Kleine und große Kirchen Barock 1600 Gotik Denkmale in Gefahr Dezember 2025 D K
Es war die Hand eines Engels, die im Advent vor zwei Jahren die dramatische Lage anzeigte. Denn Feuchtigkeit und Holzwurmbefall bedrohen seit Langem den Dachstuhl der Dorfkirche von Lübbenow. Helfen Sie der Gemeinde, die farbenprächtigste Kirche der Uckermark zu erhalten.
Der Engel, der eigentlich zu Weihnachten die Frohe Botschaft überbringen sollte, brach sich den Arm. Es war das Alarmzeichen im Advent vor zwei Jahren. „Mir ist fast das Herz stehen geblieben“, sagt Marcel Stamm mit bebender, betroffener Stimme. Der 48-jährige Familienvater ist Vorsitzender des Kirchengemeinderats von Hetzdorf in der Uckermark. Zu der Gemeinde gehört auch der Unfallort in der kleinen Dorfkirche Lübbenow. Hier hing 300 Jahre lang der knapp anderthalb Meter große Taufengel aus Lindenholz. In seiner rechten Hand trug er eine grüne Muschelschale. An diese stieß ein Ast des Weihnachtsbaums, als Marcel Stamm ihn wie jedes Jahr mit seinen drei Kindern aufstellen wollte. „Das war schlimm, im ersten Moment wussten wir nicht, was wir tun sollten, denn es war uns klar, wie wertvoll der Engel war.“
Die Kirche, in der der verunglückte Engel hing, wurde aus Backsteinen und zugearbeiteten Feldsteinen eines Vorgängerbaus aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Ein kleiner, verschieferter Dachreiter ziert den Westgiebel. Dendrochronologische Untersuchungen an den Hölzern im Dachstuhl deuten auf eine Fertigstellung um 1515 hin. Der Engel kam erst bei einem barocken Umbau 1727 in die spätgotische Saalkirche. Er schwebte seitdem aus einem Strahlenkranz von der als Wolkenlandschaft bemalten Holzdecke hinab. Neben ihm schauen puttenartige Engelsköpfe neckisch zwischen den Schäfchenwolken hervor. Diese barocke Himmelspracht verbindet sich fließend mit den Seccomalereien, die ein unbekannter Künstler schon Anfang des 16. Jahrhunderts ringsum auf die Wände brachte. Erst 1979 wurden sie unter späteren Putzschichten wiederentdeckt und freigelegt. Sie zeigen volkstümliche Heilige und allgemein beliebte Apostel, umzogen von rotem Rankenwerk mit Granatäpfeln.
Ein bedrohtes Schatzkästchen
„Dieses Zusammenspiel von heutiger Gemeinde, alter Wandmalerei und barocken Elementen macht die Kirche so besonders“, sagt Pastorin Dorothea Büscheck. Ihr Lieblingsmotiv in der Kirche ist das des Christopherus als Christusträger. Es ist dieses tröstliche Bild, das die Besucher als Erstes erblicken, wenn sie durch die seitliche Eingangstür treten. „Ich nehme bei meinen Predigten immer wieder Bezug auf die Engel oder die Heiligen.“ Die Kirche mit ihrer malerisch geschlossenen Gesamtwirkung sei ein Schatzkästchen, sagt sie, und in der gesamten Uckermark, so heißt es, habe Lübbenow die farbenprächtigste Dorfkirche. Weswegen sie auch zu Weihnachten kaum geschmückt werden muss, sie strahlt aus sich selbst heraus. Nur ein schlichter Baum und Kerzen müssen sein.

„Das ist die Bruchstelle, so sah es innen aus“, erklärt Büscheck und zeigt auf ein Foto des abgetrennten Engelsarms. „Das ist Holzmehl, die Reste von dem, was die Holzwürmer übrig lassen.“ Seit vielen Jahren ist die Pastorin eine erfahrene Notfallseelsorgerin. Heute muss sie sich um ihre Kirche in Not kümmern. „Bei allem Unglück mit unserem Engel war das noch mal der Anstoß.“ Schon im Vorfeld wusste man, dass ihre Kirche bald Hilfe benötigen würde, doch erst, als man im Dachstuhl die Kette herunterließ, an der der Engel schwebte, wurde klar, wie dringlich es ist.
Feuchtes Gebälk trieb den Engel ins Exil
„Das Problem waren die Witterungseinflüsse und das undichte Dach“, erklärt Anett Burckhardt, Baubeauftragte des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Grund dafür sind wohl die heute porösen Betondachsteine, die bei der Restaurierung in den 1970er Jahren verbaut wurden. Das feuchte Gebälk war dann idealer Nährboden für Holzwürmer, die sich – wie der Engel zeigen sollte – bereits vom bauzeitlichen Dachstuhl auf die barocke Innenausstattung ausgebreitet haben. „Die Dacheindeckung und-konstruktion, inklusive natürlich der Deckenbalkenlage, müssen saniert werden.“ Denn gerade diese seien nicht mehr kraftschlüssig miteinander verbunden. Risse im Außenmauerwerk zeugen von der dramatischen Lage. Wenn nicht dieses Jahr noch eine Notsicherung geschehen würde, könnte die Kirche im nächsten Jahr akut einsturzgefährdet sein.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) finanziert zurzeit das Sanierungsgutachten und damit die bauliche Notsicherungsmaßnahme zur Rettung der Kirche. Aufgrund der wertvollen Innenausstattung muss die Sicherung von oben geschehen. „Das Dach muss geöffnet werden, um neues Material hineinzubringen, um dann im Anschluss die alten Balken zu sichern“, sagt Anett Burckhardt. Danach könne man sich um die statisch bedingten Risse kümmern, damit keine Feuchtigkeit ins Gebäude gelange. Die Kosten allein für das Sanierungsgutachten von 33.000 Euro übersteigen die finanziellen Möglichkeiten der kleinen Kirchengemeinde. Insgesamt wird wohl bis zu einer Million Euro benötigt.
Der Taufengel, der zu Weihnachten zum Schutzengel wurde, liegt heute sicher verwahrt in der neun Kilometer entfernten Kirche von Brietzig, einer weiteren Dorfkirche, um die sich die DSD kümmert. Unter einem weißen Vliesschutz, der aussieht wie ein Leichentuch, schauen zwei wurmstichige Füße heraus. Das Gesicht des Engels ist zur Wand gedreht, auch um den mit einer Eisenstange geschienten Arm zu schützen. „Er ist hier im Exil“, sagt Pastorin Büscheck, „er wird uns sein Lächeln erst wieder zurück in seiner restaurierten Kirche zeigen.“ Bitte helfen Sie, damit die DSD die farbenprächtige Kirche von Lübbenow retten und den verunglückten Weihnachtsengel zurück an seinen barocken Himmel bringen kann.
Stephan Kroener
Dorfkirche Lübbenow
Dorfkirche Lübbenow
Dorfstraße, 17337 Uckerland
Lübbenow liegt im Nordosten Brandenburgs in der Nähe der vorpommerschen Grenze.
Dannefeld bei Gardelegen liegt am südwestlichen Rand des Drömlings, eines ab dem 18. Jahrhundert trockengelegten Sumpfgebiets. Die Dorfkirche wurde 1774 erbaut und ist in ihrer Bauweise typisch für die etwa zeitgleich entstandenen Sakralbauten im Drömling: eine Fachwerk-Ziegel-Konstruktion mit Satteldach, die aus einem Saalraum auf rechteckigem Grundriss, mit dreiseitigem Chorabschluss und Westturm besteht. Der hohe Fachwerkturm mit dem spitzen Helm bestimmt das Erscheinungsbild der Kirche.
In der vorpommerschen Landstadt Gützkow steht ein stattliches Gotteshaus mit einem großen Problem: Der Kirchenbau braucht wieder festen Halt.
In Dahnsdorf im Fläming steht die einzige ehemalige Deutschordenskirche in Brandenburg. Zeitgeist und moderne Raubzüge haben ihr schwer zugesetzt. Heute bemühen sich die Dahnsdorfer, ihre Kirche vor dem Verfall und dem Vergessen zu bewahren. Auch dank Ihrer Hilfe kann dieses Vorhaben gelingen!
Lassen Sie sich per E-Mail informieren,
wenn eine neue Ausgabe von Monumente
Online erscheint.
Auch kleinste Beträge zählen!
Antwort auf: Direkt auf das Thema antworten
© 2023 Deutsche Stiftung Denkmalschutz • Monumente Online • Schlegelstraße 1 • 53113 Bonn
Spenden | Kontakt | Impressum | Datenschutz