Da bin ich einen Tag in Zernikow gewesen,
wo ich glückliche Tage der Kindheit
in Vergleich mit den übrigen zubrachte,
wo ich mein erst poetisch Werk schrieb
und vielerlei in aller Einsamkeit lernte".
Achim von Arnim an Bettine,
4. September 1819
Ferien auf Zernikow
Ein brandenburgisches Gutshaus braucht Ihre Hilfe
Der preußische König Friedrich II. mochte es nicht, wenn seine engen Vertrauten heirateten. So war es ein mühsames Unterfangen, die Einwilligung für die Hochzeit seines Geheimen Kämmerers Michael Gabriel Fredersdorff mit der Bankierstochter Carolina Maria Elisabeth Daum zu bekommen. Der nicht ganz gesunde Bräutigam griff daher 1753 zu einer List: Er schrieb seinem König, dass er durch diese Ehe zu genesen hoffe. Friedrich willigte schließlich ein, und nur 24 Stunden später wurde Hochzeit gefeiert, damit es sich der König nicht wieder anders überlegen konnte. "So war das Krankenlager der Eingang einer Ehe, in welcher meine Großmutter (...) unter so seliger Freiheit, Übereinstimmung und innerer Heiterkeit drei Jahre, bis er nach vielen Leiden verschied, gelebt hat, dass sie nach ihrem Tode nur an der Seite dieses geliebtesten unter ihren Männern im Sarge ruhen wollte", schrieb der Dichter Achim von Arnim. Er hatte die unbeschwerten Ferientage bei seiner Großmutter Carolina Maria Elisabeth Labes, geborene Daum und verwitwete Fredersdorff, in Zernikow verbracht.
Friedrich war noch Kronprinz, als er Fredersdorff 1730 in Küstrin kennenlernte, wohin ihn sein Vater nach dem gescheiterten Fluchtversuch verbannt hatte. Das geliebte Flötenspiel war ihm dort zwar verboten, aber er traf sich heimlich mit dem Militärmusicus Fredersdorff, um dieser Leidenschaft nachzugehen. Es entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis zwischen den beiden, und als Friedrich 1740 preußischer König wurde, machte er Fredersdorff - dieser wurde von Voltaire als "grand factotum du Roi Frédéric" bezeichnet - zum Geheimen Kämmerer und schenkte ihm das Rittergut Zernikow.
"Er fand eine vernachlässigte Sandscholle vor und hinterließ ein wohlkultiviertes Gut, dem er teils durch Anlagen aller Art, teils durch Ankauf von Wiesen und Wald das gegeben hatte, dessen es zumeist benötigt war", notierte Theodor Fontane in seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg.
Ab 1746 ließ Fredersdorff durch den märkischen Oberbaudirektor Christian Friedrich Feldmann (1706-65) - einem Schüler Georg Wenzeslaus von Knobelsdorffs - ein siebenachsiges und zweigeschossiges Gutshaus errichten. Die Steine wurden in der Ziegelei des Guts hergestellt. Nicht nur bei der Dekoration der Innenräume orientierte sich Fredersdorff an den Vorlieben seines Königs. Er ließ sich von ihm außerdem zur Seidenraupenzucht inspirieren. Friedrich II. hatte dazu aufgerufen, um Preußen von teuren Seidenimporten unabhängig zu machen. Weil sich Seidenraupen ausschließlich von Blättern des Maulbeerbaums ernähren, ließ Fredersdorff 1747 eine aus 8.000 Bäumen bestehende Plantage anlegen und erzielte ein Jahr später einen ersten, wenn auch bescheidenen Gewinn.
Mit dem Erbe seiner vermögenden Frau vergrößerte und verschönerte Fredersdorff Gut und Dorf Zernikow. Seine Gesundheit aber ließ sich auch durch die sehr glückliche Ehe nicht wieder herstellen, und so blieben dem Paar nur wenige gemeinsame Jahre. Fredersdorffs früher Tod 1758 ist wohl auf das Experimentieren mit Quecksilber zur Herstellung von Gold zurückzuführen. Friedrich II. hatte immer wieder auf die Gefahren hingewiesen. So auch 1753, als er das "Rezept zum Goldmachen" seines Kämmerers mit den Worten zurückschickte: "Ich danke Dihr vohr Deine Schöne Sachen; ich Schike Dihr alles zurüke. gesundtheit ist besser, wie alle Schätze der Welt. flege Dihr erst, daß Du besser wirst, dann Könen wihr goldt und Silber Machen."
Carolina Maria Elisabeth heiratete 1760 Johann Labes, der später geadelt wurde, und beide setzten die Arbeiten in Zernikow fort. 1777 wurde auch die unweit des Guts gelegene Kirche prächtig ausgeschmückt, und in dem Dorf entstanden soziale Einrichtungen, darunter ein Hospiz für alte und arbeitsunfähige Angestellte.
Nach dem Tod des Ehepaars Labes und der direkten, aber kinderlosen Erben, gelangte das Gut Zernikow 1861 in den Besitz der sechs noch lebenden Kinder von Bettine und Achim von Arnim. Ihr Enkel Erwin übernahm es 30 Jahre später, ließ eine achte Achse an das Gutshaus bauen, errichtete eine Brennerei sowie ein Sägewerk und gründete eine Dorfschule. Sein Sohn Friedmund machte aus der Anlage ein land- und forstwirtschaftliches Mustergut. 1945 gelangten seine Frau Clara und die sechs Kinder auf gefahrvollen Umwegen in den Westen. Friedmund von Arnim wurde nach Russland verschleppt, wo er im Januar 1946 starb.












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Kommentare anderer Leser
Name: Dr. von Arnim 13.11.2009
"Die Mittel reichten bislang nur zur Außensanierung einer Achse." heißt es hier in dieser Web-Seite. Doch es waren nicht Mittel der Stiftung. Ich will nicht unbescheiden sein, aber es waren Gelder von der kürzlich (Mai 2009) verstorbenen Clara und von mir, die diese Aussensanierung möglich machten. Die Fertigstellung der hofseitigen Fasade war nur durch Mittel der Stiftung möglich. Dafür bin ich sehr dankbar!
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