© Andy Bünning

Kleine und große Kirchen Barock Gotik Oktober 2026 D

Denkmal in Not

In letzter Minute

Im vorpommerschen Papendorf verhinderte eine Notmaßnahme, dass der Turm der mittelalterlichen Dorfkirche auf die Bundesstraße stürzte. Damit hat die Rettung erst begonnen.

Dass es besorgniserregend schlecht um ihre Kirche steht, wussten die Papendorfer. Deshalb hatte die Kirchengemeinde ein Sanierungsgutachten für das kleine Gotteshaus beauftragt. Wie sehr sich die Lage aber in den vergangenen Jahren zugespitzt hatte, blieb bis zu diesem Sommer hinter den Backsteinen des knapp 300 Jahre alten Kirchturms verborgen. Akute Einsturzgefahr meldeten Anfang Juni die Experten nach dessen Begehung. Kaum noch ein Balken des mit Backsteinen verkleideten Turmaufsatzes zeigte sich intakt. „Viele Hölzer der Fachwerkkonstruktion waren verfault und zerbröselt, einige sogar ganz aus dem Gefüge herausgebrochen“, sagt Architekt Ulf Kirmis. „Die dünnen Wandscheiben der Ummauerung – nur einen halben Backstein stark – konnten auf Dauer die Last nicht tragen.“ Vor allem das Gewicht des rund zehn Meter hohen Turmhelms war zu schwer geworden.

Der erste Teil der Rettung ist geglückt. Knapp vier Wochen nach der Hiobsbotschaft nahm ein Schwerlastkran den circa elf Tonnen schweren Helm vom eingerüsteten Turm.
© IMAGO / Andy Bünning
Der erste Teil der Rettung ist geglückt. Knapp vier Wochen nach der Hiobsbotschaft nahm ein Schwerlastkran den circa elf Tonnen schweren Helm vom eingerüsteten Turm.

Umgehend reagierten Kirchenkreis und Dorfgemeinde. Gleich wurde die angrenzende Bundesstraße 104 gesperrt und der Abbau der oberen maroden Turmhälfte in die Wege geleitet. Was in dieser kritischen Situation wie ein kleines Wunder wirkt: Mit Hilfe eines Krans gelang es, den fast 300 Jahre alten Helm unversehrt abzunehmen.

Mitten im Dorf: Tagtäglich haben die Papendorfer ihre baufällige Kirche vor Augen, die sie alleine nicht retten können.
© Andy Bünning
Mitten im Dorf: Tagtäglich haben die Papendorfer ihre baufällige Kirche vor Augen, die sie alleine nicht retten können.

Traurige Lücke
Nun steht die Haube vorerst auf dem Kirchhof – in sicherem Abstand zum gesperrten Denkmal. Groß ist sie im Vergleich zu ihrem nun mehr 14 Meter hohen Turm, der nur noch ein Stumpf ist. Nach der Rettung schützt und stabilisiert ihn ein Notdach. Dennoch: „Einsturzgefahr des unteren Turmaufsatzes besteht nach wie vor. Würde er zusammenbrechen, fiele er allerdings nicht mehr auf die Straße, sondern nur auf das abgesperrte Kirchengrundstück“, erklärt Anett Burckhardt, Baubeauftragte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Sie koordiniert die Rettungsaktion und hat zu einem Ortstermin Papendorfer wie MONUMENTE eingeladen. „Den Turm weiter abzutragen, ist derzeit nicht möglich. Dann hätte man einen offenen Giebel und die Sicherungsmaßnahmen wären noch teurer geworden.“ Schon durch diese erste erfolgte Rettungsmaßnahme ist die Kirchengemeinde in eine finanzielle Notlage geraten.

Allen Papendorfern, die zum Termin gekommen sind, fehlt der hohe Turm mit seinem Helm und Glockengeläut. Über Jahrhunderte bot er den Menschen im Dorf und in der Umgebung Orientierung. „Da ist jetzt eine Lücke. Kein Turm zeigt mehr in den Himmel, wenn ich nach Hause fahre“, bedauert Andreas Roloff. Der Lehrer, der sich als Kirchenältester und als stellvertretender Bürgermeister engagiert, ist einer derjenigen, denen der Verlust besonders nahegeht. „Es gibt keinen anderen Ort, der für mich mehr Heimat ausstrahlt als die Kirche.“

Ob jung oder alt: Die Kirche liegt den Menschen in Papendorf sehr am Herzen. Das Gotteshaus ist noch immer nicht standsicher - auch nach Helmabnahme und Rückbau des obersten Turmgeschosses.
© Andy Bünning
Ob jung oder alt: Die Kirche liegt den Menschen in Papendorf sehr am Herzen. Das Gotteshaus ist noch immer nicht standsicher - auch nach Helmabnahme und Rückbau des obersten Turmgeschosses.

Hoffnung für das Dorf des Pfaffens
In Papendorf, das sich sprachlich vom Wort Pfaffe ableitet und so viel bedeutet wie Dorf des Pfarrers, spielte die Kirche schon immer eine bedeutende Rolle. 1302 wurde der Ort erstmals urkundlich erwähnt. Auch der kleine Feldsteinbau in seiner Mitte stammt im Kern aus dieser Zeit. Den Turmaufsatz in Fachwerkbauweise erhielt er 1745, im Jahr 1870 kam dessen Ummantelung aus gelbem Backstein hinzu. Seit drei Jahren darf niemand mehr das Gotteshaus betreten. Ihre Kirche sei hell und war einst von freundlicher Atmosphäre, erinnert sich Andreas Roloff wehmütig. „Weil sich kein Gestühl erhalten hat, kann der Saalbau flexibel genutzt werden.“ Keine leere Hülle möchten die versammelten Dorfbewohner bewahren, sondern einen jahrhundertealten Ort der Gemeinschaft. Dafür hat sich schon ein Freundeskreis gebildet, der wiederum einen Förderverein gründen möchte.

Die Kirche in Papendorf bei Pasewalk an der Bundesstraße 104: Ihretwegen war im Sommer die Straße wochenlang gesperrt.
© IMAGO / Andy Bünning
Die Kirche in Papendorf bei Pasewalk an der Bundesstraße 104: Ihretwegen war im Sommer die Straße wochenlang gesperrt.

Die Aufgabe, die die Papendorfer zu bewältigen haben, ist groß. Nicht allein der Turm, sondern auch das Kirchenschiff mit seinem vom Schwamm befallenen Dachstuhl befindet sich in äußerst schlechtem Zustand. Das Sanierungsgutachten wird bald genaue Erkenntnisse darüber bringen, wie das bedürftige Gotteshaus gerettet werden kann. Die Kirchengemeinde jedenfalls ist fest entschlossen, ihre Kirche zu erhalten und alle ihre Ressourcen dafür zu nutzen. Ihre finanziellen Mittel werden bei Weitem nicht reichen. Unmittelbar nach dem Hilferuf aus Papendorf richtete die Deutsche Stiftung Denkmalschutz einen Notfallfonds ein, um die Kirche zunächst vor weiterem Schaden zu bewahren. Jetzt sind Sie gefragt, liebe Leserinnen und Leser. Papendorf wird im kommenden Jahr 725 Jahre alt. Schenken wir den Papendorfern Hoffnung, dass sich die verschlossenen Pforten ihres ältesten Bauwerks bald wieder öffnen lassen. Jede Spende hilft!

Amelie Seck

Dorfkirche Papendorf

Chausseestraße 41
17309 Papendorf

Papendorf liegt etwa 5 Kilometer westlich von Pasewalk.

Denkmal in Not

Bitte retten Sie mit uns dir
Kirche in Papendorf

€
Der barocke Turmhelm: Auch er wartet auf eine Restaurierung und darauf, wieder den Kirchturm zu bekrönen.
© Jorinde Bugenhagen
Der barocke Turmhelm: Auch er wartet auf eine Restaurierung und darauf, wieder den Kirchturm zu bekrönen.
 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

€
 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2023 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn