Technische Denkmale

Der Astropeiler Stockert in der Eifel ist saniert

Echo vom Mond

Dass der Mensch auf den Mond kam, ist auch einem kleinen Berg in der Nordeifel zu verdanken. 1956 wurde auf dem Stockert bei Bad Münstereifel ein Pionierbau der Radioastronomie eingeweiht. Nach dem kurz zuvor im holländischen Dwingeloo in Betrieb genommenen Radioteleskop stand den Forschern hier einer der ersten Riesenspiegel weltweit zur Verfügung. Die 25-Meter-Parabolantenne kann elektromagnetische Wellen aus dem All empfangen und somit wichtige Erkenntnisse über die Entstehung des Universums liefern. Mit Hilfe von Radiostrahlen lassen sich nicht nur Sterne, sondern auch dunkle Gasnebel erforschen. Die amerikanischen Mondmissionen profitierten ebenfalls von dem Wissen, das auf dem Stockert gebündelt wurde.

Im Sommer 2007 wurde die Stahl- und Aluminiumkonstruktion des Riesenspiegels überarbeitet. 
© Roland Rossner
Im Sommer 2007 wurde die Stahl- und Aluminiumkonstruktion des Riesenspiegels überarbeitet.

An der Herstellung des Radioteleskopspiegels waren seinerzeit Zeppelin-Konstrukteure beteiligt. Ein gigantisches Kugellager ermöglicht die Drehung nach allen Seiten. Das pyramidenförmige Sockelgebäude wurde auf achteckigem Grundriss aus Stahlbeton errichtet. Darin fanden Messräume und die Antriebstechnik Platz. Mit dieser Anlage präsentierte sich die junge Bundesrepublik, der die Alliierten derartige Messungen zunächst untersagt hatten, wieder konkurrenzfähig auf dem internationalen Techniksektor. Bis 1964 wechselten sich zivile Wissenschaftler mit dem Militär ab, das hier gleichfalls Forschungen betrieb. In der Folge war das Max-Planck-Institut für Radioastronomie der Hauptnutzer.

1972 nahm auf dem zehn Kilometer entfernten Effelsberg der sehr viel leistungsfähigere Nachfolger seinen Dienst auf: Mit seinem Spiegeldurchmesser von 100 Metern war dies fast 30 Jahre lang das größte vollbewegliche Radioteleskop der Erde. Als Forschungsstätte wurde der Stockert zunehmend unattraktiver, zumal nahegelegene Radarstationen die Messungen immer stärker beeinträchtigten. Dennoch nutzte die Universität Bonn die Station bis 1993 zur praktischen Ausbildung von Studenten.

Der Astropeiler Stockert, Meilenstein der Weltraumforschung, wird wiederbelebt.  
© Norbert Tacken, Förderverein Astropeiler
Der Astropeiler Stockert, Meilenstein der Weltraumforschung, wird wiederbelebt.

1998 wurde das mittlerweile eingetragene Denkmal an einen privaten Investor verkauft. Nach dessen Insolvenz übernahm 2005 die Nordrhein-Westfalen-Stiftung die lange vernachlässigte Anlage. Initiiert hatte dies der Förderverein Astropeiler Stockert e. V. Die sehr engagierten Mitglieder, darunter viele Fachleute, wollen den Peiler als Funk- und Messeinrichtung erhalten und als radioastronomisches Museum der Öffentlichkeit zugänglich machen. Seither wurde die Restaurierung fieberhaft vorangetrieben.

Für Stahlbau- und Korrosionsschutzarbeiten am Teleskopspiegel stellte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz 200.000 Euro zur Verfügung. Nun können wissenschaftliche und pädagogische Projekte diesem einzigartigen Technikdenkmal eine zweite Zukunft bescheren.

Dr. Bettina Vaupel

Info: Ein Besuch des Astropeiler-Geländes ist derzeit nur nach Absprache über info@astropeiler.de möglich.

Weitere Infos im WWW:

www.astropeiler.de

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Die neue Lust am Bungalow 08.11.2012 Bungalows Die Leichtigkeit des Steins

    Die Leichtigkeit des Steins

    Fast 17 Millionen Dollar. Das ist auch für das Auktionshaus Christie's keine alltägliche Summe. Bei 16,8 Millionen Dollar ist im Mai bei einer Auktion in New York für Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst der Zuschlag erfolgt, und zwar für - und das ist ebenso ungewöhnlich - ein Bauwerk. Nicht einmal ein besonders großes.

  • Otto Bartning und seine Kirchen 09.03.2016 Bartning Kirchen Spiritualität in Serie

    Spiritualität in Serie

    Otto Bartning gehört zu den bedeutendsten Architekten des 20. Jahrhunderts. Wegweisend sind seine Raumschöpfungen im Bereich des protestantischen Kirchenbaus.

  • Von Seekisten und Seeleuten 08.11.2012 Seekisten Was auf der hohen Kante lag

    Was auf der hohen Kante lag

    In den alten Zeiten der Frachtsegler musste die gesamte Habe des Seemanns in eine hölzerne Kiste passen. Manchmal liebevoll bemalt, war sie das einzige persönliche Stück, das ihn auf seinen Reisen über die Weltmeere begleitete.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2022 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn