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Jugendbauhütte Brandenburg im Einsatz

Junges Lachen für ein altes Haus

Sechs Jahre haben Freiwillige der ­Jugendbauhütten das Bürgerhaus an der Breiten Straße in Treuenbrietzen restauriert. Nun konnte es bezogen werden. Zur Eröffnung am 2. September gab es weitere gute Gründe zum Feiern.

Im Jahr 2015 wandte sich die Stadt Treuenbrietzen an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit der Bitte, das Haus in der Breiten Straße 1 mit der Jugendbauhütte Brandenburg zu restaurieren. Vorausgegangen waren zahlreiche Versuche, den Fachwerkbau von 1711 zu verkaufen oder wiederzubeleben. Eine Augenweide war das einstige Bürgerhaus mit dem grauen Putz und ­einem Garagentor in der Schauseite wahrlich nicht mehr. Gegen einen symbolischen Euro wechselte das Haus ins Eigentum der DSD. „Interessant war, wie wir es übernommen haben“, erinnert sich Bernd Henning, Mit­begründer und langjähriger Leiter der Jugendbauhütte Brandenburg. „Da waren Planen vorgehangen, auf denen Fachwerk abgebildet war, sodass es aussah wie ein frisch restauriertes Fachwerkhaus. Aber darunter bröckelte der Putz und es war alles voller Gerümpel.“

Das Fachwerkhaus in der Breiten Straße 1 wertet den Ortskern von Treuenbrietzen nicht nur optisch auf. Mit den Freiwilligen in der Denkmalpflege, die nun darin wohnen, zieht auch junges Leben ein.
© Claus Boeckh
Das Fachwerkhaus in der Breiten Straße 1 wertet den Ortskern von Treuenbrietzen nicht nur optisch auf. Mit den Freiwilligen in der Denkmalpflege, die nun darin wohnen, zieht auch junges Leben ein.

2018 konnten die Bauarbeiten beginnen. Jeweils ein Jahr arbeitete ein Team aus jungen Menschen, die sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege entschieden hatten, gemeinsam mit einem erfahrenen Fachanleiter oder einer Fachanleiterin im und am Gebäude. „Die erste Gruppe hat nur entkernt und ein Fundament gesetzt, weil das Haus an einer Ecke abgesackt war. Die nächste hat den Dachstuhl saniert, die übernächste gemauert“, zählt Bernd Henning auf. Die Jugendlichen arbeiteten mit den Handwerkern und lernten so von den Profis. Gemeinsam mit einem Archäologen legten sie ein steinernes Becken im Fußboden frei, erzählt Bernd Henning. „Wir vermuten, dass dort ein Korbflechter wohnte und in dem Becken die Weidenruten eingeweicht hat.“ Dank einer Glasplatte im Boden ist der Fund weiterhin sichtbar.


Jarvis Boeven war 2021/22 Freiwilliger in Treuenbrietzen. Seine Gruppe hat unter anderem das Fachwerk der Fassade grün gestrichen und die Gefache geweißt. „Für mich war es weniger ein Handwerksjahr gewesen, sondern mehr noch ein soziales Bildungsjahr, in dem man menschlich wächst“, sagt er im Rückblick. Jarvis Boeven hat es auch bei der Berufswahl geholfen. Er lernt Tischler und möchte später Leiter einer der 16 Jugend­bauhütten in Deutschland werden.

Fund unter Glas: Wasserbecken eines Korbflechters.
© Claus Boeckh
Fund unter Glas: Wasserbecken eines Korbflechters.

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