Wohnhäuser und Siedlungen Öffentliche Bauten Städte und Ensembles Nach 1945 Design Material Menschen für Denkmale Restaurierungstechniken Dezember 2025 S

Retten

Das fünfte Geschenk

Dank einer Spende der US-amerikanischen Regierung wurde ab 1957 im Südwesten Berlins das Studentendorf Schlachtensee errichtet. Heute gilt es als Paradebeispiel für demokratisches Bauen.

Die USA beteiligten sich nach dem Zweiten Weltkrieg aktiv am Wiederaufbau Westberlins, indem sie der Stadt fünf repräsentative Bauwerke schenkten. Eines davon war das Studentendorf Schlachtensee. Die damalige Berlin-Verantwortliche des US-Außenministeriums Eleanor Dulles legte 1957 gemeinsam mit Willy Brandt den Grundstein.


Nach einem Entwurf der Architekten Daniel Gogel, Hermann Fehling und Peter Pfankuch entstanden 28 Flachdachhäuser. „Charakteristisch ist das Spiel von Drehen und Spiegeln, um die Architektur belebter zu machen“, sagt Architekt Fabian Brenne, dessen Büro die aktuelle Sanierung betreut. Das Dorf ist wie eine kleine Stadt. Um einen Platz gruppieren sich das Gemeinschaftshaus und die Bürgermeisterei. Denn: „Im Studentendorf sollten junge Menschen für die neu eingeführte Demokratie in der Bundesrepublik herangezogen werden“, sagt Andreas Barz, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, die das Studentendorf betreibt. Die Bewohner wählten einen Dorfrat und einen Bürgermeister. Die Architektur spiegelt den demokratischen Gedanken wider: Die Gemeinschaftsräume und Küchen nehmen im Vergleich zu den sogenannten Buden viel Raum in den Häusern ein. Das Studentendorf sei so ein Beispiel für demokratisches Bauen par excellence, so Stadtplaner Barz.

 
Die hier bereits abgeschlossene Sanierung enthüllt wieder die Qualität der Architektur. Insgesamt leben im Studentendorf 960 Studierende aus etwa 100 Nationen.
© Brenne Architekten, 2014
Die hier bereits abgeschlossene Sanierung enthüllt wieder die Qualität der Architektur. Insgesamt leben im Studentendorf 960 Studierende aus etwa 100 Nationen.

Die Bausubstanz ist weitgehend original. Denn über Jahrzehnte wurde die Wohnstätte der Freien Universität Berlin zwar genutzt, aber kaum instand gehalten. Trotz Denkmalschutzes seit 1991 drohte immer wieder der Abriss, dem sich die Studenten vehement widersetzten. 2002 gründete sich eine Genossenschaft, die seitdem ein Gebäude nach dem anderen saniert. „Wir holen nach, was lange versäumt wurde. Die Häuser waren entmietet und heruntergewirtschaftet“, erklärt Barz.


Nun haben noch vier der 28 Häuser graue Fassaden. Demnächst beginnen die Bauarbeiten in Haus 16, einem kubischen Wohnhaus mit 34 Studentenbuden. Während die Fassade eine Dämmung erhält und nach historischem Vorbild neu aufgebaut wird, ist im Inneren eine Restaurierung der vorhandenen Substanz vorgesehen. Beton wird von jüngeren Farbschichten befreit, Linoleum ergänzt und das ursprüngliche Farbkonzept wiederhergestellt. Auch das Haus 11, die frühere Bürgermeisterei mit seinen Büroräumen, die von einem zentralen Innenhof abgehen, soll restauriert werden. „Wir wollen alles aufarbeiten, was noch da ist“, sagt Architekt Brenne. „Dafür haben wir die Deutsche Stiftung Denkmalschutz um Hilfe gebeten.“ Die DSD hat sich seit Beginn der Restaurierung mit fast 800.000 Euro eingebracht. Ein beträchtlicher Teil davon stammt aus Mitteln der Beck’schen Stiftung. Gemeinsam mit ihr und mit Ihnen möchte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auch die Restaurierung der Häuser 11 und 16 unterstützen. Bitte helfen Sie mit, diese Zeugen des demokratischen Bauens zu retten.


Iris Milde

Alles andere als banal: Die original erhaltenen Kücheneinrichtungen aus den 1960er Jahren. Sie fördert die DSD ebenfalls – vor ...
© Brenne Architekten, 2014
Alles andere als banal: Die original erhaltenen Kücheneinrichtungen aus den 1960er Jahren. Sie fördert die DSD ebenfalls – vor ...
... und nach der Restaurierung in einem bereits sanierten Gebäude.
© Mila Hacke
... und nach der Restaurierung in einem bereits sanierten Gebäude.
 

Bitte spenden Sie für weitere Arbeiten

im Studentendorf in Berlin

Bitte helfen Sie mit!


Studentendorf Schlachtensee


Adresse: 

Wasgenstr. 75, 14129 Berlin


Förderjahre: 

2007/08, 2011–14, 2016/17, 2019, 2022/23, 2025


Aktuelle Maßnahme: 

Instandsetzung der Häuser 11 und 16

 

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

  • Ein Arzt hilft Menschen und Denkmalen 08.11.2012 IDEA - Eine wirklich gute Idee IDEA - Eine wirklich gute Idee

    IDEA - Eine wirklich gute Idee

    Das Engagement jedes Einzelnen zählt: Der Mediziner Dr. Focko Weberling sammelt für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und macht sie in seinem Freundeskreis bekannt.

  • Kulturgeschichte der Kupferhäuser 24.07.2025 Eine Heimat aus Kupfer Eine Heimat aus Kupfer

    Eine Heimat aus Kupfer

    Die Kulturgeschichte der Kupferhäuser erzählt von Krieg und Frieden – und von Heimat. Es war das erste private Fertighaus: schnell errichtet, kostengünstig, modern, hygienisch. Ein trautes Heim in einer Welt voll Krisen.

  • Spenden für die Fassade 31.05.2024 Der Berliner Dom ist bedroht Der Berliner Dom ist bedroht

    Der Berliner Dom ist bedroht

    Der Berliner Dom und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bitten gemeinsam um Spenden für die Fassadenrestaurierung: Der Sandstein am Tambour weist massive Schäden auf.

Service

Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


 
 
Monumente Probeheft

Probeheft jetzt anfordern!


1
Zeitschrift abonnieren
Magazin für Denkmalkultur in Deutschland
2
Monumente Abo



Möchten Sie ausführlicher über aktuelle Themen aus der deutschen Denkmallandschaft lesen? 


Dann abonnieren Sie Monumente!  


3

Newsletter

Lassen Sie sich per E-Mail informieren,

wenn eine neue Ausgabe von Monumente

Online erscheint.

Spenden für Denkmale

Auch kleinste Beträge zählen!

 
 
 
 
0 Kommentare

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar!

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten

 
 

© 2023 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn