Denkmalarten Kleine und große Kirchen Stile und Epochen Barock Gotik 1200 Ausgabe Nummer Oktober Jahr 2025

Beispiel aus unserem Förderprogramm

Gegen den langen Atem der Braunkohle

Die Fassade von Naumburgs prächtiger Stadtkirche St. Wenzel bröckelt. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz fördert die Sanierung der Kirche mit ihrer kostbaren Barockorgel seit den 1990er Jahren und bittet um Hilfe.

Mitunter offenbart der Blick von oben architektonische Besonderheiten: Fünf Dächer schließen das gotische Kirchenschiff von St. Wenzel im Westen ab. Von oben betrachtet legen sie sich wie eine schützende Hand auf die Naumburger Stadtkirche. Die birgt tatsächlich eine Kostbarkeit: die prachtvolle Barockorgel von Zacharias Hildebrandt. Heute klingt sie wieder so, wie Johann Sebastian Bach sie am 27. September 1746 höchstselbst prüfte und für gut befand. Zwischen 1993 und 2000 wurde sie auf das Bach’sche Klangideal zurückgeführt. Seitdem reisen aus aller Welt Organisten an, um ihre Musik einzuspielen.

Die Orgel von Zacharias Hildebrand von 1746 ist das Klangjuwel von St. Wenzel - die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte Restaurierungsmaßnahmen am Instrument.
© IMAGO / imageBROKER / Gerald Abele
Die Orgel von Zacharias Hildebrand von 1746 ist das Klangjuwel von St. Wenzel - die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützte Restaurierungsmaßnahmen am Instrument.

Doch was innen ist, ist leider nicht außen. Zwar konnten mit Hilfe der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) bereits das Dach und der markante, mit 72 Metern höchste Turm der Stadt instand gesetzt und das Westportal saniert werden, aber die Fassade der 1218 erstmals erwähnten Kirche am Naumburger Topfmarkt ist geschädigt. Die bis zu 28 Meter hohen Kirchenwände aus Freyburger Muschelkalk sind in prekärem Zustand. Er hat in den vergangenen 100 Jahren allerhand Saures atmen müssen: „die Industrieabgase der Braunkohlechemie aus DDR-Zeiten rund um Naumburg. Der Regen säuerte den Stein aus“, erklärt Fred Lange, Kirchbaureferent in der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. Es kam zu Gipsausblühungen, Krustenschalenbildung und Abwitterungen. „Da waren Bauteile in Faustgröße abgängig. Wir mussten mit Sicherungszäunen die Besucher schützen und auf Distanz halten.“

Seit Jahresbeginn 2025 wird an der Südwestfassade von St. Wenzel in Naumburg gearbeitet. Die Sanierung schreitet Fensterachse für Fensterachse voran.
© Nicky Hellfritzsch, freshshots.de photographie
Seit Jahresbeginn 2025 wird an der Südwestfassade von St. Wenzel in Naumburg gearbeitet. Die Sanierung schreitet Fensterachse für Fensterachse voran.

Dem Notruf aus Naumburg kam die DSD mit einer Förderung zu Hilfe, die sich durch eine Gemeinschaft von mehreren Namensfonds der Stiftung trägt. Christina Lang, Pfarrerin von St. Wenzel, ist „wirklich sehr, sehr froh und dankbar für diese Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz“. Endlich wird nun in einem ersten Bauabschnitt die Südfassade saniert. Mauer- und Gesimssteine werden ausgetauscht, Wasserspeier repariert, die Wasserführung wiederhergestellt und etwa 65 Prozent der Verfugungen erneuert. „Die Reinigung der verwitterten Fassade soll verhindern, dass die noch vorhandenen Schadstoffe weitere chemische Prozesse in Gang setzen können“, sagt Lange.

Doch die Südfassade ist nur ein Drittel der Gesamtfassade, die dafür kalkulierten Sanierungskosten nur ein Drittel der Gesamtkosten. Für die aktuelle und die kommende gewaltige Sanierungsanstrengung an einer der prächtigsten Kirchen Naumburgs braucht es deshalb weitere Hilfe. 2028 wird die Stadt Naumburg 1.000 Jahre alt. Wie wunderbar wäre es, wenn sich die schützenden Mauern von St. Wenzel in neuem Glanz präsentieren könnten.


Rüdiger Heimlich


www.denkmalschutz.de/st-wenzel-naumburg

Stadtkirche St. Wenzel

Adresse: Topfmarkt 18

06618 Naumburg (Saale)

Förderjahre: 1991–1994, 1996, 1998, 2000, 2025

Aktuelle Maßnahme: Fassadensicherung Teilbereich Südseite

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www.denkmalschutz.de/namensfonds

 

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Stadtkirche St. Wenzel

Der Freyburger Muschelkalkstein hat unter dem sauren Regen schwer gelitten.
© Steffen Binder
Der Freyburger Muschelkalkstein hat unter dem sauren Regen schwer gelitten.
 

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