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Das Jahresmotto 2026 der Deutschen Stiftung Denkmalschutz rückt Denkmale der Infrastruktur und Daseinsfürsorge in den Mittelpunkt.
Als der Engländer John Donne im 17. Jahrhundert die prägenden Worte „Niemand ist eine Insel, in sich selbst vollständig“ dichtete, ging es ihm nicht um Denkmale. Wohl aber um eine einfache, gleichwohl wirkmächtige Wahrheit: Niemand kann allein für sich existieren. Der Mensch ist immer angewiesen auf den Austausch mit anderen. Ob er will oder nicht. Wir sind soziale Wesen, auch wenn wir am liebsten einfach nur unsere Ruhe hätten. Unser Leben findet in Netzwerken statt. Wir wachsen in einem Netzwerk aus Familie, Freunden und Bekannten auf. Beruflich arbeiten wir selten allein, sondern fast immer in Netzwerken aus Kollegen, Partnern – und Konkurrenten. Diese Netzwerke funktionieren arbeitsteilig: Einer schreibt die MONUMENTE, der nächste druckt, der dritte wirft sie pünktlich in den Briefkasten. Und wenn die Arbeit getan ist, helfen uns weitere Netzwerke, unser Dasein mit Sinn und Bedeutung zu füllen: Wir sind in Kirchen und Vereinen aktiv, engagieren uns in Parteien oder im Ehrenamt und posten Erfahrungen und Bilder auf Facebook und Instagram – den virtuellen „sozialen Netzwerken“.

Damit das funktioniert, brauchen wir Infrastruktur. Papierfabriken produzieren Papier für die MONUMENTE. Die Eisenbahn liefert es der Druckerei – solange die Bahnstrecke intakt und die Brücke befahrbar ist. Die Post liefert die fertige MONUMENTE – solange die Straße instand gehalten und der Autobahntunnel sicher ist. Doch damit nicht genug. Damit wir dieses arbeitsteilige Netzwerk aus Infrastruktur – Fabriken, Verkehrswege, Brücken, Tunnel und Fahrzeuge – nutzen können, benötigen wir weitere Grundlagen: Ein Energienetzwerk, Strom und Datenleitungen, und ein Regelwerk, das diese ganzen Netzwerke steuert: Gesetze, Gerichte, Politik – eine Infrastruktur, die Organisation und Entscheidungen ermöglicht und vor Chaos schützt. Und schließlich: Niemand ist zur Teilhabe an diesen Netzwerken, zur Nutzung dieser Infrastruktur fähig, ohne dies alles bis zu einem gewissen Grad zu verstehen. Bildung – Kindergärten, Schulen, Universitäten – befähigt uns, uns erfolgreich in diesen Netzwerken zu bewegen – und sie zu erhalten.
Denn ohne regelmäßige Pflege verfällt Infrastruktur zwangsläufig. Nicht sofort. Ein weiteres Jahr ohne Überholung und Reparatur geht doch immer. Es steht und fährt doch alles. Der Verfall geschieht schleichend – bis er sich mit Wucht bemerkbar macht. „Die Haltung, die wir als Denkmalpfleger vertreten, stünde auch der öffentlichen Hand gut zu Gesicht“, erklärt Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. „Denn unabhängig davon, ob es um Denkmale oder gewöhnliche Infrastrukturbauen geht, gilt: Beständiger Erhalt und regelmäßige Pflege sind auf lange Sicht fast immer billiger als durch Vernachlässigung erzwungene große Reparaturmaßnahmen, die dann auch den Alltag der Nutzer massiv stören.“ Hier verhalten sich Denkmale und Infrastrukturbauten nicht nur ähnlich. Viele Denkmale sind Infrastruktur – in täglicher Nutzung, Teile wichtiger Netzwerke, ohne die unser hochentwickeltes Dasein nicht möglich wäre. Denkmalgeschützte Brücken tun seit Jahrzehnten, manche seit Jahrhunderten, ihren Dienst und verbinden Menschen und Städte.
Seit Generationen erwerben Schüler in denkmalgeschützten Schulgebäuden das geistige Rüstzeug zur Nutzung ihrer Netzwerke. Solche Denkmale sind nicht nur identitätsstiftende Landmarken, Zeugen früherer Generationen und Beweise historischer Wahrheit – sondern Grundlagen unseres täglichen Lebens. Oftmals produziert der durch Vernachlässigung verursachte Verfall der Infrastruktur seine eigenen, typischen Fehlschlüsse. „Bei denkmalgeschützten, aber auch normalen Infrastrukturbauten neigen die politisch Verantwortlichen leider dazu, langjährige Versäumnisse in der Erhaltung durch umso aufwendigere Neubauten zu kompensieren“, analysiert Skudelny. „Die Ergebnisse von jahrelanger Nachlässigkeit versucht man dann, durch sehr teure, leistungsstärkere Ersatzlösungen in vermeintlich zukunftsorientierte Baupolitik umzudeuten.“
Dabei sei oftmals völlig unklar, ob die so entstehenden infrastrukturellen Kapazitäten in Zukunft überhaupt benötigt würden. Klüger und weitsichtiger, so Skudelny, sei es daher in den meisten Fällen, vorhandene, auch denkmalgeschützte Infrastruktur langfristig zu erhalten und regelmäßig zu ertüchtigen.
Dr. Steffen Skudelny, Vorstand der Deutschen Stiftung Denkmalschutz
Das nun kurzfristig von der Politik für die Ertüchtigung der Infrastruktur zur Verfügung gestellte Sondervermögen darf daher nicht den Blick darauf verstellen, dass Neubaueuphorie keine langfristige und strategische Planung von Infrastruktur ersetzt. Aktionismus liegt in der Luft, ist aber kein guter Ratgeber, wenn wesentliche Fragen gar nicht gestellt werden. Wie kann, soll und wird etwa die Mobilität der Zukunft aussehen? Welche Infrastruktur wird dafür benötigt? Und welche Rolle können Denkmale dabei spielen? Über Jahre Versäumtes soll jetzt nachgeholt werden – das ist zweifellos richtig. Den selbstverschuldeten Handlungsdruck aber als Begründung dafür zu nutzen, den dabei vermeintlich hinderlichen Denkmalschutz zu ignorieren, heißt, das Kind mit dem Bade auszuschütten.
Simon Geisler
Hoch über dem hell erleuchteten "U" schwebt ein geschmückter Kranz, und trotz der eisigen Temperaturen ist viel Prominenz nach Dortmund gekommen: Im Januar 2010 feiert man Richtfest am einstigen Kellereihochhaus der Union-Brauerei. Im folgenden Herbst ist aus dem Industriedenkmal ein Zentrum für Kunst und Kreativität geworden - das Leuchtturmprojekt Dortmunds im Rahmen der Kulturhauptstadt RUHR.2010.
Sie prägen Orte und Landschaften, überwinden Grenzen, sind eindrucksvolle Ingenieurleistungen und wichtige Verkehrsbauten – und das schon seit Jahrhunderten: Brücken in Deutschland. Viele von ihnen werden derzeit saniert, auch denkmalgeschützte.
Er war auf dem besten Weg, einen unerschütterlichen Platz in der Hautevolee Berlins einzunehmen. Als Henry van de Velde 1901 für den Hof- und - man kann es wohl nicht anders nennen - Promifriseur Felix Haby die Ausstattung seines Salons entworfen hatte, stand er im Mittelpunkt der gehobenen Gesellschaft.
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