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Denkmale nutzen

Leben statt Leerstand

Denkmale retten und zu Wohnraum umgestalten, ist eine Idee, die verstärkt Schule macht. Was es dafür braucht, sind gestalterische Kreativität, den Willen, sich dieser Aufgabe denkmalgerecht zu stellen, und Bauherren, die historisches Ambiente schätzen.

Zwanglose Geselligkeit und Nachbarschaft im revitalisierten Denkmalensemble:  der Aegidenhof im Herzen Lübecks
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Zwanglose Geselligkeit und Nachbarschaft im revitalisierten Denkmalensemble: der Aegidenhof im Herzen Lübecks

Der Ruf nach mehr Wohnraum wird immer lauter. 2025 veröffentlichte das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumordnung eine Prognose für den Wohnraumbedarf und errechnete, dass bis 2030 pro Jahr 320.000 Wohneinheiten neu entstehen müssten. Doch ebenso laut sind die Mahnungen, Ressourcen zu schonen, Flächen nicht mit weiteren Neubauten zu verdichten und den Verbrauch der grauen Energie für Abriss und Neubau deutlich zu reduzieren. Es ist an der Zeit, den Fokus auf die Potenziale bestehender Bauten zu richten. Bauen im Bestand heißt das neue alte Zauberwort.

Welche Rolle können dabei denkmalgeschützte Bauwerke und Ensembles spielen? Sie geraten seit Jahren immer mehr unter Druck. Selten wird jedoch wahrgenommen, dass sie einen Beitrag zur Deckung des Wohnraumbedarfs leisten – auch wenn ihr Anteil im Vergleich zu Neubauten niedrig ausfällt. Doch für diejenigen, die in ihnen wohnen, besitzen sie besondere Qualitäten.

Wohnquartier in Denkmalen
Bereits vor 25 Jahren wurde im Herzen von Lübeck der Wohnwert im Denkmal erkannt, und zwar für den Aegidienhof. Es ist ein Geviert, dessen Ursprung in halbklösterlichen Frauengemeinschaften liegt und das über 700 Jahre Geschichte in sich trägt. Nach dem 2002 fertiggestellten Umbau wurde das revitalisierte Denkmalensemble mit Auszeichnungen bedacht. Sie reichen für das Wohnprojekt Aegidienhof von Preisen für nachhaltiges Bauen, für Leben in historischen Innenstädten bis hin zum Nachbarschaftsnetzwerk.

Für den Architekten Rainer Steffens, der nach wie vor dort sein Büro hat, ist es ein fast wehmütiger Rückblick: „Es war ein großartiges Projekt. Beim Aegidienhof wollten damals alle Beteiligten, dass dieses innerstädtische Ensemble bewahrt und belebt bleibt.“ Nach dem Auszug des Lübecker Sozialamts aus dem Gebäudekomplex suchte die Stadt nach einem Käufer mit dem besten Konzept für die zwölf Häuser, die im späten 13. bis ins frühe 20. Jahrhundert entstanden. Eine Baugemeinschaft ergriff die Gelegenheit und begeisterte mit einem Mischkonzept für Wohnen und Arbeiten, für Jung und Alt, für Menschen mit und ohne Behinderung und unterschiedlichen Einkommen. Zwei Lübecker Architektenbüros planten in den Denkmalen an der Aegidienkirche 53 Wohn- und zwölf Gewerbeeinheiten, darunter eine Kinderarztpraxis, Werkstätten und ein Café.

Besonderes Wohnambiente mit Verpflichtung im Aegidienhof: Freigelegte Wandmalereien aus dem 14. Jahrhunderts müssen von Restauratoren regelmäßig gewartet werden.
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Besonderes Wohnambiente mit Verpflichtung im Aegidienhof: Freigelegte Wandmalereien aus dem 14. Jahrhunderts müssen von Restauratoren regelmäßig gewartet werden.

Immer noch schwärmt Steffens von der guten Zusammenarbeit aller Beteiligten: „Wir saßen im Denkmalamt regelmäßig gemeinsam am großen Tisch.“ So fanden Planer, Bauherren und genehmigende Be­hörden für die vielgestaltigen Denkmale die besten Lösungen – der Beginn eines idyllischen und beliebten Wohnensembles, dessen Strahlkraft sich bis heute belebend auf das ganze Aegidienviertel auswirkt. Der damals gegründete Aegidienhof e. V., bei dem Nachbarschaftshilfe und Kultur großgeschrieben wird, hat an diesem Effekt und an dem harmonischen Zusammenleben einen wesentlichen Anteil.

Barrierefreiheit
Für die Teilhabe am Alltag ist Barrierefreiheit ein entscheidender Aspekt. Zur hohen Kunst der denkmalgerechten Planung zählt der Einbau von Aufzügen. Im Aegidienhof konnten sie in zwei Treppenhäuser des großen Gebäudes aus der Gründerzeit eingebaut werden. Für Malte Schliep, auf den Rollstuhl angewiesen, ging damit ein großer Traum vom Leben in seiner eigenen Wohnung im Denkmal in Erfüllung: „Vom eigenen Balkon herab die Welt von oben sehen!“

Wohnen im Denkmal: Malte Schliep liebt den Ausblick von seinem Balkon auf den Aegidienhof.
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Wohnen im Denkmal: Malte Schliep liebt den Ausblick von seinem Balkon auf den Aegidienhof.

Um die Bausubstanz zu schonen, werden Aufzüge deshalb auch oft von außen angefügt. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, solche technischen Anlagen ästhetisch in das Erscheinungsbild des Denkmals einzufügen. Ein gelungenes Beispiel ist etwa ein Wohnprojekt der Diakonie im thüringischen Mühlhausen. Hier wurden gleich mehrere Ziele erreicht. In moderner Holz-Glas-Verkleidung verbindet der Aufzugstrakt zwei Hofanlagen mit Fachwerkhäusern. Damit wurden nicht nur denkmalgeschützte Substanz und zwei wertvolle innerstädtische Bauwerke erhalten, sondern es wird besonders Senioren und Menschen mit Behinderung ein Alltagsleben mit kurzen Wegen in der Stadt ermöglicht.

Bauen im Bestand
Immer wieder erweisen sich bei Restaurierungen und Umnutzungen von Denkmalen die Denkmalbehörden als echte Partner. „Die Diskussionen mit der Vertreterin der Unteren Denkmalschutzbehörde waren wertvoll und zielführend“, sagt auch Joerg Weber. In der hessischen Stadt Niddatal leitet er das Projekt Wohnen am Klostergarten und gehört von Anbeginn zur kleinen Baugenossenschaft, die das Projekt im Ortsteil Ilbenstadt für ihr Wohnen umsetzt. Hier kommen Denkmale und Neubauten zusammen.

Barrierefrei durch Aufzug: Für die denkmal- und wohngerechte Restaurierung zweier Fachwerkhäuser im thüringischen Mühlhausen vergab die DSD 2025 den 2. Preis beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.
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Barrierefrei durch Aufzug: Für die denkmal- und wohngerechte Restaurierung zweier Fachwerkhäuser im thüringischen Mühlhausen vergab die DSD 2025 den 2. Preis beim Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.

Bei einem Spaziergang hatte der Banker 2016 die verlassenen Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahrhundert entdeckt. Sie gehören zum ehemaligen Prämonstratenserkloster von Ilbenstadt. Wie es sich ergab, wollte das Land Hessen die leer stehende Klosteranlage um die romanische Klosterkirche, heute Pfarrkirche, veräußern. Die Baugemeinschaft erwarb drei seit gut 40 Jahren ungenutzte Wirtschaftsgebäude samt Klostergarten, in dem, wie Weber sagt, „nach den Mönchen“ nun eine solidarische Landwirtschaft für Gemüse sorgt.

Zehn Jahre später nähert sich ihr Wohnprojekt der Fertigstellung – die Pandemie und die immens gestiegenen Baupreise haben die Umsetzung erschwert. Drei ökologisch gebaute Niedrigenergiehäuser mit insgesamt 32 Wohnungen stehen auf dem Grundriss der ehemaligen Zehntscheune und gehen nicht nur optisch mit den drei Klosterbauten aus dem 18. Jahrhundert eine Symbiose ein: Das Kutscher-, Pächter- und das sogenannte Basalthaus übernehmen in dem Wohnprojekt vornehmlich die gemeinschaftlichen Funktionen. Es gibt neben drei Wohnungen drei Gewerbeeinheiten und vor allem einen großen Gemeinschaftsraum. Die Auflagen des Denkmalschutzes betrafen hier mehr die Neubauten als die Denkmale: So konnten zwei Wohnhäuser nur mit Flachdach geplant werden, um den Blick auf das Klosterensemble, vor allem auf den Kutscherbau nicht zu verstellen. „Das bedeutete zwar acht Dachgeschosswohnungen weniger“, sagt Weber, „aber dafür haben wir nun nicht sichtbare Photovoltaikanlagen darauf.“ Die neuen Holzhäuser wurden mit Mineralputz und farblich dem Erscheinungsbild der Denkmale aus Bruchstein angeglichen. Hier kam die Zufriedenheit verzögert auf: „Erst als es getrocknet war, zeigte sich uns die Harmonie von Neu und Alt.“

Gegenwart trifft Geschichte: Joerg Weber ist Mitinitiator des Wohnprojekts „Wohnen am Klostergarten“ im hessischen Ilbenstadt.
© Jan Bosch
Gegenwart trifft Geschichte: Joerg Weber ist Mitinitiator des Wohnprojekts „Wohnen am Klostergarten“ im hessischen Ilbenstadt.
Aus dem Leerstand zu neuem Leben: Vom ehemaligen Kloster Ilbenstadt sind drei Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahr-hundert nun Teil eines Wohnquartiers.
© Jan Bosch
Aus dem Leerstand zu neuem Leben: Vom ehemaligen Kloster Ilbenstadt sind drei Wirtschaftsgebäude aus dem 18. Jahr-hundert nun Teil eines Wohnquartiers.

Mit dem Verständnis für die Baudenkmale wuchs auch das Bewusstsein für die Lebensqualität an diesem geschichtsträchtigen Ort. Dass der denkmalgerechte Umbau der historischen Gebäude teurer ausfällt als die Neubauten, „ist es uns allen wert“, sagt Weber. Nachhaltige Materialien kommen zum Einsatz. So soll das Kutscherhaus mit 14 Zentimeter starken Dämmmaterial auf Papierbasis an den inneren Außenwänden auf einen Niedrigenergiewert des KfW-Effizienzhauses 55 gebracht werden, erzählt er stolz. Und ist begeistert, dass sich ihr Wohnprojekt sehr belebend auf das Umfeld auswirkte: Die Stadt erwarb vom Bistum Mainz die übrigen leer stehenden Klostergebäude, in die mittlerweile städtische, kommunale und kirchliche Einrichtungen mit mehr als 140 Beschäftigten eingezogen sind.

Begehrte Siedlungsbauten
Wer an viel Wohnraum und sozialen Wohnungsbau denkt, wird bei den historischen Siedlungsbauten fündig. Im Zuge der Industrialisierung Ende der 19. Jahrhunderts schossen die sogenannten Mietskasernen aus dem Boden. Dennoch nahm die Wohnungsnot zu. Als sozialer Gegenentwurf entstanden Siedlungsbauten. Sie waren von Beginn an für einkommensschwache Menschen gedacht, sollten ihnen guten und bezahlbaren Wohnraum verschaffen. Damit einher ging der Reformbau: Viel Licht und Luft, um Gesundheit und Arbeitskraft zu erhalten. Als ein Paradebeispiel gelten die ab 1913 entstandenen Siedlungsbauten in Berlin, deren Bauträger gewerkschaftliche, genossenschaftliche und städtische Baugesellschaften waren. Der Architekt Bruno Taut zählte zu den prägendsten Köpfen dieser Gebäudeanlagen, die einen Strukturwandel im Wohnungswesen einläuteten. Nicht nur, dass Taut sich um qualitatives Bauen mit modernem Komfort kümmerte, sein Markenzeichen waren auch Fassadengestaltungen, deren satte Farben bis heute frischen Wind in die Stadtbezirke bringen. 

Die Hufeisensiedlung in Berlin-Britz, erbaut zwischen 1925–31 von Bruno Taut und Martin Wagner, bietet über 1.900 Wohneinheiten und gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe „Berliner Siedlungen der Moderne“.
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Die Hufeisensiedlung in Berlin-Britz, erbaut zwischen 1925–31 von Bruno Taut und Martin Wagner, bietet über 1.900 Wohneinheiten und gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe „Berliner Siedlungen der Moderne“.

Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf wird deshalb im Volksmund Papageiensiedlung genannt. Sie wurde im Juni als siebtes Denkmalensemble in die Liste der UNESCO-Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“ aufgenommen, die insgesamt fast 14.000 Wohneinheiten bieten. Wie vor 100 Jahren geplant, werden die Bauten bewohnt, meist von Familien, deren Kinder den Platz zum Spielen direkt vor der Haustür haben. Sie leben in Denkmalen, die beständig restauriert und einem denkmalgerechten modernen Wohnstandard angepasst werden und damit bis heute ihren Beitrag leisten, Wohnraum in hoher Zahl zu bieten.

 
 

Das Potenzial von Industriedenkmalen
Baudenkmale, die nicht von Anfang an für Wohnzwecke errichtet wurden, sind besonders reizvoll umzugestalten. Wobei allerdings Kirchen wie Schlossbauten aufgrund der sie prägenden Raumstruktur für Umnutzungen herausfordernd sind, wie Annette Liebeskind, Abteilungsleiterin der Denkmalförderung bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, sagt: „Zumal, wenn sie im Inneren noch wertvolle Bausubstanz besitzen. Die Eingriffe wären oft zu gravierend.“ Aber auch dies, sagt Liebeskind, ließe sich mit Kreativität und Mut zu ungewöhnlichen Lösungen durchaus machen. Vor allem aufgegebene Kirchen werden wohl häufiger denkmalverträglich für Wohnzwecke umgestaltet werden, damit sie als stadtbildprägende Denkmale vor dem Abriss bewahrt bleiben.

Grube Carl in Frechen: Die ehemalige Brikettfabrik von 1907 ist das letzte Zeugnis der dortigen Kohleverarbeitung und heute Wohnquartier. Links im Foto befindet sich das Trocken- und Pressenhaus, rechts das Nassdienstgebäude.
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Grube Carl in Frechen: Die ehemalige Brikettfabrik von 1907 ist das letzte Zeugnis der dortigen Kohleverarbeitung und heute Wohnquartier. Links im Foto befindet sich das Trocken- und Pressenhaus, rechts das Nassdienstgebäude.

Gestalterisch freier erweist sich die Schaffung von umfangreichem Wohnraum bei denkmalgeschützten Industriebauten. Annette Liebeskind: „Dabei kommt es aus denkmalpflegerischer Sicht immer darauf an, wie mit der technischen Ausstattung, die heute nicht mehr gebraucht wird, umgegangen wird.“ Das Ziel ist, ihren geschichtlichen Zeugniswert zu bewahren. So geschehen im Bauensemble der ehemaligen Brikettfabrik Grube Carl in Frechen bei Köln. 1907 fertiggestellt, war sie als eine von einstmals neun Brikettfabriken bis 1995 in Betrieb. Teilweise unter Denkmalschutz gestellt, wurde die ehemalige Fabrik ab 2005 zum vielteiligen Wohnquartier. Allein im denkmalgeschützten Trocken- und Pressenhaus entstanden über 70 Wohnungen verschiedener Größe und Form bis hin zum Maisonettestil über drei Etagen. 19 Nutzungseinheiten, darunter eine Kindertagesstätte in der ehemaligen Elektrischen Zentrale, bereichern das Leben in diesem historischen Quartier. Zehn Jahre lebte der Fotograf Wolfgang Dickopp dort und vermisst es: „Jeder kennt jeden. Es ist ein tolles Wohnen dort.“ Wer durch die ungewöhnliche Wohnanlage streift, weiß angesichts von wuchtigen Schwungrädern für die Pressen und markanter ­Schrägbandbrücken zu jeder Zeit, dass er sich auf einem ehemaligen Fabrikgelände befindet.

Landesbauordnungen auf den Prüfstand
Gebaute Zeugnisse der Geschichte zu bewahren, ist unerlässlich: Wir sind in ihnen verwurzelt. Wenn sie denkmalgerecht genutzt werden können, dann haben die Baudenkmale wirklich eine Zukunft. Die vorgestellten Wohnprojekte sind gelungene Beispiele, aber noch Einzelfälle. Für ein zukunftfähiges Umdenken auf breiter Basis bedarf es einer besseren Grundlage. Annette Liebeskind: „Die Landesbauordnungen müssen auf den Prüfstand. Es sind Regularien erforderlich, die den Baubestand von Anpassungsbedarfen an den Neubaustandard befreien, um so viel graue und goldene Energie wie möglich bewahren zu können.“
Würden die Länder ihre Bauordnungen ändern, um das Potenzial von Wohnraum im Bestand stärker zu aktivieren, wäre es für alle diejenigen, die Ideen und Mut haben, Wohnraum in Denkmalen und Altbauten zu schaffen, eine Erleichterung – gleichgültig, ob im kleinen oder großen Stil. Denn es gibt sie noch, die ungenutzten Denkmale, und die Menschen, die sie im Sinne des Denkmalschutzes für die Gesellschaft in die Zukunft führen wollen. Die DSD steht an ihrer Seite!

Christiane Rossner

Bürogebäude als Wohnraum? 

Interview mit Professor Markus Otto, Architekt und Stadtplaner

Heute ein Wohnhaus: Das ehemalige Siemens-Bürogebäude in Saarbrücken von 1966.
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Heute ein Wohnhaus: Das ehemalige Siemens-Bürogebäude in Saarbrücken von 1966.
Vor dem Abriss bewahrt: Für das einstige Saarbrücker Finanzamt von 1952 legte Anfang 2026 ein Investor ein gewerbliches, denkmalgerechtes Nutzungskonzept vor.
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Vor dem Abriss bewahrt: Für das einstige Saarbrücker Finanzamt von 1952 legte Anfang 2026 ein Investor ein gewerbliches, denkmalgerechtes Nutzungskonzept vor.
 

Der Bedarf an Bürogebäuden scheint zu sinken, viele stehen seit Jahren leer. In Saarbrücken wurde das denkmalgeschützte Siemensgebäude von 1966 zu einem Haus mit 40 Wohneinheiten umgebaut.

Warum haben Bürogebäude das Potenzial, zu Wohnbauten umgestaltet zu werden?
Professor Otto: Ein Großteil der Bürogebäude sind Skelettbauten, daher ist ihre Baustruktur sehr flexibel nutzbar und für Wohnnutzungen geeignet. Die bauliche Tiefe sowie die Raumhöhe von Bürobauten entsprechen oft den Anforderungen von Wohnbauten.

Was sind dabei die besonderen Herausforderungen – zumal, wenn das Bürogebäude unter Denkmalschutz steht?
Ein wichtiges Thema bei der Umgestaltung von denkmalgeschützten Büro- zu Wohngebäuden sind die Fassaden. Oft bestehen die Fassaden aus seriell hergestellten Fassadenelementen. Die neuen Bedürfnisse der Bewohner nach Balkonen oder Loggien greifen jedoch oft in das Fassadenbild ein.

Professor Markus Otto leitet das DSD-Ortskuratorium Saarbrücken.
© Roland Rossner / DSD
Professor Markus Otto leitet das DSD-Ortskuratorium Saarbrücken.

Was waren Aspekte beim Siemenshaus in Saarbrücken?
Die Umnutzung des Siemenshauses stellte die Architekten und Denkmalpfleger vor zwei schwierige Herausforderungen. Das Bürogebäude war als Großraumbüro errichtet worden, dies bedingt große Raumtiefen und somit schlecht belichtete Flächen. Weiterhin prägen die großen festverglasten Fensterscheiben das Erscheinungsbild erheblich. Eine zweite, zurückgesetzte Fassade erfüllt die Bedürfnisse der Bewohner nach Lüftung und Außenwohnraum und konnte zugleich das alte, sehr elegante Fassadenbild erhalten.

Warum ist die Umnutzung zu Wohnungen beim ehemaligen Finanzamtsgebäude nicht möglich?
Das ehemalige Finanzamt liegt in Saarbrücken in einer exponierten, innerstädtischen Lage. Die Nutzer schauen auf Autobahn, sechsspurige Brücke und Parkhaus. Aktuelles Baurecht und Vermarktungschancen widersprechen daher einer Wohnnutzung.

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