Er gilt als Wegbereiter der deutschen Werftindustrie und gehörte zu den Mitbegründern des Germanischen Lloyd. Doch Christian Heinrich Wätjen ist heute in Bremen kaum noch bekannt, obwohl er im 19. Jahrhundert zu den angesehensten Bürgern der Hansestadt zählte. Als Inhaber der Reederei D. H. Wätjen & Co., die vor allem durch den Import von Tabak aus den Südstaaten der USA, aus Kuba und Kolumbien reich geworden war, konnte er es sich leisten, für seine Kinder angemessene Güter zu erwerben. Für seinen Sohn Carl kaufte Wätjen das Schloss in Fürstlich Drehna bei Luckau. Er hoffte wohl, der Familie auf diesem Weg einen Zugang zu den höchsten Kreisen zu ermöglichen. Was auch gelang: 1888 wurde Carl von Kaiser Friedrich III. geadelt.
Heiraten auf Fürstlich Drehna
Die Sanierung zum Schlosshotel schuf viele Arbeitsplätze
"Fürstlich" darf sich der heute zu Brandenburg zählende Ort Drehna seit 1807 nennen. Damals gehörte er Moritz zu Lynar, der ein Jahr zuvor vom österreichischen Kaiser Franz I. zum Fürsten ernannt worden war. Die Lynars reihen sich in eine lange Liste von Besitzern des Dorfes ein. Die früheste Urkunde aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die Drehna eindeutig zuzuordnen ist, nennt "Bernd Drußgkwitz mit sinen brudren" als Herren des Ortes. Damals gab es auch bereits einen Vorgängerbau des heutigen Wasserschlosses, das im 16. Jahrhundert durch die von Minckwitz zu einer Vierflügelanlage ausgebaut wurde. Weil sich bis heute Gewölbe, Fenstergewände und Ziergiebel aus der Spätgotik und der Renaissance erhalten haben, zählt Fürstlich Drehna zu den interessantesten Schlössern in der Niederlausitz.
In den folgenden Jahrhunderten passten die Besitzer die Anlage dem Stil der jeweiligen Zeit an. Im 19. Jahrhundert trug Familie zu Lynar maßgeblich zur Verschönerung des Schlosses, des Schlossparks und des Ortes Fürstlich Drehna bei. Das Vollständige Staatslexikon von Sachsen aus dem Jahr 1815 schwärmt von der fürstlichen Bibliothek mit mehr als 6.000 Bänden, einem prächtigen Landschaftsgarten und einer bemerkenswerten Gärtnerei, deren Früchte und Sämereien "als vorzüglich gut in der Nähe und Ferne gesucht sind. Liebliche Bosquets, Alleen von Obst- und anderen Bäumen, neu errichtete Lustgebäude laden zum angenehmen Genusse ein. Man findet unter andern eine hübsche Einsiedelei, eine gute Eisgrube, Inseln, Gondeln und dergl." Lange wurde vermutet, dass Peter Joseph Lenné in Fürstlich Drehna tätig gewesen sei, doch das konnte nie bewiesen werden. Hochverschuldet mussten die Nachfolger der Lynars ihr Anwesen schließlich 1877 verkaufen. Besagter Carl von Wätjen läutete eine weitere Bauphase am Schloss ein und wandelte es in ein Jagdgut um. Er erweiterte den Schlosspark auf 130 Morgen und erreichte, dass die Eisenbahnlinie Finsterwalde-Luckau nicht durch sein Jagdrevier führte.
Das Schloss Fürstlich Drehna und seine Besitzer erlitten zum Ende des Zweiten Weltkriegs das gleiche Schicksal wie so viele andere im Osten Deutschlands. Am 20. April 1945 wurde es von sowjetischen Soldaten geplündert. Die Witwe Carl von Wätjens, der 1928 gestorben war, floh mit ihrem zweiten Mann. Er wurde auf der Flucht erschossen. Sie kehrte wieder nach Fürstlich Drehna zurück, durfte jedoch nicht mehr im Schloss wohnen und floh erneut, dieses Mal nach Bremen. 1948 entging das Gebäude knapp einem geplanten Abriss und wurde zunächst FDGB-Schule, später Berufsschule für Forstwirtschaft und schließlich Jugendwerkhof. Mehr als die Hälfte des Schlossparks fällt zu DDR-Zeiten dem Braunkohletagebau zum Opfer. Dass der Rest bewahrt werden kann, ist einem sogenannten Parkaktiv zu verdanken, das 1983 von zwölf Bürgern aus der Region gegründet wurde. Aus ihm geht 1993 der örtliche Kultur- und Heimatverein hervor. Im selben Jahr wird der Verfall des Schlosses, das seit 1986 leer stand, durch eine Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgehalten.













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