"Füllet die Erde und machet sie euch untertan", forderte Gott das erste Menschenpaar auf (1. Mose 1,28), was dessen Nachkommen bis heute gründlich besorgt haben, indem sie die Schöpfung ständig veränderten. So wurde zum Beispiel bei uns in Deutschland schon seit vorgeschichtlicher Zeit aus der Natur- eine Kulturlandschaft. Dies geschah besonders wirkungsvoll durch die Rodung der Wälder zur Schaffung von Feldern und Wiesen, durch den Bau von Dörfern und später von Städten sowie durch die Anlage von Straßen und Bahnstrecken.
Doch auch die Vegetation im Detail hat sich stark verändert, zum einen durch Einfuhr exotischer Bäume wie Platanen und Kastanien, die inzwischen so verbreitet sind, dass man sie für heimisch halten könnte. Zum anderen hat man Bäumen durch Veredelung, Zuschnitt der Kronen und spezielle Pflanzung eine künstlerische Form gegeben, um den gewünschten Effekt eines gärtnerischen Gesamtkunstwerks zu erzielen.
Natur aus Menschenhand
Zur Entwicklung der Gartenkunst
Von der Renaissance an zwang man so die Natur in eine künstliche Form, wie im Großen Garten in Hannover-Herrenhausen anschaulich wird. Dem streng geometrischen Wegenetz im von Grachten umgebenen Rechteck entsprechen die zu strengen Kuben beschnittenen Hecken und Bäume. In dieser Gestalt ist der Große Garten das Werk des Gartenarchitekten Martin Charbonnier, entstanden zwischen 1682 und 1717 im Auftrag der Kurfürstin Sophie, die den Garten als "ihr Leben" bezeichnet hat.
Neben dem würfelförmigen wählte man im Barock vielfach den kugelförmigen Rückschnitt. Dieser wird heute noch von den Verwaltungen historischer Gärten angewandt.
Im Park des Schlosses Rheinsberg sind sie zum Beispiel um den 1740 erbauten und 1790 veränderten Gartensalon im Kreis angeordnet.
Das ständige Zurückschneiden der Linden in die Kugelform ist sehr aufwändig. Deshalb hat man es in späteren Zeiten häufig aufgegeben, so bei der um 1850 entstandenen Allee zwischen Bad Doberan und Heiligendamm, dem ältesten deutschen Seebad von 1793.
An der Art, wie sich alle Äste an einer Stelle wie ein Quirl über dem relativ kurzen Stamm verzweigen, erkennt man, dass auch diese Linden einst kugelförmig beschnitten waren, als der Großherzog von Mecklenburg dies noch veranlasste.













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