Menschen für Monumente Restaurierungstechniken Ausgabe Nummer Juni 2023 Denkmale A-Z R

DSD fördert Restauratoren im Handwerk

Handwerk braucht echte Könner

Die Fortbildung zum Restaurator im Handwerk bewahrt rare Expertise. Das Stipendienprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt jedes Jahr bis zu 15 Handwerker, die dazu beitragen wollen, die Zukunft unserer Denkmale zu sichern. MONUMENTE hat drei Teilnehmer besucht.

Zimmerer, Kirchenmaler oder Parkettleger: Sie sind nur ein Teil der insgesamt 80 kulturguterhaltenden Gewerke in Deutschland. In 19 verschiedenen Handwerksberufen können sich Meister zum geprüften Restaurator im Handwerk (RiH) fortbilden. Eingeführt wurde der Lehrgang bereits Mitte der 1980er Jahre. Seither haben über 5.000 Handwerker die Prüfung vor den Ausschüssen der Handwerkskammern abgelegt. Das klingt erst einmal viel. Aber die Fachkompetenz der Restauratoren im Handwerk ist sehr kostbar und wird auf vielen Denkmalbaustellen dringend benötigt.

1194 wurde der Dachstuhl des Fritzlarer Doms fertiggestellt. Die Stipendiaten Fabian Radtke (links) und Markus Pelzer staunen.
Jan Bosch
1194 wurde der Dachstuhl des Fritzlarer Doms fertiggestellt. Die Stipendiaten Fabian Radtke (links) und Markus Pelzer staunen.
Ein Teil der Fortbildung sind Denkmal-Exkursionen. Die Zimmerer begutachten hier die Architektur des Fritzlarer Doms.
Jan Bosch
Ein Teil der Fortbildung sind Denkmal-Exkursionen. Die Zimmerer begutachten hier die Architektur des Fritzlarer Doms.
 

Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) ist es eine Herzenssache, dass qualifizierte Handwerker den langfristigen Erhalt unserer Denkmale sicherstellen. „Das Stipendienprogramm ‚Restaurator im Handwerk‘ unterstützt die handwerkliche Fortbildung und damit den fachgerechten Umgang mit unserem kulturellen Erbe seit 2016“, sagt Dr. Sandra Rohwedder. Sie ist bei der DSD verantwortlich für die Stipendiennehmer. Einer der Stipendiaten in diesem Jahr ist der Zimmerermeister Fabian Radtke. Der 27-Jährige hat die Fortbildung im März begonnen. „Wir sind echte Exoten“, sagt er. Leider aber nicht genug für die unzähligen Bau-, Ausbau- und Restaurierungsaufgaben in der Denkmalpflege. Der Zulauf für die Fortbildung ist je nach Gewerk sehr verschieden: „Bei den Zimmerern ist dieses Jahr deutschlandweit nur ein Kurs mit neun Teilnehmern zustande gekommen“, erzählt er. In vielen Gewerken fehlt geschulter Nachwuchs und damit das heranwachsende Fachwissen.

Für unsere Denkmale


Radtke beispielsweise hat schon mehrere Jahre in der Denkmalpflege gearbeitet. Nach dem Abitur machte er ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Denkmalpflege bei der DSD-Jugendbauhütte. Im Kloster Stift zum Heiligengrabe in Ostprignitz lernte er, wie man Lehmputz verarbeitet, Kalk brennt und Dachstühle fertigt. Mit traditionellen Werkzeugen wie dem Breitbeil, der Bundaxt oder der Schrotsäge hätten die Zimmerer schon immer Häuser gebaut. „Der Respekt vor der Arbeit der vorherigen Generationen und vor dem Denkmal ist mir wichtig. Man braucht den Kurs, um sachgemäß mit Baudenkmalen umzugehen und ganzheitliche Konzepte zu gestalten.“ Die Fortbildung empfiehlt er jedem Handwerker, der sich für die Vergangenheit und die Zukunft der Baudenkmale interessiert. Bis Juli schließt Radtke die schulische Phase mit theoretischen Prüfungen ab. Danach konzentriert sich der angehende Restaurator im Handwerk bis Ende des Jahres auf das sogenannte Selbststudium und die Abschlussarbeit.

Denkmalbegehung: Fabian Radtke in Homberg (Efze) auf dem Projekthof Mühlhausen.
Jan Bosch
Denkmalbegehung: Fabian Radtke in Homberg (Efze) auf dem Projekthof Mühlhausen.

Fabian Radtke (27) hat große Pläne. Er kündigte seine Anstellung und wird nach seiner Fortbildung einen Betrieb in seiner Heimat Eisenach als frischgebackener Restaurator im Handwerk führen.

 

Dass er mit Herzblut dabei ist, spürt man auch bei einer der Denkmal-Exkursionen in Hessen: „Wir stellen Fragen, sind kritisch und teilen unsere Ideen. Wir haben richtig Lust.“ Die Freude an qualifizierter restauratorischer Arbeit springt über – auch zwischen Lehrenden und Meistern. „Das ist eine tolle Gruppe, die sich bewusst für die Fortbildung entschieden hat und Wissen fordert“, sagt Rainer Scherb, der in der Propstei Johannesberg in Fulda in der Restauratorenausbildung lehrt. Bei der Exkursion führt er die angehenden Restauratoren im Handwerk zusammen mit dem Besitzer Horst Oltmer durch den Projekthof Mühlhausen in Homberg (Efze).

Radtke und Kursleiter Rainer Scherb tauschen sich über die Dachdeckung mit Strohdocken aus.
Jan Bosch
Radtke und Kursleiter Rainer Scherb tauschen sich über die Dachdeckung mit Strohdocken aus.

Experten in eigener Sache


Die Passion für die restauratorische Arbeit spürt auch Hermann Klos. Er ist zusammen mit Heike Notz der Vorsitzende des Dachverbands der Restauratoren im Handwerk e. V. Der Schreinermeister und engagierte Denkmalschützer sieht den RiH als Marke für behutsame und denkmalgerechte Restaurierung. „Bei Papiertaschentüchern denkt jeder an Tempo. Wenn es um die Restaurierung eines Denkmals geht, sollten Denkmalpfleger und Architekten an die Restauratoren im Handwerk denken“, sagt er. 


Klos weiß, dass für eine nachhaltige Positionierung am Markt neben baupraktischen Fähigkeiten auch restaurierungsethische Fragen umgesetzt werden müssen. Die neue Prüfungsverordnung inklusive der Akademisierung sind für ihn ein Baustein, um die Restauratoren im Handwerk in Zukunft noch stärker als kompetente Berater und Macher in der Denkmalpflege zu etablieren.

DIE GEWERKE IM ÜBERBLICK: Mit der Fortbildung zum Geprüften Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk qualifizieren sich Handwerksmeister mit dem akademischen Titel. Die höchste Qualifikationsstufe in der handwerklichen Restaurierung können 19 Gewerke erlangen. Die Fortbildungszeiten der deutschlandweiten Ausbildungsstätten sind verschieden. Nach der Änderung der Prüfungsverordnung dauern die Kurse durch breitere Lehrinhalte bei den unterschiedlichen Gewerken von einem bis zu zwei Jahren.
DIE GEWERKE IM ÜBERBLICK: Mit der Fortbildung zum Geprüften Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk qualifizieren sich Handwerksmeister mit dem akademischen Titel. Die höchste Qualifikationsstufe in der handwerklichen Restaurierung können 19 Gewerke erlangen. Die Fortbildungszeiten der deutschlandweiten Ausbildungsstätten sind verschieden. Nach der Änderung der Prüfungsverordnung dauern die Kurse durch breitere Lehrinhalte bei den unterschiedlichen Gewerken von einem bis zu zwei Jahren.

Die Bewerbungen beim Stipendienprogramm zeigen dabei jedes Jahr das Potenzial: „Wir sind immer wieder begeistert über die oft hohe Qualifikation“, sagt Sandra Rohwedder. Neben dem Meister im eigenen Fach ist für das Stipendium auch denkmalpflegerische Expertise gefragt. 

Auf der Baustelle im fränkischen Forchheim: Philipp Dörfler arbeitet an einem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert.
Jan Bosch
Auf der Baustelle im fränkischen Forchheim: Philipp Dörfler arbeitet an einem Fachwerkhaus aus dem 17. Jahrhundert.


Philipp Dörfler (27) ist Kirchenmaler und Vergolder. Bei seiner Abschlussarbeit der Fortbildung zum RiH untersucht er die Dämmfähigkeit von Innenputzen in Denkmalen. Mit dem Titel sichert er den Fortbestand des väterlichen Betriebes.

Philipp Dörfler ist Kirchenmalermeister und Vergolder. Er hat vor zwei Jahren die Fortbildung begonnen und dieses Jahr das Stipendium der DSD erhalten. Die Fortbildung macht er unter anderem, weil er die Qualität der Arbeit im Betrieb seines Vaters auch nach dessen Ruhestand weiter halten will. „Ich habe meine Erfahrungen auf Baustellen gemacht. Jedes Denkmalobjekt ist einzigartig. Und für individuelle Restaurierungslösungen braucht man ein breites, aber explizites Wissen.“ Dörfler wirkte bereits bei Restaurierungsarbeiten am Bamberger Dom oder der Münchener Frauenkirche mit.


Im Bulli auf die Walz


Zwischen den Theorieblöcken der zweijährigen Fortbildung an der Städtischen Meisterschule für das Vergolderhandwerk/Kirchenmalerei machte er sich in einem Bulli zusammen mit einer befreundeten Restauratorin im Handwerk auf eine selbstinitiierte, moderne Walz durch Deutschland. Sie restaurierten Dachstühle, arbeiteten beim Stuckateur und brachten ihr Wissen bei einem Kirchenmaler ein. „Ich kann es jedem empfehlen, die freie Zeit des Selbststudiums so zu nutzen. Ich habe auf der Tour viel über andere Gewerke und Prozesse auf der Baustelle gelernt.“ 

 

Das neue Netzwerk hilft ihm persönlich, aber auch für die kommende Arbeitspraxis. Dörfler meint, dass die Praxiserfahrungen auch in anderen Gewerken als Erweiterung des Lehrplans und für die Restauratoren in der Ausbildung wertvoll sind. In seiner Abschlussarbeit befasst sich der 27-Jährige mit den Ansprüchen und Anforderungen denkmalgerechter Innendämmputze. Er untersucht auf einer Fachwerk-baustelle im fränkischen Forchheim unterschiedliche Innendämmungen und fragt: „Was sind die Vor- und Nachteile von Hochleistungsdämm-putzen im Gegensatz zu historischen Materialien wie etwa Kalkputz?“ Am Ende dieses Sommers möchte er das in seiner Abschlussarbeit für Kunden, Architekten und Denkmalpfleger beantworten.

Mit Rückenwind


Regina Fraunhofer ist dagegen noch mitten im theoretischen Teil der Fortbildung. Im März hat sie den Lehrgang gestartet und arbeitet mit reduzierten Stunden weiter als Parkettlegerin. Gerade macht sie aber eines der ein- oder zweiwöchigen Blockseminare der Fortbildung mit sieben anderen Parkettlegern und Holztechnikern. Für die 23-jährige Handwerkerin ist die gemischte Altersstruktur lehrreich. „Das ergänzt sich in der Teamarbeit sehr gut.“ 


In den nächsten Wochen freut sie sich, Koryphäen ihres Faches als Lehrende kennenzulernen – und im Sommer vor allem auf den Praxisteil. „Die Unterstützung der DSD hilft mir, mich komplett auf die Fortbildung zu konzentrieren“, sagt sie. Die junge Handwerkerin hat bisher nach der Realschule alle Abschlüsse in ihrem Gewerk schnell absolviert. Mit dem gemeinnützigen Verein der Parkettleger on Tour ist sie einmal im Jahr unterwegs und arbeitet dort beispielsweise an Parkettböden auf Schloss Hainewalde oder Schloss Altenstein.


„Mögen die Stipendien ein wenig Rückenwind bedeuten“, begründet Heinrich Wiemer seine großzügige Unterstützung der DSD. Wiemer selbst hat im Alter von 30 Jahren und mit zwei Kindern eine berufsbegleitende Ausbildung gemacht.

Hier geht es um Holzarten und Klebererkennung.
Jan Bosch
Hier geht es um Holzarten und Klebererkennung.

Regina Fraunhofer ist 23 Jahre alt und hat als eine von sieben Parkettlegern das Stipendium der DSD erhalten. Die praktische Arbeit im Beruf kann sie neben der Fortbildung weiter meistern.

 
Mit dem Tablet können die Teilnehmer des Parkettlegerkurses die Zellstrukturen der Hölzer noch besser erkennen.
Jan Bosch
Mit dem Tablet können die Teilnehmer des Parkettlegerkurses die Zellstrukturen der Hölzer noch besser erkennen.

Er ist sich bewusst, welche Disziplin und Willensstärke es erfordert, viele Abende und Samstage zu opfern. Aber er weiß auch, dass es sich lohnt: „Unsere Monumente in ihrer Vielfältigkeit – ob ein historisches Musikinstrument, eine alte Mühle, UNESCO-­Weltkulturerbe oder ein unscheinbares Fachwerkhaus im Dorf – sie alle stiften Identifikation, Zusammengehörigkeit und Freude.“ Damit unsere Denkmale auch in Zukunft erhalten bleiben, ist es notwendig, dass sie fachgerecht und nachhaltig restauriert werden.


Sandra Rohwedder betont, dass hier das Stipendienprogramm ansetzt. „Wir möchten Handwerker motivieren, sich fortzubilden und ihr Fachwissen zu vertiefen.“ Wer das Stipendienprogramm unterstützt, hilft, dieses für die Denkmalpflege unverzichtbare Fachwissen weiterzutragen und unseren Denkmalen die Zukunft zu sichern.


Svenja Brüggemann

Bitte unterstützen Sie die Fortbildung und das DSD-Stipendienprogramm!

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Für die Zukunft unserer Denkmale sind wir auf geschulte Fachkräfte angewiesen, die sich mit historischen Materialien und Techniken auskennen.
Jan Bosch
Für die Zukunft unserer Denkmale sind wir auf geschulte Fachkräfte angewiesen, die sich mit historischen Materialien und Techniken auskennen.
 



RESTAURATOR IM HANDWERK: STIPENDIEN DER DSD


Seit 2016 vergibt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützt vom Zentralverband des Handwerks jährlich bis zu 15 Stipendien für die berufliche Weiterbildung zum Restaurator im Handwerk. Mit Beginn dieses Jahres gilt die neue Prüfungsverordnung mit dem Abschluss zum Geprüften Restaurator – Master Professional für Restaurierung im Handwerk. Die DSD reagierte auf die umfangreicheren Lehrinhalte und die kostenintensivere Fortbildung mit einer verdoppelten Förderung für die Weiterbildung von je 6.000 Euro. Der Bewerbungsschluss ist dieses Jahr der 1. Oktober 2023. Weitere Informationen und Bewerbungsunterlagen unter www.denkmalschutz.de/stipendium

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