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Denkmal Schule

Eine Reise durch die Pädagogik

Obwohl jeder viele Jahre seines Lebens in der Schule verbringt, wird ihrer Architektur doch nur wenig Beachtung geschenkt. Über Denkmale, die bilden: Ein Streifzug durch die Geschichte des Schulbaus.

Tausende Stunden verbringt jeder junge Mensch hierzulande in der Schule, lernt vor der Kreidetafel oder dem Smartboard, spielt auf dem Pausenhof, schließt Freundschaften – und wird erwachsen. Viele Momente behält man sein Leben lang in Erinnerung. Die Schulzeit prägt. Aber wie steht es um das Schulgebäude selbst? Die Architektur wird von den meisten Menschen lediglich am Rande wahrgenommen, und dies zumeist auf eine eher emotionale, intuitive Art und Weise. Wie das eigene Schulgebäude genau aussieht und weshalb – diese Frage stellen sich wenige, weder vor noch nach dem Schulabschluss.

Wahrlich keine Standardlösung, sondern ein kunstvoll gestalteter Raum: das Foyer des Ubbo-Emmius-Gymnasiums in Leer mit seiner reichen Gestaltung an Säulen, schmuckvollen Kapitellen, gusseisernen Treppengeländern und Deckengewölben.
© Daniel Elke
Wahrlich keine Standardlösung, sondern ein kunstvoll gestalteter Raum: das Foyer des Ubbo-Emmius-Gymnasiums in Leer mit seiner reichen Gestaltung an Säulen, schmuckvollen Kapitellen, gusseisernen Treppengeländern und Deckengewölben.


Dabei sind historische Schulbauten in Deutschland weitaus mehr als reine Zweckbauten: ländliche Schulhaus-Idyllen, kunstvolle Prachtbauten, durchgrünte Reformschulen, bunte Schulkomplexe. Ihre Geschichte spiegelt den Wandel gesellschaftlicher und architektonischer Konzepte wider, aber vor allem auch pädagogischer Leitlinien. Änderte sich der pädagogische Inhalt, so änderte sich auch die Lernumgebung mit ihren Räumen und ihrer Ausstattung. Dass Denkmale bilden, trifft sprichwörtlich auf keine andere Denkmalgattung so zu wie auf diese.


Die Geschichte der Schule in Deutschland ist älter als die eigenständige Bauaufgabe des Schulgebäudes. Diese kristallisierte sich erst im 19. Jahrhundert heraus, als die allgemeine Schulpflicht konsequent eingeführt und durchgesetzt wurde. Bis dahin war Bildung nur einer Auswahl von privilegierten Kindern vorbehalten, in der Regel Jungen. Ab dem Mittelalter war die Kirche über Jahrhunderte die prägende Bildungsinstanz und sorgte in Kloster- und Domschulen vor allem für den geistlichen Nachwuchs. Daneben engagierten sich ab dem Spätmittelalter auch Städte und die weltliche Obrigkeit für die Einrichtung von Schulen. Martin ­Luther forderte 1524 „die Radherrn aller stedte deutsches lands“ auf, „das sie Christliche schulen auffrichtenn und halten sollen“. In den katholischen Gebieten übernahm insbesondere der Jesuitenorden ab dem späten 16. Jahrhundert eine führende Rolle beim Errichten von Schulen: mehrstöckige, massiv gebaute Komplexe mit hellen Klassenräumen für verschiedene Jahrgangsstufen.

„Der Schulmeister von Esslingen“:  So lautet die Beischrift der Miniatur aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift, Anfang 14. Jahrhundert.
© Universitätsbibliothek Heidelberg
„Der Schulmeister von Esslingen“: So lautet die Beischrift der Miniatur aus der Großen Heidelberger Liederhandschrift, Anfang 14. Jahrhundert.
Bis heute hat sich die 1533 gebaute Elementarschule in Gernrode erhalten. Ihre Gründung geht auf die Initiative des nahe gelegenen Damenstifts zurück.
© Andrea Fleischmann
Bis heute hat sich die 1533 gebaute Elementarschule in Gernrode erhalten. Ihre Gründung geht auf die Initiative des nahe gelegenen Damenstifts zurück.
Einst Jesuitenkolleg, heute staatliches Gymnasium: das Leopoldinum in Passau. Anfang des 17. Jahrhunderts hatte Erzherzog Leopold von Österreich die Jesuiten nach Passau geholt und den 1617 fertiggestellten Kollegiumsbau finanziert.
© Gymnasium Leopoldinum Passau
Einst Jesuitenkolleg, heute staatliches Gymnasium: das Leopoldinum in Passau. Anfang des 17. Jahrhunderts hatte Erzherzog Leopold von Österreich die Jesuiten nach Passau geholt und den 1617 fertiggestellten Kollegiumsbau finanziert.
 
 
 

Nicht mehr viele Schulgebäude haben sich aus den Anfängen des Schulwesens erhalten. Eines, das seinen alten Zweck immer noch erfüllt, findet sich im nordöstlichen Zipfel Thüringens: die Klosterschule Roßleben, die zu den ältesten, noch existierenden Schulen Deutschlands zählt. 1554 gründete Ritter Heinrich von Witzleben in einem aufgegebenen Kloster eine Schule, unterstützt durch Georg Fabricius, einen Schüler Philipp Melanchthons und seinerzeit bereits Rektor einer anderen Schule in Meißen. Noch immer steht der gemeinnützigen Stiftung ein Mitglied der Familie von Witzleben vor. Vor besonders große Herausforderungen war sie gestellt, als ein Brand 1686 die Klosteranlage zerstörte. An ihrer Stelle ließ sie bis 1742 eine neue repräsentative Dreiflügelanlage erbauen, die nach damaligem Stand den spezifischen Bedürfnissen eines Schul- und Internatsbetriebs entsprach.

Der große Innenhof ist der Lieblingsort vieler Schülerinnen und Schüler in Roßleben. Gegründet wurde die Klosterschule im Jahr 1554.
© Roland Rossner / DSD
Der große Innenhof ist der Lieblingsort vieler Schülerinnen und Schüler in Roßleben. Gegründet wurde die Klosterschule im Jahr 1554.
 
 
Das barocke Haupttreppenhaus der Klosterschule Roßleben.
© Roland Rossner / DSD
Das barocke Haupttreppenhaus der Klosterschule Roßleben.

Schule in barocken Mauern


Wer Roßleben einen Besuch abstattet, erlebt, wie gut Pädagogik des 21. Jahrhunderts und meterdicke, barocke Mauern zusammenpassen können. Basketballplätze vor Schlosskulisse, Schulranzen im 450 Jahre alten Treppenhaus. Und vor allem sind da die über 300 Schüler des Internats und Gymnasiums, die durch helle Gänge wuseln, den idyllischen Innenhof durchqueren oder mal lautstark-fröhlich aus der Mensa tönen. Das Schuldenkmal gibt ihnen etwas. „Als ich die Klosterschule das erste Mal sah, war ich von der Erscheinung sehr beeindruckt, fühlte mich an Harry Potters Zauberschule Hogwarts erinnert“, sagt die 17-jährige Schülerin Ada. „Nun ist das Denkmal mein zweites Zuhause.“ Auch für sie gehört dazu das Knarzen der Dielenböden, das Treppensteigen über ausgetretene Stufen, die schon so viele Schüler vor ihr nutzten. Die Klassenzimmer sind nicht besonders groß, aber wegen der hohen Kreuzstockfenster hell, und sie besitzen immer noch Charme, trotz der umgesetzten Brandschutzauflagen. Und in allen Räumen gibt es W-Lan bis hoch unters Dach, wo die Internatsschüler wohnen.

 
 
 

Von Schulpalästen und Dorfschulen


Beste Bedingungen zum Lernen also. Auch schon Anfang des 19. Jahrhunderts fanden die jungen Männer, die hier mit Feder und Tinte Abitur machten, beste Voraussetzungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Schulen in damaliger Zeit. Falls die Kinder überhaupt am Unterricht teilnehmen konnten. Und falls überhaupt eine Schule im Ort vorhanden war. Sonst mussten Schüler und Lehrer mit einem verschmutzten, provisorischen Lernumfeld zurechtkommen. Dieser Zustand sollte sich mit dem Schulbauboom Ende des 19. Jahrhunderts für die wachsende Bevölkerung ändern. Anspruch war, einen geordneten Unterricht in hygienischem Umfeld zu ermöglichen. Die Prinzipien damaliger Erziehung – Gehorsam und Respekt, Fleiß und Drill – wurden in ein räumliches Äquivalent übersetzt. Bis heute lässt sich dieser Geist in erhaltenen Schulbauten ablesen: an repräsentativen Fassaden und Treppenhäusern, symmetrischen Grundrissen, langen schmalen Fluren. Für den Frontalunterricht waren fest montierte Schulbänke auf das erhöhte Lehrerpult ausgerichtet. Die kleinen Landschulen aus dieser Zeit haben mittlerweile oft eine andere Nutzung, weil ihre Größe nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht. Aus den einstigen Schulhäusern sind Wohnbauten, Bürgerzentren und Museen geworden. Städtische Bildungsbauten aus dieser Zeit erfüllen dagegen noch fast immer ihren alten Zweck, wurden und werden häufig um Neubauten ergänzt, auch um Aufenthalts- und Spielbereiche. Wie das im Ubbo-Emmius-Gymnasium im ostfriesischen Leer der Fall war. Das 1909 eingeweihte Schulgebäude, ein prächtiger Neorenaissance-Bau, musste in den 1970er Jahren erweitert werden – seit 1972 gehen dort auch Mädchen zur Schule.

Die Paul-Gerhardt-Schule in Euskirchen (NRW), errichtet im Stil der Neorenaissance im Jahr 1906. Besonders eindrucksvoll an der symmetrischen Schaufassade: der Mittelbau mit großem Stufengiebel und Walmdach.
© J. Gregori
Die Paul-Gerhardt-Schule in Euskirchen (NRW), errichtet im Stil der Neorenaissance im Jahr 1906. Besonders eindrucksvoll an der symmetrischen Schaufassade: der Mittelbau mit großem Stufengiebel und Walmdach.

Der stattliche Altbau mit hohen Decken, Terrazzoböden und detailreicher Ausstattung aber bildet nach wie vor den Nukleus der Anlage, zu dem die Schüler eine besondere emotionale Bindung haben. Derzeit wird das Gebäudeäußere instand gesetzt. Auch hier sind vielfältige Belange auszutarieren, die sich auf die Sanierung von Schuldenkmalen auswirken, vom Brandschutz über Barrierefreiheit bis hin zum denkmalgerechten Umgang mit der historischen Bausubstanz. „Während der zweijährigen Baustelle haben wir sicherlich zahlreiche Einschränkungen erlebt“, sagt Ute Wieligmann, Schulleiterin des Ubbo-Emmius-Gymnasiums (siehe Seite 8/9). „Mit der Beendigung der Baustelle – ohne Gerüst, Baustaub, Baulärm – werden wir an unserem historischen Schulbau noch mehr Freude haben.“

 
Lange, einseitig belichtete Flure, an denen entlang sich die Klassenzimmer aufreihen: Diese Raumdisposition war typisch für Schulbauten um die Jahrhundertwende, so wie in dem1906 bis 1909 errichteten Ubbo-Emmius-Gymnasium in Leer.
© Daniel Elke
Lange, einseitig belichtete Flure, an denen entlang sich die Klassenzimmer aufreihen: Diese Raumdisposition war typisch für Schulbauten um die Jahrhundertwende, so wie in dem1906 bis 1909 errichteten Ubbo-Emmius-Gymnasium in Leer.
 
 

Mit Zeichenblock zur Turnhalle

denkmal aktiv an der Grundschule Otto Lilienthal
in Wustermark

Öfter als sonst gingen die Fünftklässler der Grundschule in Wustermark im vergangenen Schuljahr zur Turnhalle. Aber nicht nur in sie hinein, sondern auch häufig vor ihre Fassade zu dem großformatigen, 1959 ausgeführten Sgraffito des Künstlers Roland Paris. Diese in den Putz gekratzten Wandbilder waren in den Nachkriegsjahren beliebt – in Ost wie West – auch zur Dekoration öffentlicher Bauten, so wie der brandenburgischen Grundschule Otto Lilienthal in Wustermark.

„Den Schulbau und seine Bedeutung den Kindern mehr vor Augen zu führen und sich spielerisch mit dem Denkmal auseinanderzusetzen“ – das bezweckte die Kunstlehrerin Katrin Seegatz mit ihrem fächerübergreifenden Projekt „Auf Spurensuche ins und ums eigene Schulgebäude“. Ein Schulhalbjahr lang recherchierten die Kinder die Historie des 1960 fertig­gestellten Baukomplexes. Dazu luden sie für eine Fragestunde auch Fachleute in ihre Aula ein, etwa von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Mit neuem Blick auf das Denkmal präsentierten sie zur jährlichen Kunstausstellung mit Freude ihre Ergebnisse: eigene Reliefs in Anlehnung an die Sgraffito-Technik, eine Umwandlung des Wandbildes in die heutige Zeit als Graffiti, ein Schulhaus-Memory und einen Zeitstrahl über die bauliche Entwicklung der eigenen Schule.

Projekttage zum Wandbild als Teil der denkmalgeschützten Schule – Schülerin und Schüler der Klasse 5c bei der Bildbetrachtung.
© Katrin Seegatz
Projekttage zum Wandbild als Teil der denkmalgeschützten Schule – Schülerin und Schüler der Klasse 5c bei der Bildbetrachtung.
 

Fachlich begleitet und finanziell gefördert wurde das denkmalpädagogische Projekt von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ihrem Schulprogramm denkmal aktiv. Mehr als 30.000 Schülerinnen und Schüler haben bisher bundesweit daran teilgenommen. Im Kern geht es bei denkmal aktiv immer um die intensive Beschäftigung mit lokalen Denkmalen. Viele denkmal aktiv-Gruppen nutzen die Gelegenheit, sich auch einmal mit ihrem eigenen unter Schutz gestellten Schulgebäude zu beschäftigen.


Vom 3. März bis 8. Mai 2026 läuft die Bewerbungsphase für das kommende Schuljahr für die Förderung von Schuljahresprojekten. Eine Förderung von Projektwochen oder Projektphasen ist unabhängig davon jederzeit möglich.


Für Informationen wenden Sie sich gerne an:
denkmal-aktiv@denkmalschutz.de, Tel. 0228 9091-450

www.denkmal-aktiv.de

 
 


Demokratie lernen


Weniger Angst vor, sondern mehr Freude an der Schule zu haben, darum ging es auch in der Bewegung der Reformpädagogik, für die sich ab der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert Lehrer und Architekten einsetzten: Sie wollten eine Schule schaffen, die das Kind mit seinen Bedürfnissen mehr in den Mittelpunkt stellt, seine Selbstständigkeit und das soziale Miteinander fördert. Wohnlich sollten die Schulgebäude sein, mehr Freiräume bieten, in denen die Kinder selbsttätig agieren konnten. Dazu plante man Gemeinschaftsräume, Rückzugsbereiche und Schulgärten genauso wie leichte Kindermöbel und einen Unterricht, der alle Sinne anspricht. Vermehrt umgesetzt wurden diese reformpädagogischen Konzepte aber erst in der Nachkriegszeit. 


Nach Jahren einer autoritären, von der NS-Politik missbrauchten Erziehung sollte in der Bundesrepublik die Schularchitektur beim demokratischen Neuanfang helfen: schützend und stärkend statt Ehrfurcht gebietend, transparent statt abgeriegelt, aufgelockerte Bauweise statt massiver Baublöcke, Grünanlagen statt Appellplatz. Klassenzimmer, die weniger länglich sind, um die Lernenden und die Lehrenden weniger gegenüberzustellen, sondern ihre Gemeinschaft zu betonen. Nach diesen Prinzipien ließ in Kiel der Stadtbaurat Rudolf Schroeder in der Zeit des Wiederaufbaus über 20 Schulen errichten; mehr als ein Dutzend stehen inzwischen unter Denkmalschutz.

Pavillonbauten, offene Gänge und großzügige Durchfensterung waren in den 1950er Jahren im Schulbau häufig verwendete architektonische Mittel, so wie bei der Kieler Andreas-Gayk-Schule.
© Cornelia Fehre / LDSH
Pavillonbauten, offene Gänge und großzügige Durchfensterung waren in den 1950er Jahren im Schulbau häufig verwendete architektonische Mittel, so wie bei der Kieler Andreas-Gayk-Schule.
Ein Kind der Bildungsreform in den 1970er Jahren: die Integrierte Gesamtschule Hannover-Roderbruch, errichtet als Stahlskelettbau mit vorgehängten, gelb lackierten Metallwänden.
© Sabine Warnecke
Ein Kind der Bildungsreform in den 1970er Jahren: die Integrierte Gesamtschule Hannover-Roderbruch, errichtet als Stahlskelettbau mit vorgehängten, gelb lackierten Metallwänden.
 
 
 

Bildungsräume – Bildungsträume


Wie in Kiel war auch in anderen Städten Deutschlands der Bedarf an Schulbauten nach den Kriegszerstörungen enorm und blieb es über Jahrzehnte hinweg. In der Bundesrepublik und der DDR setzte sich zunehmend die Idee durch, mittels Standardisierung kostengünstiger und schneller zu bauen. Im Osten überwog mehr und mehr der typisierte Plattenbau in industralisierter Bauweise, nachdem in den 1950er Jahren noch vom Heimatstil beeinflusste und historisierend repräsentative Schulen gebaut worden waren.


Im Westen ging die Tendenz hin zu kompakten Großbauten und Schulzentren, unter deren Dachlandschaften sich verschiedene Schulformen und die Gesamtschule ausbreiteten. Für die sich entwickelnde Dienstleistungsgesellschaft versuchte man, dem Fachkräftemangel mit mehr und höheren Schulabschlüssen entgegenzuwirken. Dafür entstanden Bauten mit unterschiedlichen Funktionsräumen und hoher Anpassungsfähigkeit durch industrielle Vorfertigung und Austauschbarkeit der Bauteile.

 
 
Macht Begegnungen möglich: das offene Haupttreppenhaus im Ingolstädter Katharinen-Gymnasium mit seinen gegeneinander versetzten Treppenläufen.
© Stefan Hahnemann
Macht Begegnungen möglich: das offene Haupttreppenhaus im Ingolstädter Katharinen-Gymnasium mit seinen gegeneinander versetzten Treppenläufen.

Als zeittypisch galten etwa ausziehbare Trennwände und Sprachlabore. Skelettbauweise war die dominierende Konstruktion, Beton das dominierende Baumaterial. Ein typischer Bau dieser Zeit ist das Katharinen-Gymnasium in Ingolstadt. 1968 bis 1970 entstand das polygonale Schulgebäude nach Plänen des Architektenehepaars Hardt-Waltherr Hämer und Marie-Brigitte Hämer-Buro. Außen bieten sich Terrassen für Pausen und selbstbestimmtes Lernen an, im Inneren dienen dafür große Flure und Sitznischen. Durch nichttragende Zwischenwände ist die Wandelbarkeit der Räume für wechselnden pädagogischen Bedarf einkalkuliert. Die Flexibilität schätzt man bis heute.

„Wir sind sehr stolz auf unser Schulgebäude.
In dem Denkmal können wir unser Schulmotto ‚
Leben, lernen, Leben lernen‘ tatsächlich umsetzen.“


Dr. Matthias Schickel, Schulleiter Katharinen-Gymnasium Ingolstadt


„Was hier vor fast 60 Jahren geplant wurde, war wegweisend und spiegelt das Schulkonzept des 21. Jahrhunderts wider“, sagt Dr. Matthias Schickel, Schulleiter des Katharinen-Gymnasiums. „Das Katherl, wie wir unsere Schule liebevoll nennen, ist ein charaktervoller Bau, dessen Charme sich vielleicht manchen Leuten erst auf den zweiten oder gar dritten Blick erschließt. Uns gefällt die Atmosphäre und die Kombination aus Sichtbeton, den Holzeinbauten und Wänden, die wir frei gestalten können.“ Umso mehr bedauert er, wie schlecht es um das Gebäude steht. Nach Jahren der Intensivnutzung bei gleichzeitig vernachlässigter Instandhaltung ist eine Generalsanierung dringend notwendig. Hier wie vielerorts in Deutschland. Aber die Lage der Kommunen ist angespannt. In Ingolstadt wissen die Verantwortlichen seit Jahren vom Sanierungsbedarf des Katharinen-Gymnasiums.

Deutschunterricht hinter 300 Jahre alten Mauern:  Für die Fünftklässler in Roßleben ist das gelebter Alltag.
© Roland Rossner / DSD
Deutschunterricht hinter 300 Jahre alten Mauern: Für die Fünftklässler in Roßleben ist das gelebter Alltag.
Im Zentrum der weitläufigen Schulanlage mit Park und Sportanlagen steht das vierflügelige, repräsentative Hauptgebäude, in dem gelernt und gewohnt wird.
© Roland Rossner / DSD
Im Zentrum der weitläufigen Schulanlage mit Park und Sportanlagen steht das vierflügelige, repräsentative Hauptgebäude, in dem gelernt und gewohnt wird.
 


Der Bildung eine Zukunft geben


Noch einmal zurück von dem jungen Schuldenkmal in Ingolstadt nach Thüringen, zur alten Klosterschule Roßleben. Hier gehört Denkmalpflege zum Selbstverständnis. Ihr jahrhundertelanger Bestand zeigt mustergültig, wie durch konstante Pflege die Bauaufgabe ‚Schule‘ bewältigt werden kann. Die 15 Hektar große Anlage umfasst gut ein Dutzend Gebäude, darunter historische Scheunen, die Turnhalle von 1884 und das schlossartige Hauptgebäude mit seinen rund 400 Kreuzstockfenstern. Aktuell richtet die Stiftung Klosterschule Roßleben in einer der alten Scheunen für die zwei jüngsten Jahrgänge ein neues Lernhaus mit flexiblem Raumkonzept ein. Vor Kurzem abgeschlossen wurde eine andere große Baustelle: die imposante Ost- und Westfassade des Hauptgebäudes. Bei der Restaurierung ihrer Eingangsportale half die Deutsche Stiftung Denkmalschutz. Sie möchte der traditionsreichen Schule weiter dabei zur Seite stehen, ihr schützendes Gehäuse zu bewahren. Das letzte ausstehende barocke Portal und das Dach der Klosterkirche müssen noch restauriert werden.


Wie Schule in Zukunft aussehen wird, wissen wir nicht genau. Wir wissen aber, dass junge Menschen besser in Gebäuden lernen, in denen sie sich wohl fühlen. Wie gut das in historischen Schulbauten möglich ist, zeigen die Beispiele aus Roßleben, Leer und Ingolstadt. Schuldenkmale sind Orte, die von jungen Menschen intensiv erlebt werden und die die Chance bieten, Schülern Geschichte, Baukultur und Werteerhalt unmittelbar zu vermitteln. Dafür engagiert sich die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit ihrer Arbeit. 


Amelie Seck


www.denkmalschutz.de/klosterschule-rossleben

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Von den Schülern stark frequentiert und restaurierungsbedürftig: das barocke Sandsteinportal des Haupttreppenhauses, geschaffen um 1740.
© Roland Rossner / DSD
Von den Schülern stark frequentiert und restaurierungsbedürftig: das barocke Sandsteinportal des Haupttreppenhauses, geschaffen um 1740.
 

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