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Ausgabe: Februar 2009

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Kunst und Gesellschaft

(c) R. Rossner Leitartikel

Wallfahrtsort und Wirtschaftsbetrieb

Interview mit Pater Valentin Ziegler vom Kloster Andechs

MO: Im Mittelalter wurde das Handwerk des Bierbrauens besonders in den Klöstern gepflegt und weiterentwickelt. Noch heute sind einige Biermarken nach Ordensgemeinschaften benannt. Welche Rolle spielt das Bier in der Geschichte des Klosters Andechs?

Pater Valentin Ziegler: Benediktinische Gastfreundschaft in Bayern und klösterliche Brautradition gehören seit Jahrhunderten zusammen. 1455 übernahmen die Benediktiner auf Geheiß des Wittelsbacher Herzogs Albrecht III. die Betreuung der Wallfahrt auf den Heiligen Berg. Von Anfang an sorgten die Andechser Mönche für das seelische und leibliche Wohl der Wallfahrer. Die Braukunst brachten sie aller Wahrscheinlichkeit nach aus ihrem Heimatkloster Tegernsee mit, einem der ältesten Benediktinerklöster auf bayerischem Boden.

Zunächst brauten die Mönche für den Eigenbedarf, verköstigten aber auch bald Pilger und Besucher, gemäß der Regel des Heiligen Benedikts "Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus". Der Andechser Reliquienschatz und die seit 1128 bestehende Wallfahrt zum Heiligen Berg, die älteste in Bayern, sind Ausgangspunkt für die organische und nachhaltige Entwicklung der Klosterbrauerei Andechs.

Bis heute prägen starke malzaromatische Biere die Braukunst der bayerischen Benediktiner. Pilger stärken sich auf dem Heiligen Berg mit diesem nahrhaften Getränk - und das nicht nur zur Fastenzeit. Die Klosterbrauerei Andechs ist eine von nur zwei Brauereien deutschlandweit, die Bockbiere ganzjährig brauen und national vertreiben.

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Die Andechser Klosterbrauerei verfügt über modernste Technologie Großbildansicht

MO: Welche gastronomischen Einrichtungen zur Verköstigung der Pilger und Besucher befinden sich auf dem Klosterareal?

Pater Valentin Ziegler: Das "Andechser Bräustüberl" und der Klostergasthof stehen für die Vielfalt benediktinischer Gastfreundschaft auf dem Heiligen Berg. Bis zum Zweiten Weltkrieg schenkten die Mönche hier das Bier aus. Das ab Mitte des 19. Jahrhunderts bestehende "Ur-Bräustüberl" wurde im Laufe der Zeit zu klein für die zahlreichen Pilger und Besucher. Nach der kompletten Renovierung in den 1980er Jahren ist es heute als "Grützner-Stüberl" ein Raum für geschlossene Veranstaltungen. Als 1906/07 die neue Mälzerei gebaut wurde, konnte das Bräustüberl zunächst um das "Gewölbe" erweitert werden und 1938 um das geräumige "Salettl".

Während des Zweiten Weltkrieges war das Bräustüberl geschlossen. Am 19. März 1952, dem Josephi-Tag, wurde es wiedereröffnet. Am damals eingerichteten "Kiosk" holten sich alle Gäste ihre Speisen selbst. Steigende Besucherzahlen machten 1970 eine erneute Vergrößerung erforderlich. Dazu boten sich die Räumlichkeiten der "Alten Mälzerei" an, die am Osthang des Heiligen Berges liegen. Hier wurde früher aus Braugerste das Braumalz hergestellt; heute ist der Bereich zum geräumigen "Wappensaal" und dem kleineren "Mälzer-Stüberl" umgestaltet.

Der Außenbereich wird als "Terrasse" mit Blick auf das bayerische Voralpenland genutzt. Zu Ostern 1998 wurde die "Ostterrasse" angeschlossen. Entsprechend dem alten Wallfahrer-Brauch ist es dem Besucher hier und auch im Bräustüberl gestattet, zum Andechser Klosterbier seine Brotzeit selbst mitzubringen. Um das monastische Leben mit dem weltlichen in Einklang zu bringen, wird auf die klösterliche Ruhe durch den Schankschluss im Bräustüberl um 20 Uhr Rücksicht genommen.

Der traditionsreiche Klostergasthof, baulich älter als das Kloster, wurde erstmals 1438 urkundlich erwähnt. Mitte des 15. Jahrhunderts schenkte Herzog Albrecht III. die "obere Wirtschaft" dem neu gegründeten Benediktinerkloster Andechs. 1992 renovierte das Kloster den Gasthof unter Wahrung der historischen Bausubstanz.

MO: Nach der Säkularisierung kaufte König Ludwig I. 1846 das Kloster Andechs als Wirtschaftsgut für das Münchner Kloster St. Bonifaz auf. Seither wird es von Benediktinern betrieben. In welcher Form veränderte sich das klösterliche Brauereiwesen im 19. Jahrhundert und wurden die historischen Brauereigebäude für die damalige Nutzung verändert?

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Der Heilige Berg Großbildansicht

Pater Valentin Ziegler: Herausragende Cellerare (Wirtschaftsleiter) prägten das Kloster Andechs, seit es 1850 Wirtschaftsgut der Abtei Sankt Bonifaz in München wurde. Der langjährige Cellerar Pater Magnus Sattler drückte den Klosterbetrieben seinen Stempel auf. Er modernisierte Kloster- und Wirtschaftsgebäude und legte den Grundstein für die erfolgreiche Fortentwicklung. 1871 ließ Pater Magnus die Brauerei auf Dampfbetrieb umstellen. 1893 wurden Fassstadel und Lagerhalle, 1894 das Sudhaus erneuert. Unter Pater Augustin Engl (Prior 1900-24) und Pater Maurus Rath (Prior 1924-51) entstanden unter anderem 1906 die Mälzerei, 1924 das Sudhaus sowie 1925 und 1958 neue Füllereianlagen.

MO: 1972 entschied sich der Konvent für den Bau einer völlig neuen Brauerei am Fuß des "Heiligen Berges", der 1984 fertig gestellt wurde. Geschah dies zum Schutz der historischen Gemäuer?

Pater Valentin Ziegler: Der Schutz der historischen Bausubstanz ist dem Kloster Andechs ein wichtiges Anliegen. Grund für den Neubau der Brauerei ab 1972 war allerdings der Platzmangel, unter dem die Klosterbrauerei aufgrund der stetig steigenden Biernachfrage ab der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gelitten hat. Ein risikobereiter Konvent und die Weitsicht von Pater Daniel Gerritzen (Cellerar 1968-86; Prior 1976-82) schufen der Klosterbrauerei durch den Neubau von 1972 bis 1984 am Fuß des Heiligen Berges Raum zur Fortentwicklung. Nach dem Füllereigebäude 1974 ging 1984 das Sudhaus mit Gär- und Lagerkeller in Betrieb. 1990/91 wurde die Flaschenfüllerei erneuert. Seit 1993 und 1997 werden auf Anregung von Abt Odilo Lechner helles und dunkles Weißbier gebraut.

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Streiflichter
Zur Person

Pater Valentin Ziegler ist Mönch der Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München und Andechs.

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