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Beispiel aus unserem Förderprogramm

Das Ringen um eine Burg

Belagerungen, Enteignungen und Vernachlässigungen: Über Jahrhunderte hielten die dicken Mauern von Burg Spantekow dem stand. Helfen Sie weiter mit, diese außergewöhnliche Wasserburg nahe Anklam gegen den Verfall zu verteidigen.

Die Festungsmauern und Kasematten liegen versteckt unter bis zu vier Meter dicken Erdwällen. Jahrhundertelang boten sie zusammen mit einem Wassergraben Sicherheit. Doch heute, umgeben von alten Bäumen, benötigt dieses Kleinod vorpommerscher Geschichte, diese Renaissance-Wasserveste selbst Schutz. Burg Spantekow benötigt Ihre Hilfe, um ihre Tore der Öffentlichkeit zu öffnen.


Schon zu wendischer Zeit im Mittelalter entstand hier, 14 Kilometer südwestlich von Anklam, eine Ringburg. Das nördlich angrenzende Moor schützte zusätzlich. „Dort ist es heute immer noch recht moorig“, erklärt Annegret Freifrau von Harnier, „deshalb befinden sich die Kasematten auch nur zur Südwestseite“. Seit 1258 – mit Unterbrechungen also fast 800 Jahre – ist ihre Familie auf Spantekow ansässig. Ab 1558 ließ ihr Urahn, Ulrich von Schwerin, anstelle der mittelalterlichen Burg den festungsartigen Stammsitz der Familie errichten. Ein Sandsteinrelief von ihm und seiner Frau Anna befindet sich über dem einzigen Zugang zur Wasserburg. Nach der Wiedervereinigung förderte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Sicherung des Reliefs und die Anbringung einer Kopie am Torbogen. Heute kann man das restaurierte Original im Remter, im Speisesaal, besichtigen.


Mehrfach wurde die Anlage belagert, teilweise geschleift und enteignet. „Ich habe die Liebe zur Burg durch meine Großmutter und meinen Vater in mir“, sagt Annegret von Harnier. Ihre Großmutter und ihr damals siebenjähriger Vater Kaspar von Harnier flüchteten im April 1945 vor der Roten Armee nach Hessen. Der 2.300 Hektar große landwirtschaftliche Besitz wurde im Rahmen der Bodenreform enteignet und das Burggebäude zu DDR-Zeiten als Altersheim genutzt. Doch Spantekow blieb tief in der Familie verankert. „Meine Großmutter hatte immer Sehnsucht, Heimweh“, erzählt Annegret von Harnier. „Als dann die Mauer fiel, haben sich alle gefreut – jetzt geht’s zurück‘“. Nach zähen Verhandlungen kaufte Kaspar von Harnier 1999 das 25 Zimmer große Renaissanceschloss mit Wirtschaftsgebäuden und erhaltenen Festungsteilen zurück. Schon damals war der Plan, es zu retten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Der Anfang ist gemacht:  Das Dach des Burggebäudes, Teile seiner Fassade sowie  die Fenster konnten bereits restauriert werden.
© Der Gutshauspod
Der Anfang ist gemacht: Das Dach des Burggebäudes, Teile seiner Fassade sowie die Fenster konnten bereits restauriert werden.

Die jahrzehntelange Vernachlässigung hatte ihre Spuren hinterlassen. Besonders schlimm war der Zustand der Dächer des Burg- und des großen Wirtschaftsgebäudes. „Ich weiß noch“, erinnert sich von Harnier, „wie mein Vater bei jedem Regen immer wieder mit Eimern hoch und runter ist – zehn bis zwanzig Mal“. Die Sanierung der insgesamt fast 2.100 Quadratmeter Dachfläche beider Gebäude war kostenintensiv. Sie konnte jedoch bis 2019 gestemmt werden, vor allem dank Landesförderungen. 2022 erhielt die Burg die Anerkennung als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung.


Neben den Dächern hatten die Mauern der Toreinfahrt unter der Witterung gelitten. Im Winter, erinnert sich Annegret von Harnier, hingen dicke Eiszapfen am Gewölbe. Um das massiv in Backstein gemauerte, bauzeitlich mit Ton abgedichtete und als Kugelschutz mit Erde bewehrte Gemäuer zu sanieren, musste es von oben abgedichtet werden. Das Mauerwerk ist jetzt zwar dicht, aber noch stark restaurierungsbedürftig. Deswegen muss die Durchfahrt bei den regelmäßig stattfindenden öffentlichen Veranstaltungen gesichert werden. 2023 wurde zudem ein elektrisches Rollgitter in die erhaltene Nut eines früheren Fallgitters eingebaut. Durch diese von der DSD geförderte Maßnahme werden die Doppelflügel des wertvollen Holztores geschont.


Ebenso hat die DSD 2020 die Aufarbeitung der Fenster des Hauptgebäudes unterstützt. Im Juli 2021 wurde mit der Fassadensanierung begonnen. Nach der Toreinfahrt sind gerade diese Arbeiten wichtig, um den Besuchern die Bedeutung dieses großartigen Denkmals vor Augen zu führen. Doch auch hierfür fehlen weitere Mittel. „Wir versuchen, alles nach Kräften zu machen“, sagt von Harnier, aber die Sanierung des riesigen Gebäudes sei eine Mammutaufgabe. Wichtig war ihrer Familie deshalb auch eine nachhaltige Nutzung. So soll in der Veste Spantekow ein internationales Kulturzentrum entstehen, um mit Kunst, Kultur und Musik den Pulverdampf vergangener Kämpfe zu vertreiben. Denn, so von Harnier, „da muss Leben rein, unbedingt“. Zum Tag des offenen Denkmals® öffnet die Veste jährlich und zeigt, was Denkmalschutz möglich macht. Es bleibt eine Herausforderung. „Man schafft das nicht in einer Lebenszeit“, sagt von Harnier, die wie ihr Vater plant, in die alte Heimat zurückzuziehen. Unterstützen Sie das Engagement der Familie für den Erhalt der Burg und als neuen kulturellen Anziehungspunkt in der Region.


Stephan Kroener


www.denkmalschutz.de/burg-spantekow

Wasserburg Spantekow


Adresse: Burgstr. 51, 17392 Spantekow

Förderjahre: 1993, 2012, 2020, 2023, 2025

Maßnahme: Fassadenrestaurierung des Hauptgebäudes

Bitte spenden Sie für die

Burg Spantekow

Blick von Süden auf die Veste: unten die Kasematten, links die Toreinfahrt, dahinter das Wirtschafts- und rechts das Burggebäude.
© Der Gutshauspod
Blick von Süden auf die Veste: unten die Kasematten, links die Toreinfahrt, dahinter das Wirtschafts- und rechts das Burggebäude.
 

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