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Das Sorgenkind der Halloren

Die Moritzkirche in Halle (Saale) ist ein Schlüsselwerk der mitteldeutschen Spätgotik, aber bedroht. Die Strebepfeiler sind brüchig.

Seit April 2025 ist die Moritzkirche wieder eingerüstet, endlich wieder, möchte man sagen, denn die berühmte spätgotische Hallenkirche von 1388 wartet seit Jahren auf den rettenden Eingriff der Bauhandwerker. Immer wieder mussten dringende Maßnahmen an einem der ältesten und schönsten Gotteshäuser in Halle verschoben werden. Bis Ende des Jahres soll nun die Fassade der Südseite restauriert und das süd­liche Dach neu eingedeckt sein.

Moritz ohne Gerüste. Ein eindrucksvolles Bauwerk, aber mit einem Dach, das erneuert werden muss, und erheblichem Materialverlust an den Strebepfeilern.
© IMAGO / Steffen Schellhorn
Moritz ohne Gerüste. Ein eindrucksvolles Bauwerk, aber mit einem Dach, das erneuert werden muss, und erheblichem Materialverlust an den Strebepfeilern.

Ein Sorgenkind war die Moritzkirche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Das ist sicher nicht Baumeister Conrad von Einbeck anzulasten, der seine Kunst am Prager Veitsdom bei Peter Parler lernte. Und doch mussten komplette Pfeiler ersetzt werden. Wegen des schlechten baulichen Zustands der Kirche sollte sie um 1833 sogar abgerissen werden. Doch auf Fürsprache von Karl Friedrich Schinkel hin entschied man sich, die Pfarrkirche der Halloren, der Salinenarbeiter, als eines der identitätsstiftenden Bauwerke der Stadt zu erhalten und damit blieb die dreischiffige Hallenkirche bis heute eine beständige Aufgabe. Seit 2012 gehört die Deutsche Stiftung Denkmalschutz zu den Unterstützern.

Spätgotik mit viel Dach und zahlreichen Strebepfeilern, hier vor Beginn der Restaurierung
© IMAGO / Steffen Schellhorn
Spätgotik mit viel Dach und zahlreichen Strebepfeilern, hier vor Beginn der Restaurierung

Als kostentreibend erweisen sich nun gerade die mangelhaften Vorgängersanierungen. „Dramatisch ist, dass wir jetzt das Dach neu eindecken müssen, obwohl es erst 1995 neu gemacht wurde“, so Antje Löhr-Dittrich, Vorsitzende der Bürgergesellschaft St. Mauritius, dem Förderverein zur Unterstützung der Sanierung der Moritzkirche. „Es wurde schlecht gearbeitet. Der damals verlegte Schiefer war viel zu dünn geschlagen und platzsparend verarbeitet. Dadurch kam es zu Wassereinbruch und einer erheb­lichen Rückwitterung der Holzschalung.“


Die Folge: Die dafür benötigten Mittel fehlen jetzt an anderer Stelle. Statt die gesamte Fassade in einem Zug zu restaurieren, reicht das Geld vorerst nur für die Südfassade. Das Quadermauerwerk der Strebepfeiler weist durch Auswaschungen starken Materialverlust auf. Ein Großteil der ursprünglichen Werksteinkanten ist verloren gegangen. Der Wörmlitzer Sandstein muss also an vielen Stellen mit Steinergänzungsmörtel und neuem Fugenschnitt versehen werden.

 

Die größten Schadensbilder aber befinden sich am schmuckreichen Ostchor, der die kunsthistorische Bedeutung der Moritzkirche ausmacht. Dessen feingliedrige Fassadenteile sind mit Netzen gesichert. „Der Ostchor ist die nächste Priorität“, erklärt Projektsteuerin Heike Molch-Dellori. „Wir arbeiten uns da jetzt entlang. Die Restaurierung eines Chorpfeilers kostet rund 120.000 Euro.“ Eine Zahl, die deutlich macht: Die Moritzkirche braucht dringend weiteres Geld.


Rüdiger Heimlich


www.denkmalschutz.de/moritzkirche


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St. Moritz

An der Moritzkirche 8, 06108 Halle (Saale)


Förderjahre: 2015 bis 2021 und 2024


Aktuelle Maßnahme: Neueindeckung und Fassadensanierung

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Was ihre Spende bewirken kann


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(beispielhafte Bruttokosten)

 
 
© Antje Löhr-Dittrich
 

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