Technische Denkmale Nach 1945 Technik Verkehr Februar 2007

Die "Greundiek" ist wieder auf großer Fahrt

Das alte Schiff und das Meer

Lewer en lütt Herr as en groot Knecht", war das Motto von Kapitän Henry Dölling, der 1965 das Küstenmotorschiff "Hans-Hermann" von Kapitän Herbert Behrens kaufte. Behrens hatte es nach seinen beiden im Krieg gefallenen Söhnen genannt, doch der neue Eigner taufte es auf den Namen seiner Ehefrau "Rita Dölling" um.

1950 war das als eines der ersten zivilen Stahlschiffe in Vollschweißtechnik gebaute Frachtschiff auf der Rickmers Werft in Bremerhaven vom Stapel gelaufen und danach ständig in Nord- und Ostsee unterwegs gewesen. Es transportierte vor allem Holz aus Skandinavien und Kohle aus England.

Doch in den siebziger Jahren wurden die Küstenmotorschiffe immer mehr von Containerschiffen verdrängt. So musste 1986 schließlich auch Kapitän Dölling schweren Herzens sein Schiff verkaufen - aber er hatte Glück: Die "Rita Dölling" wurde Ausbildungsschiff für die Seefahrtschule Grünendeich und hieß fortan "Greundiek". Nach ein paar Jahren wurde die Ausbildungstätte verlegt - und wieder stand das "Kümo" vor dem Aus, zumal es auch an einigen Stellen leckgeschlagen war.

Wieder fahrtüchtig: Die Greundiek unterwegs auf der Oste. 
© I. Kunze
Wieder fahrtüchtig: Die Greundiek unterwegs auf der Oste.

Dank einer Spende konnte der Verein "Alter Hafen Stade e. V.", der sich vor allem für die Wiederbelebung des alten Hansehafens im niedersächsischen Stade einsetzt, das Schiff 1994 erwerben. Nach der Reparatur des Schiffbodens schleppte man das über 46 Meter lange Schiff in den Stader Stadthafen, wo es rundum saniert wurde.

Das Küstenmotorschiff Greundiek auf großer Fahrt. 
© I. Kunze
Das Küstenmotorschiff Greundiek auf großer Fahrt.

Viele haben den engagierten Verein unterstützt: Neben Stadt, Land und Kreis beteiligten sich die örtliche Wirtschaft, ABM-Kräfte und Schulen durch Einsätze an Projekttagen. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz steuerte in den Jahren 1998 und 2000 rund 28.000 Euro bei.

Inzwischen ist das "Kümo" dank seiner ehrenamtlichen Crew wieder voll fahrtüchtig und als mobiles Kulturdenkmal eingetragen. Seit ein paar Jahren können Besucher auf dem Schiff den Alltag der Küstenschifffahrt nacherleben. Denn nicht nur die Brücke mit allen ihren Einrichtungen und die Maschine sind noch original, auch Möbel und Einbauten in den Wohnräumen, in Kombüse und Kajüten stammen aus den fünfziger Jahren und zeigen die spartanische Lebensweise von Kapitän und Besatzung.

Aber das Museumsschiff kann nicht nur besichtigt werden. Sehr begehrt sind die Ausflugsfahrten im Bereich der Unterelbe. Bis zu 50 Fahrgäste finden dabei Platz. Doch auch wenn das Schiff im alten Stader Stadthafen liegt, ist es ein gern besuchter Treffpunkt. Im wiederhergerichteten Laderaum finden Ausstellungen, Theateraufführungen, Lesungen und Vorträge statt, können Hochzeiten und andere Feste gefeiert werden.

Bisweilen geht das Schiff auch wieder auf ganz große Fahrt: Schon zweimal lief es ins südschwedische Karlshamn ein - der Partnerstadt Stades. Und von Zeit zu Zeit besucht die ehemalige Eignerin Rita Dölling das altes Zuhause und freut sich darüber, dass der alte Küchenschrank in der Kombüse noch immer gute Dienste leistet.

Dr. Dorothee Reimann

Kopfgrafik: Die "Greundiek" im alten Stader Stadthafen.

Informationen und Buchungen bei der Stade Tourismus-GmbH