Monumente Online

Ausgabe: Februar 2008

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Handel und Gewerbe

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Kolonnaden für Flaneure

Laubengänge in Italien, Böhmen und Deutschland

Unter den Städten Norddeutschlands weist Münster in Westfalen eine Besonderheit auf: die Lauben am Prinzipalmarkt. Unser Bild zeigt sie im Zustand des Wiederaufbaus nach der weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Dabei wurden die alten, schmalen Parzellen und die Lauben beibehalten beziehungsweise rekonstruiert, die Giebelfronten frei nachgebildet. Als neuer Markt entstand er nach 1150, den Namen Prinzipalmarkt erhielt er etwa 1600.

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© Roman Mensing
Der Prinzipalmarkt in Münster Großbildansicht

Nördlich der Alpen dürften dies die ältesten Lauben gewesen sein, und man wundert sich, dass bei unserem regnerischen Klima nicht mehr mittelalterliche Städte auf den Gedanken gekommen sind, Lauben zum Schutz der flanierenden Käufer anzulegen. Die größte Verbreitung haben diese im Alpenraum, zum Beispiel in den Südtiroler Städten Bozen und Brixen, wo bereits die Straßennamen Laubengasse und Große beziehungsweise Kleine Lauben auf dieses Architekturmotiv hinweisen. Brixen wurde schon früh unter den Bischöfen Heriward und Hartwig (1017-39) planmäßig angelegt, gehört demnach zu den ältesten Städten im deutschen Sprachraum. Der regelmäßig-rechteckige Siedlungskern deutet darauf hin, dass Brixen eventuell über einer römischen Civitas entstanden ist. Das würde auch die Verwendung von Lauben erklären, denn die Fußwege der Ladenstraßen griechischer und römischer Städte erhielten zum Schutz der Passanten Kolonnaden, wie sie in Herkulaneum ausgegraben wurden. Diese Stadt, die 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuvs von einer 16 Meter hohen, bereits abgekühlten Schlammlawine verschüttet wurde, hatte sich unter Luftabschluss besonders gut erhalten.

Gedeckte Gänge mit bogenförmigen Öffnungen oder Nischen in Ladenstraßen zeigt auch der Markt im 107-143 n. Chr. erbauten Trajansforum von Rom. Hier und in den Marktstraßen römischer Städte wie Herkulaneum könnten die Wurzeln für das Motiv der Lauben mittelalterlicher Straßen und Plätze liegen.

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© G. Kiesow / G. Kiesow
Kolonnaden in Herkulaneum (links) und am römischen Trajansforum Großbildansicht

Zu den ältesten gehören die an der "Altstadt" genannten Straße von Landshut, wie sie gleich nach der Stadtgründung 1204 im ältesten Teilstück zwischen Martinskirche und Rathaus entstanden sind. Im Zuge der weiteren Bebauung der Altstadt bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts in Richtung der Spitalkirche wurden die an sich doch sehr praktischen Lauben weggelassen. Auch am 600 Meter langen Straßenmarkt der 1218 vom selben Herzog, Ludwig dem Kehlheimer, gegründeten Stadt Straubing fehlen sie.

Zeitlich folgt der ebenfalls bald nach 1200 planmäßig angelegte Untermarkt von Görlitz, der an seiner Südseite noch die sogenannten Langen Lauben besitzt. Während bei den Hirschlauben an der Ostseite des Untermarktes die Bausubstanz zusammen mit dem Gasthaus zum Hirschen nach dem Stadtbrand von 1691 barock erneuert wurde, bewahrt bei den Langen Lauben auch das Innere (s. Kopfgrafik links) weitgehend seinen mittelalterlichen Charakter. Es dürften vom Erscheinungsbild und der Bausubstanz her die ältesten und am besten erhaltenen Lauben nördlich der Alpen sein. Einst gab es auch an der Westseite noch die sogenannten Pilzlauben, sie mussten 1902 dem großen Erweiterungsbau des Rathauses weichen. Ob auch die Häuser an der Nordseite einst Lauben aufwiesen, ist nicht mehr festzustellen.

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© Roland Rossner / G. Kiesow
Die "Altstadt" genannte Straße in Landshut: Der ältere Teil (links) verfügt über Laubengänge, der jüngere (rechts) dagegen nicht. Großbildansicht
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