© Roland Rossner / DSD

Kleine und große Kirchen Gotik Denkmale in Gefahr August 2026 D T

Denkmal in Not

Hilferuf aus Tacken

Sie wirkt archaisch, kraftvoll und ist doch verletzt: die Dorfkirche von Tacken in der Prignitz. Weil die Kirche des 90-Seelen-Orts nie umfassend restauriert wurde, gefährden massive Schäden ihre mittelalterliche Substanz.

Vor 600 Jahren für die Gemeinde gebaut, wird das Gotteshaus immer noch genutzt und – soweit man es vermag – gepflegt.
© Roland Rossner / DSD
Vor 600 Jahren für die Gemeinde gebaut, wird das Gotteshaus immer noch genutzt und – soweit man es vermag – gepflegt.

Zwei Biertische auf der frisch gemähten Wiese sind zusammengerückt und eine weiße Leinendecke darübergelegt. Alle aus dem Kirchenteam Tacken helfen mit, damit ihre Freiluft-Sitzung im Garten der Dorfkirche pünktlich starten kann. Es ist ein malerischer Ort zwischen gotischer Feldsteinkirche, Pfarrhaus und Dorfschule. Seit dem Bau dieser zwei barocken Fachwerkhäuser direkt an der Straße steht der Sakralbau etwas versteckt in zweiter Reihe. Aber das Herzstück des 90-Seelen-Ortes ist er immer noch – dieses Gotteshaus, gebaut Anfang des 15. Jahrhunderts aus kleinen Findlingen, die die Menschen von ihren Äckern holten, und aus dem für Norddeutschland so typischem roten Backstein. Die vielen Hundert Jahre haben den Bau gefährlich mürbe gemacht: Vom Dachfirst bis zum Sockel ist das Kirchenschiff in äußerst desolatem Zustand und muss grundlegend instand gesetzt werden.

Sitzung des Kirchenteams Tacken (v. l. n. r.):  Annika Grün, Maria Winter, Roswitha Brunk, MONUMENTE- Redakteurin Amelie Seck, Pastorin Johanna Köster, Guido Wendering, Christoph Winter.
© Roland Rossner / DSD
Sitzung des Kirchenteams Tacken (v. l. n. r.): Annika Grün, Maria Winter, Roswitha Brunk, MONUMENTE- Redakteurin Amelie Seck, Pastorin Johanna Köster, Guido Wendering, Christoph Winter.
Besonders am gotischen Ostgiebel zeigt sich das Ausmaß der Schäden. Ein Riss, mehr als einen Meter tief, zieht sich durch das dicke Mauerwerk.
© Roland Rossner / DSD
Besonders am gotischen Ostgiebel zeigt sich das Ausmaß der Schäden. Ein Riss, mehr als einen Meter tief, zieht sich durch das dicke Mauerwerk.
Charmant, aber nun undicht:  die wellige Dachdeckung mit historischen Biberschwanzziegeln.
© Roland Rossner / DSD
Charmant, aber nun undicht: die wellige Dachdeckung mit historischen Biberschwanzziegeln.

Eine Kirche und eine Initiative
„Wozu brauchen wir diese Kirche? Welchen Beitrag kann ich dazu leisten?“, hatte die Pfarrerin Johanna Köster kurz nach ihrem Amtsantritt im September 2024 die Tackener während einer Dorfversammlung gefragt. „Gleichgültig, ob zugezogen oder schon immer dort, und unabhängig von der konfessionellen Zugehörigkeit: Die gesamte Gemeinschaft war sich einig, dass diese ­ Kirche saniert und als öffentlicher Raum erhalten werden muss“, erinnert sich die junge Pastorin mit Blick auf die brüchige Fassade.

Im Anschluss an die Versammlung taten sich daraufhin acht besonders engagierte Dorfbewohner zum Kirchenteam Tacken zusammen und kümmern sich seither um die Belebung der Kirche. Zu ihm gehören zum Beispiel die ehemalige Ortsvorsteherin Maria Winter, der „die Gottesdienste in dem sakralen Raum so wichtig“ sind, oder der vor 15 Jahren zugezogene Guido Wendering, der befürchtet, dass „die Menschen ohne die Kirche weiter in die innere Migration gehen“, und die Fährfrau Annika Grün, die sich ohne dieses Bauwerk im Ort nicht mehr verwurzelt fühlen würde. Im mittlerweile zweiten Jahr stellt das Kirchenteam ein beeindruckendes Programm zusammen, wie die Gruppe während der Arbeitssitzung erzählt: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen, Spielenachmittage und das Einläuten zum ersten Advent. All das organisiert das Team, damit die Kirche im Dorf bleibt, das Dorf in der Kirche und ­damit dieses Kleinod in der Prignitz nicht verloren geht.

Das Bauwerk macht 600 Jahre alte Geschichte anfassbar. Im Westen überragt das Kirchenschiff ein mächtiger, schiffsbreiter Westturm, der vor drei Jahren mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz restauriert werden konnte. Auf der Ostseite der Kirche dagegen befindet sich ein Schmuckgiebel mit gemauerten Blendbögen, gezeichnet von bedrohlichen Rissen und unzähligen Fehlstellen im Putz. „Das Vorbild dazu fanden die Bauleute wohl am Havelberger Dom und seinen Klostergebäuden“, vermutet Gordon Thalmann, der als Denkmalpfleger im Landkreis Prignitz die Kirche betreut. Denn das Bistum hatte ab dem 12. Jahrhundert sowohl großen Einfluss auf den Landesausbau und die Christianisierung dieser Region als auch auf die Architektur der vielen kleinen Sakralbauten.

Die Gefahr bannen
Heute erliegen nicht nur die Tackener dem Charme des Kirchleins: Das rote Meer von handgestrichenen Dachziegeln, der mittelalterliche Putz mit seiner Quaderritzung oder die schwere Bohlentür, durch die man in den kleinen Kirchenraum mit seiner barocken Kanzel tritt, beseelt auch Besucher aus der Ferne.
Jeden Tag, von Ostern bis zum Reformationstag, von morgens bis abends, ist das Gotteshaus geöffnet. Dafür sorgen vor allem Maria Winter und ihr Mann Christoph. Sie wohnen seit Jahrzehnten im ehemaligen Pfarrhaus, pflegen den Garten, wachen über die Kirche und halten sie mit Unterstützung aus dem Dorf sauber – sie versuchen es zumindest: „Außen löst sich der Putz in großen Brocken. Innen hört es nicht auf, von der Decke zu rieseln. Die Sockelzone des Kirchenraums ist feucht. Es ist bedrückend!“, sagt Maria Winter. 

Gewährt Zugang in eine jahrhundertalte Geschichte: die barocke Bohlentür der Kirche.
© Roland Rossner / DSD
Gewährt Zugang in eine jahrhundertalte Geschichte: die barocke Bohlentür der Kirche.
Ein beseelter Ort: das bescheidene Kircheninnere, mit flachgedeckter Holzdecke, Empore und gotischen Schnitzfiguren aus einem alten Altar.
© Roland Rossner / DSD
Ein beseelter Ort: das bescheidene Kircheninnere, mit flachgedeckter Holzdecke, Empore und gotischen Schnitzfiguren aus einem alten Altar.
Die Feuchtigkeit spürt und sieht man, besonders im Altarbereich, wo der Sockelbereich stark beschädigt ist.
© Roland Rossner / DSD
Die Feuchtigkeit spürt und sieht man, besonders im Altarbereich, wo der Sockelbereich stark beschädigt ist.
 

Den Dachboden zu betreten, ist bereits untersagt. Beträte man die morschen Dielen, bestünde die Gefahr, in den Kirchenraum durchzubrechen. Umfangreiche Bereiche der Dielendecke sind wie einige hölzerne Auflager des Dachstuhls zersetzt und nicht mehr tragfähig, weil seit Jahrzehnten Feuchtigkeit durch das undichte Dach dringt. Es besteht dringender Handlungsbedarf. Aber diese Aufgabe kann die Gemeinde nicht alleine stemmen. 17 Kirchen hat Pfarrerin Johanna Köster zu betreuen und sitzt bis in die Abende hinein über Förderanträgen. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ­möchte sie und die Menschen in Tacken bei der Bewahrung dieses Kulturschatzes unterstützen und bittet deshalb: Helfen wir mit vereinten Kräften!

Amelie Seck

Ev. Dorfkirche Tacken

16298 Groß Pankow-Tacken

Tacken liegt etwa 20 Kilometer nordöstlich von Perleberg.

Denkmal in Not

Bitte spenden Sie für die Dorfkirche in Tacken

Was Ihre Spende bewirken kann

  • 1m² Notdach herstellen 60 €
  • 1m² Außenwand verfugen und mittelalterliche Putze sichern 105 €
  • 1 Stück Sparrenfuß erneuern520 €

(beispielhafte Bruttokosten)

An der gesamten Fassade ist der historische Putz mit seinem geritzten Fugengitter mürbe, sandet ab und löst sich in großen Bruchstücken.
© Roland Rossner / DSD
An der gesamten Fassade ist der historische Putz mit seinem geritzten Fugengitter mürbe, sandet ab und löst sich in großen Bruchstücken.
 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Denkmal in Not 18.03.2026 Leises Verschwinden Leises Verschwinden

    Leises Verschwinden

    Der einzigen Kirche auf der Ostsee-Insel Poel droht der Verlust ihrer 800 Jahre alten Wandmalereien. Helfen Sie uns, den schleichenden Verfall zu stoppen!

  • Denkmal in Not 03.11.2025 Warnzeichen an Weihnachten Warnzeichen an Weihnachten

    Warnzeichen an Weihnachten

    Es war die Hand eines Engels, die im Advent vor zwei Jahren die dramatische Lage anzeigte. Denn Feuchtigkeit und Holzwurmbefall bedrohen seit Langem den Dachstuhl der Dorfkirche von Lübbenow. Helfen Sie der Gemeinde, die farbenprächtigste Kirche der Uckermark zu erhalten.

  • Denkmal in Not 24.07.2025 Eine Kirche schweißt zusammen Eine Kirche schweißt zusammen

    Eine Kirche schweißt zusammen

    Seit den 1970er Jahren fanden in der Dorfkirche Kösseln keine Gottesdienste mehr statt. Sie war aufgegeben. Als sich 2015 die Nordwand gefährlich nach außen neigte und das Gotteshaus einzustürzen drohte, initiierte die Dorfgemeinschaft eine große Rettungsaktion, um ihre Kirche zu erhalten.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2023 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn