Kleine und große Kirchen Barock Gotik Oktober 2026 D
Dass es besorgniserregend schlecht um ihre Kirche steht, wussten die Papendorfer. Deshalb hatte die Kirchengemeinde ein Sanierungsgutachten für das kleine Gotteshaus beauftragt. Wie sehr sich die Lage aber in den vergangenen Jahren zugespitzt hatte, blieb bis zu diesem Sommer hinter den Backsteinen des knapp 300 Jahre alten Kirchturms verborgen. Akute Einsturzgefahr meldeten Anfang Juni die Experten nach dessen Begehung. Kaum noch ein Balken des mit Backsteinen verkleideten Turmaufsatzes zeigte sich intakt. „Viele Hölzer der Fachwerkkonstruktion waren verfault und zerbröselt, einige sogar ganz aus dem Gefüge herausgebrochen“, sagt Architekt Ulf Kirmis. „Die dünnen Wandscheiben der Ummauerung – nur einen halben Backstein stark – konnten auf Dauer die Last nicht tragen.“ Vor allem das Gewicht des rund zehn Meter hohen Turmhelms war zu schwer geworden.
Umgehend reagierten Kirchenkreis und Dorfgemeinde. Gleich wurde die angrenzende Bundesstraße 104 gesperrt und der Abbau der oberen maroden Turmhälfte in die Wege geleitet. Was in dieser kritischen Situation wie ein kleines Wunder wirkt: Mit Hilfe eines Krans gelang es, den fast 300 Jahre alten Helm unversehrt abzunehmen.
Traurige Lücke
Nun steht die Haube vorerst auf dem Kirchhof – in sicherem Abstand zum gesperrten Denkmal. Groß ist sie im Vergleich zu ihrem nun mehr 14 Meter hohen Turm, der nur noch ein Stumpf ist. Nach der Rettung schützt und stabilisiert ihn ein Notdach. Dennoch: „Einsturzgefahr des unteren Turmaufsatzes besteht nach wie vor. Würde er zusammenbrechen, fiele er allerdings nicht mehr auf die Straße, sondern nur auf das abgesperrte Kirchengrundstück“, erklärt Anett Burckhardt, Baubeauftragte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Sie koordiniert die Rettungsaktion und hat zu einem Ortstermin Papendorfer wie MONUMENTE eingeladen. „Den Turm weiter abzutragen, ist derzeit nicht möglich. Dann hätte man einen offenen Giebel und die Sicherungsmaßnahmen wären noch teurer geworden.“ Schon durch diese erste erfolgte Rettungsmaßnahme ist die Kirchengemeinde in eine finanzielle Notlage geraten.
Allen Papendorfern, die zum Termin gekommen sind, fehlt der hohe Turm mit seinem Helm und Glockengeläut. Über Jahrhunderte bot er den Menschen im Dorf und in der Umgebung Orientierung. „Da ist jetzt eine Lücke. Kein Turm zeigt mehr in den Himmel, wenn ich nach Hause fahre“, bedauert Andreas Roloff. Der Lehrer, der sich als Kirchenältester und als stellvertretender Bürgermeister engagiert, ist einer derjenigen, denen der Verlust besonders nahegeht. „Es gibt keinen anderen Ort, der für mich mehr Heimat ausstrahlt als die Kirche.“

Hoffnung für das Dorf des Pfaffens
In Papendorf, das sich sprachlich vom Wort Pfaffe ableitet und so viel bedeutet wie Dorf des Pfarrers, spielte die Kirche schon immer eine bedeutende Rolle. 1302 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Auch der kleine Feldsteinbau in seiner Mitte stammt im Kern aus dieser Zeit. Den Turmaufsatz in Fachwerkbauweise erhielt er 1745, im Jahr 1870 kam dessen Ummantelung aus gelbem Backstein hinzu. Seit drei Jahren darf niemand mehr das Gotteshaus betreten. Ihre Kirche sei hell und war einst von freundlicher Atmosphäre, erinnert sich Andreas Roloff wehmütig. „Weil sich kein Gestühl erhalten hat, kann der Saalbau flexibel genutzt werden.“ Keine leere Hülle möchten die versammelten Dorfbewohner bewahren, sondern einen jahrhundertealten Ort der Gemeinschaft. Dafür hat sich schon ein Freundeskreis gebildet, der wiederum einen Förderverein gründen möchte.
Die Aufgabe, die die Papendorfer zu bewältigen haben, ist groß. Nicht allein der Turm, sondern auch das Kirchenschiff mit seinem vom Schwamm befallenen Dachstuhl befindet sich in äußerst schlechtem Zustand. Das Sanierungsgutachten wird bald genaue Erkenntnisse darüber bringen, wie das bedürftige Gotteshaus gerettet werden kann. Die Kirchengemeinde jedenfalls ist fest entschlossen, ihre Kirche zu erhalten und alle ihre Ressourcen dafür zu nutzen. Ihre finanziellen Mittel werden bei Weitem nicht reichen. Unmittelbar nach dem Hilferuf aus Papendorf richtete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen Notfallfonds ein, um die Kirche zunächst vor weiterem Schaden zu bewahren. Jetzt sind Sie gefragt, liebe Leserinnen und Leser. Papendorf wird im kommenden Jahr 725 Jahre alt. Schenken wir den Papendorfern Hoffnung, dass sich die verschlossenen Pforten ihres ältesten Bauwerks bald wieder öffnen lassen. Jede Spende hilft!
Amelie Seck
Dorfkirche Papendorf
Chausseestraße 41
17309 Papendorf
Papendorf liegt etwa 5 Kilometer westlich von Pasewalk.
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Kirche in Papendorf
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