Denkmalarten Landschaften, Parks und Friedhöfe Stile und Epochen 1900 Ausgabe Nummer April Jahr 2024 Denkmale A-Z F G K

Karl Foerster und sein blühendes Erbe

Ein Leben für den Garten

Bis heute hat der Ausnahmegärtner Karl Foerster prägenden Einfluss auf die Gartenkultur. 2024 jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal: MONUMENTE würdigt daher das grüne Vermächtnis des Staudenzüchters.

Es ist an der Zeit, vor der Auskältung unserer deutschen Gärten […] zu warnen.“ So schimpfte Karl Foerster 1925 über die leblose Uniformität und Gradlinigkeit der damaligen Gärten. Wie groß wäre wohl sein Ärger angesichts heutiger Schotterwiesen und gepflasterter Vorgärten?


Karl Foerster gilt als Vordenker moderner Gärten, als einer der wichtigsten Pioniere auf dem Gebiet der Staudenzucht und wirksamer Werber von Ziergräsern für die Gartengestaltung. Sein langes Leben hindurch – er starb 1970 mit 96 Jahren – propagierte der einflussreiche Gärtner und Schriftsteller „Blumengärten für intelligente Faule“. Foerster hatte damit sowohl die größtmögliche Schönheit künftiger Gärten im Blick als auch ihre Pflege und Umsetzbarkeit. Über 360 Staudensorten brachte er dafür in den Handel. Mehr als 100 Sorten gibt es heute noch zu kaufen.


Es scheint so, als hätte sich Foersters Wunsch erfüllt, Stauden in die Welt zu bringen. Als blühende, langlebige Zierpflanzen finden sie seit geraumer Zeit viel Anklang. Auch weil das Interesse am Gärtnern im Generellen gestiegen ist und die Sorge um Bienen und Biodiversität die Staudennachfrage hat wachsen lassen. Schon Foerster hatte auf ihre Bedeutung für Insekten hingewiesen, schwärmte aber ebenso von ihren grundsätzlichen Qualitäten: „Bei einem Mindestmaß an Freundlichkeit blühen sie jedes Jahr wieder. Hat man sie lieb, bedanken sie sich überschwenglich.“

Der Foerster-Garten in Potsdam-Bornim ist eine Ikone der Gartengeschichte. An keinem anderen Ort ist Foersters Wirken so erlebbar wie hier.
© Marianne Majerus / DSD
Der Foerster-Garten in Potsdam-Bornim ist eine Ikone der Gartengeschichte. An keinem anderen Ort ist Foersters Wirken so erlebbar wie hier.

Zahlreiche von Foersters Staudenschöpfungen, Gräsern und Farnen wachsen in seinem Garten in Potsdam-Bornim: dem ehemaligen Privat-, Schau- und Versuchsgarten, der sich um sein Wohnhaus ausbreitet. Höhepunkt dieser an Pflanzenfülle reichen, öffentlichen Anlage ist der bekannte Senkgarten. Heute ist das ab 1911 angelegte Ensemble von Wohnhaus und Garten im Besitz der treuhänderischen Marianne Foerster-Stiftung in der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die gemeinsam mit der Stadt Potsdam für die Erhaltung des Anwesens sorgt. 2024 jährt sich Karl Foersters Geburtstag zum 150. Mal: Das nimmt die DSD zum Anlass, die große Gärtnerpersönlichkeit mit vielen Veranstaltungen zu würdigen.


Kein Pomp, keine Exoten


Als Foersters Anwesen Am Raubfang 7 Anfang des 20. Jahrhunderts realisiert wird, befindet sich die Gartenwelt in einem großen Umbruch: Der wachsende Wohlstand lässt Ziergärten kein Luxusgut mehr sein. Am Rande der Städte entstehen neue bürgerliche Viertel mit Villen und dazugehörigen Gärten. Auch die Art der Gestaltung ändert sich: weg von pompösen Inszenierungen mit vielen pflegeintensiven tropischen Pflanzen und monotonen Teppichbeeten hin zu natürlich wirkenden Pflanzungen unter Verwendung von Stauden. 


Von England schwappt die Arts-and-Crafts-Bewegung nach Deutschland. Vor allem mit Gertrude Jekyll liefert sie die Vorbilder für einen neuen Gartenstil. Hierzulande nennt man die neuen Anlagen Reformgärten. Einer derjenigen, der diese Bewegung maßgeblich mitbestimmt, ist Karl Foerster: Als bedeutsamer Züchter liefert er mit seinen Schöpfungen das Baumaterial für diese neuen Gartenräume.

Neue Pflanzen für die Welt


Als der 1874 in Berlin geborene Foerster seine Karriere mit einer Lehre in der Schlossgärtnerei Schwerin beginnt, können Gärtner nur auf ein geringes Staudenangebot zurückgreifen. So beginnt er mit knapp 30 Jahren, seine eigene Gärtnerei aufzubauen – in Berlin-Westend, im Garten seiner Eltern. Die ersten Prospekte erscheinen, das Geschäft floriert, er beginnt zu züchten. Ab 1910 erfolgt dann der Umzug nach Bornim, von wo aus er zusammen mit seinen Mitarbeitern 60 Jahre lang Stauden in die ganze Welt verschickt.


Er wünscht sich Gärten, die immer grün, vielfältig und bunt sind. „Es wird durchgeblüht“, ohne Pause, am besten sieben Jahreszeiten hindurch – das ist sein Motto. Um dieses Ziel zu erreichen, hat Foerster bei seinen Staudenzüchtungen die gesamte Pflanze vor Augen. Es geht ihm um die Gesundheit der Pflanze, um Winterhärte, Standfestigkeit und um ausdrucksstarke Farbe. Er züchtet über 83 Phloxsorten, 72 Rittersporne, viele Sonnenbräute, Chrysanthemen und führt neue Gräser in die Gartenkultur ein.


Karl Foerster hat wenig Konkretes über seine Züchtungsarbeit geschrieben. Wer aber noch weiß, wie der Altmeister arbeitete, ist Dr. Konrad Näser, der lange unter Foerster arbeitete und nach dessen Tod Leiter der Bornimer Staudenzüchtung wurde: „Zuchtbücher hat er nicht geführt. Er speicherte alles in seinem Kopf. Auf großen Versuchsfeldern pflanzte er Tausende Sämlinge einer Sorte.

 Mit Stock und Hut unterwegs in den großen sommerlichen Versuchsfeldern: Karl Foerster bei der Staudensichtung.
© Marianne Foerster-Stiftung
Mit Stock und Hut unterwegs in den großen sommerlichen Versuchsfeldern: Karl Foerster bei der Staudensichtung.

Rund fünf Jahre wurden sie dann durch den Enttäuschungsfilter gejagt – wie Foerster sagte. Nach kritischer Sichtung wählte er die Erfolgversprechendsten aus, vermehrte sie vegetativ durch Teilung oder Stecklinge.“ Foerster nannte die schließlich für den Handel auserkorenen Sorten „Langspielplatten“ und gab ihnen klangvolle Namen wir Tempelgong oder Hochsommerwolke.


Der blühende Nachlass


Wer einen Blick auf sein gesamtes staudenschöpferisches Schaffen werfen möchte, dem sei die Freundschaftsinsel in Potsdam empfohlen. Mitten im Zentrum der Landeshauptstadt findet sich in dem öffentlichen Park seit 2001 die einzigartige Sammlung der heute noch existierenden Foerster-Sorten. Im Rahmen der Bundesgartenschau hatte man damals Foersters blühenden Nachlass zusammengetragen. Kaum ein Ort könnte dafür prädestinierter sein als dieser: Hier war auf Foersters Betreiben ab Ende der 1930er Jahre der erste öffentliche Schau- und Sichtungsgarten angelegt worden.


Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde die grüne Oase auf seine Anregung wiederhergestellt, um eine Wasserachse ergänzt und später um Kunstwerke und Pavillonbauten bereichert. Die wissenschaftliche Staudensichtung – das heißt, die langfristige Beobachtung und Bewertung der Pflanzen – ist mittlerweile in das geschützte Umfeld des Bundessortenamtes ausgelagert. Den Staudengarten im Herzen der Insel aber gibt es nach wie vor und er wird seit eh und je nicht nur von Potsdamern besucht und genossen. Foersters Idee des Schau- und Sichtungsgartens trägt auch anderswo Früchte. Sichtungsgärten gibt es zum Beispiel in Hannover und Weihenstephan/Freising.

Auf der Freundschaftsinsel in Potsdam entstand auf Initiative von Karl Foerster der erste deutsche Schau- und Sichtungsgarten.
© Hans Bach
Auf der Freundschaftsinsel in Potsdam entstand auf Initiative von Karl Foerster der erste deutsche Schau- und Sichtungsgarten.

Für den eigenen Garten: drei Foerster-Pflanzen

Calamagrostis „Karl Foerster“: Feine Zierde

© Marianne Majerus / DSD

Es ist eines der Ziergräser, die durch Karl Foerster verstärkt Einzug in die Gärten hielt. Der vollständige Name dieses aufrecht wachsenden Garten-Reitgrases lautet Calamagrostis x acutiflora „Karl Foerster“. Als dekoratives, nicht wucherndes Gras mit steifen Ähren und wechselnder Blüte hat es weltweit Verbreitung gefunden. Nicht Foerster selbst gab dem Gras seinen Namen, sondern einer seiner Anhänger: der Gartenbauwissenschaftler Richard Hansen. „Haar der Mutter Erde“ nannte Foerster die Gräser poetisch. Und sachlicher wirbt er 1940: „Gräser leisten Unglaubliches an pflegelos wachsendem Dauergedeihen, in der Anpassung an schwierige Gartenplätze, in der Reizerhöhung der Blumennachbarschaft, in der Sendung schönen Schnittmaterials“.

Phlox „Redivivus“: Duftende Flammenblume

© Hans Bach

„Das Leben ohne Phlox ist ein Irrtum. Ihm fehlt ein Kronjuwel.“ Und: „Phlox ist das eigentlich große Siegel des Hochsommerglückes.“ So schwärmte Foerster 1917 von der duftenden, hohen Staude mit den großen Blütenrispen, die in Europa schon seit Jahrhunderten kultiviert wird. 1933 ging Foersters erste Züchtung in den Verkauf, 1949 der rosa Phlox „Redivivus“. Im Foerster-Garten ist diese Sommerblume die Staude des Jahres 2024.

Rittersporn „Jubelruf“: Blaue Blütenpracht

© Hans Bach

Schlank, standfest, hoch wachsend – gerne mannshoch: So stellte sich Foerster den idealen Rittersporn vor. Er züchtete diese Staude in einer Vielfalt von Blautönen. Keine andere Farbe faszinierte Foerster mehr, und deshalb beschäftigte er sich mit dieser Prachtstaude sein Leben lang. „Der Rittersporn ist bestimmt, den Königsthron der blauen Farbe im Garten einzunehmen“, schrieb er 1936. Die himmelblaue Sorte Jubelruf kam 1950 in den Handel.

 

Werber für das Gartenreich


Mit missionarischem Eifer versuchte Foerster sein Leben lang, Menschen für das Gärtnern zu begeistern. Schon 1917 hatte er für öffentliche Staudengärten leidenschaftlich geworben: „Solche Schaugärten, die keiner großen Stadt fehlen sollten, werden nicht nur den Laien beständig neue überraschende Eindrücke vermitteln, […], sondern sollen auch den jungen Gärtnern wichtige Stätten lebendiger Anregung bieten.“


Apropos Schreiben: Fast mehr als Spaten und Gießkanne diente ihm der Stift als Werkzeug, um die Menschen für die Gartenwelt zu begeistern. Rund 30 Bücher stammen aus seiner Feder, viele zählen zu Klassikern der Gartenliteratur, etwa: „Blauer Schatz der Gärten“ oder „Einzug der Gräser und Farne in den Garten“. In seinen Publikationen liefert er dem Leser sowohl praktische Tipps wie poetische-blumige Weltbetrachtungen. Genauso vielseitig aufgestellt war seine Zeitschrift „Gartenschönheit“.


„Dadurch entfachten seine Ideen eine enorme Breitenwirkung“, so Norbert Kühn, Professor für Pflanzenverwendung von der TU Berlin, der einige von Foersters Fachbüchern neu herausgegeben hat. „Etwa die Idee des blühenden Gartens durch alle Jahreszeiten, die Idee, dass Pflanzen auch schön sind, wenn sie verblüht sind, die Idee, dass es wichtig ist, über die Pflanzen die Bestäuber zu fördern, die Idee, dass auch Farne und Gräser den Garten bereichern.“ Viele Gärtner und Gartenarchitekten pilgerten zum Arbeiten nach Bornim und trugen anschließend als Foersterianer die neuen Ideen der Staudenverwendung und Gartengestaltung in die Welt. Zu nennen seien da herausragende Persönlichkeiten wie der Züchter Ernst Pagels oder der Landschaftsarchitekt Wolfgang Oehme, der Foersters Gräser und blühende Stauden in den USA populär machte.

Frühlingstag: Blühende Tulpen und die Ranken des Blauregens umrahmen die Fenster von Foersters Arbeitszimmer und der Bibliothek.
© Ferdinand Graf Luckner
Frühlingstag: Blühende Tulpen und die Ranken des Blauregens umrahmen die Fenster von Foersters Arbeitszimmer und der Bibliothek.

Foerster selbst war Gärtner, aber kein Landschaftsarchitekt. Deshalb engagierte er für seinen Betrieb 1928 die zwei sehr jungen Gartenarchitekten Hermann Mattern und Herta Hammerbacher. Gemeinsam entwickelten die drei in den Folgejahren – ab 1935 in einer Arbeitsgemeinschaft – den viel gerühmten Bornimer Stil, zu dem der Senior vor allem mit seinen Pflanzen und Bepflanzungsideen beitrug. Als Gegenbild zu einem „kühlrepräsentativen Gartenstil mit unmöblierten Räumen“, wie Foerster 1934 formulierte, gestalteten sie Gärten als wohltuende Wohnräume mit fließenden Übergängen zwischen Haus, Garten und Landschaft, unregelmäßigen Pflanzungen und Bodenmodellierungen.


Neben unzähligen Hausgärten setzte die Arbeitsgemeinschaft nach Kriegsbeginn auf öffentliche Großaufträge. Foerster arrangierte sich, 1940 trat er in die NSDAP ein. Andererseits half er nachweislich verfolgten Menschen. „Foerster Leben und Wirken insbesondere in der Zeit des Nationalsozialismus muss weiter erforscht und in den historischen Zusammenhang eingebettet werden“, sagt DSD-Vorstand Dr. Steffen Skudelny. Die Ausstellung zu seinem 150. Geburtstag im Potsdam Museum setze weitere Impulse, sich mit Leben und Werk Foersters näher auseinanderzusetzen.


Die meisten der Anlagen der AG Foerster, Hammbacher und Mattern wurden über die Jahre hinweg überformt. Damit teilen sie das Schicksal vieler Gärten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gerade die originale Bepflanzung – als lebendes, ständig im Wandel befindliches Material – droht schnell, verloren zu gehen. Vor Kurzem konnten mit dem Karl-Foerster-Garten in Erfurts ega-Park aus den 1960er Jahren und dem Senkgarten im vorpommerschen Ziethen, verwirklicht 1921/22, zwei Gartenanlagen mit Hilfe der DSD wieder zum Leben erweckt werden, deren Gestaltung stark unter Karl Foersters Einfluss stand.

Haus Foerster: Den Garten auf dem Schoß


Wer die seltene Gelegenheit hat, einen Blick in das Haus Am Raubfang zu werfen, könnte meinen, Familie Foerster sei nur für einen Moment draußen bei ihren Blumen. Alles scheint genauso wie früher, als Karl, Eva und Tochter Marianne hier lebten und sich das Haus mit einem der jungen Gärtner teilten, die im Dachgeschoss eine kleine Wohnung hatten. Hinter diesem Eindruck verbirgt sich jedoch eine umfängliche Restaurierung.

© M.L. Preiss / DSD
Im Rahmen einer aufwendigen Restaurierung wurde das Gebäudeäußere wieder in seinen Originalzustand zurückversetzt.
© Ferdinand Graf Luckner
Im Rahmen einer aufwendigen Restaurierung wurde das Gebäudeäußere wieder in seinen Originalzustand zurückversetzt.

„Über mehrere Jahre wurden die Fassaden und die wichtigsten Räume streng nach Befund restauriert“, erläutert Felix Merk, der für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) die Arbeiten steuerte. „Die aufwendigste Maßnahme war die Instandsetzung des Gebäude äußeren.“ Anstelle des beschädigten DDR-Kratzputzes hat das Haus nun wieder seinen alten Kalkputz, intakte Schornsteine nach historischem Vorbild und dichte Fenster mit Holzläden und kleiner Sprosseneinteilung. Im Inneren kann man im Rahmen von Führungen erleben, wie den wiederhergestellten Räumen noch immer der Geist aus Foersters Tagen innewohnt, wie im jüngst restaurierten Musikzimmer mit seiner originalgetreuen bunten Farbfassung.

Aufwendig wurde das Musikzimmer restauriert. Nun ist die vielfarbige Wandfassung mit den auffälligen Wellenmalereien von 1956 wieder in voller Leuchtkraft sichtbar.
© Fotostudio Vonderlind
Aufwendig wurde das Musikzimmer restauriert. Nun ist die vielfarbige Wandfassung mit den auffälligen Wellenmalereien von 1956 wieder in voller Leuchtkraft sichtbar.

Im ganzen Haus: Blumenvasen in Regalen, Blumenbilder an den Wänden: Der Garten rückt einem hier „auf den Schoß“, wie Foerster 1931 über die neue Landhausarchitektur schrieb, in dessen Stil er sein Wohnhaus errichtet ließ. Denn die Öffnung des Hauses zum Garten durch Wintergärten und Loggien waren für diese Bauart typisch. Intensiv hatte man darauf hingearbeitet, die Restaurierung des Hauses zum 150. Geburtstag von Karl Foerster abzuschließen. Bei letzten Instandsetzungsarbeiten im Erdgeschoss wurde festgestellt, dass aufgrund eines alten Wasserschadens verfaulte Deckenbalken ausgetauscht werden müssen. Das darüberliegende Bad wurde für die Benutzung gesperrt, weil Gefahr bestand, dass die Decke durchbricht. „Wir dachten, wir seien fertig. Jetzt gibt es mit der provisorisch abgestützten Decke eine neue Baustelle im Haus“, so Merk.

Aktuelle Baumaßnahme im Erdgeschoss des Hauses.
© Fotostudio Vonderlind
Aktuelle Baumaßnahme im Erdgeschoss des Hauses.

Mehr als eine Million Euro hat die treuhänderische Marianne Foerster-Stiftung für die Erhaltung von Haus und Garten bisher investiert. Finanzielle Unterstützung erhielt sie aus der großen Förderergemeinschaft der DSD und zahlreichen anderen Stiftungen. Langfristige Aufgabe ist, die dauerhafte Pflege des berühmten Anwesens fortzuführen: um den Garten, das Haus mit seiner authentischen Ausstattung und den großen Nachlass der Familie Foerster für die Zukunft zu bewahren. Dafür ist die Marianne Foerster-Stiftung weiterhin auf Hilfe angewiesen!

Für die kontinuierliche Pflege von Haus und Garten ist jede Spende in den Vermögensstock der Stiftung willkommen. Dauerlastschriften helfen besonders nachhaltig und beständig.

„Die Restaurierung des Wohnhauses zu unterstützen, war uns ein großes Bedürfnis. Nun wünschen wir dem einzigartigen Denkmal samt Garten viele weitere Förderer, die in Zukunft mit ihren Spenden für die Erhaltung dieses beeindruckenden Orts einstehen werden."

Günther Jauch und Dorothea Sihler-Jauch, Förderer der Deutschen Stiftung Denkmalschutz


Paradies in Potsdam: Bitte eintreten


In Potsdam-Bornim existiert Foersters eigener Garten seit über einem Jahrhundert. Man fühlt sich willkommen in diesem Garten, der ganzjährig und ohne Eintritt besichtigt werden kann. Nur ein niedriges Gartentörchen öffnen und schon, nach wenigen Schritten, steht man mitten im berühmten Senkgarten, dem Schmuckstück der Bornimer Anlage. Foersters altes Refugium, besonders dieses eingesenkte Karree mit Wasserrosenbecken, ist so üppig bepflanzt, dass das Auge gar nicht weiß, wohin es schauen soll. Überall Düfte, Farben, Formen. Durch die unterschiedlich gestalteten Gartenräume, die mal architektonisch geprägt, mal naturnah gestaltet sind, schenkt der Garten dem Besucher ständig neue Eindrücke.


Foerster nannte diese Verbindung das „Doppelreich des Gartens“. Während die Partien von Senkgarten, Frühlingsweg und Herbstbeet formal angelegt sind, folgt der Steingarten einer naturhaften Gestalt. Im Zentrum der Anlage: das im Landhausstil errichtete Wohnhaus (siehe Kasten "Haus Foerster"). „Hier ist alles erlebbar, was Foerster propagierte“, sagt der Gartendenkmalpfleger Felix Merk, der seit 2011 als Kurator des Hauses Foerster für das Ensemble verantwortlich ist. „Gleich zu welcher Jahreszeit man in den Garten kommt, es blüht immer etwas.“


In den Beeten probierte Karl Foerster seine Züchtungen immer wieder neu für ihr Dasein im Garten aus: Was gedeiht an welchen Standort am besten? Welche Pflanzen passen in welchen Nachbarschaften gut zusammen? Jede Pflanze habe „ein geheimes Bedürfnis zur Unterhaltung mit anderen“, schreibt Foerster 1934. So empfahl er, Rittersporn mit Rosen zu kombinieren oder Blausterne mit gelben Narzissen. Überall triff man dort auf die von ihm geschätzten Gräser und Farne.

Ehepaar Foerster bei ihren geliebten Ritterspornen, die Karl Foerster nicht nur züchtete, sondern in großen Mengen vermehrte.
© Marianne Foerster-Stiftung
Ehepaar Foerster bei ihren geliebten Ritterspornen, die Karl Foerster nicht nur züchtete, sondern in großen Mengen vermehrte.

Kostbare Gartengeschichte erhalten


Angelegt wurde der Garten unter Mitwirkung von Foersters erstem Obergärtner Emil Pusch. Konkrete Pflanzpläne und Bauunterlagen fehlen. Aber es gibt viele Aufnahmen, die den Garten in der Anfangszeit dokumentieren. Derzeit wird der gesamte Bestand digitalisiert und weiter ausgewertet. Denn immer wieder kam es zu kleineren baulichen Überarbeitungen und Veränderungen in der Bepflanzung. So wurde 1931 zur Geburt von Tochter Marianne der sogenannte Naturgarten zum privaten Wohngarten umgestaltet – als Rückzugsraum für die gewachsene Familie. Nach dem Tod Foersters im Jahr 1970 bemühte sich zunächst seine Frau Eva, später Tochter Marianne darum, sein Lebenswerk mit all ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bewahren.


Heute führt diese Aufgabe die treuhänderische Marianne Foerster-Stiftung in der DSD fort. Unterstützt wird sie dabei von der Stadt Potsdam, die sich um die Pflege des Gartens kümmert. Den 5.000 Quadratmeter großen Garten zu betreuen, bedeutet einen umfangreichen Pflegeaufwand. Doch ist eben diese kontinuierliche, tägliche Pflege die unverzichtbare Grundlage seiner langjährigen Existenz und die seines weiteren Fortbestehens. Und diese regelmäßige Fürsorge muss hier, wo im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland weniger Niederschlag fällt, weiter verstärkt werden.


„Die märkischen, sandigen Böden speichern nur sehr schlecht Wasser. Das hat zur Folge, dass wir in den letzten trockenen, heißen Jahren viel mehr düngen und gießen mussten“, sagt die Staudengärtnerin Kristina Scheller, die wie Felix Merk noch eng mit Marianne Foerster zusammengearbeitet hat. Hinzu kommt das regelmäßige Jäten, der Pflanzenrückschnitt, das Nach- und Umpflanzen, das Laubfegen und die Instandhaltung der rund 5.000 Pflanzenetiketten, die den Besucher beim Gang durch den Garten über die botanischen Pflanzennamen informieren. Zudem sind immer wieder größere Maßnahmen zu bewältigen, bei denen ehrenamtliche Gartenfreunde und die Internationale Jugendbauhütte Gartendenkmalpflege helfen, die in Potsdam-Bornim ebenfalls eine Einsatzstelle hat.

Blick auf das Foerster-Anwesen in Bornim mit restauriertem Wohnhaus und dem großen Garten. Im Hintergrund Foersters alte Staudengärtnerei, die immer noch existiert.
© Hajo Dietz / Nuernberg Luftbild
Blick auf das Foerster-Anwesen in Bornim mit restauriertem Wohnhaus und dem großen Garten. Im Hintergrund Foersters alte Staudengärtnerei, die immer noch existiert.

Karl Foerster schrieb mit seiner Anlage in Bornim Gartengeschichte. „Von hier aus brachte er die Stauden auf breiter Front in die Gärten, die Gartenkunst und die Öffentlichkeit“, sagt Stephan Strauss, Gartendenkmalpfleger und als Vertreter der Karl-Foerster-Stiftung vorsitzendes Mitglied des Fachbeirates der Marianne Foerster-Stiftung. „Sein Wirken gehört zu den Höhepunkten der traditionellen Gartenbaukultur im 20. Jahrhundert.“


Jenseits dieses historischen Wertes ist sein Garten, der zu den wichtigsten und meist besichtigten Privatgärten in Deutschland gehört, noch vieles mehr: 


Er lehrt Wissen, dient als Inspirationsquelle zum eigenen Gärtnern, ist Hort alter und neuer Staudenarten und zugleich Lebensraum für verschiedene Tiere und Insektenarten. Er tut der Seele gut und macht sinnliche Freuden. Jedem Besucher scheint der Garten in seiner Fülle und Vielseitigkeit ein Geschenk zu geben, ein Stückchen vom bekannten Glück im Garten. Karl Foerster hinterließ uns Bücher, unzählige Blumen und vor allem diesen kostbaren Gartenschatz in Bornim. Bitte helfen Sie uns, dieses Erbe am Leben zu erhalten!


Amelie Seck


www.foerster-garten.de


Anlässlich von Karl Foersters Jubiläum hat die Marianne Foerster-Stiftung ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm zusammengestellt: www.karl-Foerster-150.de

Hier können Sie helfen

Mit Ihrer Spende in die treuhänderische 

Marianne Foerster-Stiftung

Den Garten, das Haus, das ganze Anwesen dauerhaft zu pflegen, kostet viel Zeit und Geld. Daher braucht es für den Erhalt dieses kostbaren Kleinods Unterstützung.
© Fotostudio Vonderlind
Den Garten, das Haus, das ganze Anwesen dauerhaft zu pflegen, kostet viel Zeit und Geld. Daher braucht es für den Erhalt dieses kostbaren Kleinods Unterstützung.
 
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