robuste Buche, wobei für den Kufenaufschwung natürlich gebogenes Holz vom Wurzelbereich angesetzt wurde. Den Rahmen des Kastens sowie den Figurenschmuck fertigte man aus Lindenholz, der Kastenboden bestand meist aus Kiefer und Fichte.

Am Bau eines Prunkschlittens waren viele Handwerker wie Sattler, Wagner, Schmied, Bildhauer, Maler und Lackierer beteiligt. Es wurden die edelsten Stoffe zum Ausfüttern verwendet, dazu Gold, Silber, Edelsteine, Federn und Bänder. Erst mit dem Pferd zusammen wurde ein Exemplar zum Gesamtkunstwerk. So bestand ein prächtig geschmückter Schlitten aus dem Gestell, dem Sitzpolster, der Schlittendecke und dem Fußsack für die Insassen. Das Pferd trug ein geschmücktes Kummet, eine kostbare Schabracke mit Schellengeläut, Federschmuck auf dem Kopf und Bänder in Mähne und Schweif. Harmonisch auf das Schlittendekor abgestimmt, war das Pferdegeschirr mitunter so üppig, dass von den Pferden kaum noch etwas zu sehen war. Das Schellengeläut war nicht nur ein wichtiges Signal, da der Schnee den Hufschlag dämpfte und die Kufen fast geräuschlos darüber glitten. Der fein abgestimmte Klang der Glocken gehörte zum vollendeten Auftritt dazu. Vorreiter mit Fackeln, die im Ernstfall die Pferde zu zügeln hatten, sowie Lakaien in Livree rundeten das Bild eindrucksvoll ab.

Dem Ulmer Patrizier Marx Philipp Besserer gefiel diese Allegorie. Die Krone auf dem Kopf des bogenschießenden Kentauren beweist: Die in diesem Schlitten chauffierte Dame hat den Wilden bezwungen, und er kämpft sogar für sie (um 1635). 
© Landesmuseum Württemberg, Frankenstein/Zwietasch
Dem Ulmer Patrizier Marx Philipp Besserer gefiel diese Allegorie. Die Krone auf dem Kopf des bogenschießenden Kentauren beweist: Die in diesem Schlitten chauffierte Dame hat den Wilden bezwungen, und er kämpft sogar für sie (um 1635).

Solch eine Pracht konnte nur noch eines krönen: eine edle Schönheit. Lange Zeit waren die Schlitten nur für Frauen konzipiert. Dies hatte seinen Ursprung in der Zeit der Turniere. Als sich die ritterlichen Kampfspiele im späten Mittelalter von einer Männerdomäne in eine von Italien beeinflusste leichtere, spielerische Form wandelten, sahen die höfischen Damen nicht mehr nur von der Tribüne aus zu, sondern wurden selbst aktiv. Überaus beliebt war das Ringelstechen, auch Caroussel genannt. Die Kavaliere lenkten auf vorgegebenen Bahnen die Schlitten, in denen die mit Lanzen bewaffneten Damen saßen. In geschwinder Fahrt versuchten sie, an Seilen aufgehängte Ringe zu ergattern. Es konnten auch Kränze oder Figuren sein, und wenn es zünftig zuging, gab es sogar Wurstringe zu gewinnen, die später an der Tafel verzehrt wurden. Daher heißen die Schlitten auch Rennschlitten. In der Renaissance waren sie vornehmlich mit geschnitzten Ornamenten geschmückt und trugen aufgemalte Wappen, damit zu erkennen war, wer an den Start ging.

Ludwig II. von Bayern ließ überbordend die barocken Prunkschlitten wiedererstehen – ohne Geläut, aber mit hochmodernen Glühlampen. In dem prächtigen Puttenschlitten von 1872 waren die Batterien in einem Kasten versteckt. 
© Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen
Ludwig II. von Bayern ließ überbordend die barocken Prunkschlitten wiedererstehen – ohne Geläut, aber mit hochmodernen Glühlampen. In dem prächtigen Puttenschlitten von 1872 waren die Batterien in einem Kasten versteckt.

Bei den Umzügen, den geselligen Ausflügen aufs Land oder bei Jagdgesellschaften wurde es den Damen so angenehm wie möglich gemacht. Neben den wärmenden Schlittendecken gab es auch in Tuch eingeschlagene, aufgeheizte Ziegelsteine, denn oftmals war es so bitterkalt, dass die wärmende Kleidung, welche die weibliche Anmut keinesfalls versteckten sollte, wie auch Muff und Pelz nicht ausreichten.

Die Freude der Hofgesellschaften am Spiel, an Maskeraden und dem Zurschaustellen wurde nahtlos auf den im Winter stattfindenden Karneval übertragen. Der Adel gefiel sich in Kostümen und geschmückten Schlitten, mit denen er in einer ausgeklügelten Choreographie die öffentlichen Paraden veranstaltete. Begleitet von Musikcorps, die längs der Kufen aufgereiht auf den sogenannten Wurstschlitten sitzend, die Instrumente spielten.

Vom Ornament gelangte man im Barock zu den Figuren- oder Bilderschlitten. Die belesene Kundschaft bevorzugte vor allem allegorische und mythologische Themen. Besonders die Figur der Fortuna, der Glücksgöttin, wurde gerne als Schlittenschmuck gewählt. Vor dem Sitzkasten auf einer der Kufen stehend und ein gespanntes, kleines Segel aus Tuch haltend, jagte man mit ihr dem Glück nach. Beliebt waren auch Neptun mit Seewesen und Dreizack, Herkules, der den Höllenhund verfolgt, oder Venus und Apollo. Im Rokoko verzierte man die Schlitten vornehmlich mit der scheuen, mädchenhaften Jagdgöttin Diana, die mehr dem eleganten, höfischen Pathos entsprach.

Ein kurios-derbes Gegenstück stellen die Tierschlitten dar, bei denen der Sitzkasten einen vollplastischen Tierkörper bildet. Passend zur flotten Fahrt waren natürlich schnelle Tiere gefragt wie Hirsche, Bären, Schweine, Adler oder Delphine.

Im 19. Jahrhundert nun auch ein bürgerliches Vergnügen: "Schlittenfahrt am Jakobsplan", Weimar, um 1840 
© akg-images
Im 19. Jahrhundert nun auch ein bürgerliches Vergnügen: "Schlittenfahrt am Jakobsplan", Weimar, um 1840

Der Phantasie für die Schlittenmotive waren keine Grenzen gesetzt. So erhielt 1590 Herzog Christian von Sachsen von seiner Gemahlin zum Christfest ein "Bergwergk" geschenkt, einen mit einer Felsengruppe und wilden Tieren versehenen Prunkschlitten. Auch Schiffe mit mehreren Masten, Segeln und Tauwerk kamen zum Einsatz. Als Material verwendete man neben Holzschnitzereien Wachs, echte Haare, genähte, mit Edelsteinen sowie Gold- und Silberfäden bestickte Gewänder und, damit das Gewicht des Gefährts nicht zu groß wurde, viel Pappmaché. Auch wenn sich der Adel oft mehr als einen Prunkschlitten leistete, waren stets Wartungsarbeiten in den Sommermonaten und Reparaturen notwendig. Das lag zum einen an dem fragilen Material, zum anderen am Grad der Geschicklichkeit des Lenkers. Es kam häufig zu Unfällen wegen zu rasanten Fahrens, Kontrollverlusts durch Alkohol oder wegen durchgehender Pferde. In Nürnberg etwa wurde bei Strafe auf Schellengeläut und Beleuchtung der Schlitten bestanden.

Ein Stuhlschlitten ist auf dem Holzstich „Im Weihnachtsurlaub“ nach Ludwig Blume-Siebert von 1894 zu sehen. 
© akg-images
Ein Stuhlschlitten ist auf dem Holzstich „Im Weihnachtsurlaub“ nach Ludwig Blume-Siebert von 1894 zu sehen.

Eine besondere Form des karnevalistischen Umzugs kam im 18. Jahrhundert auf: die studentischen Maskeraden. Neben dem ausgelassenen närrischen Treiben hatten diese Schlittenparaden ein regelrechtes Programm, das von den Jesuiten und Benediktinern, die die Lateinschulen führten, gezielt gefördert wurde. Mit diesen "Mummereyen" prangerten die Studiosi die "verkehrte Welt" an und führten dem gelehrten Publikum wie dem einfachen Volk die Missstände aufgrund sündigen und falschen Lebenswandels vor Augen. Mit drastischen und allegorischen Bildern wollten die Orden die Zuschauer ergötzen und gleichzeitig moralisch erziehen. So ändern sich die Zeiten: 1452 noch hatte in Nürnberg der italienische Franziskanermönch Johannes von Capestrano in seinen Bußpredigten so gewettert, dass fromme Eiferer nicht nur modische Kleider, Schmuck, Spielkarten und Würfel, sondern auch 72 kunstvoll verzierte Schlitten verbrannten.

Mit dem 19. Jahrhundert ging die Ära der Prunkschlitten zu Ende, wie sich auch die höfische Gesellschaft wandelte: Die Geselligkeit schwand, das Zeremoniell bestand. König Ludwig II. von Bayern ließ die Prunkschlitten mit einem überreichen Schmuck noch einmal aufleben. Doch er zog es vor, nächtens einsame Fahrten in der Winterlandschaft zwischen Schloss Linderhof und Hohenschwangau zu unternehmen, bei denen niemand am Wegesrand warten und staunen sollte.

Der Schlitten blieb auch in der bürgerlichen Gesellschaft noch lange das Gefährt für den Winter. Im Design wurden die Modelle zwar nüchterner und zweckmäßiger, aber auch hier galt: Wer es sich leisten konnte, wählte edle Materialien und eine aufwendige Verarbeitung für den gewissen Komfort. Schlitten für mehrere Insassen waren gefragt, und die Fahrer nahmen nun selbst im Sitzkasten Platz. Vorbild waren die ab 1776 in England gebauten Phaetons, sportlich-elegant geschnittene Herrenkutschen, deren Konstruktion auf die Schlitten übertragen wurde.

©  Volker Tiemann
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Ausfahrt-Schlitten mit Lampen aus Leipzig, um 1900
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Kostbarer Prunkschlitten aus der Münchner Residenz
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Kein Statussymbol in Ostwestfalen: ein um 1925 gebauter Kastenschlitten.
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Einer oberbayerischen Brauerei-Familie gehörte dieser Prunkschlitten.
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Für Familien-Ausflüge in Weimar diente dieses Gefährt mit Flechtwerk und Profilleisten.
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Bühnenbildnerinnen aus Paderborn verzierten um 1920 dieses Modell für Werbezwecke.
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Um 1800 erwarb ein bayerischer Staatsdiener aus Landshut diesen kunstvoll gestalteten Schlitten.
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An dem Jagdschlitten mit Hubertuskreuz von etwa 1875 befindet sich am Heck eine Ablage für das Wild.
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Um 1910 benutzten Bauern im Bayerischen Wald solche Personen- und Lastschlitten.
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Mit seiner schmalen Spur ist dieser um 1800 gefertigte Jagdschlitten aus Goslar waldtauglich.
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Kutschenähnlich ist der Aufbau dieses um 1895 gebauten Marktschlittens aus Leipzig.
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Im Hopfenanbaugebiet Hallertau war um 1900 dieser Einsitzer aus Flechtwerk unterwegs.
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Milchkannen-Schlitten aus Sachsen, um 1910
 
 
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Ausfahrt-Schlitten mit Lampen aus Leipzig, um 1900
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Kostbarer Prunkschlitten aus der Münchner Residenz
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Kein Statussymbol in Ostwestfalen: ein um 1925 gebauter Kastenschlitten.
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Einer oberbayerischen Brauerei-Familie gehörte dieser Prunkschlitten.
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Für Familien-Ausflüge in Weimar diente dieses Gefährt mit Flechtwerk und Profilleisten.
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Bühnenbildnerinnen aus Paderborn verzierten um 1920 dieses Modell für Werbezwecke.
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Um 1800 erwarb ein bayerischer Staatsdiener aus Landshut diesen kunstvoll gestalteten Schlitten.
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An dem Jagdschlitten mit Hubertuskreuz von etwa 1875 befindet sich am Heck eine Ablage für das Wild.
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Um 1910 benutzten Bauern im Bayerischen Wald solche Personen- und Lastschlitten.
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Mit seiner schmalen Spur ist dieser um 1800 gefertigte Jagdschlitten aus Goslar waldtauglich.
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Kutschenähnlich ist der Aufbau dieses um 1895 gebauten Marktschlittens aus Leipzig.
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Im Hopfenanbaugebiet Hallertau war um 1900 dieser Einsitzer aus Flechtwerk unterwegs.
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Das gesellige Vergnügen fand man nun auch beim Schlittschuhlaufen auf zugefrorenen Seen und Flüssen oder in den Städten auf Eisbahnen. Auch hier boten sich zahlreiche Gelegenheiten für amouröse Abenteuer, wenn die Galane auf Stuhlschlitten ihre "Belle du Jour" an den neidischen Blicken der Gefährten vorbei über das Eis schoben.

Christiane Rossner

Schlittensammlungen

Schlitten, auch die Prunkschlitten, waren Gebrauchsgegenstände, die einen hohen Verschleiß hatten. Daher überdauerten im Verhältnis nur relativ wenige die Jahrhunderte. Gerade die Prunkschlitten sind recht selten, denn durch die verwendeten Materialien und den reichen Schmuck sind sie besonders empfindlich. In einigen Museen wie auf der fränkischen Veste Coburg oder im thüringischen Residenzschloss Heidecksburg sind noch einige Schlittenmodelle zu bewundern. Die größte Sammlung von Prunkschlitten besitzt das Landesmuseum Stuttgart. Sie stammt vornehmlich aus dem Besitz der Herzöge und späteren Könige von Württemberg und wird im Schloss von Bad Urach ausgestellt: Bismarckstraße 18, 72574 Bad Urach, Tel. 07125/15 84 90, www.schloss-urach.de

Die vermutlich größte private Schlittensammlung hat der Bielefelder Horst-August Bollweg über fast 50 Jahre zusammengetragen. Einen Teil der rund 250 historischen Schlitten der unterschiedlichsten Art und Herkunft kann auf Schloss Wendlinghausen besichtigt werden: Schlittensammlung Bollweg/Tiemann, Schloss & Gut Wendlinghausen, Am Schloss 4, 32694 Dörentrup, Kontakt: Katja und Holger Tiemann, Schlossgelände Wendlinghausen, Tel. 0171/1 77 19 19, www.historische-schlitten.com

Weitere Schlittenmodelle sind auch bei Sirius Direktmarketing GmbH, Holger Tiemann, Grafenheider Straße 100, 33729 Bielefeld zu sehen.

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1 Kommentare

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    Alexandra Lotz schrieb am 04.04.2016 09:48 Uhr

    Vielen Dank für den schönen Beitrag über die Schlitten. Von Pferden gezogen, sind sie Teil unserer hippologischen Kulturgeschichte, in denen die europäischen Nationalgestüte eine große Rolle spielen. Viele der heute noch bestehenden Zuchtstätten verfügen über Kutschen- und Schlittensammlungen. Auch pflegen sie die traditionelle Fahrkultur. Zum Erhalt des kulturellen Erbes der europäischen Staatsgestüte wurde die European State Studs Association (ESSA) gegründet. Mehr Informationen dazu unter www.europeanstatestuds.org.

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