Monumente Online

Ausgabe: März 2007

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Interieurs - Bühnen gesellschaftlichen Lebens

 c)  Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein/Friedhelm Schneider / c) ML Preiss Streiflicht

Die Bilderrätsel von Ludwigsburg

Adelsspäße des 17. Jahrhunderts

Das kleine barocke Bild öffnet uns den Blick in eine Werkstatt mit sonderlichem Treiben: Da untersucht ein geflügelter Putto ein Goldstück, während ein weiterer eine Goldmünze ins Feuer hält. "Come l'oro nel foco" ist die Szene überschrieben: Wie das Gold im Feuer. Dass die Liebe sich erst erweisen muss, wollen die beiden Amoretten wohl aussagen.

 (c)  Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein/Friedhelm Schneider
© Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein/Friedhelm Schneider
"Wie das Gold im Feuer" muss die Liebe bestehen. Großbildansicht

Die Gäste, denen Friedrich Christian Kielmann von Kielmannseck (1639-1714) dieses und weitere 174 Miniaturgemälde auf seinem Landsitz bei Eckernförde vorführte, mögen noch andere Deutungen gefunden haben. Denn der Hausherr unterhielt seine Festgesellschaften nicht nur durch erlesene Speisen oder musikalische Einlagen - die adeligen Damen und Herren sollten ganz nebenbei auch Embleme entschlüsseln. Ein anspruchsvoller Zeitvertreib, der in den höfischen Salons des 17. Jahrhunderts keineswegs ungewöhnlich war.

Friedrich Christian von Kielmannseck war ein universell gebildeter und sprachgewandter Mann, der am Hof der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorf eine ansehnliche Karriere gemacht und 1665 in den alten Holsteiner Adel eingeheiratet hatte. Im Jahr 1672 erwarb er das Gut Kohöved, heute Ludwigsburg, in der Landschaft Schwansen und gestaltete es zu seinem Hauptwohnsitz um. Zu einem Raumkunstwerk der besonderen Art geriet dabei der Festsaal. Er erhielt eine wandhohe Vertäfelung aus Eichenholz, in die eckige oder ovale Ölgemälde integriert wurden.

 (c) ML Preiss
© ML Preiss
Die Täfelung der bunten Kammer stammt von 1673. Großbildansicht

Jedem Bild ist ein Motto zugeordnet: Neben deutschen finden sich auch lateinische, niederländische, italienische, spanische und englische Sinnsprüche.
Dieses Muster entstammte der zeitgenössischen Emblematik - jene kunstvolle Kombination von Text und Bild gehörte vom 16. bis zum 18. Jahrhundert bei den gebildeten Ständen zum Allgemeingut. Ein Emblem besteht aus einer allegorischen Darstellung und einem knappen Text - Lemma, Motto oder Inscriptio genannt -, der über dem Bild platziert ist. Normalerweise gehört auch eine erläuternde Unterschrift - Epigramm oder Subscriptio - dazu. Die logische Verknüpfung der einzelnen Elemente herzustellen, ist Aufgabe des Betrachters.

 (c)  Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein/Friedhelm Schneider
© Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein/Friedhelm Schneider
Kinder mit Seifenblasen illustrieren "Ich greife nach allem und halte nichts". Großbildansicht

Der italienische Humanist Andrea Alciati hatte mit seinem 1521 in Mailand und 1531 in Augsburg erschienenen Werk "Emblematum liber" die Vorlage für diese Kunstform geliefert, die dann für drei Jahrhunderte mehr oder weniger verbindlich blieb. Die Emblembücher Alciatis und seiner Nachfolger vermittelten universelle Gedanken oder Tugendlehren und dienten auch als Vorlage für Kunsthandwerker. So fanden sich die verschlüsselten Lebensweisheiten etwa auf Mobiliar, Tapeten, Trinkbechern und Spielkarten oder in Kirchen und Klöstern. Für die Embleme, mit denen Friedrich Christian seine Bunte Kammer ausschmückte, lassen sich über 20 verschiedene Werke als Quellen ausmachen - sämtlich im Besitz des äußerst belesenen Auftraggebers. Allerdings wurden die Vorlagen nicht einfach kopiert, sondern Bilder und Motti oft ganz neu kombiniert, womit der Anspruch humanistischer Gelehrsamkeit noch deutlicher zum Ausdruck kommt. Dass in Ludwigsburg nur wenige religiöse Embleme zu finden sind, dafür aber um so mehr um Liebe, Freundschaft oder Politik kreisende, liegt bei einem adeligen Gut nahe.

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