© Die Waldresidenz eGbR

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Neues Leben in der Waldresidenz

Fünf Freunde retten eine Villa

Fünf Freunde kämpfen tatkräftig für die Erhaltung der Villa am Scheidter Waldrand bei Saarbrücken. Jetzt unterstützt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die jungen Denkmalretter.

Ab September 2025 haben die fünf Freunde, Elias Schmauch, Friedrich Karger, Bartolomeo Hohneck, Johannes Hoffmann und Julius Giloi (v. l.), gemeinsam mit einem Zimmermann, Bewohnern, Freunden und Familie das Dach ihrer Villa über sieben Wochen restauriert. Heftige Regenfälle und starke Hitze im Wechsel erschwerten die Arbeit.
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Ab September 2025 haben die fünf Freunde, Elias Schmauch, Friedrich Karger, Bartolomeo Hohneck, Johannes Hoffmann und Julius Giloi (v. l.), gemeinsam mit einem Zimmermann, Bewohnern, Freunden und Familie das Dach ihrer Villa über sieben Wochen restauriert. Heftige Regenfälle und starke Hitze im Wechsel erschwerten die Arbeit.

Unter dreißig und schon Besitzer eines Denkmals: Ihre Villa aus den 1920er Jahren – die sogenannte Waldresidenz – steht erhöht am Rand des Scheidter Waldes. Fünf junge Freunde retteten das bedeutende, großbürgerliche Landhaus vor dem Abriss, in dem schon die jüdische Familie Oppenheimer und zuletzt die Familie Kiefaber lebten. Seit über acht Jahren kämpfen sie gemeinsam mit einem wachsenden Netzwerk für die Erhaltung – und das mit vollem Körpereinsatz. Retten konnten sie es schlussendlich mit einem Kauf. Mutig, denken sicher viele – und naiv? Letzteres sind sie keineswegs, dafür neugierig und unvoreingenommen – vor allem gegenüber dem Denkmalschutz. 

In der Empfangshalle der Villa – hier im Gespräch (v. l.): Julius Giloi, Friedrich Karger und Cornelius Breitenbach, einer der Hausbewohner.
© Astrid Karger
In der Empfangshalle der Villa – hier im Gespräch (v. l.): Julius Giloi, Friedrich Karger und Cornelius Breitenbach, einer der Hausbewohner.

„Es gibt ja viele Berichte darüber, dass man als Besitzer eines Denkmals keinen Nagel mehr in die Wand hauen darf. Für uns war der Denkmalschutz nie hinderlich“, erzählt Friedrich Karger. Er ist einer der fünf, die 2025 den Kaufvertrag für die Villa Am Schmittenberg 9 unterschrieben haben. Ihre Geschichte mit dem Haus beginnt aber früher. Friedrich Karger beispielsweise kennt es schon aus Kindheitstagen: Auf dem Weg zum Fußballtraining lief er immer am Grundstück vorbei. Nach dem Abitur stellte sich dann in seinem Freundeskreis die Frage nach dem „Wie weitermachen?“ Der Wunsch nach Selbstbestimmung, mehr Raum und Freiheit war groß. Als das Haus bei Kleinanzeigen zur Miete angeboten wird, schließen sich Friedrich Karger, Elias Schmauch und Bartolomeo Hohneck zusammen: Die drei Kindergartenfreunde besichtigen die leer stehende Villa – und ziehen ein.

Aus Zufall wird Liebe
Aus Dreien werden mehr: Unter dem Namen Die Waldresidenz wird die Villa zu einem Ort für Kultur und studentisches Wohnen. Eine Wohngemeinschaft mit bis zu acht Mietern entsteht, sie halten Bau und Garten instand. Selbstständig renovieren sie einige Innenräume und richten den Garten her. Dennoch droht der Eigentümer immer wieder mit dem Abriss. „Der Rettungsgedanke spielt seit dem Einzug eine große Rolle. Wir sind mit dem Haus verbunden und würden gern für immer hier leben“, sagt Karger.
Ein Teil der Gemeinschaft wendet sich nach der Unterschutzstellung 2020 an das Landesdenkmalamt Saarland. Sie sind mittlerweile zu fünft – Johannes Hoffmann und Julius Giloi haben sich angeschlossen – und wollen das Denkmal kaufen. Markus Braun, der zuständige Denkmalpfleger, ist seit 2021 ihr Ansprechpartner: „Ich war skeptisch, als sie das Gebäude mit fast sechzig Jahren Sanierungsstau kaufen wollten. Gleichzeitig hat es mir imponiert, dass sie diese Leidenschaft für das Denkmal entwickelt haben.“

Villa am Schmittenberg - Die Waldresidenz - im Zeitstrahl

Mit dem Einzug dreier Studenten im Jahr 2017 startete die Rettung der hundertjährigen Villa Am Schmittenberg in Saarbrücken

1920er–30er
Erbauung der Villa durch Familie Oppenheimer (Sohn ist Regisseur Max Ophüls), Flucht, Verkauf des Hauses.


1950er–2000er
Familie Kiefaber bezieht die Villa, 2016: Verkauf durch Joachim Kiefaber.

ab 2017
Bartolomeo Hohneck, Friedrich Karger und Elias Schmauch mieten das Haus. Die Waldresidenz, ein Ort für Kultur und studentisches Wohnen, entsteht.

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2020
Ernennung zum Denkmal.

2021
Abrisspläne des Investors; erste Ideen zur Hausrettung, Wohngemeinschaft kontaktiert Denkmalschutzbehörde.

Mai 2025
Bartolomeo Hohneck, Johannes Hoffmann, Elias Schmauch, Friedrich Karger und Julius Giloi gründen Die Waldresidenz eGbR und kaufen die Villa – ein Teil wohnt weiter dort.

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September 2025
Dachstuhlinstandsetzung und Dachneueindeckung mit Fachanleitung in Eigenleistung, Start für eine denkmalgerechte Gesamtinstandsetzung.

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2026 – Zukunft
Weitere Maßnahmen für eine energieeffiziente Erhaltung des Denkmals sind dringend notwendig.

Planen, kaufen, restaurieren
Ihr Entschluss stand fest. Sie planten das Vorhaben mehrere Jahre – redeten, diskutierten und telefonierten mit Anwälten, Steuerberatern, Architekten, Handwerkern und Freunden. Schon hier zahlte sich das Netzwerk aus, das sie sich mit der Waldresidenz aufgebaut hatten. Sie gründeten eine eingetragene Gesellschaft bürgerlichen Rechts (eGbR), stellten Finanzierungspläne auf sowie eine detaillierte Strategie für die Gesamtinstandsetzung des Denkmals: „Grob haben wir das für die nächsten zehn Jahre geplant. Machbar ist die Finanzierung der Restaurierung für uns nur mit Eigenleistung und finanzieller Unterstützung“, sagt Julius Giloi. „Als die Zusage für die Förderung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz kam, konnte ich es kaum glauben.“
Im September 2025 – vier Monate nach dem Kauf – stand die erste Maßnahme auf dem Plan, eine umfängliche Dachinstandsetzung, die auch das Landesdenkmalamt als äußerst dringlich ansah.

Fachmännisch betreut
Über letztendlich sieben Wochen zog sich die Dachstuhlinstandsetzung und Dachneueindeckung des Landhauses mit 13 Metern Traufe und zehn Metern Giebelkante. Der September war dabei von extremem Wetter beherrscht. „Es war, wie auf offener See ein Schiff vorm Untergang zu retten“, erinnert sich Giloi. „Ein kleines Loch in der Plane brachte unser Schiff fast zum Sinken.“ 

Leben im Denkmal: eines von 14 Zimmern und Kammern des Landhauses, das nach dem Leerstand von der Wohngemeinschaft belebt wird.
© Astrid Karger
Leben im Denkmal: eines von 14 Zimmern und Kammern des Landhauses, das nach dem Leerstand von der Wohngemeinschaft belebt wird.

An ihrer Seite war ein Fachmann: Till Reppe ist Zimmermann. Zu dem Projekt in Saarbrücken kam er über eine Feier in der Waldresidenz. „Die Idee, Eigentum und die Restaurierung auf viele Hände zu verteilen, fand ich reizvoll“, sagt er. Der Zimmermann führte viele der größeren Bauaufgaben durch und leitete das Bauteam an. So schafften sie es gemeinsam, die grundlegende Dachkonstruktion zu erhalten, statisch zu ertüchtigen, das Dach abzudichten, mit Holzfaserdämmung zu isolieren und es mit einer auf das Denkmal abgestimmten Solaranlage auszustatten. Genau wie die fünf Freunde würde Reppe es wieder machen. „Auch wenn das Handwerk nicht ohne Grund ein Ausbildungsberuf ist, war die Eigenleistung und das gegenseitig entgegengebrachte Vertrauen beachtlich.“

Die gesamte Instandsetzung kann nur mit vielen Zuwendungen, enormem Engagement und einer starken Vision für das Denkmal funktionieren. Damals startete das Projekt aus ihrer Freundschaft heraus. Während und nach der Wiederherstellung soll die geschaffene Form des Miteinanderlebens weiter erhalten bleiben. „Als wir einzogen, war das Haus eine Ressourcenschleuder. Wir wollen ein Vorbild für nachhaltiges Leben im Denkmal werden und anderen Mut machen, so was auch anzupacken“, sagt Friedrich Karger.

Ihre Spende hilft, dieses Denkmal zu erhalten: die bauzeitlichen Fenster müssen dringend restauriert werden.
© Astrid Karger
Ihre Spende hilft, dieses Denkmal zu erhalten: die bauzeitlichen Fenster müssen dringend restauriert werden.
Sowohl die bauzeitliche Raumstruktur als auch wesentliche Ausstattungselemente sind weitgehend im Originalzustand erhalten.
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Sowohl die bauzeitliche Raumstruktur als auch wesentliche Ausstattungselemente sind weitgehend im Originalzustand erhalten.
 

Zu Gast bei Freunden
Ihre Türen stehen offen. Denn eins haben sie mit dem Denkmal auch gelernt: Gastgeber zu sein. „Die Villa hat eine enorme Großzügigkeit zum Einladen. Die Eingangshalle und die Küche sind unsere Lieblingsplätze. Sie sind das Herz des Hauses.“ Am Tag des offenen Denkmals® 2025 erzählten sie den zahlreichen Besuchern bereits von ihren umfangreichen Recherchen zur Geschichte der Villa und ihrer Liebe zum Denkmal. Denn auch das ist eines ihrer Ziele: das Haus im Rahmen öffentlicher Denkmalveranstaltungen zu präsentieren. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt diesen enormen Einsatz für das Denkmal. Aufsteigende Nässe im Keller muss dringend behoben werden, zudem ist eine denkmalgerechte Fenster- und Balustradenrestaurierung zeitnah erforderlich. Fünf Freunde und ihr Denkmal benötigen deshalb Ihre Unterstützung. Helfen auch Sie dabei, das Mut machende Projekt fortzuführen und ein bedeutendes Zeitzeugnis weiter zu erhalten.


Svenja Brüggemann


 www.denkmalschutz.de/villa-am-schmittenberg

Villa Schmittenberg

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