Öffentliche Bauten Städte und Ensembles 1925 1900 Historismus Interieur Verkehr Denkmale in Gefahr April 2026
Die Geschichte begann vor 170 Jahren. Mit der Eröffnung der Bahnstrecke Köln-Rolandseck wurde das beschauliche Dorf Rolandseck Teil eines neuen beliebten Ausflugsziels, der „Rheinischen Riviera“. Wohlhabende Industrielle aus Köln und Bonn errichteten Sommervillen im Rheintal. Der Kölner Gastwirt Carl Billau erkannte die Gunst dieser Stunde: Er eröffnete 1856 den Gasthof Billau zwischen dem Schiffsanleger und dem Rolandsecker Bahnhof. Was als schlichter, rechteckiger Bau mit einfachem Satteldach begann, wandelte sich bereits zehn Jahre später zu einem Blickfang an der Promenade von Rolandseck. Die Eckanbauten mit ihren quergestellten Satteldächern näherten seine Baugestalt ästhetisch dem prunkvollen Bahnhof Rolandseck an. Das Hotel Billau galt als eines der besten Häuser am Platz – ein Hotel ersten Ranges. Ende des 19. Jahrhunderts übernahm Joseph Pütz den Betrieb und taufte es auf den Namen, der Romantik und Sehnsucht zugleich in sich trägt: Hotel Bellevue.
Architektur der Sehnsucht
Das Gebäude ist der Inbegriff des klassischen Rheinhotels: Ein hell verputzter, mehrgeschossiger Längsbau, der mit Panoramafenstern und Balkonen eine enge Beziehung mit dem Fluss eingeht.
Als immer mehr Reisende auf der Suche nach romantischen Landschaftsbildern und poetischen Eindrücken ins Rheinland strömten, stieg auch die Zahl solcher Hotels entlang des Ufers. Allein in Rolandseck gab es zeitweise bis zu 39 Hotels und Pensionen. Historische Reiseführer beschrieben die Ortschaft als einen „Glanzpunkt des Rheins“. In dieser Blütezeit des Rheintourismus im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts transportierte die Köln-Düsseldorfer Rheinschiffahrts GmbH über zwei Millionen Fahrgäste allein in einer Saison.
Das Hotel Bellevue wurde ab 1911 von dem jungen Hotelier Ludwig Decker geführt. Um der Konkurrenz standzuhalten, modernisierte Decker das Hotel. Er engagierte renommierte Bonner Architekten und vereinheitlichte die architektonische Idee im Innenausbau und mit dem Mobiliar. In den Ballsälen spielte täglich die Hauskapelle, während die moderne Großküche mit einem Tafelherd der Firma Küppersbusch Gäste in den drei verschiedenen Lokalen des Hauses verköstigte.
Dass der Hotelbau heute noch steht, ist ein großer Glücksfall. Nach dem Zweiten Weltkrieg und nach der anschließenden französischen Beschlagnahmung blieben die europäischen Gäste aus. Während andere Rheinhotels modernisiert und dabei ihrer historischen Substanz beraubt oder bei Leerstand schlicht abgerissen wurden, blieb das Bellevue, nunmehr als Bürogebäude genutzt, nahezu unverändert. Seit den 1980er Jahren steht das Denkmal weitgehend leer, jedoch weiter behütet von Familie Decker, während sich der wilde Wein die Fassade zurückeroberte.
Seit 2024 liegt die Verantwortung für das ehemalige Hotel in den Händen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Ihre Aufgabe ist es nun, für das Bellevue eine Zukunftsperspektive zu entwickeln und dieses besondere Denkmal wieder auf vielfältige Weise mit Leben zu füllen. Eine Aufgabe, bei der viele Gewerke und Spezialisten zusammenarbeiten müssen. Derzeit erforschen Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen der Denkmalpflege den weitläufigen Bau, damit die umfassende Instandsetzung beginnen kann. Doch bereits während der Bauforschung und der anschließenden Restaurierung werden seine Türen wieder geöffnet: Die mobile Jugendbauhütte Rheinland-Pfalz und Klassen des DSD-Schulprogramms denkmal aktiv werden das ehemalige Hotel mit verschiedenen Fragestellungen erkunden und daran lernen. Denn das Haus ist ein Solitär – ein unverfälschtes Dokument der Tourismusgeschichte, das wie kein anderes für den Tourismus im Rheinland steht.
Aber damit es erhalten bleibt, muss der Balanceakt zwischen zukünftiger Nutzung und Erhaltung der historischen Substanz gelingen. Bitte schließen Sie sich uns an und unterstützen Sie das Hotel Bellevue als einzigartiges Denkmal mit Ihrer Spende.
Lene Savchenko
Bitte unterstützen Sie das Hotel Bellevue – ein Haus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
© Roland Rossner / DSD
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Eine sehr gute Entscheidung - ich wünsche bei der Realisierung dieses Projektes viel Erfolg.
Ich kenne das Haus und seine Lage, die in den Beiträgen wunderbar beschrieben wird. Im Herbst 2025 und Mitte März 2026 war ich in Rolandseck. Danke, für die vielen Fotos, da sie mir nun auch das "Innenleben" des Bauwerks vorgestellt haben. Leider kann ich aufgrund der Entfernung die weitere Entwicklung nicht fortlaufend verfolgen. Hoffe daher sehr auf weitere regelmäßige Berichterstattung in "Monumente".
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