Landschaften, Parks und Friedhöfe Gedenkstätten 1000 August 2026 J
„Die Bedeutung dieses Friedhofs kann gar nicht überschätzt werden", sagt Anke Sprenger. Die Beauftragte der Stadt Mainz für die jüdischen Stätten kommt aus dem Erzählen nicht mehr heraus, wenn sie über den Judensand spricht, den alten jüdischen Friedhof in Mainz. Seine Geschichte ist so kompliziert wie eindrucksvoll. Trotz aller Pogrome und Zerstörungen: Diese Stätte ist eine der wichtigsten historischen Orte für das Judentum, vor allem für das aschkenasische, das sich vom Norden Europas über die Welt verbreitete.
Vom 10. bis zum 14. Jahrhundert verhalfen Gelehrte in den jüdischen Gemeinden der Städte Mainz, Speyer und Worms dem Judentum zu einer Blütezeit. In den Talmudschulen wurden Rituale für Gebete und Begräbnisse entwickelt, die bis heute Gültigkeit besitzen. Wegen dieser Bedeutung wurden 2021 diese drei Städte mit ihren jüdischen Stätten in das Verzeichnis des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Pünktlich zum fünfjährigen Jubiläum dieser Ernennung und zum 100-jährigen Jubiläum des Bestehens des Denkmalfriedhofs wird nun Anfang September 2026 das Welterbezentrum eröffnet, das der Bedeutung des Ortes Rechnung tragen soll. Sensibel wurde die Lage des Besuchszentrums ausgewählt: Oberhalb des alten Friedhofs mit Blick auf die Grabsteine, ohne den Ort betreten zu müssen, können sich die Besucher über die lange Geschichte informieren.
ALTER JÜDISCHER FRIEDHOF
Adresse:
Mombacher Str. 63
55122 Mainz
Förderjahre: 2023 und 2026
Aktuelle Maßnahme: Grabsteinrestaurierung
Die Erhaltung und Pflege des 1.000 Jahre alten Judensands ist nicht einfach, weiß Anke Sprenger zu berichten. Alle mittelalterlichen Grabsteine wurden 1438 herausgerissen, als die jüdische Gemeinde vertrieben wurde. Diese Steine wurden als Baumaterial verwendet und tauchten ab der Mitte des 19. Jahrhunderts zufällig wieder auf. Dennoch wurde der Friedhof ab dem 16. Jahrhundert kontinuierlich belegt. Davon zeugen die Grabsteine auf dem unteren Teil des Friedhofs.
Am 6. September findet anlässlich der Eröffnung des Welterbezentrums ein Bürgerfest statt. Außerdem lädt das Ortskuratorium Mainz zu Führungen über den Friedhof ein. Sie finden zwischen 13.30 Uhr und 16.30 Uhr statt. Männer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Treffpunkt ist der Friedhofseingang Mombacher Straße.
Diese sind besonders sanierungsbedürftig. Weil aber laut jüdischem Gesetz gilt, dass Grabsteine nicht bewegt werden dürfen, muss vor Ort restauriert werden – halachisch, nach den Regeln der Religion. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützt diese Arbeiten seit drei Jahren. Gleichzeitig werden die Inschriften entziffert, inventarisiert und der Öffentlichkeit digital zugänglich gemacht.
Ab September kann der Friedhof erstmalig individuell besichtigt werden. In enger Abstimmung mit der Jüdischen Gemeinde als Friedhofseigentümerin geht die Stadt Mainz hier den schmalen Weg zwischen touristischer Erschließung des UNESCO-Welterbes und der Bewahrung der Würde des Ortes als heilige Stätte. Nicht zuletzt geht es um die Erhaltung von über 1.750 Denkmalen – so viele Grabsteine zählt der Alte Jüdische Friedhof in Mainz.
Beatrice Härig
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