Der Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck gab im Jahr 1747 eine Gemäldeserie in Auftrag: Es handelte sich nicht, wie man vermuten könnte, um eine Ahnengalerie, um Porträts von Kirchenoberhäuptern oder Historienbilder. Der Fürstabt wollte sich vielmehr mit Darstellungen seltener Pflanzen aus seiner Orangerie umgeben. Der Hofmaler Johann Andreas Herrlein malte also eine blühende Ananasstaude, einen Kaffeestrauch, Kakteen und andere botanische Kostbarkeiten, alle in Fayencekübeln mit dem Wappen des Regenten.
Kein Land "wo die Zitronen blühen"
Zur Geschichte der Orangerien
Dass Amand von Buseck dem kleinen Kosmos von fremdländischen Gewächsen, der am Fuß der Rhön mit einigem Aufwand kultiviert wurde, soviel Aufmerksamkeit schenkte, war kein Einzelfall, sondern gehörte zur fürstlichen Selbstdarstellung. An den europäischen Höfen des 17. und 18. Jahrhunderts wetteiferte man um die größte und schönste Sammlung von Zitrusgewächsen und anderen subtropischen Pflanzen. Nur die besten Gärtner waren gut genug, die Orangerien zu pflegen, die den Inbegriff von ewigem Wachstum darstellten.
Der Zitrusbaum war als Herrschaftssymbol sogar mythologisch untermauert: Herakles, der große Tugendheld der griechischen Antike, hatte als eine seiner zwölf Arbeiten die goldenen Äpfel der Hesperiden geraubt. Schon im Altertum waren diese mit den Zitrusfrüchten gleichgesetzt worden, die Alexander der Große als "persische Äpfel" nach Griechenland gebracht hatte. Mit dem beziehungsreichen Attribut wollten sich absolutistische Könige und Fürsten gerne schmücken: War Herakles, der jede Aufgabe meisterte, jeden Kampf gewann und so Unsterblichkeit erlangte, ihnen doch die liebste Identifikationsfigur.
Wurden die Sagenhelden bei ihren Abenteuern eher von Riesen oder mehrköpfigen Ungeheuern bedroht, mussten die irdischen Nachfolger, die sich anschickten, die seltenen Früchte in ihren Besitz zu bringen, allerdings ganz andere Hindernisse überwinden. Das allergrößte war der Frost. Denn ohne besondere Vorkehrungen hätten die Exoten keinen mitteleuropäischen Winter überlebt.
Ursprünglich in Asien beheimatete Limonen und Pomeranzen kamen im Mittelalter zunächst nach Südeuropa und wurden im 16. Jahrhundert dann auch nördlich der Alpen bekannt. Die empfindliche Bitterorange schätzte man nicht nur wegen ihrer leuchtenden Früchte und der immergrünen Blätter. Sie fand auch in der feinen Küche Verwendung, wurde zur Herstellung von Likören oder Duftwässern und für medizinische Zwecke genutzt.
Einer der frühesten Pomeranzengärten in Deutschland entstand Mitte des 16. Jahrhunderts innerhalb des fürstlichen Lustgartens zu Stuttgart. Um die Natur zu überlisten, musste man in der kalten Jahreszeit für ein wohl temperiertes Gehäuse sorgen, ohne den Pflanzen damit das Sonnenlicht zu entziehen. Der Stuttgarter Garten war daher mit einer von Fenstern durchbrochenen Mauer umgeben, auf der im Herbst ein abnehmbares Dach errichtet wurde.
1611 wurde dies noch weitergedacht: Der herzogliche Baumeister Heinrich Schickhardt errichtete ein vollständig abzutragendes Pomeranzenhaus. Der fünfzig Meter lange Fachwerkbau war auf allen Seiten mit Fenstern versehen, vier Öfen sorgten für die nötige Wärmezufuhr. Solche abschlagbaren Pomeranzenhäuser waren zwar weit verbreitet, hatten allerdings ihre Tücken. Der Auf- und Abbau war aufwendig, eine gleichmäßige Temperatur nur schwer zu erreichen, und die kleinen Fenster ließen zu wenig Licht ins Innere dringen.
Auch wenn man versuchte, die temporären Pomeranzenhäuser architektonisch aufzuwerten, störten sich die Liebhaber der südlich anmutenden Orangenhaine zunehmend an dem Schuppencharakter, den eine solche Behelfskonstruktion im Winter vermittelte. So verschwanden die Abschlaghäuser allmählich aus den fürstlichen Gärten, und man ging ab der Mitte des 17. Jahrhunderts mehr und mehr dazu über, feste Orangeriegebäude zu errichten.
Versailles, wo schon 1664 ein massives Winterquartier existierte, das knapp 20 Jahre später durch ein doppelt so großes Pflanzenhaus ersetzt wurde, blieb auch in dieser Hinsicht immer Vorbild. Die gewaltige Treppenanlage der in den Hang gebauten Orangerie hat Rainer Maria Rilke 1906 in einem Gedicht verewigt.
Die mit hohen, nach Süden ausgerichteten Fensterflächen ausgestatteten Gebäude - die Erfindung von Walzglas ermöglichte nun auch die Herstellung großer Glasscheiben - waren wesentlich einfacher zu beheizen, sei es durch Öfen oder eine unterirdische Kanalheizung. Der Boden bestand, um Staunässe zu vermeiden, meist aus gestampftem Lehm oder war mit Steinplatten oder Holzdielen ausgelegt. Die Bäume wurden nun nicht mehr ausgepflanzt, sondern in großen Kübeln kultiviert, die man zur Überwinterung in diese Häuser transportieren konnte.
War der Begriff Orangerie zunächst nur auf die Sammlung von exotischen, namentlich Zitrusgewächsen bezogen - es gab immerhin Hunderte verschiedener Sorten -, wurde er schließlich auch auf den neuen Gebäudetypus übertragen. Der lichte Saalbau entsprach dem Repräsentationsbedürfnis der Bauherren natürlich weit mehr als eine Bretterbude und wurde jetzt wirkungsvoll in die barocke Schlossanlage einbezogen.














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