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Traditionsschiff in Gefahr

Am Ammersee braucht der letzte Königlich Bayerische Raddampfer Hilfe. Der Rumpf der 119 Jahre alten Andechs ist durchgerostet. Die Sanierung ihres schwimmenden Vereinsheims ist für die Mitglieder eine echte Herzensangelegenheit.

Es war eine nervenaufreibende Überfahrt: Am 20. März wurde die denkmalgeschützte Andechs von Utting zur Reparatur ins Trockendock nach Stegen bugsiert.
© Wolfgang Ossner
Es war eine nervenaufreibende Überfahrt: Am 20. März wurde die denkmalgeschützte Andechs von Utting zur Reparatur ins Trockendock nach Stegen bugsiert.

Seit 119 Jahren gehört die Silhouette der Andechs zum Ammersee: der glänzend weiße Rumpf, der schnittige Bug – 1956 wurde der letzte erhaltene bayerische Raddampfer zum Vereinsheim der Bayerischen Seglervereinigung. Nur alle 10 bis 15 Jahre verlässt das 34 Meter lange Schiff seinen Liegeplatz in Utting am Ammersee, um in der Werft in Stegen überholt zu werden, dort, wo es 1907 vom Stapel lief. 

Doch mit einem erneuerten Schutzanstrich und kleinen Ausbesserungen ist es dieses Mal nicht getan. Nach eingehender Untersuchung wurden im Trockendock Löcher im Rumpf entdeckt. Der Oldtimer werde wohl nur noch aufgrund der Rostverkrustungen, des dicken Bewuchses und der ehrwürdigen Tradition der bayerischen Dampfschifffahrt über Wasser gehalten, so der lakonische Befund. „Ein Schock“, erzählt John Höpfner vom Vorstand der Seglervereinigung. „Die Andechs wird regelmäßig untersucht. Von außen war nichts zu erkennen. Wir fragten uns: Wie kann das sein?“ Der Rumpf ist nicht von außen gerostet, sondern von innen her. Im Kielbereich, in der sogenannten Bilge, hatte sich über Jahre hinweg Wasser gesammelt, das bei den regelmäßigen Kontrollen nicht entdeckt werden konnte. Unter dem Prellschutz aus massiver Eichenbohle drang Deckwasser ein, lief innen die Bordwand herunter und fraß unten Löcher in den Rumpf. Ein Geburtsfehler der Konstruktion. Nun braucht der Dampfer neue Bodenbleche. Eine Belüftungsanlage und Sensoren sollen böse Überraschungen künftig vermeiden helfen.

Angekommen in der Werft auf der Nordseite des Ammersees. Dort wo sie 1907 vom Stapel lief.
© Wolfgang Ossner
Angekommen in der Werft auf der Nordseite des Ammersees. Dort wo sie 1907 vom Stapel lief.
Das Schanzkleid und der Prellschutz aus Holz mussten abgebaut werden, um an den Rost zu kommen.
© Wolfgang Ossner
Das Schanzkleid und der Prellschutz aus Holz mussten abgebaut werden, um an den Rost zu kommen.
 

Gebaut wurde der Schaufelraddampfer 1907 von der Firma J. A. Maffei in München. Die Seglervereinigung erwarb das ausgemusterte Schiff 1956 und bewahrte es so vor der drohenden Verschrottung. Zu dem Zeitpunkt waren Dampfmaschine, Schaufelräder und Schornstein schon ausgebaut, erzählt Höpfner. Doch der Salon erster Klasse, die alten Holzböden und Treppen sind noch original erhalten und tragen zum Denkmalwert der Andechs bei.

Trotz jahrelanger Rückstellungen, umfangreicher Eigenleistungen und einer Spendenaktion ist die Sanierung für den Verein ein finanzieller Kraftakt, bei dem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu Hilfe kommt. „Wir sind kein reicher oder elitärer Segelclub. Unser Verein will mit niedrigen Beiträgen gerade Kindern, Jugendlichen und Menschen, die nicht so vermögend sind, das Segeln ermöglichen“, sagt Höpfner. Die Schulungen und das Vereinsleben finden seit Jahrzehnten auf der innig geliebten Andechs statt. Für die rund 400 Mitglieder sei die Sanierung wie eine Operation am offenen Herzen, denn „die Andechs ist das Herz unseres Vereins“.

Rüdiger Heimlich

Ehem. Raddampfer Andechs

Adresse:
Im Freizeitgelände 12
86919 Utting
Förderjahr: 2026
Aktuelle Maßnahme: Instandsetzung Unterschiff und Verkleidung
Spendenkennwort: Raddampfer Andechs
www.denkmalschutz.de/ spende-dampfer-andechs

 

Helfen Sie mit!

Bitte spenden Sie für den ehem. Raddampfer Andechs!

Im Trockendock in Stegen wird der historische Stahlrumpf umfassend saniert.
© Wolfgang Ossner
Im Trockendock in Stegen wird der historische Stahlrumpf umfassend saniert.
 

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