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Sakrale Bauten

Was uns heilig ist

Sie sind die Pfeiler des Glaubens und die Höhepunkte jeder Kulturreise: die Stadtkirchen. Wie aufwendig deren Schutz und Pflege auf Dauer sind, erschließt sich dem Besucher oft nicht. Dabei tragen gerade Kirchen zur Attraktivität und Authentizität von Reisezielen bei.

Es ist ein großer Raum, schlicht, kaum dekoriert, nicht möbliert. Hoch ist er, der Blick geht unwillkürlich nach oben. In Richtung Gewölbe, dorthin, wo sich das ganze Wunder von Wismar zeigt. Die St.-Georgen-Kirche ist ein herausragendes Bauwerk norddeutscher Backsteingotik. Ihre Ursprünge liegen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Bis 1990 war das im Zweiten Weltkrieg schwerbeschädigte Gebäude eine Ruine. Seit seinem staunenswerten Wiederaufbau finden hier wieder Gottesdienste statt. Konzerte, Lesungen, Ausstellungen oder Tagungen. Gründe genug für einen Besuch – verschiedene Gründe, touristische, aber auch spirituelle.

Das Wunder von Wismar. Seit ihrer Rettung ist die St.-Georgen-Kirche eine gut besuchte Kulturkirche. Aktuell locken Ernst-Barlach-Skulpturen in den beeindruckenden Innenraum.
© Anne Karsten
Das Wunder von Wismar. Seit ihrer Rettung ist die St.-Georgen-Kirche eine gut besuchte Kulturkirche. Aktuell locken Ernst-Barlach-Skulpturen in den beeindruckenden Innenraum.

Beide christlichen Kirchen verlieren Mitglieder, gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Ritualen, nach Geborgenheit, vielleicht sogar nach spirituellen Erlebnissen jenseits kultureller Befriedigung. Wie kann das sein? „Das hat viel mit Digitalisierung, Globalisierung und auch mit den aktuellen Krisen zu tun“, erklärt Dr. Christian Antz, Professor für Slow Tourism am Deutschen Institut für Tourismusforschung in Heide. „Menschen gehen gern in Gebäude mit Geschichte, sie wollen aufgehoben sein, eine Heimat haben, Tradition leben.“


Kirchen – wohlgemerkt Kirchen und nicht Kirche – spielen dabei eine bedeutende Rolle. Sie sind Kultur und zentraler Teil des historischen, künstlerischen und architektonischen (Selbst-)Verständnisses einer Stadt. Reisenden sind sie meist erste Anlaufstelle und Ausgangspunkt für weitere Besichtigungen, in ihrem Schatten bietet sich häufig Gelegenheit für eine Verschnaufpause. Aber kann das alles sein? „Kirchen bieten auch kurze Ruhepausen im Alltag, man kann ja auch mit Einkaufstüten in die Kirche gehen oder während der Mittagspause“, sagt Antz. Doch Kirchen müssten etwas Besonderes bleiben, sie müssten sich unterscheiden von den Räumen, in denen sich Menschen sonst aufhalten.

Sie prägt das Stadtbild von Wismar: Die große St.-Georgen-Kirche aus Backstein, die zwar gerettet und wiederhergestellt, aber noch lange nicht fertig ist.
© TMV / F. Gänsicke
Sie prägt das Stadtbild von Wismar: Die große St.-Georgen-Kirche aus Backstein, die zwar gerettet und wiederhergestellt, aber noch lange nicht fertig ist.

In der St.-Georgen-Kirche jedenfalls konnte man sich lange nicht aufhalten – die Ikone der Backsteingotik in Wismar galt als die größte Kirchenruine Deutschlands, ihr früherer Wiederaufbau wäre durchaus möglich gewesen. Doch dazu kam es erst nach dem verheerenden Sturm im Januar 1990, als der Nordgiebel des Querschiffs der fragilen Ruine abstürzte. Mit ihrer Werbeaktion brachte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) so viele an der Kirche Interessierte zusammen, dass sie gerettet werden konnte. Mittlerweile ist sie als Kulturkirche außergewöhnlich gut besucht. Jedoch sind die Arbeiten bis heute nicht vollendet, denn so ein Bauwerk benötigt ständige Pflege.


Einen ganz besonderen Raum findet man auch, wenn man ein wenig weiter reist in eine andere Hansestadt an der Ostsee, nach Lübeck. Zwar kann man bei den vielen Türmen dort etwas durcheinanderkommen, doch der Dom mit seiner Zweiturmfassade ist etwas ganz Besonderes. Vor etwa 850 Jahren wurde er erbaut, in der Folge erweitert, zerstört und wiederaufgebaut. „Früher dachte ich immer, die Türme würden auf mich stürzen. Wie lange saß ich hier und habe einfach nur hinaufgeschaut“, erzählt ein junger Familienvater, der im Schatten des Doms aufgewachsen ist und nun mit seinen Kindern wieder einmal zu Besuch ist in der Heimat. 


Heimat im doppelten Sinne – tatsächlich und spirituell. Denn die Geborgenheit, die man im großen, eindrucksvollen Dom erfahren kann, fühlt sich für viele Besucher vertraut an. Sie wird auch nicht getrübt durch die eindrucksvoll dokumentierten Schäden, die dringend behoben werden müssen. Im Gegenteil – weiß man die Kirche in guten, sichernden Händen, weiß man sich selbst im sicheren Raum.

Im Dom zu Lübeck darf man sich auch hinter dem Altar geborgen fühlen.
© mauritius images / RODRUN/Knöll
Im Dom zu Lübeck darf man sich auch hinter dem Altar geborgen fühlen.

Geborgenheit im sakralen Raum


Kirchen als Orte der Gastfreundschaft inmitten unserer historisch gewachsenen Städte – das sind auch Orte, die berühren. Sie berühren historisch und kunsthistorisch begeisterungsfähige Menschen. Sie berühren Menschen, die sich um sich selbst sorgen, die offen sind für geistige Erfahrungen, die sie so nur im kirchlichen Raum machen können. 

Giftgrün – das sogenannte Schweinfurter Grün als restauratorische Herausforderung

In Meyers Konversationslexikon von 1885 wurde es als „schönste grüne Kupferfarbe“ beschrieben: das arsenhaltige Schweinfurter Grün (Kupferarsenit), das bei Wandanstrichen und auf Tapeten seit 1814 weite Verbreitung fand. Dabei wurde bereits in den 1840er Jahren vor der Freisetzung des Giftstoffes in die Umgebungsluft gewarnt, denn Arsen kann Nervenschäden, Übelkeit und tödliche Vergiftungen hervorrufen.


In der Dreifaltigkeitskirche in Görlitz sind die Malereien betroffen. Ab 1909 hatte es schon einmal einen größeren Eingriff gegeben. Dabei kamen nicht nur zementhaltige Putze ersatzweise für die bauzeitlichen zum Einsatz.

Schweinfurter Grün im Gewölbe der Dreifaltigkeitskirche in Görlitz. Vermalt wurde das giftige Pigment sowohl rein als auch beigemischt.
© Roland Rossner / DSD
Schweinfurter Grün im Gewölbe der Dreifaltigkeitskirche in Görlitz. Vermalt wurde das giftige Pigment sowohl rein als auch beigemischt.

Während der restauratorischen Voruntersuchungen für die bevorstehende Konservierung hat sich herausgestellt, dass auch Schweinfurter Grün verwendet wurde. Die Restauratoren gehen davon aus, dass es in reiner Form sowie eingemischt flächendeckend für die Ornamentik eingesetzt wurde.


Ungebunden liegt es direkt auf der Deckenoberfläche, kann sich so in die Raumluft mischen und auf den Oberflächen der kostbaren Kirchenausstattung ablagern. Es besteht dringender Handlungsbedarf: Als Sofortmaßnahme ist die Reinigung der Oberfläche, verbunden mit der Festigung der Malschicht, vorgesehen.

 

Wenn sie unterwegs sind, versuchen mehr als drei Viertel der Reisenden, Ruhe zu finden und Kraft zu tanken. Fast ebenso vielen Befragten ist es immerhin wichtig, geistig gesund zu bleiben. Das machen Untersuchungen laut Antz überdeutlich.


Und so ist eine Reise zu großen Stadtkirchen auch immer eine Reise zu einem selbst. Der Berliner Breitscheidplatz ist an touristischem Trubel fast nicht zu überbieten. Doch kaum betreten Teenager in Klassenstärke und Paare mit dicken Reiseführern das achteckige Schiff der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit seinem unvergleichlichen Blau, werden sie still. Lassen den Raum auf sich wirken, betrachten die Wabenstruktur mit ihrem Dickglas und das riesige Kruzifix. 

Alter und neuer Turm (in restauro) der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.
© Claus Boeckh
Alter und neuer Turm (in restauro) der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin.

„Bitte die Kirchen nicht zustellen, sie müssen sich unterscheiden von dem, was die Menschen sonst so haben. Man darf nicht vor lauter Ramsch das Kreuz nicht mehr sehen.“ Das ist einer der Ratschläge, die Kulturmanager Antz gibt. Dieser Kirchenraum ist etwas Besonderes, er biedert sich nicht an bei Touristen aus aller Welt. Und dennoch nimmt er für sich ein und gibt dem Besucher das, was er sucht.


Wie aufwendig Schutz und Pflege auch von vermeintlich schlichten Kirchengebäuden sind, erschließt sich sogar dem aufmerksamen, offenen Besucher nicht. Die DSD bleibt oft über viele Jahre an der Seite derer, die Kirchen für uns und unsere Gäste aus aller Welt erhalten. Daher ist sie dankbar für Partner und Förderer, die ganz gezielt und zweckgebunden für einzelne Kirchen spenden – und damit die fördernde Arbeit der DSD erst möglich machen. Die Restaurierung des charakteristischen blauen Dickglases in Berlin beispielsweise wäre ohne die Förderzusage der dänischen Villum Foundation – Teil der VELUX Foundations – kaum durchführbar.


Was Besucher suchen


Nicht nur die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist, über ihre eigentliche Bestimmung als Andachts- und Gottesdienstraum hinaus, ein touristischer Magnet. Viele Kirchen berichten über steigende Besucherzahlen und wachsendes Interesse an Führungen – bei gleichzeitig dramatisch zunehmenden Austritten. Unter Federführung der Bensberger Thomas-Morus-Akademie und des Kölner Domforums hat sich daher vor über 20 Jahren die Arbeitsgemeinschaft Netzwerk Kirchenführung gegründet.

Es berührt die Besucher: das in blaues Licht getauchte Kirchenschiff der Gedächtniskirche.
© Claus Boeck
Es berührt die Besucher: das in blaues Licht getauchte Kirchenschiff der Gedächtniskirche.

In jährlich stattfindenden Tagungen an wechselnden Kirchenorten mit hohem Besucheraufkommen werden dabei Fragen erörtert wie: Werden Kirchen heute vor allem als identitätsstiftende Kulturdenkmale, als historische Zeugnisse und ästhetische Räume wahrgenommen? Oder suchen Besucher hier noch etwas anderes? Andreas Würbel von der Thomas-Morus-Akademie erklärt: „Wir diskutieren beispielsweise, wie wir neben Architektur und kunsthistorischen Informationen auch geistliche Inhalte vermitteln.“


Denn das sind Kirchen ebenfalls: Auf der einen Seite Wahrzeichen, wie sie die DSD in diesem Jahr mit ihrem Jahresmotto besonders hervorheben möchte. Auf der anderen Seite Institutionen, deren wichtige Rolle bei der Übernahme gesellschaftlicher Aufgaben nicht übersehen werden darf. Das ist auch durch die jüngsten Skandale nicht wegzureden.


Kirchen sind neben ihrer sakralen Bedeutung kulturelles Erbe und Orte der ganzen Gesellschaft. Außer privaten und kommerziellen Orten werden zunehmend öffentliche Orte der Begegnung und Kultur für unsere Gesellschaft wichtig. Neben der von jedem Kirchenmitglied entrichteten Kirchensteuer leistet der Staat sogenannte Staatsleistungen an die Kirchen, mittlerweile über eine halbe Milliarde Euro jährlich.

Die Stiftsbasilika St. Martin in Landshut beeindruckt mit ihrem hohen Turm. Und doch ist sie vor allem die Stadtpfarrkirche.
© Matthias Ammer Fotografie
Die Stiftsbasilika St. Martin in Landshut beeindruckt mit ihrem hohen Turm. Und doch ist sie vor allem die Stadtpfarrkirche.

Diese Zahlungen haben folgenden Ursprung: in den napoleonischen Eroberungen links des Rheins und im Reichsdeputationshauptausschuss 1803. Dort wurde die Entschädigung der Fürsten für Verluste durch die Enteignung von Kircheneigentum rechts des Rheins festgelegt. Dafür wurden den Kirchen dauerhafte Ausgleichszahlungen zugestanden. Die endgültige Ablösung dieser Zahlungen wird politisch heiß diskutiert. Derzeit tragen sie zu den Unterhaltungskosten der Kirchenbauten bei.


So komplexe Gedanken belasten einen vermutlich nicht, wenn man nach dem Marktbesuch die Landshuter Stadtpfarrkirche und Basilica minor St. Martin betritt. Dann ist man womöglich nur schwer mit Einkäufen bepackt. Und schaut eben einmal nach, wie es um die Restaurierung des Fenstermaßwerks und der Wandmalereien bestellt ist. Weit über das Stadtzentrum Landshuts ragt der Turm der gotischen Kirche empor.


Mit beeindruckenden 130 Metern Länge ist er der höchste Bayerns und der höchste Backsteinturm der Welt. Damit ist er eine touristische Attraktion im an touristischen Attraktionen nicht gerade armen Bayern. Auch im Innenraum scheint alles in den Himmel zu ragen: Durch die 15 Meter langen Fenster, die in 14 Meter Höhe beginnen, wird der aufstrebende Effekt noch verstärkt. Deren riesige Flächen bieten Wind und Wetter seit 500 Jahren eine große Angriffsfläche, ihre Instandhaltung ist eine andauernde Verpflichtung.

Aufs Gerüst zum Gespräch: St. Nikolaus in Überlingen

Sich an Kirchen zu erfreuen ist das eine, sie zu erhalten das andere. Dafür gibt es Fachleute wie Restauratoren und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die sie fördert. Das Münster St. Nikolaus in Überlingen ist mit seiner qualitätvollen Ausstattung ein Gesamtkunstwerk. Ein Höhepunkt ist das circa 80 Quadratmeter große Jüngste Gericht an der Chorbogenwand von Jacob Carl Stauder von 1722. Die Restauratoren Karin und Raymond Bunz, die das Gemälde untersucht und dokumentiert haben, erklären die Restaurierung, die sie mit Monika Kneer und Claudia Coenen, begleitet vom Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, ausführen.

Ist das die erste größere Restaurierung, die das Wandgemälde erfährt?

Es ist richtig, von einem Wandgemälde zu sprechen und nicht von einem Fresko. Sowohl das erste Jüngste Gericht von 1560 als auch das zweite Bild von 1722 sind nicht „al fresco“, sondern „al secco“ mit einer ölhaltigen Tempera ausgeführt worden. Dem zweiten Gemälde diente das stark dezimierte Vorgängergemälde als Untergrund. Wir gehen aufgrund der naturwissenschaftlichen Untersuchung davon aus, dass es bereits im 19. Jahrhundert eine Restaurierung gegeben hat, zwei weitere im 20. Jahrhundert. Bei jeder dieser Restaurierungen wurden Bindemittel aufgetragen, die sowohl zur Festigung der Malerei als auch zu einer Verstärkung der Farbtiefe dienen sollten und sich im Laufe der Zeit bräunlich verfärbten. Jede Generation arbeitet nach dem Stand der Technik.


Was fällt Ihnen besonders auf, wo staunen selbst Sie?

Wir wissen heute, wie viel Licht es benötigt, um so eine Wandfläche auszuleuchten. Im 18. Jahrhundert standen nur das durch die Buntglasfenster ins Münster dringende Tageslicht und vielleicht Öllampen zur Verfügung. Gerüste für die Höhe waren nicht komfortabel. Umso mehr bewundern wir nicht nur an diesem Objekt die Leistung des Künstlers.

Was wird wohl die größte Herausforderung bei der Restaurierung?

Das Erscheinungsbild der Wandmalerei wird vor allem durch die bräunlichen Überzüge mit unterschiedlichen Schichtdicken und Schmutzeinbindungen, letztlich durch vergangene Restaurierungseingriffe geprägt. Die größte Herausforderung wird sein, das Gemälde so nachhaltig und schonend als möglich zu restaurieren. In dieser Dimension unterschiedlich zusammengesetzte Überzüge mit Lösemittelgelen abzunehmen, ist eine herausfordernde Aufgabe. Gleichzeitig müssen Malschichtablösungen innerhalb von Malereipartien mit starken Alterscraquelés (Anm. d. Red.: altersbedingtes Netz von Rissen) behandelt werden.

Und abschließend wird ein großer Aufwand betrieben werden müssen, um die zahlreichen Ausbruchstellen mit einer Kittmasse zu füllen und zu retuschieren. Zu möglichen Retuschiertechniken können wir tatsächlich erst dann etwas sagen, wenn die Maßnahmen laufen.

Nah am Jüngsten Gericht: die Restauratoren Claudia Coenen, Karin Bunz, Raymond Bunz.
© Bunz + Bunz
Nah am Jüngsten Gericht: die Restauratoren Claudia Coenen, Karin Bunz, Raymond Bunz.

Arbeitseinrichtung, Erfassung, Beprobung – oft ahnt der Laie gar nicht, wie umfassend die Vorarbeiten sind.

Begonnen haben wir mit einer augenscheinlichen Untersuchung und verschiedenen bildgebenden Untersuchungsverfahren. Dann haben wir wenige millimetergroße Proben entnommen, um Schichtenfolge und Materialien im Labor untersuchen zu lassen. Wir müssen für unsere Arbeit wissen, welche Bindemittel und Überzüge verwendet wurden. Dann führten wir erste Tests zur Abnahme der Überzüge durch. Wir waren einige Zeit damit beschäftigt, unsere Arbeitsstelle so einzurichten, dass wir eine optimale Ausleuchtung haben. Dinge wie Mikroskop, Materialregale und Arbeitstische mussten antransportiert und auf dem Gerüst aufgestellt werden.

Ein Höhepunkt von St. Nikolaus in Überlingen:  das große Chorbogenbild vor der Restaurierung.
© Bildarchiv Monheim GmbH
Ein Höhepunkt von St. Nikolaus in Überlingen: das große Chorbogenbild vor der Restaurierung.
 


Eine etwas andere restauratorische Herausforderung zeigt sich in Trier. Die dortige Liebfrauenkirche gehört zu den ältesten vom Ursprung her gotischen Kirchen in Deutschland. Besonders reich gestaltet mit seitlichen Gewändefiguren, figuralen Archivolten und dem Tympanon ist das Westportal, das größte der drei Portale. Während fast am gesamten Bau mit Sandstein gebaut wurde, kam hier der hochwertigere lothringische Kalkstein zum Einsatz.


Dennoch sind nicht mehr alle Skulpturen bauzeitlich, was eine sorgfältige wissenschaftliche Aufarbeitung von Baugeschichte und Erforschung des Baubestands erforderlich macht. Das gilt vor allem für die problematische Gegenüberstellung der allegorischen Figuren von Synagoge und Ecclesia. Die anspruchsvolle Restaurierung der bedeutenden Portalanlage wird daher Überlegungen zur adäquaten Präsentation beinhalten.

Schauen, zeigen, beten: Die Liebfrauenkirche in Trier ist dafür schon lange der richtige Ort. 1227 wurde mit dem Bau der hochgotischen Basilika begonnen.
© IMAGO / Volker Preufler
Schauen, zeigen, beten: Die Liebfrauenkirche in Trier ist dafür schon lange der richtige Ort. 1227 wurde mit dem Bau der hochgotischen Basilika begonnen.


Wo also könnte man sich wirkungsvoller als hier vergegenwärtigen, wie wichtig Forschung und Wissenschaft auf der einen Seite sind? Und wie wichtig das Gefühl, das die Menschen beim Betreten eines Gotteshauses haben, auf der anderen Seite? Wenn Menschen berührt werden von der Kraft der Geschichte und der christlichen Tradition, dann ist das jeder Anstrengung wert. Wer unterwegs ist zu den Kirchen, wer unterwegs ist zu sich selbst, braucht dafür frei zugängliche Orte. Diese Orte benötigen unsere wohlwollende Pflege.


Julia Greipl

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Betreten erwünscht: das aufwendige Westportal der Pfarrkirche und Basilika Liebfrauen in Trier. Architektur und Skulpturen werden demnächst restauriert.
© mauritius images / Pitopia / Erich Teister
Betreten erwünscht: das aufwendige Westportal der Pfarrkirche und Basilika Liebfrauen in Trier. Architektur und Skulpturen werden demnächst restauriert.
 

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