An einem kalten und regnerischen Novembertag steige ich zum Kloster Ilsenburg empor. Unwillkürlich muss ich an Umberto Ecos Roman "Der Name der Rose" denken, der an einem spätherbstlichen Morgen Ende November beginnt. Adson von Melk müht sich mit seinem Mentor William von Baskerville den verschneiten Pfad zu einer Benediktinerabtei hinauf und ist überrascht "von der Massigkeit dessen, was sich später als Aedificium herausstellen sollte". Das wäre ihm vermutlich in Ilsenburg nicht viel anders gegangen. Dort hätten ihn die 30 Meter hohen Türme der Klosterkirche in den Bann gezogen. Die Größe der Anlage lässt sich heute leider nur noch erahnen, schmälert die Bedeutung dieses Benediktinerklosters aber keineswegs.
Im Namen der Ilse
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Die düstere Geschichte Ecos spielt im Jahr 1327. Damals war die Blütezeit des Ilsenburger Klosters bereits vorbei. Es war zu Beginn des 11. Jahrhunderts vom Halberstädter Bischof Arnulf gegründet worden, nachdem König Heinrich II. seine Jagdpfalz Elysynaburg der dortigen Kirche geschenkt hatte. Weil die königlichen Vasallen die Pfalz nicht verlassen wollten, wurden sie kurzerhand verjagt und kamen in einer Burg auf dem nahegelegenen Ilsenstein unter, von wo aus sie das Kloster unablässig angriffen. Erst zu Beginn des 12. Jahrhunderts gelang es, die Königstreuen von dort zu vertreiben und die Burg zu zerstören. Sieben Jahrhunderte später wird Heinrich Heine während seiner Harzreise auf diesem Granitfelsen stehen, "der sich lang und keck aus der Tiefe erhebt. (...) Hier schaut man das unten liegende Ilsenburg und die Ilse, weit hinab ins niedere Land".
Unter Burchard II., der 1059 zum Bischof ernannt worden war, entwickelte sich die Benediktinerabtei in Ilsenburg zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten Klöster der Region. Er ließ die Kirche und die Konventgebäude neu errichten und berief seinen Neffen Herrand zum Abt, dem mehrere Reformen gelangen. Reste der Klosteranlage aus dem 11. Jahrhundert sind in Ilsenburg bis heute nachzuweisen, auch wenn Brände und Zerstörungen ihr arg mitgespielt haben. Die Klosterkirche, der seit dem 16. Jahrhundert das nördliche Seitenschiff fehlt, wurde am 5. Juni 1087 durch Burchard II. geweiht. Sie besaß ursprünglich neben den beiden mächtigen Türmen ein Querschiff und einen dreischiffigen Chor. Das große Westportal ist heute zugemauert, aber noch gut im Mauerwerk auszumachen. Welche Ausmaße die Kirche damals hatte, lässt sich an den beeindruckenden Säulen und Pfeilern zwischen Haupt- und südlichem Seitenschiff nachempfinden.
Man vermutet, dass die drei Klosterflügel, von denen der westliche nicht mehr vorhanden ist, unter den Äbten Sigibodo (um 1138-61) und Thiother (1161-76) errichtet wurden. Viele romanische Säulen mit ihren wunderschönen Kapitellen - sie sind mit Palmetten, Halbschilden und anderem Schmuck verziert - blieben aus dieser Zeit erhalten und machen das Besondere der ehemaligen Benediktinerabtei aus.
Ein Kloster ohne Bücher sei wie eine Küche ohne Geschirr und eine Wiese ohne Blumen, legt Eco dem Abt seines Romans in den Mund. Auch in Ilsenburg gab es eine Bibliothek. Sie befand sich zusammen mit dem Skriptorium vermutlich im Refektorium und nicht - wie in anderen Benediktinerabteien - im Obergeschoss der Marienkapelle, die sich an den Ostflügel mit Kapitelsaal und Dormitorium anschloss. Man ist in Ilsenburg mit Recht stolz darauf, dass die Klosterbibliothek gut bestückt war. Ob die Urhandschrift des Sachsenspiegels Eike von Repchows - eines der wichtigsten Rechtsbücher des späten Mittelalters - wirklich im dortigen Skriptorium entstanden ist, konnte aber nicht eindeutig nachgewiesen werden. Der Bestand der Bibliothek ist seit der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert in alle Winde zerstreut. Bislang können nur vier Handschriften - darunter ein großer lateinischer Bibelcodex aus dem 12. Jahrhundert - dieser Klosterbibliothek zugeschrieben werden.












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