Menschen für Denkmale August 2026 V
Ein Aufbau-Strategiespiel mit Denkmalen und belebter Geschichte kann sich die Ingenieurin Sabrina Sommer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) gut vorstellen. Ihre Kollegin, Kunsthistorikern Magdalena Steinbacher, mag Text-Adventures: „Es sind Abenteuerspiele wie ein interaktiver Roman. Man hat zwar Bilder, aber eher viel Text und trifft Entscheidungen, die die Geschichte zu den Bauwerken beeinflussen.“ Denkmalpfleger Lorenz Schröter brennt für das Grundsätzliche. Er findet die praxisnahe Herausforderung reizvoll – ein Computerspiel, bei dem die Gamer eine Art Schatzsuche zur Aufgabe haben, verschiedenste Bautypen erforschen und „plötzlich tauchen Schäden auf, die sie reparieren sollen“.
Das Team Gaming Denkmalpflege bewegt sich auf ungewohntem Terrain: Seit der Jahrestagung 2025 der Vereinigung der Denkmalfachämter in den Ländern mit der Sektion Mission Denkmal – Gaming & Denkmalpflege bilden sie eine Arbeitsgruppe, um Videogames rund um Denkmalschutz und -pflege anzustoßen.
Ein ambitioniertes und wichtiges Projekt, denn mittlerweile ist erwiesen, dass sich digitale Spiele hervorragend für die Wissensvermittlung eignen. Spielend lassen sich selbst schwierige Themen nahebringen. Die Sparte der Serious Games, Spiele mit einem „ernsthaften“ Zweck, wächst seit Jahren. Sie haben ein konkretes Vermittlungsziel, verknüpfen Unterhaltungs- und Spaßfaktoren mit Lerninhalten, ohne zu belehren. Sie beziehen die Spielenden aktiv ein und regen zum Nachdenken über gesellschaftliche Themen wie Demokratie, Umweltschutz und Gesundheit an. Eingesetzt werden sie im Schulunterricht ebenso wie in anderen Bildungseinrichtungen, wie zum Beispiel zur beruflichen Fortbildung und in der Museumspädagogik.
Serious Games gewinnen an Bedeutung
Nicht alle Aspekte der Serious Games sind für die Denkmalpfleger ein Thema. Steinbacher: „Unser Ansatz ist erstmal niederschwelliger.“ Ihnen schweben Computerspiele für den Unterhaltungssektor vor, die in der Freizeit gespielt werden. Dort gilt es, die Menschen abzuholen und den Gamern etwas anderes zu bieten als „den hundertsten Shooter“, wie Serious-Games-Experte Christian Huberts von der Stiftung Digitale Spielekultur erklärt. Allerdings machen die Shooter- und Action-Abenteuer in der Branche den bisher nicht zu knackenden Topanteil aus. Den wiederum eine Handvoll Videogames beherrschen: Sie sind mit Hunderten Unterhaltungsstunden die Blockbuster unter den Computerspielen. Diese sogenannten Triple-A-Games werden mit mehrstelligen Millionen-Budgets von sehr vielen Beteiligten entwickelt und sorgen dank der riesigen Fangemeinde für hohe Umsätze.
Ob auf PC, Konsole oder Smartphone – digitale Spiele faszinieren alle Altersgruppen. Ein Potenzial, das für das Bewusstsein um den Wert von Denkmalen erschlossen werden soll. Serious Games, die gesellschaftlich-soziale Themen wie Ausgrenzung, Rassismus oder historische Aufarbeitung – zum Beispiel über die NS-Zeit – zum Thema haben, wurden mittlerweile viele entwickelt und haben ihren Erfolg. Historische Bauwerke und Stätten dienen dabei häufig als Aufhänger und Kulisse für die Handlungen.
Doch wie können Baudenkmale selbst zum Thema werden? Auch dafür gibt es bereits zahlreiche Beispiele, wie etwa sogenannte Sandbox-Spiele, die den Gamern völlig freie Hand lassen, dreidimensionale Bauwelten zu errichten. Darin werden gerne weltberühmte Wahrzeichen wie etwa der Kölner Dom nachgebaut und in Chats von Gamern kommentiert. In anderen Spielen werden verfallende Gebäude mit Werkzeug restauriert oder auch einfach abgewaschen. Huberts: „Einen Ort aufzuräumen, Müll zu entsorgen und Bauwerke wieder zum Strahlen zu bringen, ist ein befriedigender Prozess und eine Form von Selbstwirksamkeit.“
Eintauchen in historische Spielwelten
Das Eintauchen-können in eine virtuelle Welt ist entscheidend für den Erfolg eines Spiels. Die Geschichten, die Spieler vor Aufgaben stellen, und die emotionalen Ebenen, in die das Spiel führt, sind wichtig. Dabei spielt das sogenannte Setting, Orte und Landschaften, eine zentrale Rolle. Kenner der Materie wie Wissenschaftler, Games-Journalisten und Gaming-Streamer – sie spielen live auf Videoplattformen und haben ein großes Publikum – weisen immer wieder auf glaubwürdige Settings hin. Sie verstärken die Atmosphäre und damit das Spielerlebnis – vor allem dann, wenn es sich um historische Städte und Orte handelt, die wie historisch gewachsen wirken.
Christian Huberts, Stiftung Digitale Spielekultur
Um dies zu erreichen, engagieren manche Entwicklerfirmen sogar Historiker und Städteplaner. Können die Bauwerke dann auch noch erforscht werden und dienen nicht nur als Kulisse, wird dies von den Gamern begeistert honoriert. Die informelle, die beiläufige Bildung, die diese Spiele mit sich bringen, zeigt sich im besten Sinne, wenn Spieler die virtuellen Bauwerke dann auch in der realen Welt wiedererkennen und ihr erworbenes Wissen anwenden können. Selbst Experte Huberts hat Spaß daran: „Ich war einmal in Tokio und dachte plötzlich: ‚Cool, das Viertel kennst du‘. Auch wenn die Bauwerke im Spiel zwangsläufig nicht völlig exakt dargestellt sind, hilft es tatsächlich bei der Orientierung.“
Für die Denkmalpflege und für das Team des BLfD ist „Mission Denkmalpflege“ ein ambitioniertes Projekt, bei dem sie gern mit dem Studiengang GameProduktion und Management an der Hochschule Neu-Ulm zusammenarbeiten möchten. Versorgt mit Basisinformationen dazu, was Denkmalpflege alles umfasst, sollen sich Studierende im Wintersemester 26/27 mit der spielerischen Umsetzbarkeit beschäftigen. Schröter: „Alles andere haben wir zuerst mal bewusst offengelassen. Einfach, um zu sehen, was sind denn Aspekte, die die Studenten oder auch Laien an der Denkmalpflege interessieren? Ist es mehr die Restaurierung oder das Handwerk, das dahintersteckt, oder mehr die Geschichte, die das Denkmal betrifft?“ Über die Suche nach Entwicklern, die mit einem niedrigen Budget eine Idee in ein digitales Spiel verwandeln, und einen Verlag, der es vertreibt, machen sie sich noch keine Gedanken. Gamer wird es auf jeden Fall geben und sie scheinen Denkmale zu lieben: In Chats tauschen sie immer wieder ihre Wünsche zu fundierten Videogames aus, angesiedelt in vergangenen Epochen, im historisch korrekten Kontext und glaubwürdigen Settings. Amerikanische Entwickler lassen schon lange ihre Geschichten in Europa spielen, weil es als Vorlage vielfältige Kulturlandschaften und reale Denkmale aus lang vergangenen Jahrhunderten bietet.
Christiane Rossner
Friedrich Schiller hatte seine Gartenzinne zum Dichten, Gustav Mahler sein Schnützelputzhäusl zum Komponieren und der Grafiker Max Klinger sein Radierhäuschen zum Arbeiten gewählt. Das Gartenhaus war zuweilen Lusthaus und Arbeitszimmer, allzu oft ein Ort der Muße.
Dr. Ulrike Müssemeier, Archäologin vom Landschaftsverband Rheinland, über die ArchaeoRegion Nordeifel
Historische Garten- und Parkanlagen sind Oasen der Erholung, eine Freude für Geist und Auge. Um diese lebendigen Gesamtkunstwerke aus gestalteter Natur und Architektur zu erhalten, sind Sachverstand, Gespür und viele pflegende Hände nötig. Bei der Denkmalpflege haben die Experten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mit immer neuen Herausforderungen zu kämpfen
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