Monumente Online

Ausgabe: März 2006

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Schwerpunkt: Der Kultur auf der Spur – Jugend und Denkmal

Malerwerkstatt, Schloß Raesfeld (c)R.Rossner Leitartikel

Jugend baut

Das Freiwillige Jahr in der Denkmalpflege

Hinter der Eisentür schlagen mir Hitze und Rauch entgegen, der spitze Klang, wenn Metall auf Metall trifft, dringt durch Mark und Bein. Im Halbdunkel erkenne ich zwischen fauchenden Feuern und glühenden Kohlen junge Menschen, die mit von Wärme und Anstrengung geröteten Gesichtern versuchen, Eisen zu formen. Es ist keine Höllenszene, es ist nur die Schmiede in Schloss Raesfeld.

Dort im westlichen Münsterland bei Borken ist die staatlich anerkannte Akademie des Handwerks ansässig. Zur Zeit führt sie in der Vorburg des malerisch gelegenen Renaissance-Wasserschlosses eines von sieben Seminaren für die Jugendbauhütte Duisburg/Raesfeld durch.

Jugendbauhüttler in der Schmiede von Schloss Raesfeld (c) R.Rossner
© R.Rossner
Jugendbauhüttler in der Schmiede von Schloss Raesfeld Großbildansicht

Über den hitzigen Lärm hinweg gelingt es Eva Wissing, der Leiterin der Jugendbauhütte und Mitarbeiterin des Trägervereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste e.V. (ijgd), tatsächlich, mich den Freiwilligen kurz vorzustellen. Bevor das Hämmern wieder losgeht, frage ich nach den weiteren Teilnehmern der Jugendbauhütte. "Sie sind oben in der Malerwerkstatt. Wir haben die Gruppe geteilt, damit jeder in dieser Woche möglichst viel lernen kann." Dieses Mal besteht die Gruppe aus 14 jungen Frauen und sechs jungen Männern zwischen 16 und 22 Jahren.

Im Obergeschoss sagt mir schon der eindringliche Geruch nach Terpentin und Bienenwachs, dass ich die Malerwerkstatt gefunden habe. Hier empfängt mich das genaue Gegenteil der lärmenden Kraftarbeit von unten. Zehn Jugendliche sitzen konzentriert über ihren Zeichenblättern und schneiden Schablonen für Wandornamente. Daneben in der hell erleuchteten Malerwerkstatt, ausgestattet mit großen Tischen, Eimern, Bottichen und Anstrichmustern an den Wänden, rührt die Restauratorin Claudia Aldenhoven gerade Zelluloseleim an, mit dem die Schablonenmalerei später auf Spanholzbretter aufgetragen werden soll.

Die Grundierung vom Morgen ist noch nicht getrocknet. So lerne ich als erstes einen wichtigen Grundsatz bei der Restaurierung: Man muss Geduld haben. Die Restauratorin schmunzelt: "Das ist für die Meister, die sich sonst hier zum Restaurator im Malerhandwerk fortbilden, oft der dickste Brocken. Das Motto 'Zeit ist Geld' gilt in der Denkmalpflege nur bedingt. Aber das ist das Gute für die Freiwilligen der Jugendbauhütte: Sie stehen ein Jahr lang nicht unter Zeitdruck und können sich entspannt mit den alten Handwerkstechniken anfreunden."

Derweil weiht der Schmied Norbert Then die Freiwilligen in die Grundsätze seines Handwerks ein. Dabei lerne auch ich, dass Eisen verbrennen kann wie "Brot im Backofen". Die Farben des glühenden Eisens sind besonders wichtig, denn sie zeigen an, wann das Metall die richtige Hitze zum Bearbeiten hat. Deshalb ist es in Schmieden immer dunkel. Ob es den Mädchen schwerer fällt, die massigen Eisenhämmer zu schwingen, kann ich nicht feststellen. Die ermunternden Worte Norbert Thens, sie sollten "mit Gefühl hämmern", quittieren die Freiwilligen mit einem amüsierten Auflachen.

Die Jugendlichen versuchen Eisen rund zu biegen. (c) R.Rossner
© R.Rossner
Die Jugendlichen versuchen Eisen rund zu biegen. Großbildansicht

In der Malerwerkstatt wird inzwischen ein farbiger Untergrund für die Schablonenmalerei geschaffen. Damit er aussieht wie marmoriert, drehen die Jugendlichen Stoffwickel: Stoffstücke werden in Farbe getunkt, ausgedrückt und zu Wickeln mit vielen unregelmäßigen Falten gedreht. Diese werden leicht in kurzen, immer wieder die Richtung ändernden Bahnen über die Holzplatten gerollt. Es sieht einfach aus, doch die Technik will beherrscht sein. Sebastian ist der Wickel zu nass geraten, seine Bahnen verschmieren. Getröstet von den anderen, versucht er es an einer anderen Unterlage erneut. Jennifer überlegt, ob sie zwischen die vier Quadrate in die Mitte noch ein weiteres setzen soll: "Ich finde, im Augenblick sieht mein Ornament eher wie ein Herd mit vier Platten aus."

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