Kleine und große Kirchen 1800 1700 1200 Material Menschen für Monumente Restaurierungstechniken Oktober 2026
Die Klosterkirche Riddagshausen zählt zu den wichtigsten Bauten des frühen 13. Jahrhunderts in Norddeutschland. Ihr Dachtragwerk ist stark gefährdet, da Feuchtigkeit durch die undichte Deckung eindringt und die Holzkonstruktion angreift. Deshalb ist die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) zur Stelle und sammelt mit vereinten Kräften Spenden für die Restaurierung des Gotteshauses.
Für viele ist die Klosterkirche bis heute ein Herzensort. Ihr Fortbestehen beruht auf menschlicher Fürsorge über Generationen hinweg. „Diese lange Kette des Bewahrens darf nicht am Dachstuhl abreißen“, sagt Dr. Moritz Reinäcker von der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz. Sie kümmert sich um die baulichen Belange der Kirche. Die Klosterkirche ist für Gottesdienste, Andachten und persönliche Einkehr offen – und zudem ein geschätzter Raum für Konzerte, Führungen und Ausstellungen. Sie bildet mit dem Klostergarten und dem 526 Hektar großen Naturschutzgebiet mit seiner historischen Teichlandschaft eine Einheit, die, was ihre Beliebtheit als Naherholungsziel Braunschweigs betrifft, von ungebrochener Aktualität ist, „Spaziergänge, Naturbeobachtungen und kulturelle Entdeckungen verbinden sich hier auf besondere Weise“, betont Pfarrerin Sabine Wittekopf.
Geschwächte Konstruktion
Die Hölzer des Mittelschiffdachtragwerks und des südlichen Schiffdaches stammen überwiegend aus der Mitte der 1550er Jahre. Eine Probe der Hölzer des Chordaches ergab 1624 als Schlagdatum. Spuren an dem verwendeten Fichtenholz lassen auf seinen Transport per Floß über die Oker nach Braunschweig schließen. An den Dachwerken über Chor, Querhaus, Mittelschiff und Vierungsturm der Klosterkirche schwächen nun zwei wesentliche Schadensarten die Konstruktion: Viele historische Dachsteine sind gerissen, gebrochen oder verwittert, sodass Feuchtigkeit ins Holz eindringen kann. Die Verbindungen zwischen Sparren und Zerrbalken sind bereits stark beeinträchtigt. Versagte eine große Anzahl dieser Knotenpunkte, würde das Dachtragwerk kollabieren. Hinzu kommen zahlreiche kleinere Schäden und ältere, nicht mehr ausreichende Reparaturen. Entlang der Nordseite des Gebäudes steht ein Schutzzaun und an den Traufen des Hauptschiffs sind Fangnetze installiert, was verhindern soll, dass jemand durch herabfallende Dachziegel zu Schaden kommt. Eine umfassende Dächersanierung ist daher dringend erforderlich.
Gemeinsam das Dach retten
Die Erhaltung der Klosterkirche ist eine große Gemeinschaftsaufgabe. Für die dringend notwendigen Arbeiten am Kirchendach fehlen noch 200.000 Euro. Öffentliche Mittel sowie regionale Unterstützung reichen aber nicht aus. „Deshalb hoffen wir auf die breite Unterstützung der Menschen bundesweit“, betont der Vorsitzende des Fördervereins Henning Borek.
Die Geschichte des Klosters reicht bis zu dessen Stiftung 1145 durch Ludolf von Wenden, einem Ministerialen Heinrichs des Löwen zurück. Damals gründeten Zisterziensermönche aus Amelungsborn in Riddagshausen einen Konvent. Sie erschlossen die Niederung, legten Teiche für die Fischzucht an und prägten damit die bis heute charakteristische Kulturlandschaft am Ostrand von Braunschweig.
Einmaliges Zisterziensererbe
Der Bau der heutigen Kirche begann kurz nach 1216. Im Jahr 1275 wurde sie der Heiligen Maria geweiht. Mit fast 85 Metern Länge, 35 Metern Breite am Querhaus und rund 29 Metern Höhe (ohne Dachreiter) ist die Klosterkirche von imposanter Gestalt. Ihre Größe ist auf eine Förderung des Klosters durch Kaiser Otto IV. zurückzuführen. Als Baumaterial dienten Kalkstein aus dem Elm und Rogenstein vom nahe gelegenen Nußberg. Die dreischiffige kreuzgewölbte Pfeilerbasilika folgt zisterziensischen Vorbildern in Burgund. Ihr Mittelschiff öffnet sich in spitzbogigen Arkaden zu den Seitenschiffen, darüber erhebt sich der Obergaden mit seinen Lanzettfenstern.
Das Querhaus folgt der Gliederung. Der Umgangschor ist einschiffig und von einem niedrigen Kapellenkranz umgeben. Die Choranlage greift die von den Zisterziensern in Cîtaux und Morimond entwickelte rechteckförmige Ostlösung auf. „Sie ist in dieser unverstellten Form heute ein herausragendes, in Deutschland einmaliges Erbe burgundischer Zisterzienserarchitektur“, sagt Walter Dröge, der das ehrenamtlich tätige Ortskuratorium der DSD in Braunschweig leitet.
Zurückhaltende Schönheit
Der Innenraum wurde von den Mönchen mit pflanzlichen Formen verziert, wie es die Ordensregeln verlangten. Besonders die auf den fortgeschrittenen Wölbungskenntnissen des Ordens zurückgehenden Kreuzrippengewölbe und Kreuzgratgewölbe verleihen der Architektur Klarheit. Der Dachreiter als Glockenträger über der Vierung entspricht ebenfalls der Gestaltung einer schlichten Ordenskirche. Romanische und frühgotische Elemente verbinden sich zu einem bedeutenden Zeugnis des Übergangs zur Gotik.
Nach Zerstörungen und Plünderungen endete 1568 das zisterziensische Klosterleben. Die Klosterkirche wurde evangelisch-lutherische Gemeindekirche und ist es bis heute. Ihre bedeutende hölzerne Ausstattung wie Taufdeckel, Lettner und Hochaltar sind aus dem 17. und 18. Jahrhundert erhalten. Dass die mittelalterliche Kirche die häufigen Auseinandersetzungen zwischen der Stadt Braunschweig und den von 1432 bis 1754 in Wolfenbüttel residierenden Welfenherzögen vergleichsweise unbeschadet überstand, erstaunt. Die Klausur mit Kreuzgang verfiel hingegen nach dem Ende des Klosterlebens und wurde im 19. Jahrhundert abgebrochen. Noch erhalten sind das romanische Nordtor mit Torkapelle und Pförtnerzelle, mehrere Hundert Meter Klostermauer, die Frauen- und Fremdenkapelle und die Siechenkapelle.
Was ihre Spende bewirken kann
(Jeder Betrag bringt die Rettung des Daches ein Stück weiter.)
Die Baumaßnahme ist planerisch gut vorbereitet und soll in zwei gleich großen Bauabschnitten, beginnend mit dem Chordach, zur Ausführung kommen. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende dabei, das geschädigte Dach der mittelalterlichen Klosterkirche Riddagshausen zu sanieren und damit dieses national bedeutende Baudenkmal zu bewahren und an kommende Generationen weiterzugeben.
Peter Schabe
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