Die Stadt Lüneburg kann mit einer merkwürdigen Reliquie aufwarten. Köln hat seinen Dreikönigsschrein, Aachen seinen Karlsschrein - und Lüneburg ein paar Schweineknochen. Zwar haben diese keine religiöse Bedeutung und zogen auch nie Pilgerströme an. Und doch sind die tierischen Überreste, die in einer barocken Laterne an der Decke der Alten Kanzlei im Rathaus hängen, eng mit der Bedeutung der Stadt verbunden, deren enormer Reichtum ganz auf Salz gegründet war.
20.000 Tonnen "Weißes Gold"
Die Alte Salzstraße von Lüneburg nach Lübeck
Im gesamten Ostseegebiet waren die Vorkommen äußerst dürftig, was die weißen Körnchen aus Lüneburg so wertvoll machte. Vom Mittelalter bis ins 16. Jahrhundert stellte die dortige Saline den wichtigsten Salzlieferanten für den ganzen nordeuropäischen Raum dar. Unter dem Markennamen Travensalz wurde es von Lübeck aus bis nach Skandinavien, ins Baltikum und nach Russland verschifft. Wann genau die Salzgewinnung in Lüneburg ihren Anfang nahm, ist ungewiss. Urkundlich erwähnt wird sie das erste Mal 956, als König Otto I. den Zoll der Saline dem Michaeliskloster zusprach. Zu diesem Zeitpunkt scheint diese also schon einen nennenswerten Gewinn abgeworfen zu haben.
Das Lüneburger Salz ist Siedesalz: Man beförderte die Sole aus den Quellen nach oben, um sie zu verkochen.
In mancher Hinsicht war das Salzwerk wie ein moderner Industriebetrieb organisiert und verschaffte vielen Berufsständen eine sichere Existenz. So ernährte es nicht nur die Sieder, sondern auch unzählige Böttcher und Fuhrleute.
Das größte Interesse am Salz hatten die Lübecker Kaufleute. Doch die begehrte Ware die gut 70 Kilometer Luftlinie hinauf Richtung Ostsee zu befördern, war in früheren Zeiten ein mühsames und langwieriges Unterfangen. Bis ins 14. Jahrhundert ging der Transport ausschließlich zu Lande vonstatten: Auf der heute so genannten Alten Salzstraße - sie war ein Teil des Systems mittelalterlicher Reichsstraßen - brauchten Fuhrwerke von der Salzstadt zur Kaufmannsstadt ganze fünf Wochen.
In Lüneburg, das über eine geschlossene historische Altstadt verfügt, kann man den Weg des Salzes von der einst gut bewehrten Saline am westlichen Rand noch nachvollziehen. Die erste wichtige Station war der "Sand". Hier sammelten sich die Pferdewagen und sorgten für ein reges Treiben. Wie der Name sagt, war der lang gestreckte Platz im Mittelalter noch ungepflastert. Auch heute ist Am Sande eine städtebaulich exponierte Anlage, gesäumt von den prächtigen Giebelhäusern der Sülfmeisterfamilien.
Über die Straße Am Berge ging es weiter in Richtung Hafen, wo das Salz in großen Speicherhäusern zwischengelagert wurde. Zentrum des Lüneburger Handels - die Stadt hatte Stapelrecht - war das Kaufhaus am inneren Ilmenauhafen. Der alte Kran gleich gegenüber, der erst 1847 mit dem Anschluss an die Eisenbahn seine Funktion verlor, ist längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden. Im frühen 14. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, stammt er in seiner heutigen Gestalt von 1797, wobei die Konstruktion gegenüber dem mittelalterlichen Vorgänger wohl kaum verändert wurde. Der hölzerne Drehkran gehörte der Stadt, und der Kranmeister war zugleich Angestellter des Kaufhauses. Als eines der ältesten Exemplare eines historischen Tretradkrans hat er einen unschätzbaren Wert.
Vom Hafen aus wurde das Salz lose oder in Fässern nach Norden befördert.
Der historische Handelsweg, der heute gar nicht mehr so leicht nachzuvollziehen ist, verlief auf unbefestigten, oft morastigen Wegen durch kleine Dörfer zunächst über Brietlingen nach Artlenburg.












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Kommentare anderer Leser
Name: Alfred Meyer 26.01.2010
ich finde den Artikel sehr lesenswert und interessant. Eine historische Wegekarte (Landkarte) in Großformat über den gesamten Monitor hätte mich sehr begeistert. Als Lehrlinge (1958-60) hatten wir einen Dauer-Zeltplatz in Güster gemietet. Dort habe ich damals eine stilisierte Routenkarte der Salzstraße erworben - leider ist sie mir irgendwann abhanden gekommen. Darum hätte ich gerne eine alte Karte vorgefunden. MfG A.Meyer
Name: Pascal Feier 25.05.2010
Sehr, sehr interessant. Ich bin Deutscher, in Madrid geboren und in Spanien aufgewachsen. Ich arbeite seit Jahren als Reiseführer mit spanischen Gruppen. Es fehlt mir noch der Norden und jetzt fahre ich erst selbst dort hin, um ihn besser kennen zu lernen. Im Juli dann mit einer Gruppe. Solche Artikel helfen sehr. Vielen Dank!
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