Denkmalarten Städte und Ensembles Streiflichter Handwerk Menschen für Monumente Menschen für Denkmale Ausgabe Nummer Oktober Jahr 2025
Es ist fast schon eine Institution. Das nach der Flutkatastrophe im Ahrtal entstandene Freiwilligencamp der Jugendbauhütten soll 2026 in die vierte Runde gehen.
Dernau im Ahrtal, ein heißer Julitag im Jahr 2025. Friedlich schlängelt sich die Ahr durch das enge Tal. An den Hängen reift Ahrwein. Romantisches Fachwerk döst in der Sonne. Eine rheinland-pfälzische Postkartenidylle. Das kleine Flüsschen wirkt harmlos. Mehrere Gebäude rund um Irmas Haus in der Hauptstraße widerlegen diesen Eindruck. Bis ins erste Stockwerk, teils bis zur Dachtraufe, fehlt der Putz an den Außenwänden und markiert damit den Höchststand der Flut. Im Juli 2021 verwandelte sich die Ahr nach starken Regenfällen innerhalb von Stunden in eine Flut, die alles mit sich riss. Nach zwei Tagen sind 136 Todesopfer zu beklagen. Die Schäden an teils jahrhundertealter Bau- und Denkmalsubstanz sind verheerend.
Das Leben kehrt zurück
Heute ist Irmas Haus zwar außen noch eingerüstet, aber die wiederhergestellten Gefache in der Fassade senden bereits ein klares Signal: Hier werden bald wieder Menschen wohnen und arbeiten. Das Leben ist zurückgekehrt. Zu verdanken ist das den Freiwilligen der Jugendbauhütten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD). Sie arbeiten im Rahmen des dritten Fluthilfecamps im Ahrtal erneut für zwei Wochen intensiv an Irmas Haus in Dernau und an rund 20 anderen Denkmalbaustellen und beheben Flutschäden. Ein markanter Geruch liegt in der Luft. „Das ist das Leinöl“, erläutert Mariam Ibrahim. „Wir bringen gerade den zweiten Anstrich auf das Gebälk auf. Das schützt das Holz vor der Witterung.“ Mariam ist die Anleiterin auf der Baustelle. Sie verteilt Aufgaben und sorgt für die Sicherheit. Nebenan verquirlen Hanna Paul und Jannes Eicker Lehm und Wasser in einem schwarzen Bottich zu einem dünnen, braunen Brei. „Lehmschlämme. Zwei Teile Wasser, ein Teil Lehm“, ruft Hanna, während Jannes Baulehm in das schäumende Wasser kippt. „Die Schlämme tragen wir dann als Grundierung für den Lehmputz auf“, erklärt Anleiterin Mariam.
In einem der Innenräume von Irmas Haus hockt eine schlanke Gestalt vor einem Gefach und verstreicht mit einer Kelle sorgfältig Lehmputz auf der Oberfläche. „Nach einem Tag Baustelle weiß man, was man getan hat“, weiß DSD-Vorstand Steffen Skudelny. Es ist Mitarbeitertag der DSD. Rund 50 ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis zum Vorstand unterstützen die Freiwilligen auf den Baustellen. „Das Freiwilligencamp ist ein einzigartiges Projekt, über das wir uns ganz besonders freuen“, erklärt Skudelny, während er eine Lage Lehmputz auf die Kelle streicht.
„Die jungen Freiwilligen sichern und restaurieren nach der Flut bereits verloren geglaubte Denkmale. Gleichzeitig lernen sie hier am konkreten Objekt, Denkmale zu verstehen, und erwerben handwerkliche Fähigkeiten“. Allerdings sei der Aufwand für ein solches Großprojekt hoch und nur durch die große finanzielle Hilfe der vielen DSD-Förderer und eine erhebliche Großspende möglich gewesen. „Dass unseren jungen Freiwilligen durch dieses bürgerschaftliche Engagement ermöglicht wird, hier so nachhaltig zu helfen und gleichzeitig zu lernen, ist großartig“, schwärmt Skudelny.
Eine gemeinsame Kraftanstrengung
Wie sieht die Zukunft des Freiwilligencamps aus? „Ob hier im Ahrtal oder an einem anderen Ort, an dem umfangreiche Hilfe nötig ist – wir würden 2026 sehr gern ein weiteres Freiwilligencamp veranstalten“, betont Skudelny und setzt die Kelle ab. „Ein Freiwilligencamp der Jugendbauhütten bedarf einer Kraftanstrengung, die wir nur gemeinsam leisten können. Wirklich jede Spende, jeder einzelne Euro ist eine unschätzbare Hilfe. Machen Sie mit uns 2026 das nächste Freiwilligencamp möglich!“
Simon Geisler
Was Ihre Spende bewirken kann
| 1 warmes Abendessen im Camp für einen Freiwilligen | 10€ |
| 1 Übernachtung im Gruppenzelt für einen Freiwilligen | 40€ |
| 1 Paar Sicherheitsschuhe | 60€ |
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